Heft 
(1.1.2019) 07
Einzelbild herunterladen

PRAKTIKUM

Nr. 7/93 Seite 7

ZUM PSYCHODIAGNOSTISCHEN PRAKTIKUM 1993

Die pädagogische Psychodiag­nostik ist Ausbildungsbestand­teil in den Lehramtsstudiengän­gen. Die Lehrveranstaltungen in dieser Ausbildungsdisziplin fin­den vor allem in seminaristi­scher und übungsorientierter Form statt. Zentrale Inhalte die­ser Lehrveranstaltungen sind die Methoden der pädagogischen Psychodiagnostik, deren An­wendung durch den Lehrer Möglichkeiten impliziert, das Leistungs- und Sozialverhalten des Schülers qualitativ und quantitativ zu bestimmen sowie personale und extrapersonale Voraussetzungen für die Spezi­fik des Schülerverhaltens abzu­klären. Sachkenntnisse über den Diagnostizierungsprozeß sind notwendig, da nur so eine indivi­duelle Förderung des Schülers bei der Bewältigung seiner schu­lischen Anforderungen gegeben ist. Damit wird die Bedeutung betont, die diese Ausbildungs­disziplin besitzt, weil sie profes­sionsorientiert einen Beitrag für die Qualifizierung pädagogisch­psychologischer Kompetenzen leistet.

Mit dieser Absicht findet nach den Lehrveranstaltungen an der

Universität ein durch die Mitar­beiter des Fachbereiches Psy­chologie betreutes Psychodiag­nostisches Praktikum an Potsda­mer Schulen statt.

In diesem Praktikum haben die Studenten ihre theoretischen Kenntnisse vor allem aus der pädagogischen Psychodiagno­stik anzuwenden. Für jeden Studenten steht die Aufgabe, das Leistungs- und Sozialverhalten eines konkreten Schülers zu bestimmen. Um den Status quo aus diagnostischer Sicht bestim­men zu können, sind Bedin­gungsanalysen erforderlich. Durch diese Analysen wird er­reicht, daß der dialektische Zu­sammenhang zwischen Lei­stungs- und Sozialverhalten in der Schule, personalen sowie extrapersonalen Bedingungen (z. B. familiäre Einwirkungen auf den Schüler) bei der diagno­stischen Betrachtung des indivi­duellen Schülerverhaltens be­rücksichtigt wird.

Bei den Studenten existieren gegenüber dieser Praktikums­aufgabe Pro- und Contrapositio­nen. Vor allem in den ersten Seminaren sind die Anteile der Contrapositionen relativ hoch.

Das ist verständlich, weil Vor­stellungen von der diagnosti­schen Machbarkeit dieser Auf­gabe fehlen.

Mit den einzelnen Lehrveran­staltungen werden im allgemei­nen diese Positionen labilisiert. Während des Praktikums konnte durch die betreuenden Kollegen des Fachbereiches Psychologie festgestellt werden, daß die Stu­denten engagiert ihre Aufgaben erfüllten. Sie entwickelten Sen­sibilität für psychodiagnostische Fragestellungen, für Schüler­probleme. Ihr Umgang mit den Schülern, bezogen auf die ge­stellten Aufgaben, war förder­lich. Der Informationsaustausch zwischen den Lehrern und den Lehrerstudenten war effektiv. Die Studenten brachten in die Gespräche ihre theoretischen Kenntnisse zurSache ein und erhielten dafür ein positives feedback. Besonders engagierte Studenten sammelten diagnosti­sche Informationen über die eigentliche Praktikumszeit hin­aus, um die Zuverlässigkeit ihrer Aussagen zum Schülerverhalten zu erhöhen. Verantwortung, Sachkenntnisse, Engagement der Studenten konnten beobach­

tet werden. Allerdings fielen auch Studenten auf, die mit wenig Engagement diese Aufga­be erfüllten. Sie vergaben sich

wertvolle Chancen, Schüler kennen- und besser verstehen­zulernen. Das ist eigentlich schade! Bei allen Problemen, die mit der relativ aufwendigen Vorberei­tung und Realisierung des Psy­chodiagnostischen Praktikums verbunden waren, wurde diese professionsorientierte Bewäh­rungssituation von den meisten Studenten positiv reflektiert. Das begründet den Erfolg. Wir danken den Schulen für ihre Unterstützung sowie den Schü­lern und ihren Eltern, die mit ihrer Einverständniserklärung überhaupt erst die Vorausset­zung für dieses Psychodiagno­stische Praktikum gaben.

