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LEHRERBILDUNG
Lehrerbildung im Lernfeld Arbeitsiehre im Umbruch?
Die Umgestaltung der allgemeinen technisch-ökonomischen Bildung im Zuge der Schulreform in den neuen Bundesländern erfordert einschneidende Veränderungen auch im Bereich der Lehrerbildung. Das allmähliche Wiedererlangen der Autonomie der Hochschulen gibt diesen neue Spielräume, die es zu nutzen gilt— Studienprogramme werden nicht mehr zentral herausgegeben. Die Verantwortung für die Studienordnung trägt die Ausbildungsstätte auf der Basis der in der Lehramtsprüfungsordnung des Landes gesetzten Rahmenbedingungen selbst. Der Vorteil einer solch hohen eigenverantwortlichen konzeptionellen Arbeit liegt auf der Hand. Nachteile können sich für die Lehramtsabsolventen dann ergeben, wenn in einem Bundesland erreichte Abschlüsse aufgrund unterschiedlicher Bildungskonzepte und Rahmenbedingungen in anderen Bundesländern nicht anerkannt und somit Nachqualifizierungen gefordert werden.
In der Zeit eines zusammenwachsenden Europas und der Ausgestaltung des europäischen Binnenmarktes erscheint eine derartige Situation zwar paradox— die Kulturhoheit der Bundesländer erlaubt sie jedoch. In bezug auf die Vorbereitung von Lehramtsstudenten auf die Gestaltung einer technisch-ökonomischen Bildung ergeben sich besondere Probleme dadurch, daß dieser Bildungsbereich in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich definiert wird. Eine weitgehende Einigung erzielten die Kultusminister 1987, als man Arbeitslehre als Lernfeld bestimmte, das die Gegenstandsbereiche Technik, Wirtschaft, Haushalt und Beruf umfaßt. Die Konzepte zur Anlage der Lehrerbildung in diesem Lernfeld sind nach wie vor überaus heterogen. Seitens der Gesellschaft für Arbeit, Tech
nik und Wirtschaft im Unterricht e. V.(GATWU) wurden im vergangenen Jahr erste Vorstöße vorgenommen und mit Unterstützung des DGB-Bundesvorstandes, Abt. Allgemeine Bildung,„Empfehlungen zur Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern im Lernfeld Arbeitslehre‘ veröffentlicht. Neben zustimmenden gab es eine Vielzahl kritischer Anmerkungen und Stellungnahmen, vor allem von Fachdidaktikern der ArbeitslehTE.
Die Notwendigkeit zum Aufbau eines Studienganges für das Fach Arbeitslehre an der Universität Potsdam nutzend, bereitete der Fachbereich Technische Bildung ein Hearing„Lehrerbildung im Lernfeld Arbeitslehre“ vor. Unter Teilnahme von Vertretern der Bildungspolitik, wie der Ministerien für Wissenschaft, Forschung und Kultur sowie für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg, des DGBLandesvorstandes Berlin/Brandenburg, des Arbeitgeberverbandes sowie Vertreterinnen und Vertretern von Hochschulen und Universitäten aus Berlin, Bremen, Flensburg, Freiburg, Hamburg, Kiel, von Pädagogischen Fortbildungsinstituten aus Bremen, Hamburg und Brandenburg sowie Lehrerinnen und Lehrern aus Nordrhein-Westfalen und Brandenburg wurden Grundpositionen für ein Konzept der Lehrerbildung an der Universität Potsdam diskutiert und Schlußfolgerungen für die weitere Arbeit abgeleitet. Den Ausgangspunkt der Diskussionen bildete eine Reflexion über Grundzüge des Allgemeinbildungskonzepts im Land Brandenburg. In diesem Zusammenhang wurde die Entscheidung des Landes zur Gestaltung einer technisch-ökonomischen Bildung in allen Schulstufen und Schularten unterstützt. Hiermit wird der ursprüngliche Ansatz, Arbeits
lehre als Reformfach allein für die Hauptschule zu nutzen, durchbrochen. Die Offenheit der Rahmenpläne wird mit Blick auf die Veränderungen in der Arbeits- und Wirtschaftswelt unter besonderer Berücksichtigung des Einflusses moderner Technologien, der Vereinigungsprozesse in Europa, aber auch der Tendenz steigender Jugendkriminalität und Zukunftsangst der Jugendlichen begrüßt.
Die Diskussion zur Lehrerbildung verdeutlichte nachhaltig, daß trotz mehr als zwanzigjährigen Erfahrungen in den alten Bundesländern kein allgemein akzeptiertes Grundmodell für das Lehramtsstudium im Lernfeld Arbeitslehre vorliegt. Begrüßt wurde die Initiative der GATWU e. V. und des Fachbereichs Technische Bildung der Universität Potsdam zur Entwicklung entsprechender Grundmodelle, die im Zuge weiterer Konsensbildungen zur Anerkennung der Lehramtsstudien zwischen einzelnen Bundesländern führen könnten. Allerdings erschwert bzw. verhindert die zeitgemäße stufen- und schulformübergreifende Anlage des brandenburgischen Ansatzes der arbeitsorientierten technisch-ökonomischen Bildung die Adaption von Lehrerbildungskonzepten der alten Bundesländer und sollte diese zu neuen Reformen herausfordern. Der Vorschlag, die Lehrerbildung im Lernfeld Arbeitslehre an der Universität Potsdam auf zwei Schwerpunktrichtungen zu konzentrieren, wurde von den TeilnehmerInnen der Konferenz weitgehend unterstützt. Die Bestimmung von Technik als einer Schwerpunktrichtung war unumstritten. Besonders Vertreter der alten Bundesländer betonten, daß, bedingt durch die Ausbildung von Diplomlehrern für Polytechnik, hier Erfahrungen vorliegen, die es unter Beachtung der veränderten gesell
schaftlichen Bedingungen zu nutzen gilt.
Das Subsumieren des Gegenstandsbereichs Haushalt unter den Bereich Wirtschaft in der akademischen Ausbildung wurde von den VertreterInnen einer ausgeprägten haushälterischen Bildung kritisiert. Als Kompromiß wird die Gestaltung eines Studienganges Arbeitslehre/ Haushalt-Wirtschaft gesehen. Als Anregung für weitere Forschungsarbeiten wurde der Vorschlag unterbreitet, den Begriff der Arbeit als Strukturelement einer Lehrerbildung weiter auszuklären, um in einem weiteren Schritt gegebenenfalls zwei Studiengänge mit einer Ausrichtung auf Erwerbsarbeit einerseits und Eigenarbeit andererseits zu formieren.
Bezüglich der Sekundarstufe II wurde betont, daß das Einrichten eines eigenständigen Studienganges Technik aus der Sicht der Konsolidierung dieses Unterrichtsfaches im Land Brandenburg in der gymnasialen Oberstufe unabdingbar ist. Das Konzept für die Lehramtsausbildung muß nach Auffassung der TeilnehmerInnen sowohl an der Allgemeinen Technologie als auch verstärkt an den Arbeitswissenschaften orientiert werden. Erst unter Berücksichtigung dieser Bezugswissenschaften ist eine schulstufenübergreifende Linienführung gegeben.
Das Hearing wurde durch die Robert Bosch Stiftung finanziell großzügig unterstützt. Es bleibt die Hoffnung, daß die Anerkennung eines Studienabschlusses zukünftig über die Grenzen der einzelnen Länder der Bundesrepublik Deutschland komplikationsloser ist als zwischen europäischen Staaten.
Doz. Dr. habil. Bernd Meier Geschäftsführender Direktor FB Technische Bildung