Nr. 20/92— Seite 12
STIPENDIATEN
Ausländer raus? Ausländer her?
Über das 1. DAAD-Stipendiatentreffen und einiges mehr
..Weihnachtszeit- schönste Zeit, Freude im Advent“— heißt es in einem Weihnachtslied. Dies trifft für die meisten ausländischen Studenten und Doktoranden in Deutschland zu. Auf einmal Interesse, Händeschütteln, Zuwendungen...
Ein geselliger Abend, eine Weihnachtsfeier, eine gemütliche Kaffeerunde mit Kuchen und Weinbrand(!), all dies passiert uns in der Weihnachtszeit. Das Dezember- und Januarstipendium zusammen vor Weihnachten ausgezahlt, damit es in dieser Zeit für mehr als nur Miete, Versicherung und Essen reicht. Und auf der anderen Seite gibt es im Fernsehen und der Presse immer wieder die Bilder von brüllenden, blöden Glatzen zu sehen. Ob schwarz, gelb oder weiß und blond— man kriegt kein gutes Gefühl.
Genau in dieser Periode fand vom 4. bis zum 6. Dezember vorigen Jahres: das erste Treffen. der DAAD-Stipendiaten aus Berlin und Brandenburg(damit das erste auf dem Gebiet der Ex-DDR) statt. An diesem Treffen nahmen Studenten und Doktoranden teil, die ihr Studium bzw. ihre Promotion 1993 beenden und anschließend in ihre Heimatländer zurückkehren sollen.
Dieser Beitrag erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, ich möchte vielmehr einige persönliche Eindrücke und Empfindungen wiedergeben.
Die Organisatoren, d. h. Vertreter des DAAD und der Universität Potsdam, haben sich große Mühe gegeben(und wohl nicht wenig ausgegeben). Das Potsdamer Residence-Hotel(ehemals Parteischule) bot einen luxuriösen Rahmen sowohl für den offiziellen Teil als auch für das gemütliche Beisammensein der Stipendiaten und der für sie verantwortlichen Mitarbeiter aus
Potsdam, Berlin-Mitte sowie aus der Bonner Zentrale.
Besondere Erwähnung verdienen die MitarbeiterInnen und StudentInnen der Uni Potsdam, die außerhalb der regulären Unterrichtszeit für die musikalische Umrahmung der Eröffnungszeremonie sorgten. Außer der unbestreitbaren Begabung, was die musikalische Seite anbetrifft,
in Afrika, Asien und Lateinamerika‘“ wurde unter nur wenigen Aspekten betrachtet. Unbeantwortet blieben Fragen nach dem Zusammenhang von Wissenschaftstransfer, Entwicklungspolitik schlechthin sowie das Problem, daß der Technologietransfer in die Entwicklungsländer im wesentlichen aus Waffenexporten besteht. Die Begriffe des
hinterließen auch die übrigen Qualitäten der jungen Damen einen tiefen Eindruck(nicht zuletzt.beim Autor).
Der Unterschied zur Eröffnungsveranstaltung, bei der der Intendant des ORB, Prof. Dr. HansJürgen Rosenbauer, einen interessanten und bewegten Festvortrag zum Thema„Der Aufbau von Rundfunkanstalten in den neuen Bundesländern, dargestellt am Beispiel des ORB“ hielt, war nach meinen Dafürhalten die Podiumsdiskussion nicht unbedingt das Gelbe vom Ei. Das aktuelle und wichtige Thema „Globale Probleme/Theoretische Konzeptionen zur Entwicklung des Wissenschafts- und Technologietransfers in Zusammenarbeit mit Ländern Osteuropas und
Neuen Denkens und der Neuen Ökonomischen Ordnung fanden keine Erwähnung.
In der Diskussion wurde von den Studenten aus den betreffenden Ländern darauf hingewiesen, daß sich mit der Vereinigung und damit dem Verschwinden der DDR durchaus nicht nur positive Effekte für das Verhältnis zwischen Deutschland und diesen Ländern verbinden. Im Bereich der Entwicklungshilfe beispielsweise verliefen ziemlich viele Projekte im Sande.
Die Defizite bei der Diskussion sind meiner Meinung nach auf die mangelnde Einbeziehung der Stipendiaten bei der Konzipierung und Vorbereitung des Treffens zurückzuführen.
Ähnlich wie bei den folgenden
Tagungsordnungspunkten, d. h. der DAAD-Präsentation und der Diskussion über die Erfahrungen der ausländischen Studenten während ihres Deutschlandaufenthaltes, konnten sehr viele detaillierte Fragen in persönlichen Gesprächen am Rande der offiziellen sowie inoffiziellen Programmpunkte erörtert werden. Bei einem Glas Wein, in gelockerter Atmosphäre bei der Abendveranstaltung reichten die Gesprächsthemen der DAADOffiziellen aus Ost und West mit den Studenten aus allen Himmelsrichtungen von globalen Problemen über Okudschawa und Wysocky bis hin zu den undichten Fenstern und unmöglichen Mieten.
Ein großes Problem stellten die Finanzen dar. Trotz des weitgehenden Verständnisses(„ich war ja auch Student“) wurde den Studenten wenig Hoffnung auf eine Verbesserung ihrer materiellen Lage gemacht. Nur was an einer anderen Stelle eingespart wird, kann für zusätzliche Zuwendungen eingesetzt werden. Wohl ähnlich wie bei mir: Umweltkarte oder Friseur? Umwnicht nur zu meckern, möchte ich im Namen der ausländischen Studenten herzlichen Dank an den DAAD für die neue Regelung hinsichtlich der Versicherungsbeiträge aussprechen. (Sollte man an dieser Stelle die Frage nach Wohngeld aufwerfen?)
Abschließend sage ich herzlichen Dank an die Mitarbeiter im Akademischen Auslandsamt der Uni Potsdam für ihre Arbeit im Jahre 1992 und wünsche ihnen zugleich viel Erfolg im Neuen Jahr 1993!
Grzegorz W. Zaloga Student der Politikwiss.