Heft 
(1.1.2019) 16
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Nr. 16/93 Seite 4

TREFFEN

Dekane ostdeutscher Juristenfakultäten trafen sich in Potsdam

Neun juristische Fakultäten gibt es derzeit in den neuen Bundes­ländern mit einer Reihe gleich­artiger Probleme. So war es na­heliegend, sich zu einer Be­standsaufnahme zusammenzu­finden. Das, erste Treffen der neun Dekane aus Rostock, Greifswald, Potsdam, Berlin, Frankfurt/Oder, Leipzig, Dres­den, Halle-Wittenberg und Jena fand auf Initiative von Prof. Dr. Olaf Werner(Jena) am 5. Juli an der Universität Potsdam statt. Der gastgebende Dekan, Prof. Dr. Wolfgang Loschelder, regte eine Diskussion zu folgenden Themenkreisen an: Spezifische Probleme der Fakultäten, Stand der Berufungen, Studienord­nungen und-pläne, Benotungen u. ä. sowie Fragen der Kommu­nikation in der jeweiligen Uni­versität sowie zu den Ministeri­en:

In der freimütigen Aussprache zeigte sich, daß vielfach große Engpässe bei der räumlichen Si­tuation und der Ausstattung der Bibliotheken bestehen. In der

Regel weisen die Bibliotheken;

bis 1945 noch eine annehmbare

Bestückung auf; danach fehlt es|; Die Dekane der neun Juristischen Fakultäten in den neuen

vor allem an einem geschlosse­nen monographischen Bestand sowie an Fachzeitschriften. Die Gelder des Hochschulerneue­rungsprogramms sowie Spen­den wurden verständlicherwei­se im Schwerpunkt zunächst für die Anschaffung der aktuellen Literatur, insbesondere der Stu­dienliteratur, verwendet.

Die Ausstattung der Juristi­schen Fakultäten, die häufig zu den studentenreichsten ihrer Universität zählen, mit C 4- und C 3-Lehrstühlen ist, jedenfalls für die erste Ausbauphase, in den meisten Fällen zwar knapp, aber hinreichend. Häufig hat es eine Flut von qualifizierten Be­werbungen gegeben, wobei Wohnungsprobleme mitunter ein großes Hindernis bei der

endgültigen Ansiedlung bilden. In der Diskussion fiel das Wort Reisefakultät. Nicht alle be­reits zu DDR-Zeiten bestehen­den Juristischen Fakultäten wurdenohne Rest abgewik­kelt, so daß mitunter auch Rechtswissenschaftler der DDR allerdings in geringer Zahl zum Lehrpersonal gehören. Vereinzelt wird auch erwartet, daß abgewickelte oder negativ evaluierte ehemalige Rechts­wissenschaftler versuchen wer­den, im Klagewege in die Fa­kultäten zurückzukehren.

In den Universitäten selbst fin­

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versitäre Kommunikation. Eine Ursache für Defizite auf diesem Gebiet wird in den Schwierig­keiten gesehen, die die struktu­relle Aufbauphase der Hoch­schulen mit sich bringt.

Die Zusammenarbeit mit den zuständigen Landesministerien ist von verschiedenen Faktoren abhängig und differiert von Land zu Land und von Ministe­rium zu Ministerium erheblich. Auch über übermäßig bürokra­tische Vorgehensweisen und die Abhängigkeit von der jewei­ligen Regierungskonstellation wurde berichtet.

Bundesländern trafen sich im Juli zu einem ersten intensiven Meinungsaustausch. An den Fakultäten gibt es eine Reihe gleichartiger Probleme, die weitere Treffen angezeigt erschei­nen lassen. In Potsdam vereinbarte man je Semester eine Be­

gegnung.

den die Fakultäten durchweg eine erfreuliche Akzeptanz. Man stellt hohe Erwartungen an sie, sowohl was ihre Attraktivi­tät für die Studenten als auch ihre Beteiligung am Aufbau der Universitäten, zumal in rechtli­cher Hinsicht, angeht. Auswir­kungen auf den Grad der Ak­zeptanz hat nicht zuletzt die Schwerpunktsetzung der jewei­ligen Universität(z. B. Natur­oder_Geisteswissenschaften). Verbesserungswürdig erscheint vielen Dekanen die inneruni­

Eingehend wurde die Proble­matik der Studienpläne, Studi­enordnungen sowie Promoti­ons- und Habilitationsordnun­gen erörtert. All diese Fragen werden auch bei zukünftigen Treffen breiten Raum einneh­men gedacht ist an eine Be­gegnung reihum je Semester. Einig waren sich alle Teilneh­mer in dem Wunsch, bald von Normalität im Alltag ihrer Fa­kultäten berichten zu können.

Regine Derdack

/|konnte Jonas

Neues vom MMZ

Als Direktor für das am 18. 11. seine Pforten öffnende Jüdische Museum in Wien konnte Prof. Dr. Julius H. Schoeps gewon­nen werden. Schoeps hat an der Universität Potsdam einen Lehrstuhl für Neuere Geschich­te(deutsch-jüdische Geschich­te) inne und ist Leiter des Moses Mendelssohn Zentrums für eu­ropäisch-jüdische Studien. Die als nebenamtliche Tätigkeit ver­einbarte Arbeit in Wien ist auf drei Jahre veranschlagt.

Mit Veranstaltungen zu Hans Jonas wurde im Oktober die ReiheGroße zeitgenössische Denker fortgesetzt. Das Ge­meinschaftsprojekt zwischen dem MMZ und der Potsdamer Volkshochschule will Interes­senten über die Universität hin­aus mit dem Gedankengut jüdi­scher Philosophen bekannt ma­chen. Hans Jonas wurde vor al­lem als Religionskritiker und Philosoph, als Vordenker einer ökologischen Ethik undals Jü­dische Stimme vorgestellt. Dem interessierten Publikum in besonderer Weise nahegebracht werden, da zwei der Referenten, Dr. Chri­

1|stoph Schulte(MMZ) und Prof.

Eveline Goodman-Thau(Jeru­salem), den Philosophen aus persönlichem Erleben kannten.

Eigenbild und_Fremdbild deutschsprachiger Juden ist das Mendelssohn Colloquium des MMZ im Wintersemester überschrieben. Es versteht sich als interdisziplinäres wissen­schaftliches Colloquium zu Fachthemen und Methodenfra­gen im Bereich der Jüdischen Studien und wird sich u. a. Her­mann Cohen, Karl Wolfskehl, Walter Benjamin und Gustav Landauer zuwenden. Begonnen wurde am 3. 11. mit einem Vor­trag von Prof. Dr. Gert Matten­klott(Universität Marburg) zu Moritz Heimann.(Die Termine und Themen werden fortlau­fend in der Universitätszeitung bekannt gegeben.)