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(1.1.2019) 11
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Nr. 11/93 Seite 8

KOLLOQUIUM

Vom 28. bis 31, Mai 1993 fand auf Anregung des Ministeriums für Umwelt, Naturschutz und Raumordnung des Landes Bran­denburg das 1. Internationale Brandenburger Pfingstkolloqui­um statt. Veranstalter waren die Europäische Akademie(EVO), die Universität Potsdam und die Max-Planck-Arbeitsgruppe Nichtlineare Dynamik. Teil­genommen haben ca. 40 Wis­senschaftler aus mehr als 10 Ländern sowie Führungskräfte der Politik und Wirtschaft.

Die sich in Gründung befindli­che EVO wird von Prof. Dr. Ervin Laszlo geleitet. U. a. will die Akademie Führungskräfte aus der Wirtschaft schulen. So entsteht beispielsweise ein Trai­nings- und Beratungsangebot für Unternehmen und Politik in Frankfurt und Potsdam. Prof. Laszlo geht von der Auffassung aus:Entweder machen sich die Manager die Sache der Gesell­schaft zu eigen, oder es wird bald keine lebensfähige Gesellschaft mehr geben und damit auch keine lebensfähigen Unterneh­

men.

Pfingstkolloquium Evolutions- und Systemtheoretiker an der Universität Potsdam

Das Kolloquium setzt sich zum|

Ziel, den Austausch differenter Gedankenansätze dreier For­schungsgruppen zu befördern. In den drei Tagen stellten die Mitglieder der GERG(General Evolutionary Research Group), der WESS(Washington Evolu­tionary System Society) und der Osaka Group ihre Arbeitsergeb­nisse zur allgemeinen Evolu­

tions- und Systemtheorie zur|/.| n AM. In Potsdam trafen sich erstmals drei global vernetzte Wissen­

Diskussion.

EVO- DIE EUROPÄISCHE AKADEMIE für evolutionäres Management und angewandte Studien- ist die Agora des syste­misch-evolutionären Denkens. Schnittstelle der Überlegungen ist dabei das Ineinanderüberge­hen von Natur-, Gesellschafts­wissenschaften und Praxis. EVO widmet sich vorrangig der Beratung und der Entwicklung anwendbarer Theorien und Prin­zipien.

Thematische Schwerpunkte der Tagung waren u. a. die Möglich­keiten der Computergrafik, die Bewußtseinsproblematik, der Übergang von alten in neue Strukturen sowie die daraus her­

schaftlergruppen, die sich mit Fragen der allgemeinen Evolu­tions- und Systemtheorie befassen, zu einem Austausch über

den Stand der internationalen Forschung.

vorgehenden neuen Qualitäten. Die politische Realität im Auge habend, wandte sich Minister Matthias Platzeck in seiner Be­grüßungsansprache u. a. mit fol­genden Worten an die Gäste: Ganzheitliche Politik-Konzep­te sind gefordert. Vielleicht können Sie an den dafür erfor­derlichen wissenschaftlichen Grundlagen mitwirken...

Ich sehe eine große Nähe un­serer Ansätze: Dezentralisie rung, Hierarchie-Verflachung, Kooperation statt Konfronta­

Foto: Rüffert

tion, synergetische Verstärkung in Hyperzyklen statt linearer Fortsetzung des Altbekannten; das sind auch für unsere Politi­kansätze hoffnungsvolle Aus­gangs-positionen. Ich würde es begrüßen, wenn Ihre und unsere bisherigen Bemühungen zur Etablierung Ihrer Akademie für evolutionäres Mangement im schönen Land Brandenburg baldmög­lichst von Erfolg gekrönt sein mögen.

., Eck.

Unsere Zukunft ist nur im Zusammenleben möglich

Prof. Ervin Laszlo, gebürtiger Ungar, ist in einer Musikerfami­lie aufgewachsen. Durch einen Onkel erhielt er Zugang zur Phi­losophie. Er galt als musikali­sches Wunderkind und trat be­reits im Alter von neun Jahren gemeinsam mit der Ungarischen Philharmonie auf. Von einem Musikwettbewerb in Genf kehr­te er als Fünfzehnjähriger nicht mehr in seine Heimat zurück. Nach einer mehrjährigen Musik­karriere in den USA ging er zu­rück nach Europa und wandte sich immer mehr der Philoso­phie, den Sozialwissenschaften und dem Zeitgeschehen zu. Als er 1966 einen Ruf an die Yale Universität erhielt, entschied er sich endgültig für den wissen­schaftlichen Weg. Seit Mitte der

achtziger Jahre lebt der heute 61jährige in Italien.

Prof. Laszlo schrieb über 50 Bücher und ist Herausgeber mehrerer Zeitschriften und Buchreihen. Er war und ist in verschiedenen hervorgehobe­nen Funktionen wirksam, z. B. Mitglied des Clubs of Rome, Forschungsdirektor bei der UNO und Rektor der Wiener Akademie für Zukunftsfragen. Anläßlich des 1. Brandenburger Pfingstkolloquiums der von ihm geleiteten und sich derzeit grün­denden Europäischen Akademie (EVO), das in Kooperation mit unserer Universität und dem Brandenburger Ministerium für Umwelt, Raumordnung und Naturschutz in den Räumen der Universität am Neuen Palais

stattfand, sprach Dr. habil. Jür­gen Kurths(Leiter der Max­Planck-Arbeitsgruppe für Nichtlineare Dynamik*) mit dem Wissenschaftler.

Prof. Laszlo, Sie gehören zu den Mitbegründern des Club of Rome. Was hat Sie bewo­gen, eine völlig neue Form des Zusammenfindens von Wis­senschaftlern und Vorden­kern aus verschiedensten ge­sellschaftlichen Bereichen zu initäeren?

Laszlo: Den Gedanken, daß unsere Zukunft nur im Zusam­menleben möglich ist, hatte ich schon sehr früh. 1963 taucht er in meinem ersten Buch auf. Als ich

mich stärker mit der allgemeinen Systemtheorie von Russell be­schäftigte, bat mich das Zentrum für internationale Studien in Princeton, Seminare über das Weltsystem zu halten. Ich war darüber etwas überrascht, denn ich hatte mich nicht systema­tisch damit beschäftigt. Aber in Princeton war man der Ansicht, daß der von mir vorgeschlagene Systemansatz für die Weltent­wicklung sehr wichtig sein könnte.

Ein Jahr verbrachte ich dann in Princeton und veröffentlichte im Ergebnis das BuchStrategie für die Zukunft.

Dieses Buch nun erregte das Interesse des Gründers des Club

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