Nr. 5/93— Seite 6
WISSENSCHAFT
... alle Vögel sind schon da
Noch vor Ankunft der ersten Frühlingsboten versammelten sich am 27. und 28. Februar 1993 ehrenamtliche‘Mitarbeiter der drei deutschen Vogelwarten an der Universität Potsdam(PUZ berichtete bereits in der vorigen Ausgabe). Dem Ruf des Instituts für Zoologie, daß zu dieser Tagung einlud, waren mehr als 220 Teilnehmer aus der gesamten Bundesrepublik gefolgt. Da reichten selbst die Plätze des großen Physik-Hörsaals nicht aus, und einige Gäste mußten mit Treppenplätzen vorlieb nehmen. Dieser Umstand beweist einerseits das hohe Informationsbedürfnis der Freizeitforscher,
AOK-Studentenberater Thoralf Fiedler ist seit Mitte März an der Universität Potsdam im Einsatz. Über seine Aufgaben und Ziele unterhielt er sich mit der Leiterin des Sozialen Dienstes des Potsdamer Studentenwerks, Liselotte Müller.
Liselotte Müller: Herr Fiedler, Sie sind als Studentenberater der AOK für das Land Brandenburg speziell für die Universität Potsdam eingesetzt. Ü Was können Sie für die Studenten tun?
Thoralf Fiedler: Alle Studenten
aber auch das Wissen um die schwierigen Aufgaben bei der Festlegung neuer wissenschaftlicher Fragestellungen und der Koordination der weiteren Arbeitsschritte.
Die große Wertschätzung dieser Tätigkeit fand in der Begrüßung der Teilnehmer durch den Brandenburgischen Minister für Umwelt, Naturschutz und Raumordnung, Herrn Matthias Platzeck, ihren Ausdruck. Der Minister verwies auf die Erfolge der Naturschutzarbeit in Brandenburg, zeigte aber gleichzeitig die mit den wirtschaftlichen Veränderungen verstärkt sichtbar werdenden Probleme bei der Erhal
und Beschäftigten der Universität Potsdam können sich bei Fragen zur Krankenversicherung oder zu den neuen Bestimmungen durch das Gesundheitsstrukturgesetz(GSG) an mich wenden. Besonders interessant ist für die Studenten, unter welchen Voraussetzungen sie sich von den Zuzahlungen zu Arzneimitteln und medizinischen Leistungen befreien
lassen können.
Als besonderen Service der AOK stelle ich vor Ort Versicherungsnachweise aus, ohne die sich Studenten nicht immatrikulieren oder rückmelden können. Für AOK-Versicherte halte ich Krankenscheine bereit.
L. M.: Die AOK versteht sich als Gesundheitskasse. Was bedeutet das
für die Studenten?
T. F.: Viele Studenten der Universität Potsdam kennen bereits die gesunden Aktivitäten der AOK. Im vergangenen Jahr konnten sie sich unter dem Motto„Fit durch Vitamine— die Kiwi macht's“ über gesunde Ernährung informieren. Bei der großen„Zahnbürstenumtausch-Aktion“ wechselten mehrere hundert Studenten ihre alten Zahnbürsten bei den AOK-Mitarbeitern gegen nagelneue Gegenstücke ein.
Zu Beginn.des Sommersemesters'93 bietet die AOK an der Universität Potsdam verschiedene Sportkurse an. Sie werden im Sportprogramm angekündigt. Andere gesunde Attraktionen sind in Planung.
L. M.: Wann und wo können sich Studenten an Sie wenden, Herr
Fiedler?
T. F.: Jeden Dienstag stehe ich Studenten und Beschäftigten zwischen 10.00 und 13.00 Uhr im Beratungsraum nahe des Immatrikulationsbüros, Am Neuen Palais, Gebäude H, zur Verfügung. Außerdem haben wir in allen Universitätskomplexen AOK-Briefkästen aufgehängt. So können sich die Universitätsangehörigen außerhalb der Geschäftszeiten schriftlich an mich wenden, zum Beispiel um Versicherungsbescheinigungen zu bestellen.
tung von Lebensräumen für Pflanze, Tier und Mensch auf. Er rief die Vogelkundler auf, gemeinsam allen Bürgern ein indie Zukunft gerichtetes Umweltbe
wußtsein zu entwickeln und bei|
der Überwindung wirtschaftlicher Engpässe nicht nur von der Hand in den Mund zu leben. Der Kanzler unserer Universität, Herr Ministerialrat J. Prüß, überbrachte Grüße der Universitätsleitung und wies auf die vielfältigen Beiträge der Potsdamer Biologen in Lehre und Forschung bei der Lösung ökologischer Probleme hin.
Die einleitenden Vorträge gaben eine Übersicht über aktuelle und künftige Forschungsprogramme. Dabei wurde deutlich, daß der Vogelschutz heute nicht mehr losgelöst von globalen Veränderungen als Hobby einer mehr oder weniger großen Zahl von engagierten Liebhabern betrachtet werden kann. So stellte Prof. Dr. Peter Berthold von der Vogelwarte Radolfzell alarmierende Ergebnisse eines seit vielen Jahren in Mitteleuropa laufenden Fangprogramms vor. Diese weisen aus, daß viele Arten in ihrem Bestand hochgradig gefährdet sind. Dazu tragen nicht nur großräumige Landschaftsveränderungen in ihren Brutgebieten, sondern insbesondere klimatische Veränderungen in den Rastund Winterquartieren bei. Es ist dringend notwendig, die Untersuchungen auf südeuropäische und afrikanische Gebiete auszuweiten. Über entsprechende Forschungsprogramme sprach Prof. Dr. Franz Bairlein von der Vogelwarte Helgoland.
Wenig Erfreuliches konnte von der ostdeutschen Vogelwarte Hiddensee berichtet werden. So vermeldete der ehemalige Leiter der Beringungszentrale in Greifswald, Dr. U. Köppen, daß mit Ende des Jahres 1992 alle Mitarbeiter entlassen wurden und somit die weitere Arbeit trotz Bereitstellung der nötigen Finanzen durch alle neuen Bundesländer ernsthaft gefährdet sei. Die
Brandenburgs Umweltminister Matthias Platzeck bei seiner Eröffnungsrede
Foto: Rüffert
Teilnehmer der Tagung verabschiedeten einstimmig eine an die verantwortlichen Politiker in Mecklenburg-Vorpommern gerichtete Resolution mit der Forderung nach Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit der Vogelwarte Hiddensee. Eine Reihe weiterer Beiträge über Untersuchungen an ausgewählten Vogelarten komplettierten den Informationsaustausch und zeigten das hohe Niveau ornithologischer Freizeitforschung in Deutschland. Diskussion und Pausengespräche führten dazu, daß Freizeitforscher und Berufsornithologen noch näher zusammenrückten. Viele Gäste unserer Universtät meinten, daß auch das schöne Umfeld im 1000jährigen Potsdam wesentlich zum Erfolg der Tagung beitrug.
Für die Potsdamer Zoologen war dies nach der Mitveranstaltung der 125. Jahresversammlung der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft im Herbst letzten Jahres ein weiterer Höhepunkt und Ansporn für ihre zukünftige wissenschaftliche Tätigkeit. So wie unsere Forschungsobjekte keine Grenzen zwischen Staaten oder politischen Systemen kennen, müssen auch wir unsere Verantwortung für die Zukunft unseres blauen Planeten beweisen.
Prof. Dr. Dieter Wallschläger