Nr. 9/93— Seite 8
Brandenburg muß sparen
Im Rahmen der vom Fachbereich Wirtschaftswissenschaften veranstalteten Ringvorle
sung„Der Wirtschaftsraum Brandenburg— Eine Wirtschaftsregion im Umbruch“
sprach vor vollem Haus der Staatssekretär im Ministerium
der Finanzen, Herr Dr. Heinz?
Padberg, über„Finanzpolitische Probleme und: Perspektiven des Landes Brandenburg“. Zunächst wurden die Rahmenbedingungen dargelegt und damit die Herausforderungen aufgezeigt, vor denen man hier steht. Die Finanzpolitik ist geprägt von den Lasten aus der Teilung Deutschlands und den extrem niedrigen Steuereinnahmen. Teilungsbedingte hohe Kosten stehen einigungsbedingten geringen Einnahmen gegenüber. Die Wirtschaftskraft der neuen Länder belief sich auf weniger als ein Drittel der alten Länder. Sie wurden mit der staatlichen Einigung über Nacht in eine finanzielle Situation gebracht, die durch unterdurchschnittliche Steuereinkünfte, durch nahezu gleiche Belastung bei laufenden Ausgaben und wegen des vielfach desolaten Zustandes öffentlicher Einrichtungen durch einen ergeblich höheren Investitionsbedarf als in den alten Ländern gekennzeichnet ist.| Der Fonds„Deutsche Einheit“, der mit der Wirtschafts- und Währungsunion geschaffen wurde, um die Finanzierung des damaligen DDR-Haushaltes zu sichern, wurde mit fallenden Beträgen bis 1994 aufgelegt. Bereits 1995 sollten die neuen Länder den Anschluß gefunden haben. Diesem Konzept wurde ein erwarteter rascher Wirtschaftsaufschwung zugrunde gelegt, der aber nicht sattfand. „Wir mußten erfahren, daß man sich mit diesem Szenario bitter geirrt hat“, resümierte der Staatssekretär.
Die finanzpolitischen Folgen zeigten sich in reduzierten Steuereinnahmen. 1991 betrug das Steueraufkommen je Einwohner in Brandenburg rund 1100,
Dr. Heinz Padberg Foto: Rammelt
DM, stieg zwar 1992 auf 1500,DM, lag aber trotzdem 60% unter dem Durchschnitt in den alten Ländern. Die Steuereinnahmen decken hier lediglich ein Viertel der Landesausgaben, während es in den westlichen Bundesländern bis zu 70% sind. Wichtigste Einnahmequelle wird auch 1993 und 1994 der Fonds„Deutsche Einheit“ bleiben, aus dem jeweils 5,5 Mrd. DM nach Brandenburg fließen. Trotz dessen inzwischen vorgesehener Aufstockung wird eine Durststrecke zu überstehen sein, weil Einnahmeverbesserungen durch höhere Lasten aufgezehrt werden.
Da sich landesgesetzliche Steuererhöhungen verbieten, liegen die finanzpolitischen Strategien hauptsächlich in der richtigen Gestaltung des Landeshaushaltes.„Ziel unserer Finanzpolitik ist es, unsere Eigenständigkeit langfristig und dauerhaft zu Sichern. Dauernd am finanziellen Tropf des Bundes und der anderen Länder zu hängen, ist nicht unsere Zukunftsvorstellung“, versicherte der Redner.
Die Prioritäten müssen bei den öffentlichen Investitionen gesetzt werden. Mit diesen sollen Arbeitsplätze geschaffen und Brandenburg ein interessanter Standort für private Investoren werden. Langfristig werde dadurch die Steuerkraft gestärkt und die politischen Handlungsmöglichkeiten des Landes verbessert.
1992 hat Brandenburg mit rund
VORTRAG
5,5 Mrd. DM etwa ein Drittel seines Haushaltsvolumens für Investitionen ausgegeben, vorwiegend für den Wohnungsbau, die Stadtentwicklung und die Wirtschaftsförderung. Das sind je Einwohner etwa doppelt so viel wie in den alten Ländern. Ähnliche Relationen sieht der Haushalt für 1993 vor. Mit einer Nettokreditaufnahme von 4,8 Mrd. DM verschuldet sich das Land bis zur Erträglichkeitsgrenze. Ende 1994 wird die Verschuldung pro Einwohner 5700 DM betragen und ist damit an die der alten Länder angeglichen, d. h. Brandenburg hat in nur vier Jahren dieselbe Schuldenlast wie die alten Länder nach vierzig Jahren.
Um das hohe Investitionsniveau auch zukünftig halten zu können, werden andere finanzielle Instrumente benötigt. Die ab 1995 beschlossene Neuregelung des bundesstaatlichen Finanzausgleiches ist daher von grundsätzlicher Bedeutung.
56 Mrd. DM werden dann jähr
lich in die neuen Länder fließen, wodurch ihre Finanzkraft pro Einwohner um 3000,- DM angehoben und 99,5% des Bundesdurchschnitts erreicht wird. Diese Mittel sollen helfen, möglichst schnell Anschluß an die alten Länder zu finden. Jedoch steht einem armen Land wie Brandenburg stirkte Sparsamkeit gut zu Gesicht, vor allem dann, wenn der größte Teil der Einnahmen vom Bund und den alten Ländern beigesteuert wird. Solange man das Geld anderer Leute ausgibt, ist ein besonders sorgfältiger Umgang damit geboten. Sparsame Haushaltsführung und Konzentration der Ausgaben auf das Notwendigste werden verlangt, um das Ziel brandenburgischer Finanzpolitik zu realisieren, das da lautet: in einigen Jahren annähernd gleiche Lebensbedingungen bei einer Wirtschaftskraft mit vergleichbaren Steueraufkommen und einer vertretbaren öffentlichen Verschuldung.
Dr. Rolf Rammelt
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