Heft 
(1.1.2019) 17
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Nr. 17/92 Seite 8

WISSENSCHAFT/KULTUR

3. Medienpädagogische Tage Gewaltdarstellungen und deren Wirkungen diskutiert

Bereits vor drei Jahren hatte das Institut für Medienpädagogik eine Erhebung über die Rolle der Medien bei Jugendlichen initi­iert. Überrascht war man dann doch über deren Ergebnisse. Durchschnittlich 3-4 Stunden täglich, so die damaligen Anga­ben, wurden insbesondere Rund­funk und Fernsehen genutzt. Der Griff zum Buch stellte auch zu diesem Zeitpunkt die Ausnahme dar:

Sicher, die Medien sind aus unserem Alltag nicht mehr weg­zudenken. Gerade ostdeutsche Jugendliche haben Nachholebe­darf, wollengleichziehen. Auffallend dabei ist jedoch die Kritiklosigkeit, mit der sie das Gezeigte aufnehmen. Hier ent­steht die Gefahr einer Beherr­schung der Nutzer durch Me­dien; Abhängigkeiten sind häu­fig die Folge. Nicht von der Hand zu weisen ist die Tatsache einer verstärkten Einflußnahme, Sug­gestion oder Bagatellisierung von Vorgängen bzw. Erscheinungen durch immer neue, auf dem Markt auftretende Videos. Die

Frage nach der Art des Umgangs mit ihnen, generell mit Medien, und deren Wirkungen auf die Konsumenten stellt sich sehr akut.

Dieser Problematik nahm man sich in der Zeit vom 3.5. No­vember während der 3. Medien­pädagogischen Tage an. Als Ver­

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Während der abschließenden Podiumsdiskussion.

anstalter fungierte das Institut für Medienpädagogik der Universi­tät Potsdam; Förderung erfuhr die Tagung von der Bundeszen­trale für Politische Bildung, Bonn. Alle drei Tage standen unter dem MottoMediale Gewaltdarstellungen und ihre

Wirkungen auf Kinder und Ju­gendliche.

Gedacht waren die Veranstaltun­gen als Fortbildungsangebot für Lehrer des Landes Brandenburg. Denen, die die Teilnahme ter­minlich ermöglichen konnten, wurde ein Zertifikat ausgehän­digt.

Foto: Tribukeit Während am ersten Tag Plenar­vorträge zu entsprechenden Themen den Ablauf bestimm­ten, konzentrierte man sich am folgenden Tag auf die Beratung in den Arbeitsgruppen. Von ins­gesamt sechs gebildeten Grup­pen hatten die AG 1(Gewaltdar­

stellungen in Film und Fernse­hen), die AG 2(Gewaltdarstel­lungen in Computerspielen) und die AG 5(Kommunikation mit radikalen Randgruppen) beson­deren Zuspruch. Der abschlie­ßende Beratungstag war geprägt durch die Podiumsdiskussion Zu wissenschaftlichen For­schungsansätzen der Wir­kung von Gewaltdarstellungen

| in Medien. Hierbei kamen sehr | verschiedene Sichtweisen der

Teilnehmenden H.-D. Kübler, Hamburg; J. Groebel, Utrecht; B. Kirsch, Potsdam; H. Theu­nert, München zum Tragen.

Alles in allem war es ein Ange­bot für Lehrer zu Information, Diskussion und letztlich auch zur

1 Selbsterfahrung. Die Möglich­

keit des Austausches über päd­agogische Handlungsansätze, das Üben konkreter Beispiele wurde dankend angenommen. Der Alltag in den Schulen und Freizeitzentren unseres Landes wird zeigen, inwieweit es den Pädagogen gelingt, theoretisches Wissen in der Praxis umzuset­zen. P. Görlich

Von Petzow bis zur Pfaueninsel

Die Potsdamer Kulturland­schaft: Aufgaben und Verpflich­tung zu diesem Thema disku­tierten kürzlich Minister Hinrich Enderlein, Dr. Detlef Karg, Landeskonservator; Prof. Dr. Helmut Börsch-Supan, Staatli­che Schlösser und Gärten Berlin, und Dr. Heinz Schönemann, stellvertretender Generaldirektor der Stiftung Schlösser und Gär­ten Potsdam-Sanssouci in der ReihePotsdamer Forum(ver­anstaltet durch die Universität Potsdam, die Stiftung Schlösser und Gärten Potsdam-Sanssouci und die Pressestiftung Tagesspie­gel). Daß dringend Entscheidungen getroffen werden müssen, die wichtige Akzente für das Ge­

samtkunstwerk Insel Potsdam in der Zukunft setzen werden, dar­in bestand Einigkeit. Unstrittig unter den Teilnehmern ebenfalls, daß die Potsdamer Kulturland­schaft von Petzow bis zur Pfaueninsel und weiter reicht. Es entbrannte jedoch ein weiter­es Mal der Streit um den Aufbau des Stadtschlosses, der Garni­sonkirche und anderer einst zer­störter oder abgerissener histori­scher Bauwerke, um Sichtach­sen, Neubauten und weitere Abrisse.

Minister Enderlein plädierte dafür, die vorhandene und re­staurierte historische Substanz mit Modernität zu verbinden und zweckmäßig zu nutzen. Um Anregungen zu erhalten, lohne

sich ein Blick nach Paris. Reali­siert werden könnten diese Ab­sichten nur durch einesolide dauerhaft angelegte Finanzie­rung. Klarheit über die weitere Entwicklung, die Integration von Potsdam und Berlin werde hof­fentlich die bis Januar 1993 aus der Taufe gehobene Stiftung Schlösser und Gärten Potsdam­Berlin bringen.

Konsequenzen auch für die Denkmalpflege ergeben sich aus der Tatsache, daß Sanssouci 1990 in die Kulturliste der unter Schutz zu stellenden Bauwerke der UNESCO aufgenommen wurde. Dr. Karg und Prof. Börsch-Su­pan warnten vor restaurativem Denkmalverständnis und verwie­sen auf den Zusammenhang von

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Prof. Börsch-Supan stellte die Frage in den Raum, ob die Stiftung Bildungsinstitution, Wirtschaftsfaktor oder gar Ob­jekt von Machtdemonstration sein wolle und ob dieser Kon­flikt vermittelbar sei.

Da sich Denkmalenicht rech­nen könnten, müsse Denkmal­pflege im volkswirtschaftlichen, nicht im betriebswirtschaftlichen Sinne betrieben werden, so der Landeskonservator. Dafür sei das Zusammenwirken mit verschie­denen Ministerien, zum Beispiel dem für Raumordnung, unab­dingbar.

Dr. Barbara Eckardt