VERABSCHIEDUNG Nr. 13/92— Seite 13
Kurt Finker— 40 Jahre Forscher und Lehrer an der Potsdamer Lehrerbildungsstätte
Foto: Archiv
Professor Dr. phil. habil. Kurt Finker beging am 27. August 1992 seinen 64. Geburtstag— der äußere Anlaß für ihn, eine etwa 40jährige Tätigkeit als Lehrer respektive Hochschullehrer an der ehemaligen Hochschule und jetzigen Universität in Potsdam zu beenden und in den Ruhestand zu treten.
K. F. begann sein Berufsleben wie viele aus seiner Wissenschaftler-Generation in der DDR nach 1945 als Neulehrer. Im Herbst 1952 wurde die Pädagogische Hochschule in Potsdam zu seiner Arbeitsstätte. Von W. Eckermann betreut, promovierte er 1958 mit einer Untersuchung zur Geschichte des Roten Frontkämpferbundes. Im Anschluß erhielt er eine Dozentur für neuere Geschichte. Nachdem er sich 1964 an der FriedrichSchiller-Universität in Jena mit einer Gesamtdarstellung der rechten militaristischen Wehrverbände der Weimarer Republik habilitiert hatte, wurde er 1965 zum Professor mit Lehrauftrag, 1969 zum ordentlichen
Professor für die deutsche Geschichte der neueren Zeit berufen. Seither‘ betreute er mehr als 30 Dissertationen.
In vielen, auch international beachteten Publikationen stellte sich K. F. als ein streitbarer und gegen zeitgenössische dogmatische Auffassungen agierender marxistischer Historiker vor.
Symptomatisch hierfür war die 1967 in erster Auflage im Union-Verlag erschienene Monographie„Stauffenberg und der 20. Juli 1944**. Diese zunächst vom ehemaligen Institut für Marxismus-Leninismus in Berlin scharf attackierte Arbeit war von einer wohltuenden Parteinahme für Patrioten aus allen Schichten des deutschen Volkes getragen; sie machte dem DDR-Leser zum ersten Mal umfassender sichtbar, daß sich der antifaschistische Widerstand nicht nur auf die Arbeiterbewegung beschränkte...
Insgesamt verfaßte K. F. mehr als 150 wissenschaftliche Aufsätze, lehrbuchartige Handreichungen und Monographien. Die bedeutendsten Publikationen sind neben der StauffenbergBiographie die„Geschichte des Roten Frontkämpferbundes‘‘ und„Graf Moltke und der Kreisauer Kreis‘‘. Als Kopf einer Arbeitsgruppe zur Geschichte der militaristischen Wehrverbände in Deutschland vor 1945 unterstützte er mit seinen Mitarbeitern ein unter Leitung D. Frickes (Jena) erarbeitetes und 1968 erschienenes Handbuch zu den
bürgerlichen Parteien und Organisationen mit einschlägigen Beiträgen...
Seit Beginn der achtziger Jahre leitete K. F. eine mehr als 60 Historiker der DDR umfassende Forschungsgruppe, deren Ziel die Erarbeitung eines mehrbändigen Handbuches zur Geschichte der Organisationen der deutschen Arbeiterbewegung bis 1945 war. Die unerhörte Breite dieses Themas(mehr als 300 Einzelorganisationen), die zunächst nicht vermuteten riesigen Forschungslücken und das immer wieder notwendig werdende Sprengen dogmatischer Vorwertungen
führten dazu, daß dieses Vorhaben bis heute nicht zu Ende geführt werden konnte. Hierzu beigetragen hatten auch bestimmte Folgen der Wende von 1989...
K. F. hat die Absicht, den Ruhestand nicht wörtlich zu nehmen. Er plant weitere Forschungen und Publikationen, und er betreut noch weiterhin einige wissenschaftliche Aspiranten. Wir— insbesondere seine alten Mitstreiter— wünschen ihm noch viele Jahre in ungebrochener Schaffenskraft.
Dr. Bernhard Mahlke
„Leistung und Service— zwei überzeugende a Argumente.”
Die Ernährungsberatung der AOK hilft Ihnen dabei, sich richtig zu ernähren und gesund zu bleiben. Doch falls Sie einmal krank werden sollten, sichert Sie ein umfangreiches Leistungsangebot ab und sorgt für optimale Betreuung
Die Gesundheitskasse.