Nr. 19/92— Seite 12
Gemeinsam mit der HeinrichHeine-Universität Düsseldorf war die Universität Potsdam erstmalig mit einem Ausstellungsstand auf der BIOTEC'92 im Rahmen der MEDICA prä
sent. Unsere Universität stellte‘
ihre neuen Fachgebiete und die, zum Teil noch im Aufbau befindlichen, Fakultäten vor. Auf einer gesonderten Informationstafel unterbreitete das Institut für Sportmedizin und Gesundheitserziehung einem sehr interessierten und zahlreichen Publikum ein Angebot zur Nutzung ihrer wissenschaftlichen Laboreinrichtungen. Hieraus ließen sich für die Zukunft möglicherweise gemeinsame Projekte mit anderen Hochschulen oder auch mit der Wirtschaft entwickeln. Gemeinsam mit unserer„Partneruniversität“ in Düsseldorf konnte insgesamt eine durchaus positive Bilanz der vier Messetage in-der Nordrhein-westfälischen Hauptstadt gezogen werden. Für die Universität Potsdam kommt es gegenwärtig insbesondere darauf an, solche Möglichkeiten der Präsentation zu nut
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MESSE/BUCH
REZENSION
Ausgangspunkt von Postmans
| Überlegungen ist Platons Ge
zen, um den eigenen Bekanntheitsgrad zu erhöhen und um erste Kontakte zu potentiellen Partnern in Wissenschaft und Wirtschaft zu knüpfen.
Das Messegeschehen wurde traditionell von einem aktuellen Kongreßprogramm begleitet, dessen Organisation von Prof. Dr. Cornelis P. Hollenberg, einem Mikrobiologen von-der Universität Düsseldorf, in Zusammenarbeit mit der Messe Düsseldorf übernommen wurde. Vor zahlreichen Fachvertretern aus Wissenschaft und Wirtschaft wurden u. a. solche Themen behandelt und diskutiert wie „Molekulares Design von Krebstherapeutika‘,„Biologische Sicherheitsforschung“,„Biotechnologie und Neurowissenschaft“‘. Kurzkurse und Workshops informierten die Teilnehmer über Cytokinine, Protein-Folding und in-vivo-Mikrodialyse von Molekülen. Eine Podiumsdiskussion zum Thema„Akzeptanz der Gentechnologie‘ bot eine gute Gelegenheit, die gegenwärtige Diskussion in der Öffentlichkeit durch sachliche Information zu unterstützen. Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und der Medien kamen auf diese Weise mit den Bürgern in ein anregendes Gespräch; ein Experiment, das mit bis zu 200 Personen pro Veranstaltung als gelungen angesehen werden darf. Wichtigste Forderung von Plenum und Podium war die Liberalisierung des Gentechnikgesetzes, die Sicherung der Kontinuität von Forschung und Ausbildung und die verantwortungsbewußte Berichterstattung zu diesem Thema und Forschungsbereich.
Dr. Andreas Bohlen (z. Z. Postdoc an der Uni Düsseldorf)
schichte des Thamus. Er sieht hier den Ansatz für Leute wie uns,„die wir uns gern zu Werkzeugen unserer Werkzeuge machen“.
Jede Technik hat zwei Seiten: eine, die Bürde ist und eine, die Segen verspricht. Oftmals sehen viele von uns heute nur, was neue Technologien leisten können, aber nicht, was durch sie zerstört werden kann—, für Postman sind diese Leute„technophil‘“, und „Technophile‘ können manchmal gefährlich werden. Es geht ihm hier nicht um Technikfeindlichkeit, aber die Einführung neuer Technologien muß mit „offenen Augen‘ beobachtet werden. Schon am Änfang des Buches erkennt man die deutliche Nähe zu Capras„Wendezeit“, dessen Ansatz hier fortgeführt und präzisiert wird.
Die, die mit neuen Techniken und Technologien umgehen, entwickeln sich zu einer Elite und genießen die Achtung der anderen; es entsteht ein einseitiges „Wissensmonopol‘, das die Kontrolle und das Ausgeliefertsein der anderen Seite gewährleistet.
Jedes„Werkzeug“ hat eine ideologische Tendenz und dient der Rechtfertigung von Interessenund Machtstrukturen—, nach Marxscher Terminologie geht es um die„Verkehrsfomen“‘. Zur Rechtfertigung kommt die Konkurrenz zwischen alten und neuen Technologien und die daraus resultierende gleichzeitige Strukturveränderung unserer Interessen hinzu.
In einer interessanten geschichtlichen Darstellung wird ein Abriß der Entwicklung von der Werkzeugkultur, über Bacon, als erstem Vertreter der Technokratie, bis hin zum TECHNOPOL, der „totalitär gewordenen Technokratie‘ gegeben. Es geht dem TECHNOPOL um die„Unterwerfung aller Formen des kultu
| Gesellschaft ohne Entmündigung?
rellen Lebens unter die Vorherrschaft von Technik und Technologie“. Nach Postmans Ansicht entwickelt sich bisher nur die amerikanische Kultur zum Technopol.
Die Beseitigung aller Alternativen für eine„vernünftige‘“ und maßvolle Entwicklung ist Hauptaufgabe im Technopol, dessen Entstehung in die Gründungszeit des Imperiums von Henry Ford zurückgeht und dessen Grundlage im„Taylorismus‘“ mit seinem obersten Prinzip, dem Streben nach Effizienz, zu suchen ist.
Im 4. Kapitel stellt Postman die These auf, daß unsere Welt für die meisten Menschen unbegreiflich ist. Den Menschen werden durch das Technopol und sein Bildungssystem alle Kriterien geraubt, etwas Unglaubliches oder etwas als unglaublich zu erkennen.
Das Technopol zwingt zu einem Streben nach Informationen—, die Information wird in einem „metaphysischen Status‘ erhoben. Andererseits ist das Technopol der täglichen Informationsflut nicht mehr gewachsen(Postman benutzt dafür den Begriff „Kultur-AIDS*‘‘), eine Kenntnisnahme, geschweige denn eine Aneigung der Informationen wird unmöglich. Beispielsweise kann jede Information, sofern sie nur den Anschein der Wissenschaftlichkeit hat— da für den einzelnen nicht überprüfbar-, verkauft werden. Anhand der Geschichte des Buchdrucks wird der Verlust des Zusammenhangs von Information— Vernunft— Nützlichkeit bzw. Orientierung gezeigt(Postman greift hier Gedanken aus seinem Buch: „Wir amüsieren uns zu Tode“ auf).
Informationen werden heute oft einfach zum„kulturellen Abfall‘, da sie nichts mehr zur Bewältigung der Alltagsprobleme bei
Fortsetzung auf S. 13