Nr. 13/92— Seite 12
GÄSTE
Amerikanische Professoren in Babelsberg
Obwohl wir beide aus dem Bundesstaat„Virginia“ kommen und an naheliegenden Universitäten lehren(College of William& Mary in Williamsburg und Universität Richmond), hatten wir erst kurz vor unserem Abflug erfahren, daß wir zusammen im Sommersemester 1992 an der neuen Universität Potsdam lehren würden. Wir wurden beide von der Konrad-Adenauer-Stiftung eingeladen, ein Semester an einer Universität in einem der neuen Bundesländer zu verbringEeN..
Wir haben beide zwei Lehrveranstaltungen: je eine Vorlesung und ein Seminar. Wir sind überrascht über die relativ kleine Zahl unserer Studenten, vor allem weil die Universitäten im Westen Deutschlands so überfüllt. sind. Es ist unser Eindruck, daß dies
einen großen Vorteil für die Studenten darstellt, denn sie haben die Möglichkeit, ihre Kommilitonen(innen) besser kennenzulernen und einen viel engeren Kontakt zu den Professoren herzustellen.
Gegenüber diesem Vorteil gibt es natürlich auch einige Nachteile für die Potsdamer Studenten, z. B. die teilweise noch fehlenden Bücher, Zeitschriften und Unterlagen in den verschiedenen Disziplinen und das Fehlen von Computern für empirische sozialwissenschaftliche Arbeiten.
Das große Angebot an„vorläufigen“ Lehrkräften ist auf der einen Seite ein Nachteil, der mit den neuen Berufungen bald überwunden wird; das war aber auf der anderen Seite bis jetzt auch ein Vorteil, insofern, daß
viele Studenten die Möglichkeiten hatten, eine Reihe von Gastprofessoren kennzulernen.
Wir sind nicht überrascht, daß es viele Bewerbungen für die offenen Stellen an der Universität Potsdam gibt, denn uns scheint, daß die Universität eine große Zukunft hat. Wir kennen einige Bewerber, die zum Vortrag eingeladen wurden, und wir wissen, daß sie von hoher Qualität sind. Wie andere, sehen wir die Vorteile der Lage Potsdams als Landeshauptstadt und als eine Art Vorort von Berlin. Und wir haben selbst festgestellt, daß es engagierte, motivierte und interessierte Studenten gibt. Worüber wir uns nicht so klar sind, ist unter wieviel Leistungsdruck die Studenten hier stehen. In den USA müssen Studenten auch für Vorlesungen einige Bücher le
sen und 2-3 Klausuren schreiben. Für Seminare müssen sie meistens noch mehr lesen, ein Referat halten und eine größere Hausarbeit schreiben. Deswegen ist das Studium in den USA kürzer, aber auch intensiver (verschulter) als in Deutschland. Obes deshalb„besser“ ist, ist ein Thema für sich. Wir freuen uns, diesen Sommer in Potsdam verbringen zu können. Wir sehen von nahem einige Höhen wie Tiefen der großen Wende. Wir können etwas besser die Hoffnungen und Sorgen der Menschen im Osten verstehen, und wir nehmen großen Anteil an den interessanten und z. T. schwierigen Entwicklungen im vereinigten Deutschland... "Prof. Dr. Clay Clemens und Prof. Dr. Arthur Gunlicks eingegangen: 18. 6. 92
Im Rat deutscher Sternwarten aufgenommen
Das durch die Wissenschaftsminister von Bund und Ländern initiierte Wissenschaftler-Integrations-Programm(WIP) hat sich zur Aufgabe gestellt, Teile der an der ehemaligen Akademie der Wissenschaften der DDR konzentrierten Forschungskapazitäten an die Universitäten zurückzuführen.
Ein extremes Beispiel für die ausschließliche Bearbeitung eines Fachgebietes an außeruniversitären Einrichtungen stellt die Astronomie dar, wo nur noch die Universität Jena eine Ausbildung in dieser Richtung anbieten konnte. Diese strukturellen Fehlentwicklungen zu korrigieren war Inhalt der vom Wissen
schaftsrat gegebenen Empfehlung.
Die Realisierung des Wissenschaftler-Integrations-Programms hat zur Anbindung von mehreren, vom Integrationsrat begutachteten und bestätigten Projekten auf astrophysikalischem Gebiet an die Universität Potsdam geführt.
Die Mitarbeiter dieser Forschungsgruppen haben sich zu einer gemeinsamen Projektgruppe„Astronomie‘‘ bei der Universität Potsdam zusammengeschlossen. Damit hat sich an der Universität Potsdam ein durch internationale Zusammenarbeit ausgewiesenes Potential an Wissenschaftlern für Forschung und
Lehre im Fach Astronomie zusammengefunden. Eine von mehreren Aufgaben wird die Ausbildung von Astronomielehrern sein, da das Bildungsministerium des Landes Brandenburg kürzlich beschlossen hat, Astronomie wieder als ordentliches Lehrfach an den Schulen einzuführen.
Der Rat deutscher Sternwarten hat auf seiner Sitzung in Heidelberg beschlossen, die Potsdamer Projektgruppe„Astronomie‘“‘ als Mitglied aufzunehmen. Da in derselben Sitzung auch die Thüringer Landessternwarte und das Astrophysikalische Institut Potsdam in den Rat aufgenommen wurden, besteht dieser jetzt aus
31 deutschen wissenschaftlichen astronomischen Einrichtungen. Dr. sc. H.-J. Schmidt
Dr. H. Tiersch
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