Heft 
(1.1.2019) 20
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Nr. 20/92 Seite 12

STIPENDIATEN

Ausländer raus? Ausländer her?

Über das 1. DAAD-Stipendiatentreffen und einiges mehr

..Weihnachtszeit- schönste Zeit, Freude im Advent heißt es in einem Weihnachtslied. Dies trifft für die meisten ausländischen Studenten und Doktoranden in Deutschland zu. Auf einmal In­teresse, Händeschütteln, Zuwen­dungen...

Ein geselliger Abend, eine Weih­nachtsfeier, eine gemütliche Kaffeerunde mit Kuchen und Weinbrand(!), all dies passiert uns in der Weihnachtszeit. Das Dezember- und Januarstipen­dium zusammen vor Weihnach­ten ausgezahlt, damit es in dieser Zeit für mehr als nur Miete, Versicherung und Essen reicht. Und auf der anderen Seite gibt es im Fernsehen und der Presse immer wieder die Bilder von brüllenden, blöden Glatzen zu sehen. Ob schwarz, gelb oder weiß und blond man kriegt kein gutes Gefühl.

Genau in dieser Periode fand vom 4. bis zum 6. Dezember vorigen Jahres: das erste Treffen. der DAAD-Stipendiaten aus Berlin und Brandenburg(damit das erste auf dem Gebiet der Ex-DDR) statt. An diesem Treffen nahmen Studenten und Doktoranden teil, die ihr Studium bzw. ihre Pro­motion 1993 beenden und an­schließend in ihre Heimatländer zurückkehren sollen.

Dieser Beitrag erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, ich möchte vielmehr einige per­sönliche Eindrücke und Empfin­dungen wiedergeben.

Die Organisatoren, d. h. Vertre­ter des DAAD und der Universi­tät Potsdam, haben sich große Mühe gegeben(und wohl nicht wenig ausgegeben). Das Potsda­mer Residence-Hotel(ehemals Parteischule) bot einen luxuriö­sen Rahmen sowohl für den offi­ziellen Teil als auch für das gemütliche Beisammensein der Stipendiaten und der für sie ver­antwortlichen Mitarbeiter aus

Potsdam, Berlin-Mitte sowie aus der Bonner Zentrale.

Besondere Erwähnung verdienen die MitarbeiterInnen und Stu­dentInnen der Uni Potsdam, die außerhalb der regulären Unter­richtszeit für die musikalische Umrahmung der Eröffnungsze­remonie sorgten. Außer der un­bestreitbaren Begabung, was die musikalische Seite anbetrifft,

in Afrika, Asien und Lateiname­rika wurde unter nur wenigen Aspekten betrachtet. Unbeant­wortet blieben Fragen nach dem Zusammenhang von Wissen­schaftstransfer, Entwicklungspo­litik schlechthin sowie das Pro­blem, daß der Technologietrans­fer in die Entwicklungsländer im wesentlichen aus Waffenexpor­ten besteht. Die Begriffe des

hinterließen auch die übrigen Qualitäten der jungen Damen einen tiefen Eindruck(nicht zu­letzt.beim Autor).

Der Unterschied zur Eröffnungs­veranstaltung, bei der der Inten­dant des ORB, Prof. Dr. Hans­Jürgen Rosenbauer, einen inter­essanten und bewegten Festvor­trag zum ThemaDer Aufbau von Rundfunkanstalten in den neuen Bundesländern, dargestellt am Beispiel des ORB hielt, war nach meinen Dafürhalten die Podiumsdiskussion nicht unbe­dingt das Gelbe vom Ei. Das aktuelle und wichtige Thema Globale Probleme/Theoretische Konzeptionen zur Entwicklung des Wissenschafts- und Techno­logietransfers in Zusammenar­beit mit Ländern Osteuropas und

Neuen Denkens und der Neuen Ökonomischen Ordnung fanden keine Erwähnung.

In der Diskussion wurde von den Studenten aus den betreffenden Ländern darauf hingewiesen, daß sich mit der Vereinigung und damit dem Verschwinden der DDR durchaus nicht nur positi­ve Effekte für das Verhältnis zwischen Deutschland und die­sen Ländern verbinden. Im Be­reich der Entwicklungshilfe bei­spielsweise verliefen ziemlich viele Projekte im Sande.

Die Defizite bei der Diskussion sind meiner Meinung nach auf die mangelnde Einbeziehung der Stipendiaten bei der Konzipie­rung und Vorbereitung des Tref­fens zurückzuführen.

Ähnlich wie bei den folgenden

Tagungsordnungspunkten, d. h. der DAAD-Präsentation und der Diskussion über die Erfahrun­gen der ausländischen Studenten während ihres Deutschlandauf­enthaltes, konnten sehr viele detaillierte Fragen in persönli­chen Gesprächen am Rande der offiziellen sowie inoffiziellen Programmpunkte erörtert wer­den. Bei einem Glas Wein, in gelockerter Atmosphäre bei der Abendveranstaltung reichten die Gesprächsthemen der DAAD­Offiziellen aus Ost und West mit den Studenten aus allen Him­melsrichtungen von globalen Problemen über Okudschawa und Wysocky bis hin zu den undichten Fenstern und unmög­lichen Mieten.

Ein großes Problem stellten die Finanzen dar. Trotz des weitge­henden Verständnisses(ich war ja auch Student) wurde den Studenten wenig Hoffnung auf eine Verbesserung ihrer mate­riellen Lage gemacht. Nur was an einer anderen Stelle einge­spart wird, kann für zusätzliche Zuwendungen eingesetzt wer­den. Wohl ähnlich wie bei mir: Umweltkarte oder Friseur? Umwnicht nur zu meckern, möch­te ich im Namen der ausländi­schen Studenten herzlichen Dank an den DAAD für die neue Rege­lung hinsichtlich der Versiche­rungsbeiträge aussprechen. (Sollte man an dieser Stelle die Frage nach Wohngeld aufwer­fen?)

Abschließend sage ich herzlichen Dank an die Mitarbeiter im Akademischen Auslandsamt der Uni Potsdam für ihre Arbeit im Jahre 1992 und wünsche ihnen zugleich viel Erfolg im Neuen Jahr 1993!

Grzegorz W. Zaloga Student der Politikwiss.