Heft 
(1.1.2019) 03
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Nr. 3/93 Seite 6

LEHRERBILDUNG

Lehrerbildung im Lernfeld Arbeitsiehre im Umbruch?

Die Umgestaltung der allgemei­nen technisch-ökonomischen Bildung im Zuge der Schulre­form in den neuen Bundeslän­dern erfordert einschneidende Veränderungen auch im Bereich der Lehrerbildung. Das allmäh­liche Wiedererlangen der Auto­nomie der Hochschulen gibt diesen neue Spielräume, die es zu nutzen gilt Studienprogram­me werden nicht mehr zentral herausgegeben. Die Verantwor­tung für die Studienordnung trägt die Ausbildungsstätte auf der Basis der in der Lehramtsprü­fungsordnung des Landes gesetz­ten Rahmenbedingungen selbst. Der Vorteil einer solch hohen eigenverantwortlichen konzep­tionellen Arbeit liegt auf der Hand. Nachteile können sich für die Lehramtsabsolventen dann ergeben, wenn in einem Bundes­land erreichte Abschlüsse auf­grund unterschiedlicher Bil­dungskonzepte und Rahmenbe­dingungen in anderen Bundes­ländern nicht anerkannt und somit Nachqualifizierungen ge­fordert werden.

In der Zeit eines zusammenwach­senden Europas und der Ausge­staltung des europäischen Bin­nenmarktes erscheint eine derar­tige Situation zwar paradox die Kulturhoheit der Bundesländer erlaubt sie jedoch. In bezug auf die Vorbereitung von Lehramts­studenten auf die Gestaltung einer technisch-ökonomischen Bildung ergeben sich besondere Probleme dadurch, daß dieser Bildungsbereich in den einzel­nen Bundesländern unterschied­lich definiert wird. Eine weitge­hende Einigung erzielten die Kul­tusminister 1987, als man Ar­beitslehre als Lernfeld bestimm­te, das die Gegenstandsbereiche Technik, Wirtschaft, Haushalt und Beruf umfaßt. Die Konzep­te zur Anlage der Lehrerbildung in diesem Lernfeld sind nach wie vor überaus heterogen. Seitens der Gesellschaft für Arbeit, Tech­

nik und Wirtschaft im Unterricht e. V.(GATWU) wurden im ver­gangenen Jahr erste Vorstöße vorgenommen und mit Unter­stützung des DGB-Bundesvor­standes, Abt. Allgemeine Bil­dung,Empfehlungen zur Aus­bildung von Lehrerinnen und Lehrern im Lernfeld Arbeitsleh­re veröffentlicht. Neben zustim­menden gab es eine Vielzahl kritischer Anmerkungen und Stellungnahmen, vor allem von Fachdidaktikern der Arbeitsleh­TE.

Die Notwendigkeit zum Aufbau eines Studienganges für das Fach Arbeitslehre an der Universität Potsdam nutzend, bereitete der Fachbereich Technische Bildung ein HearingLehrerbildung im Lernfeld Arbeitslehre vor. Un­ter Teilnahme von Vertretern der Bildungspolitik, wie der Mini­sterien für Wissenschaft, For­schung und Kultur sowie für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg, des DGB­Landesvorstandes Berlin/Bran­denburg, des Arbeitgeberverban­des sowie Vertreterinnen und Vertretern von Hochschulen und Universitäten aus Berlin, Bre­men, Flensburg, Freiburg, Ham­burg, Kiel, von Pädagogischen Fortbildungsinstituten aus Bre­men, Hamburg und Brandenburg sowie Lehrerinnen und Lehrern aus Nordrhein-Westfalen und Brandenburg wurden Grundpo­sitionen für ein Konzept der Leh­rerbildung an der Universität Potsdam diskutiert und Schluß­folgerungen für die weitere Arbeit abgeleitet. Den Ausgangs­punkt der Diskussionen bildete eine Reflexion über Grundzüge des Allgemeinbildungskonzepts im Land Brandenburg. In die­sem Zusammenhang wurde die Entscheidung des Landes zur Gestaltung einer technisch-öko­nomischen Bildung in allen Schulstufen und Schularten un­terstützt. Hiermit wird der ur­sprüngliche Ansatz, Arbeits­

