Nr. 17/92— Seite 12
REZENSION
Rezension
Albrecht, Erhard: Sprachphilosophie. Berlin. Deutscher Verlag der Wissenschaften, 1991, 494 S.
Das Buch— als Handbuch für Forscher, Lehrer und Studenten konzipiert— stellt sich selbst einen hohen Anspruch: Ausgehend von einem— durchaus nicht üblichen — weiten Verständnis von Sprachphilosophie, das außer traditionellen philosophischen Problemen auch methodische und semiotische Fragen der Sprache und ihrer Erforschung einschließt, werden sowohl die wichtigsten Etappen der Geschichte der Sprachphilosophie nachgezeichnet als auch in „synchron-systematischer Sicht die mannigfachen Richtungen, Schulen und Methoden sprachphilosophischer Forschung“ (Vorwort) abgehandelt.
Damit wird thematisch ein „weites Feld‘ eröffnet, daß E. Albrecht— der neben G. Klaus vielleicht bekannteste Sprachphilosoph der ehemaligen DDR — unter Mit- und Zuarbeit von anderen Philosophen und Sprachwissenschaftlern— in drei Kapiteln bearbeitet: Kapitel 1 ist der Geschichte der Sprachphilosophie gewidmet; es beginnt mit der altindischen und griechischrömischen Sprachphilosophie und endet mit einem guten Überblick über die philosophischen Hauptströmungen des 20. Jahrhunderts(Wittgenstein; logischer Positivismus, Weltbildhypothese; Hermeneutik; Theorie des Kommunikativen Handels; Konstruktivismus, um einige Namen und Themen anzudeuten). Das _ 2.Kapitel beschäftigt sich eingehender mit modernen SemiotikKonzepten. Interessant dabei ist, daß solche Ansätze berücksichtigt werden, die den semiotischen Aspekt auch von Zeichenfolgen, d. h. von Sätzen und Texten, beschreiben. Das 3. Kapitel schließlich ist das umfangreichste und thematisch vielfältigste. Was dort in 15 Teilkapiteln geboten wird, liest sich fast wie das
Programm eines Weltkongresses der Sprachwissenschaft; jeder Sprachwissenschaftler, Philosoph oder sprachphilosophisch Interessierte dürfte seine Spezialinteressen hier berücksichtigt sehen. Zur Illustration seien folgende Stichworte herausgegriffen: Sprachursprungshypothesen, Spracherwerb, SpreChakttheorie, Grammatik- und Bedeutungstheorien, Sprachwandel, UniversalienproblemaKK...
Die skizzierte thematische Vielfalt und Breite(im Literaturverzeichnis wird immerhin auf ca. 1900 Titel verwiesen) ist zweifellos der Vorzug dieses Buches. Sie ist in vergleichbaren Werken in dieser Kompaktheit nur selten anzutreffen. Ob allein dadurch das Buch allerdings zu jenem Nachschlagewerk wird, wie es sich Autor und Verlag offensichtlich erhoffen, sei zumindest angezweifelt, und zwar vor allem aus zwei Gründen:
1. Sprachphilosophische Bücher lesen sich— gegenstandsbedingt — wohl auf der ganzen Welt nicht gerade leicht. Dem Leser wird einiges abverlangt, doch zumeist lohnt sich die Mühe, wenn nämlich der so vertraut anmutende Gegenstand„Spache‘“‘ philosophisch problematisiert und so scheinbar Alltägliches an und in der Sprache in erhellende, neue Dimensionen gesetzt wird. Ob und inwieweit das gelingt, hängt in hohem Maße allerdings auch davon ab, wie die jeweilige Sprachphilosophie sprachlichgedanklich präsentiert wird. Und genau in dieser Hinsicht liegt m. E. ein nicht zu übersehender, ärgerlicher Mangel des Buches, zumindest mancher seiner Passagen. Selten habe ich einen Titel dieser Art gelesen, der den Stoff derart sperrig und— mit Blick auf die angesprochenen Zielgruppen Lehrer und Studen
ten— adressatenunfreundlich darbietet!
