AUSSTELLUNG
Nr. 15/92— Seite 15
Am Freitag, 6. November 1992, 13.00 Uhr, wird an unserer Universität(Komplex II, Lehrgebäude I, Foyer, Babelsberg, August-Bebel-Straße 89) eine Ausstellung der„Weiße Rose"-Stiftung e. V., München, eröffnet. Sie wurde von Teilnehmern der Münchener Widerstandsgruppe sowie deren Angehörigen und Freunden konzipiert und erarbeitet; die von ihnen gegründete „Weiße Rose"-Stiftung realisierte sie. Die Initiatoren und Autoren dieser Ausstellung erklären: „Es ist die erste authentische Darstellung der Münchner Gruppe und ihrer Verzweigungen in anderen deutschen Städten. Die historischen Informationen beruhen auf Aussagen von Zeitzeugen sowie bekanntem und bisher unbekanntem Bild- und Textmaterial aus privaten und Öffentlichen Beständen. Die Gesamtgeschichte der Weißen Rose kann diese Ausstellung nicht darstellen; das muß einer größeren Arbeit vorbehalten bleiben.” Die Ausstellung, die den Widerstand von Studenten gegen Hitler München 1942/43 dokumentiert, zeigt folgende Sequenzen:
J Einleitung
N Die Jugend im Dritten Reich
II Eine Stadt im Dritten Reich
IV München— Hauptstadt
der Bewegung München— Hauptstadt der Deutschen Kunst
V Universität München VI Orientierungen
VII Willi Graf
VIII Professor Kurt Huber X Hans Leipelt
X Christoph Probst
XI Alexander Schmorell
XII Hans Scholl
XII Sophie Scholl
XIV Fronteinsatz in Rußland
XV Die Flugblätter der Weißen Rose
XVI NS-Justiz
XVII Die Prozesse gegen die Weiße Rose
XVII Epilog
Die Weiße Rose
render Direktor des Fachberei- Tel.:9 71 02 53. Wir bitten um ches Sozialwissenschaften), Frau Vorbestellungen. Zu allen VerProf. Dr. Harth(Geschäftsfüh- anstaltungen sind Sie und Ihre rende Direktorin des Fachberei- Freunde herzlich eingeladen!
Zur Eröffnung der Ausstellung sprechen Worte des Gedenkens Herr Hinrich Enderlein, Minister für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, und Herr Franz J. Müller, Vorsitzender der„Weiße Rose*““Stiftung, München. Studentinnen und Studenten unserer Universität gestalten ein musikalisch-literarisches Programm.
ches Romanistik), Frau Dr. Sändig(IWD), Frau Reich(FB Geschichte, Forschungsstudentin), Herr Prof. Dr. Finker(FB Geschichte, em.), ‚Herr Prof: Dr. Steinbach(FU Berlin), Herr Dr.
Tuchel(Leiter der Gedenkstätte
is ihres strahlenden, Tidenschäftlichen Mutes. Immer wiederer
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Dauer der Ausstellung:
06. 11.— 30. 11.1992 Öffnungszeiten: Täglich von 09.00— 17.00 Uhr; sonnabends von 09.00— 13.00 Uhr, sonntags von 11.00— 15.00 Uhr. Anläßlich dieser Ausstellung wird am Donnerstag, 26. 11. 1992, 16.00 Uhr, an der Universität(Komplex III, Babelsberg, Hörsaal 2) eine Podiumsdiskussion zum Thema„Widerstand im totalitären Staat‘ stattfinden. Leitung: Herr Prof. Dr. Schoeps (Geschäftsführender Direktor des Fachbereiches Geschichte) Es nehmen daran teil: Herr Prof. Dr. Grawert(Gründungsdekan der Juristischen Fakultät), Herr Prof. Dr. Rohe(Geschäftsfüh
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faßt‘ mit Tinte den Satz Snacfüet gt:„Seine letzten Worte waren: 38
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Deutscher Widerstand, Berlin). Am Dienstag, 24. 11. 1992, 19.00 Uhr, zeigen wir im Filmmuseum Potsdam den Film von Michael Verhoeven(BRD, 1982)„Die Weiße Rose“.
Zu sehen ist der künstlerische Versuch eines authentischen Porträts. Erzählt wird die Geschichte der studentischen Widerstandsgruppe um die Geschwister Scholl, die in München gegen das Terrorregime der Nationalsozialisten kämpften, bis sie 1943 von der Gestapo aufgespürt und hingerichtet wurden. Karten zu diesem Filmabend (Eintritt: 3,- DM) sind im Bereich Kultur erhältlich: Komplex 1, Haus: 14, R 301;
Prof. Dr. A. Bergstedt Bereich Kultur
Sie konnten alle anderen deutschen Mädchen und Jungen, die in Hitlers Organisation mitgelaufen sind wie ich, sicherlich nicht vor der Geschichte rehabilitieren, das war unmöglich, denn die Geschichte kennt keine Gnade; aber doch vielleicht vor Gott, sofern noch gültig sein sollte, was einst dem Abraham verheißen ward: daß der Herr Sodom nicht ganz zugrunde richten werde, wenn auch nur sechs Gerechte darin wohnten. Diese sechs waren 1943 die sechs Enthaupteten von Stadelheim— ich nenne ihre Namen in der Reihenfolge, inder sie ihre letzten vierzig Meter aus den Todeszellen in den Scharfrichter-Schuppen zum Fallbeil gehen mußten: Sophie Scholl, Christoph Probst, Hans Scholl, am 22. Februar; Alexander Schmorell, Kurt Huber, am 13. Juli; Willi Graf, am 12. Oktober 1943. In den Gestalten der Weißen Rose war noch einmal der Mensch in einer Idealität verkörpert, über deren Makellosigkeit man seit den Tagen, da der sehr junge Autor von Kabale und Liebe seinen Ferdinand ausrufen ließ:„Ich— eine teutscher Jüngling“, nur noch lächeln zu dürfen geglaubt hat; und sie war, diese Idealität, noch gesteigert um das, was durchaus Schillers Ferdinand noch nicht besaß in seiner Jugend- was aber die Studenten der Weißen Rose, obgleich nicht älter als dieser Major von Walther, schon hatten und was sie als zeitlos gültige Hinterlassenschaft ihrem Volk geschenkt haben: das Beispiel, für ein überpersönliches Ziel sein Leben in der Gewißheit zu wagen, daß es dem Scharfrichter verfallen werde. Nirgendwo ist das ergreifender und auf die Weiße Rose zutreffender gesagt als angesichts der Guillotinen der Französischen Revolution in Hermann und Dorothea: daß ein solcher Tod nicht als Bild des Schreckens zurückbleibt, sondern den Betrachter:„... zurückdrängt ins Leben und lehret ihn handeln!“ Rolf Hochhuth. Aus: Rede zur Verleihung des Geschwister-Scholl-Preises.— In: Spitzen des Eisbergs.— Betrachtungen. Dialoge. Essays. Skizzen.— Berlin: Verlag Volk und Welt, 1982.— S. 305 f. A