Nr. 17/92— Seite 8
WISSENSCHAFT/KULTUR
3. Medienpädagogische Tage Gewaltdarstellungen und deren Wirkungen diskutiert
Bereits vor drei Jahren hatte das Institut für Medienpädagogik eine Erhebung über die Rolle der Medien bei Jugendlichen initiiert. Überrascht war man dann doch über deren Ergebnisse. Durchschnittlich 3-4 Stunden täglich, so die damaligen Angaben, wurden insbesondere Rundfunk und Fernsehen genutzt. Der Griff zum Buch stellte auch zu diesem Zeitpunkt die Ausnahme dar:
Sicher, die Medien sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Gerade ostdeutsche Jugendliche haben Nachholebedarf, wollen„gleichziehen“. Auffallend dabei ist jedoch die Kritiklosigkeit, mit der sie das Gezeigte aufnehmen. Hier entsteht die Gefahr einer Beherrschung der Nutzer durch Medien; Abhängigkeiten sind häufig die Folge. Nicht von der Hand zu weisen ist die Tatsache einer verstärkten Einflußnahme, Suggestion oder Bagatellisierung von Vorgängen bzw. Erscheinungen durch immer neue, auf dem Markt auftretende Videos. Die
Frage nach der Art des Umgangs mit ihnen, generell mit Medien, und deren Wirkungen auf die Konsumenten stellt sich sehr akut.
Dieser Problematik nahm man sich in der Zeit vom 3.5. November während der 3. Medienpädagogischen Tage an. Als Ver
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Während der abschließenden Podiumsdiskussion.
anstalter fungierte das Institut für Medienpädagogik der Universität Potsdam; Förderung erfuhr die Tagung von der Bundeszentrale für Politische Bildung, Bonn. Alle drei Tage standen unter dem Motto„Mediale Gewaltdarstellungen und ihre
Wirkungen auf Kinder und Jugendliche‘“‘.
Gedacht waren die Veranstaltungen als Fortbildungsangebot für Lehrer des Landes Brandenburg. Denen, die die Teilnahme terminlich ermöglichen konnten, wurde ein Zertifikat ausgehändigt.
Foto: Tribukeit Während am ersten Tag Plenarvorträge zu entsprechenden Themen den Ablauf bestimmten, konzentrierte man sich am folgenden Tag auf die Beratung in den Arbeitsgruppen. Von insgesamt sechs gebildeten Gruppen hatten die AG 1(Gewaltdar
stellungen in Film und Fernsehen), die AG 2(Gewaltdarstellungen in Computerspielen) und die AG 5(Kommunikation mit radikalen Randgruppen) besonderen Zuspruch. Der abschließende Beratungstag war geprägt durch die Podiumsdiskussion „Zu wissenschaftlichen Forschungsansätzen der Wirkung von Gewaltdarstellungen
| in Medien“. Hierbei kamen sehr | verschiedene Sichtweisen der
Teilnehmenden H.-D. Kübler, Hamburg; J. Groebel, Utrecht; B. Kirsch, Potsdam; H. Theunert, München— zum Tragen.
Alles in allem war es ein Angebot für Lehrer zu Information, Diskussion und letztlich auch zur
1 Selbsterfahrung. Die Möglich
keit des Austausches über pädagogische Handlungsansätze, das Üben konkreter Beispiele wurde dankend angenommen. Der Alltag in den Schulen und Freizeitzentren unseres Landes wird zeigen, inwieweit es den Pädagogen gelingt, theoretisches Wissen in der Praxis umzusetzen. P. Görlich
Von Petzow bis zur Pfaueninsel
„Die Potsdamer Kulturlandschaft: Aufgaben und Verpflichtung‘— zu diesem Thema diskutierten kürzlich Minister Hinrich Enderlein, Dr. Detlef Karg, Landeskonservator; Prof. Dr. Helmut Börsch-Supan, Staatliche Schlösser und Gärten Berlin, und Dr. Heinz Schönemann, ” stellvertretender Generaldirektor der Stiftung Schlösser und Gärten Potsdam-Sanssouci in der Reihe„Potsdamer Forum“(veranstaltet durch die Universität Potsdam, die Stiftung Schlösser und Gärten Potsdam-Sanssouci und die Pressestiftung Tagesspiegel). Daß dringend Entscheidungen getroffen werden müssen, die wichtige Akzente für das Ge
samtkunstwerk Insel Potsdam in der Zukunft setzen werden, darin bestand Einigkeit. Unstrittig unter den Teilnehmern ebenfalls, daß die Potsdamer Kulturlandschaft von Petzow bis zur Pfaueninsel und weiter reicht. Es entbrannte jedoch ein weiteres Mal der Streit um den Aufbau des Stadtschlosses, der Garnisonkirche und anderer einst zerstörter oder abgerissener historischer Bauwerke, um Sichtachsen, Neubauten und weitere Abrisse.
Minister Enderlein plädierte dafür, die vorhandene und restaurierte historische Substanz mit Modernität zu verbinden und zweckmäßig zu nutzen. Um Anregungen zu erhalten, lohne
sich ein Blick nach Paris. Realisiert werden könnten diese Absichten nur durch eine„solide dauerhaft angelegte Finanzierung“. Klarheit über die weitere Entwicklung, die Integration von Potsdam und Berlin werde hoffentlich die bis Januar 1993 aus der Taufe gehobene Stiftung Schlösser und Gärten PotsdamBerlin bringen.
Konsequenzen auch für die Denkmalpflege ergeben sich aus der Tatsache, daß Sanssouci 1990 in die Kulturliste der unter Schutz zu stellenden Bauwerke der UNESCO aufgenommen wurde. Dr. Karg und Prof. Börsch-Supan warnten vor restaurativem Denkmalverständnis und verwiesen auf den Zusammenhang von
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Prof. Börsch-Supan stellte die Frage in den Raum, ob die Stiftung Bildungsinstitution, Wirtschaftsfaktor oder gar Objekt von Machtdemonstration sein wolle und ob dieser Konflikt vermittelbar sei.
Da sich Denkmale„nicht rechnen“ könnten, müsse Denkmalpflege im volkswirtschaftlichen, nicht im betriebswirtschaftlichen Sinne betrieben werden, so der Landeskonservator. Dafür sei das Zusammenwirken mit verschiedenen Ministerien, zum Beispiel dem für Raumordnung, unabdingbar.
Dr. Barbara Eckardt