lehre als Reformfach allein für die Hauptschule zu nutzen, durchbrochen. Die Offenheit der Rahmenpläne wird mit Blick auf die Veränderungen in der Ar­beits- und Wirtschaftswelt unter besonderer Berücksichtigung des Einflusses moderner Technolo­gien, der Vereinigungsprozesse in Europa, aber auch der Ten­denz steigender Jugendkrimina­lität und Zukunftsangst der Ju­gendlichen begrüßt.

Die Diskussion zur Lehrerbil­dung verdeutlichte nachhaltig, daß trotz mehr als zwanzigjähri­gen Erfahrungen in den alten Bundesländern kein allgemein akzeptiertes Grundmodell für das Lehramtsstudium im Lernfeld Arbeitslehre vorliegt. Begrüßt wurde die Initiative der GAT­WU e. V. und des Fachbereichs Technische Bildung der Univer­sität Potsdam zur Entwicklung entsprechender Grundmodelle, die im Zuge weiterer Konsens­bildungen zur Anerkennung der Lehramtsstudien zwischen ein­zelnen Bundesländern führen könnten. Allerdings erschwert bzw. verhindert die zeitgemäße stufen- und schulformübergrei­fende Anlage des brandenburgi­schen Ansatzes der arbeitsorien­tierten technisch-ökonomischen Bildung die Adaption von Leh­rerbildungskonzepten der alten Bundesländer und sollte diese zu neuen Reformen herausfordern. Der Vorschlag, die Lehrerbil­dung im Lernfeld Arbeitslehre an der Universität Potsdam auf zwei Schwerpunktrichtungen zu konzentrieren, wurde von den TeilnehmerInnen der Konferenz weitgehend unterstützt. Die Bestimmung von Technik als einer Schwerpunktrichtung war unumstritten. Besonders Vertre­ter der alten Bundesländer be­tonten, daß, bedingt durch die Ausbildung von Diplomlehrern für Polytechnik, hier Erfahrun­gen vorliegen, die es unter Be­achtung der veränderten gesell­

schaftlichen Bedingungen zu nutzen gilt.

Das Subsumieren des Gegen­standsbereichs Haushalt unter den Bereich Wirtschaft in der akademischen Ausbildung wur­de von den VertreterInnen einer ausgeprägten haushälterischen Bildung kritisiert. Als Kompro­miß wird die Gestaltung eines Studienganges Arbeitslehre/ Haushalt-Wirtschaft gesehen. Als Anregung für weitere For­schungsarbeiten wurde der Vor­schlag unterbreitet, den Begriff der Arbeit als Strukturelement einer Lehrerbildung weiter aus­zuklären, um in einem weiteren Schritt gegebenenfalls zwei Stu­diengänge mit einer Ausrichtung auf Erwerbsarbeit einerseits und Eigenarbeit andererseits zu for­mieren.

Bezüglich der Sekundarstufe II wurde betont, daß das Einrichten eines eigenständigen Studien­ganges Technik aus der Sicht der Konsolidierung dieses Unter­richtsfaches im Land Branden­burg in der gymnasialen Ober­stufe unabdingbar ist. Das Kon­zept für die Lehramtsausbildung muß nach Auffassung der Teil­nehmerInnen sowohl an der All­gemeinen Technologie als auch verstärkt an den Arbeitswissen­schaften orientiert werden. Erst unter Berücksichtigung dieser Bezugswissenschaften ist eine schulstufenübergreifende Li­nienführung gegeben.

Das Hearing wurde durch die Robert Bosch Stiftung finanziell großzügig unterstützt. Es bleibt die Hoffnung, daß die Anerken­nung eines Studienabschlusses zukünftig über die Grenzen der einzelnen Länder der Bundesre­publik Deutschland komplika­tionsloser ist als zwischen euro­päischen Staaten.

Doz. Dr. habil. Bernd Meier Geschäftsführender Direktor FB Technische Bildung