Heft 
(1.1.2019) 16
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Nr. 16/92 Seite 4

PERSPEKTIVEN

Kontakte zu osteuropäischen

Hochschulen werden intensiviert Mit Prof. Mende im Gespräch

In der PUZ 7/92 ist Prof. Men­de schon einmal vorgestellt worden. Er ist für fünf Jahre nach Potsdam gekommen und leitet hier den Lehrstuhl für Vergleichende und Historische Pädagogik sowie die Cottbus­ser Außenstelle der Universi­tät Potsdam. Aus der damali­gen kurzen Vorstellung erga­ben sich für die PUZ Fragen, denen sich der Gastprofessor gern stellte.

PUZ: Wie sieht die Perspekti­ve der Cottbusser Außenstelle aus? Was wird mit den dort ar­beitenden KollegInnen?

Prof. Mende: Ich bin der Leiter der dortigen Einrichtung und habe somit die Ausbildung der immatrikulierten zukünftigen Primarstufenlehrer zu verantwor­ten. Bis 1996 soll es die Außen­stelle geben. Schwerpunkt mei­ner Arbeit ist die Überführung einer bisherigen Fachschulaus­bildung in eine Ausbildung mit universitärem Standard. Die Lehre wird gesichert, bis die letz­ten Studenten ihre erste Staats­prüfung ablegen können. Eine hohe Qualität der Ausbildung bis zum Schluß gewährleisten zu können, hat unbedingte Priori­tät.

Das Problem ist nur, daß uns ver­ständlicherweise bereits jetzt gute KollegInnen verlassen, wenn ihnen die Chance eines ander­weitigenNeuanfangs" geboten wird.

In Cottbus gibt es 500 StudentIn­nen in der Lehrerausbildung. Neuimmatrikulationen werden nicht mehr vorgenommen. Es ist ein auslaufendes Modell. Die Mitarbeiter wissen, daß 1996 Schluß ist. Formal-rechtliche Probleme bei der Umwandlung von Dauerarbeitsverträgen in Zeitverträge sind noch zu lösen.

Eine sicher nicht ganz einfache Aufgabe für das hiesige Perso­naldezernat.

PUZ: Das Potsdamer Modell der Lehrerbildung ist bereits häufiger erwähnt worden. Wie würden Sie die Spezifik dieses Modells beschreiben?

Prof. Mende: Ausschlaggebend dabei ist, daß es für die westdeut­sche Tradition neu ist. Die enge Verzahnung von praktischer und theoretischer Ausbildung ist der Kernpunkt. Die Theorievermitt­lung soll berufsbezogen erfol­gen. Es wird stärker nach der be­ruflichen Relevanz für Lehrer ge­fragt. Mit Blick auf die ehemali­ge DDR muß man sagen, daß es eine Rückerinnerung an ihre Aus­bildungsstrukturen, natürlich nicht an Inhalte darstellt.

Hier in Potsdam schwebt uns eine studienorganisatorische Neuig­keit vor. Vielleicht kann man ein studienintegriertes Eingangsse­mester organisieren. Qualitativ wäre das dann wirklich etwas Neues. Die Frage ist nur, wie es in. der Prüfungsordnung veran­kert wird. Sie muß ja die Grund­lage bilden.

An der Universität Potsdam wirkt seit kurzer Zeit Prof. Dr. Bayer. Er ist der Vorsitzende der Kom­mission Lehrerbildung der Deut­schen Gesellschaft für Erzie­hungswissenschaften. Der Grün­dungssenat hat ihn an die Hoch­schule geholt, um als Senatsbe­auftragter für Lehrerbildung den Prozeß der Umsetzung des Pots­damer Modells verantwortlich zu leiten.

PUZ: Sie engagieren sich sehr für die Wiederbelebung von Beziehungen zu Hochschulen in den ehemaligen sozialisti­schen Ländern. Welche kon­

kreten Kontakte gibt es aus der Sicht des Pädagogen, und mit welchen Inhalten werden sie ausgefüllt?

