KONFERENZ
Nr. 8/93— Seite 9
„Das Modell Gutsherrschaft. Vergleichende Betrachtungen zur sozialen Funktionsweise frühneuzeitlicher Agrargesellschaften.“
Unter o. g. Thema fand in der Zeit vom 11. bis 13. März 1993 in Potsdam eine Tagung statt, die von der Arbeitsgruppe der MPG an der Universität Potsdam „Ostelbische Gutsherrschaft als sozialhistorisches Phänomen“ vorbereitet worden war.
Zu dieser Veranstaltung waren Kollegen aus dem In- und Ausland zur Teilnahme gewonnen worden.
Da an dieser Stelle nicht extenso auf die einzelnen Beiträge eingegangen werden kann, insgesamt kamen 20 Referenten zu Wort, sollen neben einer allgemeinen Wertung am Schluß wenigstens die Namen der Referenten genannt sein. Im übrigen sei darauf verwiesen, daß die Herausgabe eines Tagungsbandes, voraussichtlich als Sonderband der HZ, geplant ist, der überdies einen ausführlichen Überblick über den Verlauf der Diskussion enthalten soll. Dieser Band wird hoffentlich auch die Beiträge der Kolleginnen und Kollegen H. Wunder, P. Blickle und W. Troßbach beinhalten, die aus unterschiedlichen Gründen leider nicht an der Konferenz teilnehmen konnten.
Der Eröffnungsvortrag von J. Peters(Potsdam) war einem der Haupziele der Tagung verpflichtet, nämlich der Vorstellung des Gegenstandes sowie der Erläu
terung-———-des-—— methodischen Grundkonzepts der Arbeitsgruppe: Unter: dem‘ Thema
„Gutsherrschaftsgeschichte in historisch-anthropologischer Perspektive“ verdeutlichte J. P., daß einerseits moderne sozialhistorische Fragestellungen bei der exemplarischen, mikrohistorischen Untersuchung einzelner Gutsherrschaften zu neuen Erkenntnissen führen sollen, daß aber andererseits dabei die Resultate der bisherigen(vor allem agrarhistorischen) Forschung zur Geschichte gutsherrschaftlich geprägter Agrarge
sellschaften kritisch rezipiert werden müssen. Außerdem refetierten am ersten Tag. C. Zimmermann(Heidelberg), T. Rudert und L. Enders(beide Potsdam).
Der Nachmittag war einem Workshop vorbehalten, der unter dem Thema„Widerständigkeit im ländlichen Bereich in der frühen Neuzeit‘ S. Göttsch (Freiburg), M. Schattkowsky (Potsdam), W. Schulze(Bochum), A. Suter(Paris) und M. Weber(Oldenburg) zu einer Podiumsdiskussion zusammenführte. Die Vorstellung von Forschungsergebnissen durch die einzelnen Diskussionsteilnehmer bot ebenso die Möglichkeit zum Meinungsstreit wie die ErÖrterung theoretischer Probleme, etwa die der Definition von Widerständigkeit/Widerstand im ländlichen Bereich oder der Prozeßmöglichkeiten und des Prozßverhaltens ländlicher Untertanen.>
Auch der zweite Konferenztag war von Einzelvorträgen, Diskussionen und einem Workshop bestimmt. Neben W. Schmale(Bochum), H. Gabel (Essen), W. Hagen(Davis) und C.-H. Hauptmeyer(Hannover) nahm A. Holenstein(Bern) das Wort. Der Vortrag von H. Valentinitsch(Graz) wurde verlesen. Die nachmittägliche Runde beschäftigte sich mit dem ebenso wichtigen wie diskussionswürdigen Komplex der Geschlechtergeschichte. C. Ulbrich(Wiebelskirchen), U. Gleixner(Potsdam) und M. Hohkamp(Göttingen) thematisierten„Geschlecht“ als historische Kategorie, als methodisches Prinzip bei der Erforschung geschichtlicher Vorgänge.
Der dritte Tag gehörte den Vorträgen von P. O. Christiansen (Kopenha-gen), K.-J. Lorenzen-Schmidt(Hamburg) und R. Blickle(Bern).
Ein wichtiges Ziel der Tagung bestand darin, Fachkollegen in Diskussionen zusammenzubringen und die Forschungsergebnisse, die in Bezug zum Thema der Veranstaltung zu gutsherrschaftlich bzw._grundherrschaftlich dominierten Agrarverfassungen auf der Basis unterschiedlichster methodischer Grundlagen erarbeitet wurden, zusammenzufassen und für die Arbeit der Potsdamer Gruppe nutzbar zu machen. Nimmt man die Konferenz unter dieser Prämisse resümierend in den Blick, dann ist das Ziel erreicht worden: — offene Problemfelder wurden erkannt und thematisiert — im engen Wechselverhältnis dazu und zum Selbstverständnis der Potsdamer Gruppewurde erfolgreich versucht,
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die Grenzen herkömmlicher Fragestellungen auszuloten. Dabei soll indessen nicht übersehen werden, daß die Offenheit gegenüber mikrohistorischer Forschung und Methoden der historischen Anthropologie ebenso differenziert ausgeprägt ist wie die Bereitschaft zur komparativen Arbeit. Für die nähere Zukunft ist die Vertiefung der bereits seit längerem praktizierten Zusammenarbeit mit Historikern aus Ost- und Südosteuropa geplant, aus Regionen also, die sich durch ihre in der frühen Neuzeit gutsherrschaftlich geprägte Agrarverfassung für einen Vergleich anbieten. Dr. Thomas Rudert MPG„Ostelbische Gutsherrschaft als sozialhistorisches Phänomen‘
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