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LEHRERBILDUNGSMODELL
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gend. Folglich sind die Lehrer auf die heutigen Erfordernisse des Lehrerberufes nicht gut vorbereitet und davon stark überfordert. Das führt zu einem weitverbreiteten frühzeitigen„Ausbrennen“ vieler Lehrer.
Dieser Sachverhalt veranlaßte die Strukturkommission Lehrerbildung des Gründungssenats der Universität Potsdam unter Vorsitz von Prof. Dr. Wolfgang Edelstein (Berlin) und Prof. Dr. Ulrich Herrmann(Tübingen), für Potsdam ein neues Modell der Lehrerbildung zu konzipieren, das vom ersten Semester an ein inhaltliches und organisatorisches Gleichgewicht von fachlichem und professionsorientiertem Wissenserwerb im Studium ermöglicht und insbesondere die erziehungswissenschaftliche Komponente der Ausbildung verstärkt.
Dazu wurden bereits im Juli 1991 Thesen vorgelegt, denen im Oktober 1991„Erste Überlegungen zu Aufgaben und Struktur der Erziehungswissenschaft an der Universität Potsdam“ folgten. Bei der
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Rektor der Universität Potsdam, Prof. Dr. rer. nat. habil. Rolf> Mitzner
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Die Ausgabe 13/92 der Universitätszeitung erscheint Ende September.
konzeptionellen Arbeit haben neben regulären Kommissionssitzungen zahlreiche Expertengespräche stattgefunden. Das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport wurde regelmäßig konsultiert, das
Ministerium für Wissenschaft,
Forschung und Kultur in gleicher
Weise informiert. Der Gründungs
senat unterstützt das Potsdamer
Modell durch zustimmende Be
schlüsse zu den Strukturüberlegun
gen der künftigen Lehrerausbil
dung seit dem Herbst 1991.
Was beinhaltet nun dieses Reform
modell?
In erster Linie muß das Studium
auf das berufliche Handeln des
Lehrers bezogen sein. Die Ausbil
dung von Lehrern soll je nach
Schulstufe flexibel und in unter
schiedlichem Umfang folgende
vier Komponenten verbinden:
— die fachwissenschaftliche Ausbildung in der Regel in zwei Unterrichtsfächern(für Sek 150 SWS, für Sek II 830 SWS) einschließlich eines Anteils von 10 Prozent der SWS für die Fachdidaktik,
— berufsorientierte Erziehungswissenschaften, die vielfältige psychologische, unterrichts- und sozialwissenschaftliche, historische, juristische u. a. Aspekte umfassen, also das Studium der Grundlagenfächer mit einem Umfang von etwa 30 SWS,
— drei zeitlich auf den Studienablauf abgestimmte Praktika, die zwischen den beiden ersten Komponenten vermitteln, um eine optimale Abstimmung von Theorie und Praxis zu erreichen; ergänzt werden diese unterrichtsbezogenen Praktika durch ein psychologisch-didaktisches Praktikum,
— und schließlich die Forschung als ein kennzeichnendes Merkmal des Modells. Für die Studierenden ist die Mitwirkung an der Forschung eine unerläßliche Form aktiven Eindringens in die theoretischen, methodologischen und empirischen Grundlagen der zu studierenden Wissenschaften. Die Lehrerbildung ist somit forschungsintensiv auszubauen. Um das leisten zu können, muß das Forschungspotential der lehrerbildenden Fächer entwickelt werden. Die
die mit der Lehre eng verbundene Forschung im Bereich von Schule, Ausbildung und Erziehung solche Bedingungen zu schaffen, die sie für Lehrende und Studierende gleichermaßen attraktiv machen. Daraus ergeben sich 160 SWS(plus Praktika) für eine Regelstudienzeit von acht Semestern zuzüglich einem Prüfungssemester. Zur Realisierung dieses Modells ist es erforderlich, die Angebote und Erfordernisse des Studiums in derersten Phase und die praktische Ausbildung in der zweiten Phase der Lehrerbildung möglichst eng aufeinander abzustimmen. Demzufolge soll bereits in der ersten Phase eine Verbindung zwischen theoretischer und praktischer Ausbildung hergestellt und in der zweiten Phase die Theorie in den erziehungswissenschaftlichen Grundlagenfächern durch geeignete personelle Maßnahmen der Universität weitergeführt werden. Institutionelle Querverbindungen dienen dem Ziel, eine integrative Struktur der Lehrerbildung aufzubauen, die Fachdidaktik mit der allgemeinen psychologischen Didaktik zu vernetzen und die Universitätsausbildung mit der Schulpraxis zu verbinden. Folglich muß in Verhandlungen mit dem Bildungsministerium die zweite Phase mit der Ausbildungsordnung der Universität abgestimmt werden, damit eine inhaltliche und organisatorische Kooperation zwischen Hochschule und dem Studienseminar im Referendariat möglich wird. Diese konstruktive Zusammenarbeit zwischen beiden Phasen macht eine personelle Verflechtung zwischen Universität und Studienseminar notwendig. Das Modell soll nicht nur die fachliche Qualifikation und die fachspezifischen Vermittlungsprozesse sichern, sondern auch die Identifikation mit dem Lehrerberuf als wissenschaftlich fundierte und
Universität ist also gefordert, für L_
orientierte Profession stützen, die auf Expertise basiert, nämlich auf Fachwissen, Prozeßwissen und Kontextwissen. Für die unterschiedlichen Berufsziele und Stufenabschlüsse, für Haupt- und Nebenfach sowie für individuelle Spezialisierungsabsichten der Studierenden müssen die Anteile der genannten Komponenten mittels einer studienbegleitenden Beratung im einzelnen bestimmt werden. Die Beteiligung der Studenten an den Forschungsprojekten der Professoren, wie in Potsdam in der Vergangenheit schon vielfach mit Erfolg praktiziert, könnte Potsdam zu einem Zentrum der erziehungs- und unterrichtswissenschaftlichen empirischen Forschung machen und der Universität damit eine hervorgehobene Stellung in der Berlin-Brandenburger Hochschullandschaft verleihen. Diese Position ist nach Auflösung der Akademie der Pädagogischen Wissenschaften in Berlin(Ost) vakant. Das Modell stellt nicht nur dem Lande Brandenburg die MöglichKeit einer adäquaten Lehrerbildung zur Verfügung, sondern das Potsdamer Konzept soll dem Anspruch nach modellbildend für ganz Deutschland sein und soll überregional für Universitäten in anderen Bundesländern anregend wirken. Gelänge es der Universität Potsdam, ein solches Programm zu etablieren, wäre sie die erste Hochschule in der Bundesrepublik, die eine Art„Graduate School of Education‘ verwirklichen und damit der Tendenz nach die Erziehungswissenschaft an einem Ort auf ein Niveau bringen könnte, das auf andere Orte und auf diese Wissenschaft ausstrahlt. In der nächsten Ausgabe veröffentlicht die PUZ zum Potsdamer Modell ein ausführliches Gespräch mit Prof. Edelstein, dem für die Überlassung von Material für diesen Beitrag gedankt wird.
Dr. Rolf Rammelt