Heft 
(1.1.2019) 09
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HOCHSCHULLEBEN

Nr. 9/93 Seite 9

Frau Barbara Schneider-Eßlinger wurde im Namen des Landes Brandenburg vom Ministerpräsidenten Dr. Manfred Stolpe zur Leitenden Bibliotheksdirektorin bei der Universität Potsdam ernannt. Ihre Ernennungsurkunde nahm sie am 28. April 1993 im Mini­sterium für Wissenschaft, Forschung und Kultur aus den Händen des Herrn Staatssekretärs Frank E. Portz entgegen. Herzlichen Glückwunsch!

Foto: Rammelt

Prof. Luigi Vittorio Graf Ferraris(I.) sprach am 12. Mai überDie politischen Kulturen Italiens und Deutschlands im Vergleich. Der Dekan der Juristischen Fakultät, Prof. Dr. Wolfgang Lo­Schelder, Prof. Dr. Wilhelm Bürklin(r.) als Gastgeber sowie K Studenten und Mitarbeiter verschiendenster Fachbereiche| cum, Hermann Simon, haben nutzten die Möglichkeit, einen ausgewiesenen Kenner der| dankenswerterweise drei Aufsät­Geschichte und Kultur beider Länder zu hören. Der Gast|ze von ausgewiesenen Potsda­

Machte deutlich, daß es am Ausgang dieses Jahrhunderts eine

Der 06. Mai war ein guter Tag für Potsdam. Eingebettet in die intensiven Feierlichkeiten zum tausendjährigen Jubiläum der Stadt konnte ein seit langem ra­res Buch wieder vorgestellt werden: die 1903 vom Potsda­mer Gemeinderabbiner Robert Kaelter veröffentlichte Schrift Geschichte der jüdischen Ge­meinde zu Potsdam.

Seinen Dank an den verdienst­vollen Verleger G. Hentrich verband der Brandenburgische Ministerpräsident mit dem Wunsch, dieses Buch möge Pflichtlektüre werden. Gegen­wart und Zukunft, so Manfred Stolpe, ließen sich nur gestalten mit der Erinnerung an Vergan­genes. Nichts sei abzuhandeln oder zu sühnen, was mit der Ju­denverfolgung auch in Potsdam verbunden war. Aber neben die­ser festen Größe der Geschichte gebe es gerade auch in Potsdam die Erinnerung an eine gelunge­ne deutsch-jüdische Symbiose mit hervorragenden wissen­schaftlichen, ökonomischen und kulturellen Leistungen.

Zeugnis davon legt das Buch ab. Die Herausgeber, Prof. Dr. Ju­lius J. Schoeps, Leiter des Moses Mendelssohn Zentrums für eu­ropäisch-jüdische Studien an der Universität Potsdam, und der Leiter der StiftungNeue Syna­goge Berlin Centrum Judai­

mer und Berliner Autoren in den

Fülle von Problemen gibt, die übernationale Lösungsansätze| Nachdruck aufgenommen. Auf

brauchen und als Wissenschaft auch die Politologie fordern. Als eine Kardinalfrage bezeichnete Prof. Ferraris die Erzeu­gung und Erneuerung der politischen Klasse. Hier könne Italien so Ferraris Aussage nach einem Exkurs in die italieni­Sche Nachkriegsgeschichte und aktuelle Situation ein Modell bieten. Mit dem Hinweis auf Italiens Verständnis für die

fünfzig Seiten zeichnet Dr. Erika Herzfeld ein Bild vom Wirken des Potsdamer Schutzjuden und erfolgreichen Manufakturunter­nehmers Isaac Levin Joel. Dem

Schwierigkeiten postkommunistischer Gesellschaften ermun-| Aufsatz liegen bisher unbekann­terte er ostdeutsche Studenten zu einem Aufenthalt an italieni-|te Quellen zugrunde, und strek­

Schen Universitäten. Foto: Tribukeit

kenweise liest es sich wie eine Handwerks- und Wirtschaftsge­

schichte der Stadt im 18. Jahr­hundert.

Prof. Michael Brocke und seine Doktorandin Martina Strehlen würdigen Kaelters Leistung, in dem sie sie weiterführen und seinem Wunsch nach Erschlie­ßung wertvoller Grabinschriften auf dem Potsdamer Jüdischen Friedhof entsprechen. Es ist ein verheißungsvoller Anfang, der jedoch bald und umfassend Fort­setzung erfahren muß, denn die Verwitterung der Grabinschrif­ten schreitet fort.

Kaelters Geschichte der Potsda­mer Juden reichte bis 1903, bis zur Einweihung der Synagoge am Wilhelmsplatz. Späteres Geschehen ist in dieser Geschlos­senheit nicht zugänglich gewe­sen. So kommt die Chronologie des Potsdamers Dr. Klaus Arlt vielen Wünschen entgegen, die sich über das Schicksal der Pots­damer Synagogengemeinde von 1903 bis zu ihrer Zerstörung ein Bild machen möchten. Geschich­te spiegelt sich in Einzelschick­salen wieder. Dieser Intention folgt Arlt und nennt viele Namen und Aktivitäten ehemaliger jüdi­scher Mitbürger.

Der 06. Mai war ein guter Tag für Potsdam. Die engen Räume des Potsdamer Antiquariats ver­einten für kurze Zeit jüdische und deutsche Vergangenheit, schwierige Gegenwart und hoff­nungsvolle Zukunft. Mit Dr. Alexander Kogan weilte das Haupt der kleinen, seit zwei Jahren wieder in Potsdam exi­stierenden Jüdischen Gemeinde unter den Anwesenden; der is­raelische Generalkonsul Morde­chay Lewy stand für das israeli­sche Interesse und die Fürsorge, mit der die Anfänge neuen jüdi­schen Lebens in Deutschland begleitet werden.

Regine Derdack