SPORT
Nr. 6/93— Seite 15
Vasalauf 93 in Schweden
Das Abenteuer für sechs Sportler der Universität Potsdam
Am7. März 1993 fand in Schweden der legendäre und längste Skimassenlauf der Welt— der „Vasaloppet“— statt. Traditionell verbindet die 90 km Skilanglaufloipe den Startort Sälen nahe der norwegischen Grenze mit dem Zielort Mora, einer mittelschwedischen Kleinstadt nahe Falun...
Für ‚viele Skiläufer.ist es’ ein Lebenstraum, an diesem berühmten Skimassenlauf teilzunehmen und die sportliche Herausforderung der 90 km langen Loipe anzunehmen.
Diese Herausforderung führte auch die Sportstudenten Matthias Thiele, Ronny Wonneberger, Stefan Pasderski, JanPeter Winkler und Göran Raffel sowie den Hochschulpädagogen Dr. Jörg Hoffmann zum„Team UNI-Potsdam‘ zusammen, in dessen Namen ich hier berichte... Nach der endlosen und quälenden Vorbereitung mit Joggen, Krafttraining, Schwimmen und begrenzt möglichem Skitraining stürtzte sich dann unser„Team Potsdam‘ am 5. März voller Spannung und großer Erwartung in das Abenteuer Vasalauf 93.
Wir fuhren mit unserem gemieteten Caravan, den uns das Ingenieurbüro für Grundbau und Bodenmechanik Dr. Ing. R. Ebinger, Dr. Ing. J. Karstedt GmbH gesponsert hatte, zum ersten Etappenziel Saßnitz, wo wir mit der Fähre nach Trelleborg übersetzten. Dann waren noch ca. 1000 km durch das
landschaftlich reizvolle Schweden zu bewältigen, ehe wir im Zielort Mora ankamen...
Die Schnee- und Wetterbedingungen waren herrlich, und so war auch die Stimmung im Team bestens. Wir legten einige Testkilometer zurück, wobei sich so langsam das Startfieber einschlich. Alles war zum Start bereit, und wir verbrachten ei
nen gemütlichen Abend in unse-|
rem Caravan, wo wir uns das Ziel stellten, die 90 km in einer Zeit unter 10 Stunden zurückzulegen, da wir uns gut vorbereitet fühlten und die Bedingungen günstig waren. Am nächsten Morgen herrschte auf dem Startfeld reges Treiben, und auch wir machten uns optimistisch zum Start auf, der um 8.00 Uhr bei starkem Medienrummel erfolge.
Vor dem Massenstart der ca. 10 000 Teilnehmer gab es eine gemeinsame Gymnastik mit Musik, die großen Anklang fand. Wir wünschten uns gegenseitig viel Glück, und los ging es dann mit lautstarkem tausendfachem Startjubel hinein in das Abenteuer Vasalauf!
Die ersten Kilometer wurden in gemächlichem Tempo absolviert, da sich das Starterfeld erst auf der enger werdenden Loipe einordnen mußte. Alsbald kämpfte sich jeder von uns allein durch die Menschenmassen auf der 90 km langen Distanz über Berg und Tal, da jeder seinen eigenen Rhythmus finden mußte, um stetig die 7 Verpflegungsstationen zu passieren und
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W. SCHAUSS POTSDAM Inh. Wolfgang Dehmel Staatl. Gepr. Augenoptiker Brandenburger Str. 10 3 21793
Sportler der Universität in Schweden dabei
schließlich gesund das Ziel in Mora zu erreichen.
Für alle aus unserem Team wurde das Rennen zunehmend zur Tortur, da die Kraftreserven mehr und mehr erschöpft wurden und nicht mehr vollständig an den Verpflegungsstationen aufgefüllt werden Konnten. Kraftraubende Anstiege wechselten mit erleichternden Abfahrten ab, man schob sich an anderen Läufern vorbei und wurde auch ständig von schnelleren Läufern überholt. Es entwickelte sich ein Wechselbad der Gefühle zwischen Erschöpfung und teilweiser Erholung, Freude am Dahingleiten auf geraden Abschnitten und Haß auf schlecht gewachste Skier und damit auf sich selbst beim Bremsen auf Abfahrten sowie zeitweise aufkommender Resignation und neu erwachsenden Angriffsmut nach gut bewältigten Streckenabschnitten.
Nach ca. 3/4 der Strecke überwog dann schon die Freude und Gewißheit, das Ziel in Mora wohlbehalten und in einer akzeptablen Zeit erreichen zu können. Dieses Gefühl half uns über die Quälerei der letzten 20 km hinweg und ließ uns neue verborgene Kräfte für den Endkampf mobilisieren.
Dann auf den letzten Kilometern und auf der Zielgeraden im Ziel
Foto: privat
ort Mora waren kurzzeitig alle Strapazen und Schmerzen vergessen, als jeder Teilnehmer von der begeisterten und jeden anfeuernden Zuschauermenge fast über die letzten Meter getragen wurde.
Da löste sich in jedem von uns beim Überqueren des Zielstriches die große Anspannung, und ein großes Glücksgefühl des Sieges über sich selbst und die gemeisterte Herausforderung machte sich im ganzen Körper breit. Wir kamen alle mit einer Endzeit zwischen neun und zehn Stunden ins Ziel, hatten also unsere Erwartungen erfüllt und konnten stolz unsere„Vasaloppet-Diplome*“‘ in Empfang nehmen...
Ich finde, es hat sich wieder einmal bestätigt, daß gemeinschaftlich erlebter Sport am schönsten ist, und wir haben auf unserer Abenteuerreise nach Schweden so viele schöne Erfahrungen gesammelt, von denen wir noch viele Jahre zehren können. Vielleicht kann dies eine Ermunterung für viele andere Volkssportler sein, eigene oder ähnliche sportliche Aktivitäten in Gemeinschaften zu entwickeln, die ihnen Freude und Erholung durch den Sport bringen können.
Göran Raffel FB Sportwissenschaft