UMWELTBILDUNG
Nr. 11/93— Seite 7
Die von uns gewünschte Diskussion um die Profilierung der Umweltbildung an unserer Universität wurde durch Herrn Bechmann mit einer, wie der Autor selbst betont, im ersten Ärger spontan niedergeschriebenen Reaktion auf die Ausstellung„Umweltbildung an der Universität Potsdam“(PUZ Nr. 10 vom 7. 6. 1993) in einer Weise in Gang gebracht, die trotz. ihrer Ungqualifiziertheit einen Beitrag für eine sachliche und inhaltliche Diskussion darstellen sollte.
Statt seinen Ärger spontan zum Ausdruck zu bringen, hätte Herr Bechmann besser den Inhalt der Poster zur Kenntnis nehmen sollen. Der nachfolgend zitierte Abschnitt eines Posters der Ausstellung braucht wohl nicht weiter interpretiert zu werden: „In den Fachbereichen der Universität Potsdam gibt es zahlreiche Aktivitäten auf dem Gebiet der Umweltbildung, die normalerweise auf die Studenten des jeweiligen Fachbereiches abzielen. Besonders gilt dies für die Fächer des inneren Kreises wie Biologie, Chemie oder Geographie. Aber auch andere Fachbereiche haben Möglichkeiten für Umwelterziehung, die zukünftig stärker berücksichtigt und herausgebildet werden müssen. Hierbei sieht das Zentrum für Umweltwissenschaften seine Aufgaben besonders in der Koordinierung und Beratung.“ Der Vorwurf von Herrn Bechmann, daß das Zentrum für Umweltwissenschaften uninformiert ist und„keinerlei Bestrebungen unternommen werden, es herauszufinden“, ist für uns umso befremdlicher, als mit ihm selbst Kooperationsgespräche durchgeführt wurden.
Als Beispiel der Zusammenarbeit des Arbeitsbereiches Umweltbildung mit anderen Bereichen der Universität können die Fernstudiengänge„Postgra
Zur Diskussion „Umweltbildung an der Universität Potsdam“
(auch Antwort an Herrn Dr. Bechmann)
dualstudium Umwelterziehung‘“ und„Umweltschutz für Bildung und Hauswirtschaft‘(als BLKProjekt) angeführt werden. Als Lehrkräfte in Vorlesungen, Praktika und Exkursionen bzw. als Autoren von Studienmaterialien sind zahlreiche Mitarbeiter aus den Fachbereichen Geographie, Chemie, Biologie, Technische Bildung, Pädagogik und Psychologie sowie der Juristischen Fakultät beteiligt.
Die Ausstellung reflektierte die Bemühungen des Arbeitsbereiches Umweltbildung am Zentrum für Umweltwissenschaften um die Umwelterziehung an unserer Universität— und zwar zum Zwecke des Ingangsetzens einer Diskussion. Es ging nicht um die Aktivitäten der Fachbereiche mit ihren Studierenden und schon gar nicht um die vielfältigen Aktivitäten der Fächer des sog.„inneren Kreises‘ wie Biologie, Geowissenschaften und Chemie. Natürlich wäre dies perspektivisch wünschenswert, kann aber aus organisatorischen Gründen wohl nur durch Einzelpräsentationen der Fachbereiche selbst realisiert werden.
Der Begriff Umweltbildung wird von uns hier im Sinne von Environmental Education als Einheit von Bildung und Erziehung verstanden.
Das Besondere an einer Umweltbildung, die eine Struktur wie das Zentrum für Umweltwissenschaften zu vertreten hat, ist ihre fachübergreifende Anlage. Hier kann es nicht um die fachspezifische Weiterbildung(z. B. auf dem Sektor Umweltanalytik für Chemiker und Biologen) gehen, sondern um Inhalte, die an alle Studenten unabhängig von ihrer
Fachkombination vermittelt werden müssen. Besondere Aufmerksamkeit
widmet der Arbeitsbereich dabei gegenwärtig in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Pädagogik der Lehramtsausbildung. Mit
den Vorstellungen, im Rahmen des„Potsdamer Modells der Lehrerbildung“ ein moduläres Angebot„Umweltbildung“ zu schaffen, bewegen wir uns für deutsche Verhältnisse auf Neuland, hoffend, daß mit einer Umsetzung dieses Modells die zukünftige Akzeptanz unserer Lehramtskandidaten in ihrem Beruf erhöht werden kann.
Um kurz noch einmal auf die Spezifik hinzuweisen: Jeder interessierte Student könnte unabhängig von seiner Fachkombination dieses(etwa 10 SWS) umfassende Modul belegen. Damit wird berücksichtigt, daß Umwelterziehung an den Schulen durchaus nicht nur von Biologie-, Chemie- oder Geographielehrern vertreten wird. Natürlich werden entsprechende Angebote im Zusammenhang mit der Diplomandenausbildung nicht ausgespart. Neben den Ansprüchen an die Allgemeinbildung wird es auch Möglichkeiten geben, Umwelterziehung zur Erhöhung der Berufschancen einzusetzen. Für Diplombiologen eröffnen sich erweiterte Einsatzmöglichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit(z. B. Natur- und Umweltschutz), wenn in ihrer Ausbildung Elemente der Umwelterziehung enthalten sind. Im Herbst soll ein erstes Angebot erfolgen. In ähnlicher Weise müßten auch andere Fächer Überlegungen anstellen. Auch in der Magisterausbildung sollte die Umwelterziehung in dem Nebenfach„Umweltwissenschaften‘‘ ihren Platz finden, was sicher eine attraktive Ergänzung des bisherigen Studienangebots darstellt. Umweltbildung an der Universität bedeutet die Möglichkeit der Einbeziehung aller interessierten Studenten und Universitätsangehörigen in ein Bildungsmodell, das sich einfügen müßte in eine künftige übergeordnete Konzeption im Land Branden
burg, die Umweltbildung als Prozeß lebenslangen Lernens begreift. Das Zentrum für Umweltwissenschaften sieht seine Rolle dabei u. a. als Koordinator und Anbieter von Lehrveranstaltungen und Serviceleistungen.
Im Hinblick auf Serviceleistungen sind am Zentrum für Umweltwissenschaften auch in Verbindung mit Umweltorganisationen(u. a. Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, NABU) Möglichkeiten geschaffen worden, die von Literaturunterstützung bis hin zu Lehrvideos für Umweltbildung reichen. In diesem Zusammenhang hoffen wir im Gegensatz zu Herrn Bechmann, daß möglichst viele interessierte Kollegen innerhalb und außerhalb der Universität von diesen Angeboten Kenntnis erhalten.
Umweltbildung als komplexes übergreifendes interdisziplinäres Anliegen erfordert ein hohes Maß an Zusammenarbeit. Kooperationsbeziehungen zu Forschungseinrichtungen und Bildungsträgern staatlicher und nichtstaatlicher Art sind für die Qualität der Ausbildung entscheidend. Die Tatsache, daß für Universitätsangehörige weitgehend unbekannte WIP-HEPGruppen in der Ausstellung auch präsent waren, hängt mit der Tatsache zusammen, daß diese Gruppen direkt mit dem Zentrum für Umweltwissenschaften assoziiert sind. Zusammenfassend sei gesagt, daß die gezeigte Ausstellung informieren und zu weiterer Diskussion und Zusammenarbeit anregen sollte.
Für den Arbeitsbereich Umweltbildung
Dr. K.-P. Berndt Dr. M. Neubauer Dr. R. Wipper