2. Die weltanschauliche Grundhaltung, mit der E. Albrecht die Sprache philosophisch durchleuchtet, ist eine marxistische. Ein solches Grundverständnis von Sprachphilosophie ist m. E. nach wie vor legitim und notwendig. Keinesfalls nötig— und dem Buch insgesamt nicht förderlich— ist jedoch ein apodiktischer, beinah richterlicher Gestus, der in einigen Textstellen durchschimmert. So wird— um ein Beispiel zu nennen— L. Wittgenstein, einem der bekannt@esten, anregendsten und meistgelesensten Sprachphilosophen des 20. Jahrhunderts, fast generös ein „richtiger Ansatz‘ konzidiert, um dann jedoch sogleich zu wissen, daß ‚er....(es)... nicht‘ ver: mochte, den Erkenntnisprozeß als einen sich vollziehenden gesellschaftlichen- Prozeß zu erkennen, als einen Prozeß, der in untrennbarem Zusammenhang zur gesellschaftlichen Praxis steht“(85). Und wenn dann noch hinzugefügt wird, daß„uns‘“— wer, bitte schön, ist das?— das jedoch nicht davon abhalten soll, die„sehr bedeutsame(n) Teilergebnisse... zu überprüfen und zu verwerten(ebd), dann lese ich hier jenes simple, aber so häufig praktizierte Denk- und Stilmuster, mit dem Generationen von Studenten der Geisteswissenschaften konfrontiert waren und das mit dazu beigetragen hat, den unmündigen Leser zu formen. Mein Eindruck zu diesem Buch ist insgesamt doch recht zwiespältig. Jeder sprachphilosophisch Interessierte sollte es dennoch aufmerksam zur Kenntnis nehmen; sein Informationswert ist in jeder Hinsicht aufschlußreich!
Dr. K.-H. Siehr FB Germanistik
Hilfe für Studenten
und Wissenschaftler
Fortsetzung von PUZ 16/92, S. 8
Datenkommunikation vom eigenen Schreibtisch aus.
Optimale Bedingungen für die Nutzung von Kommunikationsdiensten sind gegeben, wenn Studenten und Wissenschaftler nicht nur in ihrer Wissenschaftseinrichtung, sondern auch von zuhause aus Zugang zu den Diensten haben. Die Kommission für Rechenanlagen der Deutschen Forschungsgemeinschaft stellt in einer Studie!” fest, daß solche Heimarbeitsplätze„von immer größerer Bedeutung“ sind und „daß ihre Integration in den Forschungs- und Studienbetrieb anzustreben ist.“ Die Kommission für Rechenanlagen verweist in diesem Zusammenhang auf „die sehr positiven Ergebnisse des vom Bundesminister für Bildung und Wissenschaft unterstützten zweijährigen Münchner Modellversuchs ‚Integration studenteneigener Rechner in die Ausbildung‘.“ Daß immer mehr Studenten und Wissenschaftler vom häuslichen Arbeitsplatz aus auf Netze(zunächst lokal, dann aber auch weltweit) zurückgreifen möchten, kann die vielerorts sehr hohe Auslastung der hochschuleigenen Rechnerarbeitsplätze reduzieren, wirft aber gleichzeitig neue Fragen auf. Zugangsmöglichkeiten über öffentliche Netze(Telefon, Datex-P) müssen geschaffen werden. Nutzungsrechte und-gebühren sind zu regeln. Software, Schulungsmaterial und Schulungsveranstaltungen müssen angeboten werden. Die intensivere Nutzung der Datenkommunikation wird aber auch die Lern- und Lehrgewohnheiten ändern. Der Unterricht an den Hochschulen muß sich darauf einstellen. Fortsetzung folgt Pressematerial ”„Zur Ausstattung der Hochschulen in der Bundesrepublik Deutschland mit Da
tenverarbeitungskapazität für die Jahre 1992 bis.1995%