Prof. Mende: Den Anstoß da­für gab mir Prof. Mitzner, der sich in einem Gespräch dahinge­hend äußerte, die einmal aufge­bauten Beziehungen nicht ver­nachlässigen zu wollen. Die in­tensivsten Kontakte gibt es zu Polen, genauer Zielona Göra. Zum Beispiel sichert eine Kollegin von dort den Bereich Grundschulpädagogik in Cottbus ab.

In Gesprächen mit den polni­schen Wissenschaftlern suchen und entwickeln wir gemeinsame Ausbildungselemente in der Leh­rerbildung. Gedacht ist ebenfalls an eine Ausbildung für interkul­turelle Erziehung. Ein vorberei­tendes Seminar dazu fand in der Woche vom 26.30. 10. in Cott­bus mit an dem Projekt beteilig­ten Studenten und Dozenten statt. Des weiteren wird regelmäßig ein Dozentenseminar mit ca. 10 polnischen und 10 deutschen Lehrerbildnern abgehalten. An­fang Dezember sprechen wir miteinander zum Thema:Ver­änderungen in der Schule und daraus entstehende Konsequen­zen. für die Lehrerbildung. Ausgangspunkt der Überlegun­gen ist die Tatsache, daß die Radikalität des Umbruchs in Polen und in den neuen Bundes­ländern in gleicher Weise vor­handen ist.

Lockere Kontakte werden zu Opole und weiteren polnischen Städten unterhalten. Die Verbin­dung zu Minsk und St. Peters­burg soll ebenfalls wieder inten­siviert werden.

Für das Gespräch herzlichen Dank.

Die Fragen stellte P. Görlich.

Das Modell der Gutsherr­schaft. Zur sozialen Funk­tionsweise frühneuzeitli­cher Agrargesellschaften"

Unter diesem Generalthema veranstaltet die Arbeitsgruppe der Max-Planck-Gesellschaft Ostelbische Gutsherrschaft als sozialhistorisches Phänomen", die seit dem 1. Januar 1992 an der Universität Potsdam behei­matet ist und unter der Leitung von Prof. Dr. Jan Peters steht, in der Zeit vom 11.-13. März 1993 in Potsdam eine Tagung mit internationalen Gästen. Die Tagung versteht sich als Fort­setzung eines Kolloquiums in Potsdam(10.6. 92) sowie ei­ner Sektionsversammlung auf dem Historikertag in Hannover (25.9. 92) und soll im interdiszi­plinären Ansatz die soziale Funk­tionsfähigkeit, mentale Präge­kraft und Geschichtsmächtigkeit der im westlichen Ostelbien in der Frühen Neuzeit dominieren­den Formen von gutsherrschaft­lich bestimmten Agrargesell­schaften zum Gegenstand haben. Dabei wird besonderes Augen­merk auf den Meinungsaus­tausch zwischen ost- und west­deutschen, aber auch ausländi­schen Tagungsteilnehmern ge­legt. Einerseits wird damit die räumlich weite Betrachtung der sozialen Gutsherrschaftsent­wicklung gewährleistet, anderer­seits steht in mehreren der ange­kündigten Beiträge das Umfeld Potsdam-Berlin alsbranden­burgisches Kernland" im Zen­trum der Aufmerksamkeit.

Da die Wechselwirkungen im Spannungsfeld zwischen den Städten Berlin/Potsdam und deren gutsherrschaftlich gepräg­tem Umland nicht ohne Einfluß auf die Geschichte der Stadt Potsdam geblieben sind, folg­lich auch die entsprechenden Stadt-Land-Beziehungen im Blickfeld der Teilnehmer stehen werden, soll die Veranstaltung auch als ein Beitrag zur 1000­Jahr-Feier der Stadt Potsdam verstanden werden. Für weitere Informationen steht Ihnen gern Dr. Thomas Rudert zur Verfü­gung(Tel.: 9 71.07.63):