FRAUENFÖRDERUNG
Nr. 13/93— Seite 11
Hoher Professorinnenanteil wird angestrebt
Frauen stellen im akademischen Lehramt an Hochschulen bis heute eine verschwindend kleine Minorität dar. Im Bundesdurchschnitt sind gegenwärtig nur etwa 5 Prozent aller Professorenstellen mit Frauen besetzt; der Anteil der C 4-Professorinnen liegt sogar nur bei etwa 2,6 Prozent. Dieser niedrige Anteil von wissenschaftlich tätigen Frauen an den Universitäten bedeutet einen Verlust an geistigem Potential, den sich die Gesellschaft auf Dauer nicht leisten kann. “Die Universität Potsdam strebt eine Erhöhung des Anteils von Frauen im wissenschaftlichen Bereich an und fordert Frauen deshalb nachdrücklich zur Bewerbung auf.” Dieser Satz steht in jeder Ausschreibung für eine an der Universität Potsdam vorgesehene Professur. Wie ernst ist es der Universität mit der Frauenförderung? In einem Brief vom Dezember vergangenen Jahres an den Wissenschaftsminister hat der Gründungsrektor, Prof. Dr. Rolf Mitzner, versichert, darauf zu achten, daß in den Berufungskommissionen die im Hochschulrahmengesetz und im Zweiten Hochschulsonderprogramm vom 2. Oktober 1990 sowie für die neuen Länder im Hochschulerneuerungsprogramm festgelegten FörderTichtlinien für Frauen eingehalten werden. Im Mai dieses Jahres hat der Gründungsrektor erneut seine Bemühungen bekräftigt, Professorinnen auch stärker in die laufenden Berufungsverfahren einzubinden. Als Ergebnis dessen wurde beispielsweise die personelle Zusammensetzung der BeTufungskommission ErnähTungswissenschaft, die über die Besetzung von vier ausgeschriebenen C 3-Professuren zu befinden hat, um vier Professorinnen _ aus Berlin, Gießen und Magdeburg ergänzt. Auch für die Berufungskommissionen Naturstoff
chemie, Kolloidchemie, Stochastik, Algebra und Allgemeine Geologie u.a. ist es gelungen, Frauen für die Mitarbeit zu gewinnen.
Nicht immer ist es jedoch der Universität möglich, bereits bei der Besetzung der Berufungskommissionen mehr Frauen zu berücksichtigen, weil die Anzahl von auswärtigen Wissenschaftlerinnen in vielen Fachge
bieten sehr begrenzt ist. Außerdem müssen nicht selten von der Universität vorgeschlagene Wissenschaftlerinnen ihre Mitarbeit in der betreffenden Kommission ablehnen, weil sie sich selbst für eine ausgeschriebene Professur in Potsdam bewerben möchten, was von vornherein eine solche Mitarbeit verbieten würde. Eine Berufung solcher Kandidatinnen in eine Berufungskommission wäre dann für die Universität Potsdam ausgesprochen kontraproduktiv.
Für die Glaubwürdigkeit der Bemühungen zur Frauenförderung an der Universität Potsdam spricht die Auswertung der bisherigen Berufungsvorschläge des Gründungssenats. Bis zum 13. Juli 1993 wurden 91 Berufungslisten verabschiedet und dem Wissenschaftsminister zur Ruferteilung vorgelegt. Auf 33 dieser Listen(entspricht 36,2%) wurden Frauen auf vordere Plätze gesetzt. Davon nehmen auf 15 dieser 91 Listen(entspricht
16,3%) weibliche Kandidaten den ersten Platz ein. Auf Listenplatz 2 wurden 13 und auf den 3. Listenplatz 18 Bewerberinnen gesetzt. Daraus ist erkennbar, daß bei der Besetzung der Professuren an der Universität Potsdam ein weit höherer Frauenanteil angestrebt wird, als derzeit in der deutschen Hochschullandschaft üblich ist.
Von den 15 Erstplazierten wurden inzwischen drei Frauen ernannt. Dr. Luise Schorn-Schütte wurde am 24. März 1993 die erste C 4-Professorin, und zwar für den Lehrstuhl Neuere Geschichte. Am 29. Juni 1993 folgten zwei Potsdamerinnen. Dr. Marianne Andrae erhielt ihre Ernennung zur C 4-Professorin für Bürgerliches Recht, Internationales Privatrecht und Rechtsvergleichung, und Dr. Dagmar Klose wurde zur C 4-Professorin für Didaktik der Geschichte ernannt. In verschiedenen Fachbereichen haben fünf Frauen den erhaltenen Ruf auf einen Lehrstuhl angenommen und sehen ihrer Ernennung entgegen. Sieben berufene Kandidatinnen führen mit der Universität noch Berufungsgespräche. Schließlich steht noch die Überleitung von Professorinnen auf die in der Struktur vorgesehenen Stellen bevor. An der akademischen Lehre und Forschung sind weiterhin 10 habilitierte Wissenschaftlerinnen beteiligt.
Ein weiteres Beispiel ist die ausgeschriebene C 4-Professur für Frauenforschung(Struktur und Geschichte von Geschlechterbeziehungen), die sich mit ihrem Schwerpunkt der Sozialisierungsbedingungen von Frauen in der ehemaligen DDR von allen anderen 61 Frauenforschungsprofessuren in Deutschland abhebt und besonders im Berlin-Brandenburger Raum eigene Akzente setzt. Daß diese in Brandenburg einzige C 4Professur für Frauenforschung in besonderem Interesse der Öffentlichkeit steht, zeigt die
Anzahl von 104 Bewerberinnen. Von den 10 Mitgliedern der Berufungskommission, die einen Besetzungsvorschlag für diese Stelle erarbeiten soll, sind sieben Frauen. Auch in Zukunft wird die Universität Potsdam alle Aspekte der Frauenförderung in enger Zusammenarbeit mit der Gleichstellungsbeauftragten berücksichtigen, was sich auch in deren Anwesenheit bei den Beratungen der Berufungskommissionen dokumentiert. Übrigens wird auch der eigene weibliche wissenschaftliche Nachwuchs gefördert, denn der Frauenanteil unter den 121 Promotionsstudenten des WS 1992/ 93 beträgt beachtliche 46,3%. Die Universität ist überzeugt, daß der beste Weg, eine stärkere Beteiligung von Frauen an der Wissenschaft zu erreichen und geschlechtsspezifische Benachteiligungen abzubauen, über eine gezielte Förderung von Promotionen und Habilitationen Frauenförderung ist für die Universität Potsdam gleichbedeutend mit Wissenschaftsförderung.
Dr. Rolf Rammelt
(15.7.93)
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