Heft 
(1.1.2019) 09
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STUDENTEN

Nr. 9/92 Seite 9

Zweifel, Frust, Lüge und Versöhnung?

..., Menschen, die ich mich nicht zu fragen traue, wie sie damit leben können, die Ideale von Genera­tionen auf dem Gewissen zu ha­ben..., sagte der Student und meinte jene Lehrkräfte, die sich sicherlich nicht angesprochen fühlen.Warum stopft man uns mit sinnlos viel Stoff voll, warum prügelt man uns den letzten Rest Kreativität aus dem Leibe, warum raubt man mir im Praktikum den letzten Spaß an der Wissenschaft, warum darf mir mein Studium keinen Spaß machen? Ich goß nach....und dann verbringst du

als Studierendenvertreter(welch schöner Name!) Stunden damit, irgendwelche Termine bei Uni­versitäts-, Studentenwerks-, Mi­nisteriums- oder Bundesbürokra­ten einzurühren und manchmal sogar zu bekommen, bei denen sich dann rausstellt, daß sie einem alle furchtbar gut gesonnen sind und gern etwas tun oder entschei­den würden, aber aus diesem, jenem oder einem anderen Grunde nicht können oder dürfen. Und dann sitzt der dumme Student da mit roten Ohren und spürt hinter allem den Vorwurf, doof, faul, arrogant und

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habgierig zu sein. Wenn dann nach 3 Stunden wieder nichts erreicht ist, fragt man sich, warum man nicht lieber die Zeit genutzt hat, sich an einer Aufgabe zu erfreuen. Irgendwann steht man dann vor der Entscheidung, ob man Schwa­felprofi wird oder sich an seine

Wissenschaft hält. Wenn aber De­mokratiewahrnehmung mit Dumm­heit bezahlt werden muß, dann ist etwas faul an der Demokratie. Der letzte Schnaps für heute wür­de ihn wenigstens gut schlafen lassen...

W. M.

Studenten von heute fressen Probleme in sich hinein

Der Student von heute leidet unter wachsender Orientierungslosigkeit an der Uni; im Gegensatz zur 68er­Generation sieht er kaum noch eine Chance, etwas an der Gesell­schaft zu verändern. Bei nicht wenigen Studenten entstehen so Mutlosigkeit und Resignation, einige ziehen sich in Phantasie­Welten zurück, vereinsamen und wagen auch angesichts von Woh­nungsnot, Finanznöten und dro­hender Arbeitslosigkeit immer seltener die Abnabelung vom El­ternhaus die Selbstfindung und Entwicklung einer eigenen Identi­tät wird immer schwieriger.

Dabei aufkommende Aggressio­nen finden im Gegensatz zur 68er­

RE

Zeit nicht mehr in lautstarken Protesten und Widerstandsaktio­nen ihr Ventil, sondern werden nach innen gerichtet, in sich hin­eingefressen. Das Resultat: Im­mer mehr Studenten geraten in eine Krise, in der psychische Konflikte nicht selten in schwere Störungen umschlagen. Mit die­sen Ergebnissen psychologischer Forschungen an der Gesamthoch­schule Kassel(GhK) haben sich bis gestern Wissenschaftler auf einer Tagung in der GhK ausein­andergesetzt.

Für die Initiatoren, die Professo­ren Eugen Mahler und Marianne Leuzinger-Bohleber sie haben zwei Jahre lang die psychischen

Konflikte und die Hochschul­struktur von 1968 und heute ver­glichen, gibt es keinen Zweifel: Die gegen alle Autoritäten ankämp­fenden 68er-Studenten sind mit psychischen Problemen besser fertig geworden als Studierende heute.

Damals,als von der Hochschule noch Impulse für die Gesellschaft ausgingen und als ein revolutio­näres Wir-Gefühl die Studenten vereinte, hätten Kommilitonen mit psychischen Problemen immer noch Rückhalt gefunden und sich offen in Gruppen ausgetauscht, so Leuzinger-Bohleben.

Dagegen tendierten Studenten, die heute einAuf-mich-kommt-es­

Aus der Mark Brandenburg in alle Welt.

ELPHIN

SEN

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doch-nicht-an-Gefühl entwickel­ten, zur Abkapselung...

Anmerkung: Dieser nachgedruckte Beitrag aus derBerliner Morgenpost vom 27. 4. 1992 wirft die Frage auf: Treffen die in Kassel gemachten Feststellungen auch auf die Stu­dierenden an der Universität Pots­dam zu? Wenn nicht, sollte dem widersprochen werden. Jedenfalls sind alle Studentinnen und Stu­denten aufgerufen, sich dazu in der PUZ zu artikulieren und Stel­lung zu dieser Einschätzung zu beziehen.

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