Heft 
(1.1.2019) 10
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Nr. 10/93 Seite 6

EINSTEIN FORUM

Fortsetzung von Seite 5

wo beide oft mit dem glei­chen Bus zur Universität fahren. Der Student Mandel­brot grüß den Heros Einstein stets ehrfurchtsvoll und ist noch heute stolz, ein leichtes Kopfnicken als Antwort er­halten zu haben. Der Hauptteil seines Vortrages ist natürlich seinem Reich ge­widmet, den Fraktalen. B. Man­delbrot demonstriert die Mög­lichketen Computer-generierter Kunstwerke anhand vieler DIAS, die einen repräsentativen Querschnitt des von ihm initiier­ten Schaffens zeigen. Die Prä­sentation untergliedert sich in drei Hauptrichtungen: a) Zunächst wird versucht, frak­tale Landschaften, die aus Gebirgen, Gewässern und Wol­ken bestehen, zu gestalten. Die Computer-Grafiken vermitteln einen realistischen Eindruck; man glaubt sich inmitten einer Phantasielandschaft. Tatsäch­lich werden diese Bilder in Science-Fiction-Filmen oft ver­wendet. b) Die fraktale Geometrie er­möglicht, den in Physik und Chemie kaum_verstandenen Prozeß der Perkolation nachzu­vollziehen. Perkolation ist die Durchdringung eines porösen Mediums in einer Flüssigkeit.

Wählt man eine geeignete Farb-,

skalierung, gelingen tatsächlich Bilder, die den experimentellen Befunden sehr ähneln.

c) Schließlich behandelt Man­delbrot streng mathematisch motivierte Muster, die auf Julia­und Mandelbrot-Mengen basie­ren. Wiederum begeistert er die Zuhörer mit der unerschöpfli­chen Formenvielfalt, die sich aus simpel hingeschriebenen nichtlinearen Gleichungen erge­ben. Es offenbart sich eine wei­tere tiefe Einsicht: Fraktale sind eine nicht-vorhersagbare Mi­schung aus Regelmäßigkeit (Wiederholung) und Entstehen neuartiger Strukturen. Dieses für chaotische Prozesse typische Wechselspiel von Tradition und Innovation bezeichnet Mandel­

brot einprägsam als Joseph­Noah-Effekt.

Die vorgestellten Bilder erwek­ken den Eindruck großer Leich­tigkeit. Der Festredner bekräf­tigt diesen Eindruck, indem er wiederholt bemerkt, hinter all dem Formenreichtum stehe nur eine einfache Formel. Unsere Erfahrungen mit derartigen Rechnungen zeigen, daß man schnell dieeinfachen Gebilde wie Apfelmännchen erhält, die Generierung etwa von Land­schaften mit genau plaziertem See oder Berg jedoch eines enor­men Aufwands bedarf. Mandelbrot verweist immer wieder auf Verbindungen von Fraktalen und Kunstwerken (hier: Malerei) und zeigt Bei­spiele, wo sich beide kaum un­terscheiden. Noch einmal ist wichtig zu erinnern; eine Formel produziert die Computergrafik nicht unmittelbar. Der Operator kann durch Balancieren der Far­ben und Festlegen weiterer Para­meter das Bild selbst entschei­dend prägen. Vielleicht vermö­gen Kunsttheoretiker zu klären, ob der Operator Mandelbrot ein Künstler ist.

Abschließend noch einige per­sönliche Eindrücke: In einem langen Gespräch während der Besichtigung von Potsdam und Berlin erlebten wir B. Mandel­brot als allgemein sehr interes­sierten und informierten Mann, dessen wissenschaftliche In­teressen jedoch höchst einseitig ausgeprägt sind, selbst in seinem Fachgebiet der Chaosforschung. Er war begeistert von der Anlage des WUniversitätscampus am Neuen Palais und berichtete etwas verstimmt, daß das Ge­bäude des IBM-Forschungs­laboratoriums, in demertätig ist, keine Fenster hat. Wichtig auch zu erwähnen, daß selbst ein so geübter Redner die Vorberei­tung seines Vortrages sehr ernst nahm, am gesamten 21. Mai nichts anderes unternahm.

Dr. Jürgen Kurths,

Dr. Wolfgang Jansen Arbeitsgruppe Nichtlineare Dynamik

Gemeinsame Edition der Haskala-Reihe mit dem Moses Mendelssohn Zentrum(MMZ)

Die bisher vom Salomon Lud­wig Steinheim-Institut für deutsch-jüdische Geschichte (Duisburg) unter dem Titel Haskala(Aufklärung) heraus­gegebenen wissenschaftlichen Abhandlungen erscheinen seit diesem Jahr gemeinsam mit dem MMZ an der Universität Pots­dam. 1993 sind im Georg Olms Verlag(Hildesheim-Zürich­New York) bisher drei Bücher erschienen. Es handelt sich um den Bd. 4Philo des 19. Jahr­hunderts Studien zu Salomon Ludwig Steinheim; Bd. 8A Stranger here Myself: Kurt­Weill-Studien(mit Notenbei­spielen) und Bd. 10Jüdische Zeitung für Ostdeutschland. 1924-1937. In Vorbereitung befindet sich der Band 12Jacob Adam. Zeit zur Abreise, der den Lebensbericht eines jüdi­schen Händlers aus der Emanzi­pationszeit enthält.

Die drei Publikationen vereinen eine Fülle von Einzelbeiträgen, so neueste Ergebnisse der Weill­Forschung sowohl zur Person Weills, zu seinen musikalischen Schaffensperioden, aber auch zu literarischen Einflüssen und zur Zusammenarbeit mit Künstlern seiner Zeit(Brecht, Neher, Ira Gershwin, u. a.). Dem Band ist

die derzeit umfassendste Biblio­graphie von Sekundärliteratur beigefügt. Das Buch zu Salomon Ludwig Steinheim, der zu den herausra­genden jüdischen Persönlich­keiten des 19. Jahrhunderts ge­hört, dokumentiert die Vielfalt seines Denkens und Wirkens und gibt Auskunft über seine Wirkungsgeschichte. Die kon­troversen Aussagen der Autoren sind für einen breiten Leserkreis von Interesse, wie auch Stein­heims Grundprinzipien die Gestaltung der Welt nach mora­lischen Prinzipien, Erziehung zu Verantwortlichkeit des einzel­nen und zu Toleranz nichts von ihrer Gültigkeit verloren haben. Die Studie über die Jüdische Zeitung für Ostdeutschland von 1924-1937 in Breslau er­schienen verdient u. a. insofern Interesse, als sie ein Dokument Jüdischen Alltagslebens und darüber hinaus der Zeitge­schichte ist. Der Verfasser Jo­seph Walter stammt aus Breslau und mußte 1936 nach Palästina emigrieren, wo er auch als Do­zent für Pädagogik, Lehrerfort­bildung und Geschichte des Holocaust an der Bar-Ilan-Uni­versität arbeitete.

R.D.

F

Buchbindermeister

Heinz Bullert

Büro-& Schulbedarf/ Kopierarbeiten

) Handeinbände Zeitschrifteneinbände Alben, Kassetten, Kästen Mappen aller Art Aufblocken von Bildern

DO

Abschlußarbeiten kopieren, sortieren, einbinden

Hand- und Preßvergoldung 1] Sortiments- und Partiearbeiten

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