Heft 
(1.1.2019) 09
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Nr. 9/93 Seite 6

WIP-GRUPPEN

Wissenschaftler-Integrations-Programm: Problem oder Chance?

In der gegenwärtigen Diskus­sion um die Eingliederung von Wissenschaftler-Gruppen der ehemaligen AdW sollte man von drei Gesichtspunkten ausgehen: Zunächst ist das Wissenschaft­ler-Integrations-Programm als Teil des Hochschul-Erneue­rungs-Programms zu sehen, zweitens sollte man die Einord­nung in die deutsche For­schungslandschaft mit aller Konsequenz gehen, und schließ­lich sind alle Emotionen zu ver­meiden.

Wir befinden uns zweifelsohne in der heißesten Phase der wohl fundamentalsten Veränderung der Hochschule seit ihrer Grün­dung. Die Anpassung in neue Strukturen, Inhalte und Strate­gien sind verlangt, an deren Notwendigkeit wohl kaum Zweifel bestehen dürften.

Der Einigungsvertrag sieht eine vollständige Erneuerung der Hochschule vor. Diese wissen­schaftspolitische Entscheidung (und zwar von jedem einzelnen Beteiligten) als das zu begreifen, was sie wirklich ist, nämlich ein historischer Erneuerungspro­zeß. Und ausschließlich diesem Anspruch haben die Kriterien und die Konsequenzen zur Bewertung dieses Prozesses zu genügen und_standzuhalten. Nun sind die Ziele der Hoch­schulerneuerung praktisch vor­gegeben, so bleiben das Tempo, die Regularien und vor allem die Konsequenz, mit der die Er­neuerung der Hochschule vor­angetrieben wird. Damit hat die Universität Potsdam die Ver­pflichtung und die Chance, sich sowohl strukturell(Grundord­nung), personell(dies betrifft nicht nur die Führungsgremien) und inhaltlich(neue Lehr- und Forschungskonzepte) grund­sätzlich neu zu orientieren und zu profilieren.

Insbesondere in die letzten bei­den Aufgabengebiete greift das Wissenschaftler-Integrations­Programm(WIP) als nur ein,

wenn auch wichtiger Baustein des Hochschulerneuerungspro­grammes in die Hochschulpoli­tik ein.

In dieser Situation, wo die Grundlagenforschung der ehe­maligen AdW abgewickelt, die industriellen F/E-Kapazitäten in den neuen Ländern auf ein Mini­mum reduziert und umfassende und höhere Aufgaben durch das Hochschulerneuerungspro­gramm den Universitäten über­tragen wurden, ist die Möglich­keit der Eingliederung renom­mierter Wissenschaftler-Grup­pen der ehemaligen AdW eine wirkliche und dazu noch einma­lige Chance. Sie ist eine Chance, da die Universität überhaupt die Möglichkeit hat, solche gewach­senen Gruppen einzubeziehen, und sie ist einmalig, weil die Entscheidung jetzt und nur jetzt getroffen werden kann. Denn alle WIP-Gruppen, die nicht durch das Votum der Universität das Jahr 1994 erleben, sind unwideruflich für die Integra­tion verloren.

Und, auch das soll klar gesagt werden:

Die Universität ist mit dem vor­handenen Wissenschaftlerpo­tential nicht in der Lage, die gestellten höheren Aufgaben der Universitätsforschung und Leh­re zu erfüllen. Dies bedeutet keine Abwertung der in der Vergangenheit erbrachten Lei­stungen der Hochschule, aber es wäre eine gefährliche Illusion, daraus abzuleiten, die notwendi­ge umfassende Integration neuer wissenschaftlicher Potenz und Kreativität könne ignoriert wer­den. Auch kann der Erfolg des WIP nicht an einzelnen gelunge­nen Beispielen herbeizitiert werden. Hier ist eine grundsätz­liche, umfassende und konse­quente Lösung notwendig. Die Universität ist zum Erfolg des WIP gezwungen, wenn sie nicht ihre Wettbewerbsfähigkeit, ihr noch aufzubauendes nationales und internationales Renommee

und damit ihre Zukunftschancen verspielen will.

Was steht der Integration eigent­lich entgegen?

Subjektiv die Existenzangst vie­ler Hochschulwissenschaftler, die objektiv durch den Stellen­plan der Universität zum Aus­druck kommt. Eine additive Eingliederung aller WIP-Grup­pen in die Universität ist auf Grund ihrer Zahl und ihrer Inhal­te weder möglich noch sinnvoll. Die Sorge um ihre persönliche Zukunft muß man allerdings den WIP-Gruppen und den Hoch­schulangehörigen in gleicher Weise zugestehen und Unter­stützung anbieten. Die histori­sche Aufgabe der Hochschuler­neuerung aus dem Gesichts­winkel der persönlichen Exi­stenzangst zu betrachten, ist zwar verständlich, wird aber der vor uns liegenden Aufgabe in keiner Weise gerecht.

Es sind also Kriterien für die Auswahl des zukünftigen wis­senschaftlichen Potentials not­wendig. Die ausschließliche Hochschulzugehörigkeit kann dies allein nicht sein. Hier kann es neben der persönlichen Inte­grität nur ein Kriterium geben: die fachliche Kompetenz und Leistungsfähigkeit. Wer die­sem Kriterium nicht höchste Priorität einräumt, setzt die Wettbewerbsfähigkeit und da­mit die langfristige stabile Ent­wicklung der eigenen Universi­tät(und auch der eigenen Ar­beitsplätze) auf's Spiel. Man muß sich darüber im klaren sein, daß das Renommee einer Uni­versität ganz wesentlich durch ihre Forschungsergebnisse be­stimmt wird. Ganz abgesehen davon, daß zumindest im natur­wissenschaftlichen Bereich das Einwerben von Drittmitteln für eine effektive Forschung lebens­notwendig ist und dieses wieder­um durch das Niveau der For­schung bestimmt wird. Natür­lich müssen die persönlichen Entscheidungen sozial abgesi­

chert sein(die soziale Absiche­rung der WIP-Gruppen bei Nichtübernahme sollte nicht vergessen werden). Aber es kann kein Zweifel daran beste­hen, eine Umkehr der Prioritäten (und damit eine langfristige Zementierung der personellen Besetzung) zerstört die strategi­sche Zielstellung einer nach Wettbewerbsfähigkeit streben­den Universität.

Was ist zu tun?

Folgt man dem hier vorgestell­ten leistungsorientierten Mo­dell, sind folgende Schritte zu vollziehen:

1. Auswahl der zu integrie­renden Gruppen

Natürlich können nur diejenigen Gruppen integriert werden, die in das inhaltliche Konzept der Universität und damit der Fakul­täten passen. Damit ist eine klare Entscheidung zu treffen, welche WIP-Gruppen grundsätzlich nicht in die Universität Potsdam integriert werden können. Mit der Erklärung der grundsätzli­chen Möglichkeit der Integra­tion ist die Existenz der zu inte­grierenden Gruppen bis zum 31.12.96 durch das Hochschul­erneuerungsprogramm garan­tiert, wobei die Finanzierung aus dem WIP-Haushalt erfolgt und damit den Hochschulhaushalt nicht belastet. In anderen Bun­desländern wurden grundsätz­lich alle Stellen neu besetzt, wobei ehemalige Mitarbeiter der Universität sich selbstverständ­lich mit guten Chancen bewer­ben konnten. In Brandenburg wird dieser Weg nicht gegangen, sondern über Fachkommissio­nen wird der Bedarf der Mittel­baustellen festgestellt und für jeden einzelnen Mitarbeiter des Mittelbaus eine Empfehlung gegeben.

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