Heft 
(1.1.2019) 09
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Nr. 9/93 Seite 10

MATHEMATIK

Mathematik studieren­an der Universität Potsdam

Unter den Titeln WILLKOM­MEN IM LAB YRINTH und IN DER MASSE UNTERGEHEN veröffentlichte der Spiegel vom 19. April 1993 Ergebnisse einer Befragung von 10 000 Studen­ten und 1200 Professoren über die Frage: Welche Universität ist die Beste? Für dieUnis im Osten gibt es dort allerdings keine fachspezifische Rangliste. Das ist für uns Anlaß, den Fach­bereich Mathematik der Univer­sität Potsdam etwas näher vorzu­stellen.

Nahezu ein halbes Jahrhundert lassen sich in der Arbeit speziell der Mathematiker folgende Charakteristika ablesen:

Einheit von international aner­kannter Forschung und Lehre

ständige hochschuldidaktische Arbeit zur Verbindung von Wissenschaftlichkeit und Faß­lichkeit des Dargebotenen

Einhaltung von Regelstudien­zeiten und Erreichen einer soli­den Berufsvorbereitung.

Das wird durch mehrere hundert Publikationen von Originalar­beiten in wissenschaftlichen Zeitschriften, mehr als zwei Dutzend Monographien sowie Lehr- und Taschenbüchern, ins­besondere zu allen klassischen Teilgebieten der Mathematik, belegt.

Das somit gewachsene Ansehen fand in zahlreichen Einladungen zu Vorträgen auf nationalen und internationalen Tagungen und Kolloquien seinen Ausdruck. Andererseits folgten unseren Einladungen zu mathemati­schen Tagungen prominente Fachkollegen. Während vor der Wende gelegentlich Gastdozen­turen von Professoren großer osteuropäischer Universitäten und Hochschulen wahrgenom­men wurden, gibt es seit der Wende einen ständigen Aufent­halt von Gastdozenten aus ganz Europa. Aber auch Gasthörer kommen vom ganzen Konti­

nent; das konnte u. a. bei dem Workshop on Linear Systems (Prof. Dr. Kaiser, WS 1992/93) beobachtet werden.

Darüber hinaus seien hier inter­nationale Mathematik-Tagun­gen genannt, die sich auch in die 1000-Jahr-Feier der Landes­hauptstadt Potsdam einordnen: Analysis auf Mannigfaltigkei­ten mit Singularitäten(Prof. Dr. B.-W. Schulze, März 1993) Tagung über Geometrie(Prof. Dr. B. Klotzek, April 1993) Euler-Vorlesung in Sanssouci (Mai 1993)

Partial Differential Equations (Prof. Dr. B.-W. Schulze, Sep­tember 1993)

Fourth Conference on Discre­te Mathematics(Prof. Dr. K. Denecke, September 1993)

Die KEuler-Vorlesung wurde vom Organisationskomitee des Berliner Mathematischen Kol­loquiums, dem auch unser Fach­bereich vertreten durch Prof. Dr. H. Kaiser angehört, als jährlicher Höhepunkt wissen­schaftlicher Kommunikation und des kulturellen Lebens ge­schaffen. Der Namenspatron, LEONHARD EULER (1707-1783), bringt mit seinem Oeuvre in einmaliger Weise die Intentionen des Vorhabens zum Ausdruck und erlaubt wegen seiner langjährigen Tätigkeit in Berlin(1741 1766 u. a. als Direktor der Mathematischen Klasse der Berliner Akademie und am Hofe zu Potsdam) einen deutlichen Bezug zur Region. Der Universität Potsdam wurde die Auszeichnung zuteil, die Euler-Vorlesung jährlich auszu­richten.

Bereits die obige Aktivitäten­liste läßt die Wirkungen des Hochschulerneuerungspro­gramms erkennen: Prof. Dr. Schulze ist Leiter einer der vier an unserer Universität etablier­ten Arbeitsgruppen der Max­Planck-Gesellschaft. Im Rah­

men des Wissenschaftler-Inte­grationsprogrammes haben wei­tere renommierte Mathematiker ihre Tätigkeit bei uns aufgenom­men, so daß sich die Breite des Lehrangebots ständig verbes­sert.

In den letzten Jahrzehnten war bei uns die Mathematiklehrer­ausbildung profilbestimmend. Anknüpfend an den reichen Er­fahrungssschatz auf diesem Gebiet werden auch künftig Lehrer für alle Klassenstufen für die Primarstufe, die Sekun­darstufe I und die zum Abitur führende Sekundarstufe II sowie stufenübergreifend für Sekun­darstufe I/Primarstufe und Se­kundarstufe II/Sekundarstufe I ausgebildet.

Dabei sind wir für eine Kombi­nation mit beliebigen anderen Unterrichtsfächern offen. Insbe­sondere kann eine Ausbildung in Mathematik für eine Sekundar­stufe mit der Befähigung für Lernbereiche in den ersten Klas­sen verbunden werden. Die Be­rufschancen sind gut, danach se­riösen Untersuchungen ab 1995 bundesweit ein akuter Mangel an Mathematiklehrern auftreten wird.

Seit 1990 kann man an unserem Fachbereich im Direktstudium wieder Diplommathematiker werden. Nach Ergänzung frühe­rer Studien haben die ersten Studenten die Diplomvorprü­fung für unser Fach bereits im Wintersemester 1990/91 abge­legt. Inzwischen können die neuen Diplomanden die Erfah­rungen ihrer Vorgänger nutzen. Neben dem traditionellen Ne­benfach Physik werden künftig zweifellos die Nebenfächer In­formatik und Wirtschaftswis­senschaften bestimmend sein. Anforderungen der Praxis spre­chen auch für ein Nebenfach Rechtswissenschaften.

Die internationalen Verbindun­gen unseres Fachbereichs zu

Prof. Dr. Hans Kaiser Foto: Rüffert

renommierten ausländischen Universitäten bieten gute Mög­lichkeiten für ein einsemestriges Auslandsstudium. Diplommathematiker haben gute Berufschancen, denn ihnen winkt nicht nur eine Einstellung als Mathematiker, sondern sie werden häufig als Abteilungslei­ter oder Manager etwa bei Ver­sicherungsgesellschaften be­vorzugt. Auch die rege Nachfra­ge von Abiturienten nach den Studienmöglichkeiten im Fach­bereich Mathematik scheint das zu bestätigen. Die besten Absolventen haben stets die Möglichkeit, bei uns den Doktorgrad zu erwerben oder nach der Promotion sich gar zu habilitieren. In jedem bisherigen Jahrgang gab es Studenten, deren Eltern schon hier studiert haben. Das liegt gewiß nicht nur an der schö­nen Lage am Park von Sanssou­ci, sondern auch an dem engen, das Studium fördernden Ver­hältnis von Lehrkräften und Stu­denten. Interessenten können sich jeder­zeit direkt an den Fachbereich Mathematik oder an die zentrale Studienberatung(Tel.: 97 10-7 15) wenden. Prof. Dr. Hans Kaiser Geschäftsführender Direktor des Fachbereiches Mathematik