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(1.1.2019) 12
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Nr. 12/92 Seite 2

LEHRERBILDUNGSMODELL

Fortsetzung von S. 1

gend. Folglich sind die Lehrer auf die heutigen Erfordernisse des Lehrerberufes nicht gut vorberei­tet und davon stark überfordert. Das führt zu einem weitverbreite­ten frühzeitigenAusbrennen vieler Lehrer.

Dieser Sachverhalt veranlaßte die Strukturkommission Lehrerbil­dung des Gründungssenats der Universität Potsdam unter Vorsitz von Prof. Dr. Wolfgang Edelstein (Berlin) und Prof. Dr. Ulrich Herr­mann(Tübingen), für Potsdam ein neues Modell der Lehrerbildung zu konzipieren, das vom ersten Semester an ein inhaltliches und organisatorisches Gleichgewicht von fachlichem und professions­orientiertem Wissenserwerb im Studium ermöglicht und insbeson­dere die erziehungswissenschaft­liche Komponente der Ausbildung verstärkt.

Dazu wurden bereits im Juli 1991 Thesen vorgelegt, denen im Okto­ber 1991Erste Überlegungen zu Aufgaben und Struktur der Erzie­hungswissenschaft an der Univer­sität Potsdam folgten. Bei der

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Rektor der Universität Potsdam, Prof. Dr. rer. nat. habil. Rolf> Mitzner

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Die Ausgabe 13/92 der Universi­tätszeitung erscheint Ende Septem­ber.

konzeptionellen Arbeit haben neben regulären Kommissionssit­zungen zahlreiche Expertengesprä­che stattgefunden. Das Ministe­rium für Bildung, Jugend und Sport wurde regelmäßig konsultiert, das

Ministerium für Wissenschaft,

Forschung und Kultur in gleicher

Weise informiert. Der Gründungs­

senat unterstützt das Potsdamer

Modell durch zustimmende Be­

schlüsse zu den Strukturüberlegun­

gen der künftigen Lehrerausbil­

dung seit dem Herbst 1991.

Was beinhaltet nun dieses Reform­

modell?

In erster Linie muß das Studium

auf das berufliche Handeln des

Lehrers bezogen sein. Die Ausbil­

dung von Lehrern soll je nach

Schulstufe flexibel und in unter­

schiedlichem Umfang folgende

vier Komponenten verbinden:

die fachwissenschaftliche Aus­bildung in der Regel in zwei Unterrichtsfächern(für Sek 150 SWS, für Sek II 830 SWS) ein­schließlich eines Anteils von 10 Prozent der SWS für die Fachdi­daktik,

berufsorientierte Erziehungswis­senschaften, die vielfältige psy­chologische, unterrichts- und sozialwissenschaftliche, histori­sche, juristische u. a. Aspekte umfassen, also das Studium der Grundlagenfächer mit einem Umfang von etwa 30 SWS,

drei zeitlich auf den Studien­ablauf abgestimmte Praktika, die zwischen den beiden ersten Komponenten vermitteln, um eine optimale Abstimmung von Theorie und Praxis zu erreichen; ergänzt werden diese unterrichts­bezogenen Praktika durch ein psychologisch-didaktisches Praktikum,

und schließlich die Forschung als ein kennzeichnendes Merk­mal des Modells. Für die Studie­renden ist die Mitwirkung an der Forschung eine unerläßliche Form aktiven Eindringens in die theoretischen, methodologi­schen und empirischen Grund­lagen der zu studierenden Wis­senschaften. Die Lehrerbildung ist somit forschungsintensiv auszubauen. Um das leisten zu können, muß das Forschungs­potential der lehrerbildenden Fächer entwickelt werden. Die

die mit der Lehre eng verbunde­ne Forschung im Bereich von Schule, Ausbildung und Erzie­hung solche Bedingungen zu schaffen, die sie für Lehrende und Studierende gleichermaßen attraktiv machen. Daraus ergeben sich 160 SWS(plus Praktika) für eine Regelstudien­zeit von acht Semestern zuzüglich einem Prüfungssemester. Zur Realisierung dieses Modells ist es erforderlich, die Angebote und Erfordernisse des Studiums in derersten Phase und die praktische Ausbildung in der zweiten Phase der Lehrerbildung möglichst eng aufeinander abzustimmen. Dem­zufolge soll bereits in der ersten Phase eine Verbindung zwischen theoretischer und praktischer Ausbildung hergestellt und in der zweiten Phase die Theorie in den erziehungswissenschaftlichen Grundlagenfächern durch geeig­nete personelle Maßnahmen der Universität weitergeführt werden. Institutionelle Querverbindungen dienen dem Ziel, eine integrative Struktur der Lehrerbildung aufzu­bauen, die Fachdidaktik mit der allgemeinen psychologischen Didaktik zu vernetzen und die Universitätsausbildung mit der Schulpraxis zu verbinden. Folg­lich muß in Verhandlungen mit dem Bildungsministerium die zweite Phase mit der Ausbildungs­ordnung der Universität abge­stimmt werden, damit eine inhalt­liche und organisatorische Koope­ration zwischen Hochschule und dem Studienseminar im Referen­dariat möglich wird. Diese kon­struktive Zusammenarbeit zwi­schen beiden Phasen macht eine personelle Verflechtung zwischen Universität und Studienseminar notwendig. Das Modell soll nicht nur die fach­liche Qualifikation und die fach­spezifischen Vermittlungsprozes­se sichern, sondern auch die Iden­tifikation mit dem Lehrerberuf als wissenschaftlich fundierte und

Universität ist also gefordert, für L_

orientierte Profession stützen, die auf Expertise basiert, nämlich auf Fachwissen, Prozeßwissen und Kontextwissen. Für die unter­schiedlichen Berufsziele und Stu­fenabschlüsse, für Haupt- und Nebenfach sowie für individuelle Spezialisierungsabsichten der Stu­dierenden müssen die Anteile der genannten Komponenten mittels einer studienbegleitenden Bera­tung im einzelnen bestimmt wer­den. Die Beteiligung der Studen­ten an den Forschungsprojekten der Professoren, wie in Potsdam in der Vergangenheit schon vielfach mit Erfolg praktiziert, könnte Pots­dam zu einem Zentrum der erzie­hungs- und unterrichtswissen­schaftlichen empirischen For­schung machen und der Universi­tät damit eine hervorgehobene Stel­lung in der Berlin-Brandenburger Hochschullandschaft verleihen. Diese Position ist nach Auflösung der Akademie der Pädagogischen Wissenschaften in Berlin(Ost) vakant. Das Modell stellt nicht nur dem Lande Brandenburg die Möglich­Keit einer adäquaten Lehrerbildung zur Verfügung, sondern das Pots­damer Konzept soll dem Anspruch nach modellbildend für ganz Deutschland sein und soll überre­gional für Universitäten in ande­ren Bundesländern anregend wir­ken. Gelänge es der Universität Pots­dam, ein solches Programm zu etablieren, wäre sie die erste Hoch­schule in der Bundesrepublik, die eine ArtGraduate School of Education verwirklichen und damit der Tendenz nach die Erzie­hungswissenschaft an einem Ort auf ein Niveau bringen könnte, das auf andere Orte und auf diese Wissenschaft ausstrahlt. In der nächsten Ausgabe veröf­fentlicht die PUZ zum Potsdamer Modell ein ausführliches Gespräch mit Prof. Edelstein, dem für die Überlassung von Material für die­sen Beitrag gedankt wird.

Dr. Rolf Rammelt