Heft 
(1.1.2019) 13
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Nr. 13/92 Seite 12

GÄSTE

Amerikanische Professoren in Babelsberg

Obwohl wir beide aus dem Bun­desstaatVirginia kommen und an naheliegenden Universitäten lehren(College of William& Mary in Williamsburg und Uni­versität Richmond), hatten wir erst kurz vor unserem Abflug erfahren, daß wir zusammen im Sommersemester 1992 an der neuen Universität Potsdam leh­ren würden. Wir wurden beide von der Konrad-Adenauer-Stif­tung eingeladen, ein Semester an einer Universität in einem der neuen Bundesländer zu verbrin­gEeN..

Wir haben beide zwei Lehrver­anstaltungen: je eine Vorlesung und ein Seminar. Wir sind über­rascht über die relativ kleine Zahl unserer Studenten, vor allem weil die Universitäten im Westen Deutschlands so überfüllt. sind. Es ist unser Eindruck, daß dies

einen großen Vorteil für die Studenten darstellt, denn sie ha­ben die Möglichkeit, ihre Kommilitonen(innen) besser kennenzulernen und einen viel engeren Kontakt zu den Profes­soren herzustellen.

Gegenüber diesem Vorteil gibt es natürlich auch einige Nachtei­le für die Potsdamer Studenten, z. B. die teilweise noch fehlen­den Bücher, Zeitschriften und Unterlagen in den verschiede­nen Disziplinen und das Fehlen von Computern für empirische sozialwissenschaftliche Arbei­ten.

Das große Angebot anvorläufi­gen Lehrkräften ist auf der ei­nen Seite ein Nachteil, der mit den neuen Berufungen bald überwunden wird; das war aber auf der anderen Seite bis jetzt auch ein Vorteil, insofern, daß

viele Studenten die Möglichkei­ten hatten, eine Reihe von Gast­professoren kennzulernen.

Wir sind nicht überrascht, daß es viele Bewerbungen für die offe­nen Stellen an der Universität Potsdam gibt, denn uns scheint, daß die Universität eine große Zukunft hat. Wir kennen einige Bewerber, die zum Vortrag ein­geladen wurden, und wir wissen, daß sie von hoher Qualität sind. Wie andere, sehen wir die Vor­teile der Lage Potsdams als Landeshauptstadt und als eine Art Vorort von Berlin. Und wir haben selbst festgestellt, daß es engagierte, motivierte und inter­essierte Studenten gibt. Worü­ber wir uns nicht so klar sind, ist unter wieviel Leistungsdruck die Studenten hier stehen. In den USA müssen Studenten auch für Vorlesungen einige Bücher le­

sen und 2-3 Klausuren schrei­ben. Für Seminare müssen sie meistens noch mehr lesen, ein Referat halten und eine größere Hausarbeit schreiben. Deswegen ist das Studium in den USA kürzer, aber auch intensiver (verschulter) als in Deutschland. Obes deshalbbesser ist, ist ein Thema für sich. Wir freuen uns, diesen Sommer in Potsdam verbringen zu kön­nen. Wir sehen von nahem eini­ge Höhen wie Tiefen der großen Wende. Wir können etwas bes­ser die Hoffnungen und Sorgen der Menschen im Osten verste­hen, und wir nehmen großen An­teil an den interessanten und z. T. schwierigen Entwicklungen im vereinigten Deutschland... "Prof. Dr. Clay Clemens und Prof. Dr. Arthur Gunlicks eingegangen: 18. 6. 92

Im Rat deutscher Sternwarten aufgenommen

Das durch die Wissenschaftsmi­nister von Bund und Ländern initiierte Wissenschaftler-Inte­grations-Programm(WIP) hat sich zur Aufgabe gestellt, Teile der an der ehemaligen Akademie der Wissenschaften der DDR konzentrierten Forschungskapa­zitäten an die Universitäten zu­rückzuführen.

Ein extremes Beispiel für die ausschließliche Bearbeitung ei­nes Fachgebietes an außeruni­versitären Einrichtungen stellt die Astronomie dar, wo nur noch die Universität Jena eine Ausbildung in dieser Richtung anbieten konnte. Diese strukturellen Fehl­entwicklungen zu korrigieren war Inhalt der vom Wissen­

schaftsrat gegebenen Empfeh­lung.

Die Realisierung des Wissen­schaftler-Integrations-Pro­gramms hat zur Anbindung von mehreren, vom Integrationsrat begutachteten und bestätigten Projekten auf astrophysikali­schem Gebiet an die Universität Potsdam geführt.

Die Mitarbeiter dieser For­schungsgruppen haben sich zu einer gemeinsamen Projektgrup­peAstronomie bei der Uni­versität Potsdam zusammenge­schlossen. Damit hat sich an der Universität Potsdam ein durch internationale Zusammenarbeit ausgewiesenes Potential an Wis­senschaftlern für Forschung und

Lehre im Fach Astronomie zu­sammengefunden. Eine von mehreren Aufgaben wird die Ausbildung von Astronomieleh­rern sein, da das Bildungsmini­sterium des Landes Brandenburg kürzlich beschlossen hat, Astro­nomie wieder als ordentliches Lehrfach an den Schulen einzu­führen.

Der Rat deutscher Sternwarten hat auf seiner Sitzung in Heidel­berg beschlossen, die Potsdamer ProjektgruppeAstronomie als Mitglied aufzunehmen. Da in derselben Sitzung auch die Thü­ringer Landessternwarte und das Astrophysikalische Institut Pots­dam in den Rat aufgenommen wurden, besteht dieser jetzt aus

31 deutschen wissenschaftlichen astronomischen Einrichtungen. Dr. sc. H.-J. Schmidt

Dr. H. Tiersch

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