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(1.1.2019) 19
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Nr. 19/92 Seite 12

Gemeinsam mit der Heinrich­Heine-Universität Düsseldorf war die Universität Potsdam erstmalig mit einem Ausstel­lungsstand auf der BIOTEC'92 im Rahmen der MEDICA prä­

sent. Unsere Universität stellte

ihre neuen Fachgebiete und die, zum Teil noch im Aufbau be­findlichen, Fakultäten vor. Auf einer gesonderten Informations­tafel unterbreitete das Institut für Sportmedizin und Gesundheits­erziehung einem sehr interessier­ten und zahlreichen Publikum ein Angebot zur Nutzung ihrer wissenschaftlichen Laborein­richtungen. Hieraus ließen sich für die Zukunft möglicherweise gemeinsame Projekte mit ande­ren Hochschulen oder auch mit der Wirtschaft entwickeln. Gemeinsam mit unsererPart­neruniversität in Düsseldorf konnte insgesamt eine durch­aus positive Bilanz der vier Mes­setage in-der Nordrhein-westfä­lischen Hauptstadt gezogen wer­den. Für die Universität Potsdam kommt es gegenwärtig insbeson­dere darauf an, solche Möglich­keiten der Präsentation zu nut­

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MESSE/BUCH

REZENSION

Ausgangspunkt von Postmans

| Überlegungen ist Platons Ge­

zen, um den eigenen Bekannt­heitsgrad zu erhöhen und um erste Kontakte zu potentiellen Partnern in Wissenschaft und Wirtschaft zu knüpfen.

Das Messegeschehen wurde tra­ditionell von einem aktuellen Kongreßprogramm begleitet, dessen Organisation von Prof. Dr. Cornelis P. Hollenberg, ei­nem Mikrobiologen von-der Universität Düsseldorf, in Zu­sammenarbeit mit der Messe Düsseldorf übernommen wurde. Vor zahlreichen Fachvertretern aus Wissenschaft und Wirtschaft wurden u. a. solche Themen be­handelt und diskutiert wie Molekulares Design von Krebs­therapeutika,Biologische Si­cherheitsforschung,Biotech­nologie und Neurowissenschaft. Kurzkurse und Workshops in­formierten die Teilnehmer über Cytokinine, Protein-Folding und in-vivo-Mikrodialyse von Mo­lekülen. Eine Podiumsdiskussion zum ThemaAkzeptanz der Gen­technologie bot eine gute Gele­genheit, die gegenwärtige Dis­kussion in der Öffentlichkeit durch sachliche Information zu unterstützen. Vertreter aus Wis­senschaft, Wirtschaft, Politik und der Medien kamen auf diese Weise mit den Bürgern in ein anregendes Gespräch; ein Expe­riment, das mit bis zu 200 Perso­nen pro Veranstaltung als gelun­gen angesehen werden darf. Wichtigste Forderung von Ple­num und Podium war die Libe­ralisierung des Gentechnikgeset­zes, die Sicherung der Kontinui­tät von Forschung und Ausbil­dung und die verantwortungsbe­wußte Berichterstattung zu die­sem Thema und Forschungsbe­reich.

Dr. Andreas Bohlen (z. Z. Postdoc an der Uni Düsseldorf)

schichte des Thamus. Er sieht hier den Ansatz für Leute wie uns,die wir uns gern zu Werk­zeugen unserer Werkzeuge machen.

Jede Technik hat zwei Seiten: eine, die Bürde ist und eine, die Segen verspricht. Oftmals sehen viele von uns heute nur, was neue Technologien leisten können, aber nicht, was durch sie zerstört werden kann, für Postman sind diese Leutetechnophil, und Technophile können manch­mal gefährlich werden. Es geht ihm hier nicht um Technikfeind­lichkeit, aber die Einführung neuer Technologien muß mit offenen Augen beobachtet werden. Schon am Änfang des Buches erkennt man die deutli­che Nähe zu CaprasWende­zeit, dessen Ansatz hier fortge­führt und präzisiert wird.

Die, die mit neuen Techniken und Technologien umgehen, ent­wickeln sich zu einer Elite und genießen die Achtung der ande­ren; es entsteht ein einseitiges Wissensmonopol, das die Kontrolle und das Ausgeliefert­sein der anderen Seite gewähr­leistet.

JedesWerkzeug hat eine ideo­logische Tendenz und dient der Rechtfertigung von Interessen­und Machtstrukturen, nach Marxscher Terminologie geht es um dieVerkehrsfomen. Zur Rechtfertigung kommt die Kon­kurrenz zwischen alten und neu­en Technologien und die daraus resultierende gleichzeitige Struk­turveränderung unserer Interes­sen hinzu.

In einer interessanten geschicht­lichen Darstellung wird ein Abriß der Entwicklung von der Werk­zeugkultur, über Bacon, als er­stem Vertreter der Technokratie, bis hin zum TECHNOPOL, der totalitär gewordenen Techno­kratie gegeben. Es geht dem TECHNOPOL um dieUnter­werfung aller Formen des kultu­

| Gesellschaft ohne Entmündigung?

rellen Lebens unter die Vorherr­schaft von Technik und Techno­logie. Nach Postmans Ansicht entwickelt sich bisher nur die amerikanische Kultur zum Tech­nopol.

Die Beseitigung aller Alternati­ven für einevernünftige und maßvolle Entwicklung ist Haupt­aufgabe im Technopol, dessen Entstehung in die Gründungs­zeit des Imperiums von Henry Ford zurückgeht und dessen Grundlage imTaylorismus mit seinem obersten Prinzip, dem Streben nach Effizienz, zu su­chen ist.

Im 4. Kapitel stellt Postman die These auf, daß unsere Welt für die meisten Menschen unbe­greiflich ist. Den Menschen werden durch das Technopol und sein Bildungssystem alle Krite­rien geraubt, etwas Unglaubli­ches oder etwas als unglaublich zu erkennen.

Das Technopol zwingt zu einem Streben nach Informationen, die Information wird in einem metaphysischen Status erho­ben. Andererseits ist das Tech­nopol der täglichen Informations­flut nicht mehr gewachsen(Post­man benutzt dafür den Begriff Kultur-AIDS*), eine Kenntnis­nahme, geschweige denn eine Aneigung der Informationen wird unmöglich. Beispielsweise kann jede Information, sofern sie nur den Anschein der Wissen­schaftlichkeit hat da für den einzelnen nicht überprüfbar-, verkauft werden. Anhand der Geschichte des Buchdrucks wird der Verlust des Zusammenhangs von Information Vernunft Nützlichkeit bzw. Orientierung gezeigt(Postman greift hier Gedanken aus seinem Buch: Wir amüsieren uns zu Tode auf).

Informationen werden heute oft einfach zumkulturellen Abfall, da sie nichts mehr zur Bewälti­gung der Alltagsprobleme bei­

Fortsetzung auf S. 13