Heft 
(1.1.2019) 12
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Nr. 12/92 Seite 12

EXKURSION

Grün ist das Land, Rot ist die Kant, Weiß ist der Strand, das sind die Farben von Helgoland!

So viele Farben sie hat, so viele kennengelernt, die wesentlich Gesichter hat sie auch, diese ein- dazu beitrugen, daß unser Auf­zige Felseninsel in der Deutschen enthalt zu einem Erlebnis wurde, Bucht, denn Befremdliches und über das wir auch heute noch Anziehendes liegen dicht neben- erzählen können. Stellvertretend einander. Sie hat eine bewegte möchte ich nur ein paar nennen. Geschichte hinter sich, die Insel, Herrn Taddey von der BAH, der die mit ihren Häusern den schön- uns, stets hilfsbereit, alle Mög­sten Beispielen sozialistischer lichkeiten der Anstalt eröffnete, Plattenbauweise Konkurrenz Dr. Moritz von der Vogelwarte macht. Zankapfel der Seemächte und natürlich Dr. Hagmeier vom Deutschland und England war Ökolabor, der uns sehr freund­dieses einstige Seeräuberrefu- lich und kompetent alles vor­gium(Aufenthalte Klaus Störte- stellte und zusätzlich einen sehr beckers sind nachgewiesen) ein interessanten Kurs über die Bunkersystem, unsinkbarer Lebensformen des Planktons Flugzeugträger und das Objekt durchführte, ebenso wie Kapitän maß- und sinnloser Zerstörungs- Tönnjes von derUthörn. Er gier. erzählte uns auch vom Reiseun­Nachdem die Seeräuberei das Ri- wohlsein, das man auch als See­siko nicht mehr lohnte, beschloß krankheit bezeichnet, wenn es der Mann mit dem typisch Hel- den Reisenden auf einem Schiff goländer Namen Siemens, die befällt. Das war uns gut bekannt, Insel in ein Seebad umzufunk- denn 40% der Exkursionsteil­tionieren. Das lief zwar auch auf nehmer opferten auf der Über­Räuberei hinaus, aber fand sie fahrt nach Helgoland ihr Früh­diesmal zu Lande statt. Dies tut stück Neptun!

sie übrigens heute noch. Die Namen will ich barmherzig Im Zweiten Weltkrieg wurden verschweigen. Verschweigen sämtliche Gebäude bei Luftan- darf man allerdings nicht, daß griffen buchstäblich pulverisiert, wir immerhin Windstärke 10 nur der alte Leuchtturm blieb, messen konnten....

wenn auch beschädigt, überhaupt Den Rest gab den bedauerns­stehen. Nach dem Krieg nutzte werten Opfern das Ausbooten Großbritannien Helgoland als auf der Reede. Aber nach 24 Zielscheibe für die Bomben sei- Stunden war alles wieder gut, ner Flugzeuge und unternahm der Magen wußte wieder wo es schließlich den Versuch, die Insel lang ging, man wollte wieder wei­in die Luft zu sprengen. Es blieb, terleben.

glücklicherweise, beim Versuch. Nach diesem etwas unglückli­Erst 1957 wurde den alten Hel- chen Start stiegen wir nun voll in goländern die Insel wiedergege- die Exkursion ein. Das Kennen­ben. Auslöser war die damals lernen und Erleben mariner recht spektakuläre Besetzung der Lebensräume gehört, meines Insel durch zwei Studenten. Der Erachtens, zur Ausbildung eines Neuaufbau wurde aus staatlichen jeden angehenden Biologieleh­Mitteln finanziert, die Folge war rers, weil sie einen wichtigen und der schon erwähnte befremdli- einzigartigen Bestandteil unse­che Einheitslook. rer Welt bilden. Ich will nicht auf Wir haben auf der Insel sehr viele Einzelheiten eingehen, die sind offenherzige und nette Menschen in den Tagesprotokollen, Arten­

listen und Arbeitsgruppenberich­ten vermerkt, aber Erlebnisse, wie die Fangfahrt mit der Uthörn, das Betrachten und Berühren von Seesternen und Seemäusen, die nicht nur tote Anschauungsstücke sind, hinter­lassen schon einen starken Ein­druck. Das Erleben schwerer Seen, die sich an der Mole bre­chen, die Landungsversuche eines Kormorans bei Sturm, aber auchkleine Dinge, wie das Meeresleuchten(im Ökolabor) oder das winzige Leben in einem einzigen Tropfen Meereswasser sind eindrucksvoll und wichtig für das Bemühen um Verständ­nis des Lebens im und am Meer. Leider war es aufgrund der fort­geschrittenen Jahreszeit nicht möglich, den Vogelfelsen wäh­rend der Brutzeit zu sehen.

Da es schon schwierig war, auf die Insel zu gelangen, warum sollte es dann einfach sein, sie zu verlassen? Ein Sturm ist natür­lichnicht nur sehr eindrucksvoll, er behindert leider auch die Schiffahrt etwas. So liefen eben am Tag unserer geplanten Ab­reise auch keine Schiffe die Reede von Helgoland an, und der Seewetterbericht verhieß auch für die folgenden Tage nichts Gutes. Also blieben wir gezwungenermaßen noch einen Tag länger und nahmen schließ­lich ein Flugzeug. Im nachhinein muß ich sagen, es war das Beste, was uns passieren konnte, denn dieser Tag war, jedenfalls für mich, der schönste.

Wir hatten, da der Flieger erst nachmittags ging, den ganzen Tag für uns. Es war herrlicher Sonnenschein auf der Düne, keine Touristen, aber viele Vö­gel und dieser Sturm, der mit Stärke 10 die Wellen meterhoch auftürmte. Ich glaube, wir alle

haben diese Stunden vor dem Abflug genossen. Abschließend möchte ich sagen, daß ich froh bin, an der Exkur­sion teilgenommen zu haben und hoffe, daß es mit Unterstützung unserer Universität Studenten auch in den folgenden Jahren ermöglicht wird, Helgoland von einer Seite kennenzulernen, die einem Touristen sicher ver­schlossen bleibt, um sich dort in vielen ebenso anstrengenden wie interessanten Praktikumsstunden einen einzigartigen Lebensraum zu erschließen.

Bedanken möchte ich mich, im Namen aller Teilnehmer, beiden freundlichen und hilfsbereiten Mitarbeitern des Ökolabors und der Biologischen Anstalt Helgo­land und natürlich bei Dr. Rog­ge, der dies alles ermöglicht hat.

Thoralf Günther Biologie-Student

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