STUDENTEN
Nr. 3/93— Seite 9
Der neue Freund, Hitler, rechts und links und echte Probleme
Beobachtung und Gedanken zu 60 Jahren Machtergreifung
Vorspiel:
10. Februar 1993, ca. 18.00 Uhr, in der Linie 94 Richtung Charlottenhof. Am Luisenplatz steigen zwei Studentinnen zu, eine im Emanzenlook, die andere, in Jeans und Lederjacke gekleidet, mit natürlichem Haarschnitt, hübsch anzusehen.
Die Emanze: ‚,:..... Was. macht dein neuer Freund?‘“
Die Hübsche:„Ist echt in Ordnung, unheimlich lieber Typ.“ Die Emanze: ‚,‚Was für eine Einstellung hat er denn?“
Die Hübsche: ‚,‚Wie meinst Du denn das?“
Die Emanze: ‚,Na ja, mehr links oder mehr rechts?‘“
Die Hübsche: ,,Ach, so....“. Es folgen Sekunden des Zögerns. Was mag wohl die Antwort sein? Spannung steigt... Und etwas unsicher kommt die Antwort“ „1. Eher rechts,‘
Die Emanze sagt:„Das ist gut.“ Und wirft mir einen verächtlichen Seitenblick zu. Erleichtertes Aufatmen der Hübschen. Gedanken:
Das ist also die psychologische Situation, in der sich Teile des deutschen Volkes und, schlimmer noch, der deutschen ‚„„geistigen Elite“ befinden?
Fortsetzung von S. 8
Böse durch die zahlreichen Lichterketten schon negiert. Im Gegensatz dazu erscheinen in der internationalen Herald Tribune(ein internationales Blatt, zusammengesetzt aus der New York Times und der Washington Post) immer äußerst kritische Kommentare von weltweit anerkannten Persönlichkeiten. Begreifen die Deutschen nicht, wie verschmähend über sie geschrieben wird? Offensichtlich nicht, denn auch wenn meine
Kaum ist die alte Mauer gefallen, wachsen neue unsichtbare Mauern empor. Die alte Mauer mußte fallen. Wegen des gemeinsamen deutschen Bewußtseins war sie eine künstliche Trennlinie ohne Inhalt. Ost-West-Ideologie-hülsen konnten darüber nicht hinwegtäuschen. Die neuen Mauern aber, sind sie entstanden auf der Grundlage gesamtdeutschen Bewußtseins? Ich hoffe nein, und fürchte ja. Woher kommt die Anfälligkeit für Links-Rechts-Schablonen? Sind diese nicht genauso hohl wie die Ost-West-Schablonen? Ich dachte ja, und fürchte nein, fürchte einen großen Etikettenschwindel.
Unbewußte Tatsachen: Tatsache ist, daß rechte und linke Partei-Ideologien längst ausgedient haben. Die abgenutzten Schablonen locken keinen intellektuellen Hund hinter dem Ofen hervor. Wir alle sind der Parteipolitik von rechts bis links müde. Also lassen wir die wenigen Ideologen doch machen, was sie wollen...?! Während wir weiterschlafen, merken wir kaum, wie uns diese wenigen Ideologen klammheimlich neue Inhalte unter die alten, scheinbar
Bekannten erkennen, daß das Problem der Ausländerfeindlichkeit nach wie vor ernst zu nehmen ist, weigern sie sich, sich selbst konsequent dafür einzusetzen. Symbolische Lichterketten reichen noch lange nicht.
Wenn Deutschland trotzdem nicht noch viel Lobenswertes an sich hätte, wäre ich nicht hier.
Natasha M. Nazareth
ungefährlichen Schablonen unterschieben:
Wer heute„rechts“ sagt, meint bewußt oder unbewußt: neokonservativ, materieller Wohlstand und Ordnung, Deutschland und Europa, Industriestaaten.
Wer heute„links“ sagt, meint bewußt oder unbewußt: altrevolutionär, sozialer Aufstand und Chaos, außereuropäisches Ausland, Dritte Welt.
Die scheinbar bedeutungslos gewordenen Partei-Etiketten „rechts‘“ und ‚,links‘‘ dienen dazu, uns Deutsche zu manipulieren, uns den klaren Blick für die wahren Ursachen für das Versagen zahlreicher Entscheidungsträger und den ausbleibenden Aufschwung Ost zu verstellen. Sie dienen dazu, uns am konsequenten Weiterdenken zu hindern und von erforderlichen unpopulären Maßnahmen abzulenken.
Der soziale Sprengstoff soll zugunsten des Status quo der Mächtigen gebunden werden, der Volkszorn von Industriemagnaten, Regierungsmarionetten und aufgeblasenem Behördenfilz auf die schwächsten Gruppen der Gesellschaft, die Arbeitslosen und Asylanten, die fremden Kulturen und die neuen Armen umgelenkt werden.
Des Pudels Kern:
Wann und warum ist diese Manipulation erfolgreich?
Vor 60 Jahren hat sich das deutsche Volk schon einmal für dumm verkaufen lassen, in BRD und DDR sind die Deutschen 40 Jahre lang auf Ideologiehülsen hereingefallen. Ist es also die Hauptschwäche der Deutschen, daß sie sich aus intelektueller Trägheit zu leicht manipulieren lassen; daß sie aus Egoismus und kleinkarierter Ängstlichkeit kei
ne Solidarität mit dem Schwächeren, dem Ärmeren und dem Fremden kennen?
Ist die ‚„Radfahrermentalität‘, nach„oben“ beugen und nach „unten“ treten, tatsächlich charakteristisch für die Deutschen? Wo ist die christlich deutsche Tradition im unerschrockenen Kampf gegen die Ideologien der alten und neuen Pharisäer geblieben, wo die Solidarität mit dem unterdrückten und mißhandelten Mitmenschen? Ist der Deutsche nur noch sich selbst der Nächste? Bequemlichkeit und Gleichgültigkeit machen sich bei den materiell besser gestellten breit, Mißgunst und Weinerlichkeit bei den vom Schicksal weniger begünstigten!
Aufruf:
Raffen wir uns auf zu einer neuen, wiedergewonnenen Moral, zu neuen alten christlichen und deutschen Werten, der anpackenden Konstruktivität und der großherzigen Solidarität mit dem ärmeren und hilfebedürftigen Mitmenschen sowie der Furchtlosigkeit gegenüber unserem eigenen Schicksal!
Beweisen wir deutsche Geradlinigkeit im Kampf gegen diejenigen, die uns betrügen, um ihre Macht zu erhalten!
Lassen wir nicht zu, daß Machthaber und Machtergreifer uns mit falschen Etiketten manipulieren! Grundsätzlich gilt:
Wer schweigt, ist einverstanden! Äußern wir konstruktive Kritik lieber heute als morgen. Morgen ist es vielleicht schon zu spät!
Martin Rainer
FB Mathematik/ Kosmologie
StuRa
(Kultur& Ausland)