ROMANISTENTAG
Nr. 14/93— Seite 7
Vom 27.30. 9. 1993 ist an der Universität Potdam der XXIII. Deutsche Romanistentag durchgeführt worden. Alle zwei Jahre wird dieses Fachwissenschaftlertreffen zu bestimmten Leitthemen veranstaltet; der Vorstand wird innerhalb der Tagung neu gewählt.
_ Indiesem Jahr lag auf Grund der politischen Veränderungen der letzten Zeit ein besonderer Akzent auf der Intensivierung von Kontakten zur osteuropäischen Romanistik, die bisher nur teilweise mit dem Verband in engerer Verbindung gestanden hat.
Ca. 600 Teilnehmer aus dem Inund Ausland waren angereist, um den 150 Vorträgen, Plenarsitzungen und Sektionsarbeiten beizuwohnen. Die Themenpalette war breit und bot allen Beteiligten Interessantes.
Zunächst gab es eine dringend notwendige Verbandsdebatte, in der über das Modell zur Kooperation der romanistischen Fachverbände beraten wurde. Grund dafür war die vor allem in den letzten beiden Jahren vollzogene Entstehung verschiedener romanistischer Einzelverbände neben dem 900 Mitglieder zählenden deutschen Romanistenverband. Daraus entstand nun die Aufgabe des Findens einer Konstruktion, die auseinandersplitternden Verbände Wieder an den ursprünglichen Romanistenverband heranzuführen. Die Vollversammlung beschloß dies mit großer Mehrheit.
Mit Hilfe des DAAD waren im Vorfeld des Kongresses eine Anzahl von Einladungen an ostund mitteleuropäische RomaniSten ergangen. 10 WissenSchaftler konnten diese wahrnehmen. In einer Plenarsitzung, an der auch der Romanist und Vorsitzende des DAAD, Prof.
Berchem, teilnahm, gingen sie auf ihre spezifischen Probleme ein.
Neben der Fortführung der traditionellen Romanistik in vielerlei Sektionen wurden auch neue Akzente gesetzt, die hier zu betonen sind. So erläuterte man in der Sektion Computerlinguistik v. a. zwei anwendungsorientierte Schwerpunkte: zum einen den computergestützten Fremdsprachenunterricht, zum anderen den Bereich der maschinellen Übersetzung.
In einer anderen Beratungsgruppe näherten sich Wissenschaftler dem Problem der Entphilologisierung. Sie stellten sich insbesondere die Frage„Wie können wir über die Sprach- und Literaturwissenschaft hinaus den Bereich der Landeswissenschaften systematischer in den Griff bekommen?““.
Zum ersten Mal beschäftigte man sich auf einem Romanistentag auch mit Frauenstudien. Nicht weniger interessant und wertvoll stellte sich die Arbeit einer sogenannten„Nachwuchssektion‘“ dar, die sich den Sehweisen, Problemen, Fragestellungen der jüngeren(diesseits von C2 befindenden) Romanisten annahm.
In einer systematischen Sektion waren die Minderheiten in der Romania zentraler Diskussionspunkt. Fragen zur Ethik, ein Überblick über Staaten, in denen einzelne Minderheiten leben (z. B. Frankreich, Italien, Rumänien), sowie die Behandlung jeweiliger Minderheiten führten zu neuen Aspekten in der Forschung.
An 10 Universitäten der neuen Bundesländer gibt es gegenwärtig eine Romanistikausbildung. Die Zahl der interessierten Studenten ist groß. In der ehemaligen DDR existierten lediglich an
vier Universitäten romanistische Bereiche. Noch stehen nicht Wenige der ostdeutschen Ausbildung mit Vorbehalten gegenüber, die sicher nur durch einen hochqualifizierten Unterricht abgebaut werden können. Für die nächsten zwei Jahre, so wurde eingeschätzt, sei, neben vielen anderen Aufgaben, auch die Schaffung alternativer, praxisrelevanter Studiengänge Sowie die Entwicklung von Kurzstudiengängen in ganz Deutschland wichtig.
Petra Görlich
Prof. Manfred Tietz(Universität Bochum), Vorsitzender des
RomanistenverFoto: Tribukeit
Deutschen bandes
„Aufklärung— Lumiegres und Politik“
Parallel zum XXIII. Deutschen Romanistentag fand in Potsdam nach 8monatiger Vorbereitungszeit vom 28. bis 30. September 1993 eine Konferenz des Deutsch-Französischen Kulturrates in Verbindung mit der Französischen Botschaft, dem Land Brandenburg, der Universitiät... Potsdam; dem Centre Franco-Allemand de Recherches en Sciences Sociales in Berlin und dem Max-PlanckInstitut für Geschichte in Göttingen statt.
Erstmals traf der Deutsch-Französische Kulturrat 1988 in Paris zusammen. Gegründet wurde er nach den deutsch-französischen Gipfeln 1986 in Frankfurt/Main und 1987 in Karlsruhe. Seitdem besteht das Ziel dieser Einrichtung darin, die deutsch-französischen Beziehungen zu vertiefen, insbesondere die kulturellen Kontakte zu analysieren, zu koordinieren und durch Initiativen zu beleben. Solche Bereiche wie Buchwesen, Bildende Kunst, Kinowesen, Theater, Tanz, Medien, Wissenschaft und Technik stehen dabei im Mittelpunkt.
Die Tagung in Potsdam, auf der ca. 50 Wissenschaftler beider Länder von verschiedenen Uni
versitäten und Forschungseinrichtungen anwesend waren, trug den Titel„Aufklärung— Lumiö$res und Politik“. Vor allen Dingen sollten jüngere Forscher Deutschlands und Frankreichs zusammengeführt werden, So Etienne Francois, einer der Tagungsleiter.
Weitere Erkenntnisse über das Wesen der Aufklärung und der Lumi@re sowie über den aktuellen Einfluß der Werte der Aufklärung wurden in den vier Schwerpunkte umfassenden Diskussionsrunden gewonnen: I. Politische Kultur in der Provinz, I. Vorformen politischer Partizipation, III. Neue Formen der Soziabilität, IV. Politische Konzepte und Mentalitäten.
Für die TeilnehmerInnen sowohl des Romanistentages als auch des_Deutsch-Französischen Kulturrates hielt Prof. Frederic Hartweg(Paris) einen Vortrag zum Thema Franzosen in Brandenburg. Die Podiumsdiskussion„Aufklärung und politsche Kultur“ sowie ein Empfang Ministerpräsident Stolpes bildeten den Abschluß dieses Zusammentreffens von Deutschen und Franzosen.
Dr. Barbara Eckardt