Nr. 16/93— Seite 4
TREFFEN
Dekane ostdeutscher Juristenfakultäten trafen sich in Potsdam
Neun juristische Fakultäten gibt es derzeit in den neuen Bundesländern mit einer Reihe gleichartiger Probleme. So war es naheliegend, sich zu einer Bestandsaufnahme zusammenzufinden. Das, erste Treffen der neun Dekane aus Rostock, Greifswald, Potsdam, Berlin, Frankfurt/Oder, Leipzig, Dresden, Halle-Wittenberg und Jena fand auf Initiative von Prof. Dr. Olaf Werner(Jena) am 5. Juli an der Universität Potsdam statt. Der gastgebende Dekan, Prof. Dr. Wolfgang Loschelder, regte eine Diskussion zu folgenden Themenkreisen an: Spezifische Probleme der Fakultäten, Stand der Berufungen, Studienordnungen und-pläne, Benotungen u. ä. sowie Fragen der Kommunikation in der jeweiligen Universität sowie zu den Ministerien:
In der freimütigen Aussprache zeigte sich, daß vielfach große Engpässe bei der räumlichen Situation und der Ausstattung der Bibliotheken bestehen. In der
Regel weisen die Bibliotheken;
bis 1945 noch eine annehmbare
Bestückung auf; danach fehlt es|; Die Dekane der neun Juristischen Fakultäten in den neuen
vor allem an einem geschlossenen monographischen Bestand sowie an Fachzeitschriften. Die Gelder des Hochschulerneuerungsprogramms sowie Spenden wurden verständlicherweise im Schwerpunkt zunächst für die Anschaffung der aktuellen Literatur, insbesondere der Studienliteratur, verwendet.
Die Ausstattung der Juristischen Fakultäten, die häufig zu den studentenreichsten ihrer Universität zählen, mit C 4- und C 3-Lehrstühlen ist, jedenfalls für die erste Ausbauphase, in den meisten Fällen zwar knapp, aber hinreichend. Häufig hat es eine Flut von qualifizierten Bewerbungen gegeben, wobei Wohnungsprobleme mitunter ein großes Hindernis bei der
endgültigen Ansiedlung bilden. In der Diskussion fiel das Wort „Reisefakultät‘“. Nicht alle bereits zu DDR-Zeiten bestehenden Juristischen Fakultäten wurden„ohne Rest“ abgewikkelt, so daß mitunter auch Rechtswissenschaftler der DDR — allerdings in geringer Zahl— zum Lehrpersonal gehören. Vereinzelt wird auch erwartet, daß abgewickelte oder negativ evaluierte ehemalige Rechtswissenschaftler versuchen werden, im Klagewege in die Fakultäten zurückzukehren.
In den Universitäten selbst fin
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versitäre Kommunikation. Eine Ursache für Defizite auf diesem Gebiet wird in den Schwierigkeiten gesehen, die die strukturelle Aufbauphase der Hochschulen mit sich bringt.
Die Zusammenarbeit mit den zuständigen Landesministerien ist von verschiedenen Faktoren abhängig und differiert von Land zu Land und von Ministerium zu Ministerium erheblich. Auch über übermäßig bürokratische Vorgehensweisen und die Abhängigkeit von der jeweiligen Regierungskonstellation wurde berichtet.
Bundesländern trafen sich im Juli zu einem ersten intensiven Meinungsaustausch. An den Fakultäten gibt es eine Reihe gleichartiger Probleme, die weitere Treffen angezeigt erscheinen lassen. In Potsdam vereinbarte man je Semester eine Be
gegnung.
den die Fakultäten durchweg eine erfreuliche Akzeptanz. Man stellt hohe Erwartungen an sie, sowohl was ihre Attraktivität für die Studenten als auch ihre Beteiligung am Aufbau der Universitäten, zumal in rechtlicher Hinsicht, angeht. Auswirkungen auf den Grad der Akzeptanz hat nicht zuletzt die Schwerpunktsetzung der jeweiligen Universität(z. B. Naturoder_Geisteswissenschaften). Verbesserungswürdig erscheint vielen Dekanen die inneruni
Eingehend wurde die Problematik der Studienpläne, Studienordnungen sowie Promotions- und Habilitationsordnungen erörtert. All diese Fragen werden auch bei zukünftigen Treffen breiten Raum einnehmen— gedacht ist an eine Begegnung reihum je Semester. Einig waren sich alle Teilnehmer in dem Wunsch, bald von Normalität im Alltag ihrer Fakultäten berichten zu können.
Regine Derdack
/|konnte Jonas
Neues vom MMZ
Als Direktor für das am 18. 11. seine Pforten öffnende Jüdische Museum in Wien konnte Prof. Dr. Julius H. Schoeps gewonnen werden. Schoeps hat an der Universität Potsdam einen Lehrstuhl für Neuere Geschichte(deutsch-jüdische Geschichte) inne und ist Leiter des Moses Mendelssohn Zentrums für europäisch-jüdische Studien. Die als nebenamtliche Tätigkeit vereinbarte Arbeit in Wien ist auf drei Jahre veranschlagt.
Mit Veranstaltungen zu Hans Jonas wurde im Oktober die Reihe„Große zeitgenössische Denker“ fortgesetzt. Das Gemeinschaftsprojekt zwischen dem MMZ und der Potsdamer Volkshochschule will Interessenten über die Universität hinaus mit dem Gedankengut jüdischer Philosophen bekannt machen. Hans Jonas wurde vor allem als Religionskritiker und Philosoph, als Vordenker einer ökologischen Ethik und„als Jüdische Stimme“ vorgestellt. Dem interessierten Publikum in besonderer Weise nahegebracht werden, da zwei der Referenten, Dr. Chri
1|stoph Schulte(MMZ) und Prof.
Eveline Goodman-Thau(Jerusalem), den Philosophen aus persönlichem Erleben kannten.
„Eigenbild und_Fremdbild deutschsprachiger Juden“ ist das Mendelssohn Colloquium des MMZ im Wintersemester überschrieben. Es versteht sich als interdisziplinäres wissenschaftliches Colloquium zu Fachthemen und Methodenfragen im Bereich der Jüdischen Studien und wird sich u. a. Hermann Cohen, Karl Wolfskehl, Walter Benjamin und Gustav Landauer zuwenden. Begonnen wurde am 3. 11. mit einem Vortrag von Prof. Dr. Gert Mattenklott(Universität Marburg) zu Moritz Heimann.(Die Termine und Themen werden fortlaufend in der Universitätszeitung bekannt gegeben.)