Heft 
(1.1.2019) 13
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FRAUENFÖRDERUNG

Nr. 13/93 Seite 11

Hoher Professorinnenanteil wird angestrebt

Frauen stellen im akademischen Lehramt an Hochschulen bis heute eine verschwindend kleine Minorität dar. Im Bundesdurch­schnitt sind gegenwärtig nur etwa 5 Prozent aller Professo­renstellen mit Frauen besetzt; der Anteil der C 4-Professorin­nen liegt sogar nur bei etwa 2,6 Prozent. Dieser niedrige Anteil von wissenschaftlich tätigen Frauen an den Universitäten bedeutet einen Verlust an geisti­gem Potential, den sich die Ge­sellschaft auf Dauer nicht leisten kann. Die Universität Potsdam strebt eine Erhöhung des Anteils von Frauen im wissenschaftlichen Bereich an und fordert Frauen deshalb nachdrücklich zur Be­werbung auf. Dieser Satz steht in jeder Ausschreibung für eine an der Universität Potsdam vor­gesehene Professur. Wie ernst ist es der Universität mit der Frauenförderung? In einem Brief vom Dezember ver­gangenen Jahres an den Wissen­schaftsminister hat der Grün­dungsrektor, Prof. Dr. Rolf Mitzner, versichert, darauf zu achten, daß in den Berufungs­kommissionen die im Hoch­schulrahmengesetz und im Zweiten Hochschulsonder­programm vom 2. Oktober 1990 sowie für die neuen Länder im Hochschulerneuerungspro­gramm festgelegten Förder­Tichtlinien für Frauen eingehal­ten werden. Im Mai dieses Jahres hat der Gründungsrektor erneut seine Bemühungen bekräftigt, Profes­sorinnen auch stärker in die lau­fenden Berufungsverfahren ein­zubinden. Als Ergebnis dessen wurde beispielsweise die perso­nelle Zusammensetzung der Be­Tufungskommission Ernäh­Tungswissenschaft, die über die Besetzung von vier ausgeschrie­benen C 3-Professuren zu befin­den hat, um vier Professorinnen _ aus Berlin, Gießen und Magde­burg ergänzt. Auch für die Beru­fungskommissionen Naturstoff­

chemie, Kolloidchemie, Stocha­stik, Algebra und Allgemeine Geologie u.a. ist es gelungen, Frauen für die Mitarbeit zu gewinnen.

Nicht immer ist es jedoch der Universität möglich, bereits bei der Besetzung der Berufungs­kommissionen mehr Frauen zu berücksichtigen, weil die An­zahl von auswärtigen Wissen­schaftlerinnen in vielen Fachge­

bieten sehr begrenzt ist. Außer­dem müssen nicht selten von der Universität vorgeschlagene Wissenschaftlerinnen ihre Mit­arbeit in der betreffenden Kom­mission ablehnen, weil sie sich selbst für eine ausgeschriebene Professur in Potsdam bewerben möchten, was von vornherein eine solche Mitarbeit verbieten würde. Eine Berufung solcher Kandidatinnen in eine Beru­fungskommission wäre dann für die Universität Potsdam ausge­sprochen kontraproduktiv.

Für die Glaubwürdigkeit der Bemühungen zur Frauenförde­rung an der Universität Potsdam spricht die Auswertung der bis­herigen Berufungsvorschläge des Gründungssenats. Bis zum 13. Juli 1993 wurden 91 Beru­fungslisten verabschiedet und dem Wissenschaftsminister zur Ruferteilung vorgelegt. Auf 33 dieser Listen(entspricht 36,2%) wurden Frauen auf vordere Plät­ze gesetzt. Davon nehmen auf 15 dieser 91 Listen(entspricht

16,3%) weibliche Kandidaten den ersten Platz ein. Auf Listen­platz 2 wurden 13 und auf den 3. Listenplatz 18 Bewerberinnen gesetzt. Daraus ist erkennbar, daß bei der Besetzung der Pro­fessuren an der Universität Pots­dam ein weit höherer Frauenan­teil angestrebt wird, als derzeit in der deutschen Hochschulland­schaft üblich ist.

Von den 15 Erstplazierten wur­den inzwischen drei Frauen er­nannt. Dr. Luise Schorn-Schütte wurde am 24. März 1993 die erste C 4-Professorin, und zwar für den Lehrstuhl Neuere Ge­schichte. Am 29. Juni 1993 folg­ten zwei Potsdamerinnen. Dr. Marianne Andrae erhielt ihre Ernennung zur C 4-Professorin für Bürgerliches Recht, Interna­tionales Privatrecht und Rechts­vergleichung, und Dr. Dagmar Klose wurde zur C 4-Professorin für Didaktik der Geschichte er­nannt. In verschiedenen Fachbe­reichen haben fünf Frauen den erhaltenen Ruf auf einen Lehr­stuhl angenommen und sehen ihrer Ernennung entgegen. Sie­ben berufene Kandidatinnen führen mit der Universität noch Berufungsgespräche. Schließ­lich steht noch die Überleitung von Professorinnen auf die in der Struktur vorgesehenen Stellen bevor. An der akademischen Lehre und Forschung sind wei­terhin 10 habilitierte Wissen­schaftlerinnen beteiligt.

Ein weiteres Beispiel ist die ausgeschriebene C 4-Professur für Frauenforschung(Struktur und Geschichte von Geschlech­terbeziehungen), die sich mit ihrem Schwerpunkt der Soziali­sierungsbedingungen von Frau­en in der ehemaligen DDR von allen anderen 61 Frauenfor­schungsprofessuren in Deutsch­land abhebt und besonders im Berlin-Brandenburger Raum eigene Akzente setzt. Daß diese in Brandenburg einzige CProfessur für Frauenforschung in besonderem Interesse der Öffentlichkeit steht, zeigt die

Anzahl von 104 Bewerberinnen. Von den 10 Mitgliedern der Berufungskommission, die ei­nen Besetzungsvorschlag für diese Stelle erarbeiten soll, sind sieben Frauen. Auch in Zukunft wird die Uni­versität Potsdam alle Aspekte der Frauenförderung in enger Zusammenarbeit mit der Gleich­stellungsbeauftragten berück­sichtigen, was sich auch in deren Anwesenheit bei den Beratun­gen der Berufungskommissio­nen dokumentiert. Übrigens wird auch der eigene weibliche wissenschaftliche Nachwuchs gefördert, denn der Frauenanteil unter den 121 Pro­motionsstudenten des WS 1992/ 93 beträgt beachtliche 46,3%. Die Universität ist überzeugt, daß der beste Weg, eine stärkere Beteiligung von Frauen an der Wissenschaft zu erreichen und geschlechtsspezifische Benach­teiligungen abzubauen, über eine gezielte Förderung von Promotionen und Habilitationen Frauenförderung ist für die Uni­versität Potsdam gleichbedeu­tend mit Wissenschaftsförde­rung.

Dr. Rolf Rammelt

(15.7.93)

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