Dr. Jörg Herboth

Vielfältiges Veranstaltungsangebot

Seit vorigem Jahr gibt es in der Brandenburgischen Landeshaupt­stadt verstärkte Bemühungen, eine breitere Öffentlichkeit mit jüdischer Tradition und Religion, mit dem Staat Israel und dem Friedensprozeß im Nahen Osten sowie Leben und Gedankengut jüdischer Persönlich­keiten bekannt zu machen. Beim Abbau diesbezüglicher Wissensde­fizite und Verdrängungen arbeiten das an der Universität Potsdam an­sässige Moses Mendelssohn Zen­trum für europäisch-jüdische Stu­dien, die Potsdamer Volkshoch­Schule und die URANIA in dan­kenswerter Weise zum Nutzen der Besucher zusammen.

So konnte im März dieses Jahres ein Zyklus zu Leben und Werk der Phi­losophin Hannah Arendt angeboten

werden, der beachtliche Resonanz fand. Die kompromißlose Art des Denkens und Lebens von Hannah Arendt, die in den 30er Jahren Deutschland verlassen mußte, wur­de den Zuhörern von verschiedenen Referenten gekonnt und im besten Sinne des Wortes populärwissen­schaftlich dargebracht. Die große Übereinstimmung zwischen Den­ken und Handeln empfanden viele Zuhörer auch als Ermutigung bei der schwierigen Suche nach Wertmaß­stäben in unserer Zeit. Für die Fort­setzung dieser Reihe,Große Den­ker unseres Jahrhunderts über­schrieben, ist Hans Jonas im Ge­spräch.

Eine weitere Reihe mit dem Titel Deutsche Juden Jüdische Deut­sche begann am 21. April in der

URANIA. Den Auftakt bilden zwei Vorträge von Vertretern des Moses Mendelssohn Zentrums zuJuden in Brandenburg(Dr. Irene Diek­mann) undVom Patriotismus deut­scher Juden(Prof. Dr. Julius H. Schoeps). Mit Spannung darf man die drei Vorträge des ehemaligen Leiters des Institutes für Deutsche Geschichte an der Universität Tel Aviv, Prof. Dr. Walter Grab, erwar­ten. Grab, 1938 als Neunzehnjähri­ger von den Nazis aus Deutschland vertrieben, wird über den deutschen Weg der Judenemanzipation, die Leistung jüdischer Intellektueller sowie jüdische Antworten auf den Zusammenbruch der Weimarer Republik sprechen. Grab hat Ge­schichte, Anglistik, deutsche Litera­turwissenschaft und Politische Phi­

losophie in Jerusalem, Tel Aviv und Hamburg studiert. 1971 gründete er das Institut für Deutsche Geschich­te, das er bis 1985 leitete. Fragen der deutsch-jüdischen Emanzipation gehören zu Grabs Hauptforschungs­gebieten; er hat zu Georg Büchner und Heinrich Heine publiziert, 1991 erschien sein BuchDer deutsche Weg der Judenemanzipation. Im Rahmen dieser Veranstaltungs­reihe besteht am 4. Mai Gelegenheit zum Besuch der Gedenkstätte Haus der Wannsee-Konferenz und am 16. Mai die Möglichkeit, an einer Führung mit Dr. Klaus Arlt über den Jüdischen Friedhof in Potsdam teilzunehmen(Anmel­dungen bei der URANIA er­wünscht).

R.D.