FRAUENFORSCHUNG
Auf dem Weg zur Professur für Frauenforschung|
Bewerberinnen stellten sich vor
Bereits 1991 faßte der Gründungssenat den Beschluß, der im Oktober 1992 bekräftigt wurde, eine C4-Professur für Frauenforschung an der Universität Potsdam auszuschreiben. Der Gleichstellungsrat verwies immer wieder auf die Bedeutung einer solchen Professur, weil„sie einen gewichtigen Beitrag dazu leisten kann, mit Frauenförderung an unserer Universität endlich ernst zu machen. Es hat wenig Sinn, bei der Besetzung von Lehrstühlen darüber zu klagen, daß zu wenig Bewerberinnen berücksichtigt werden können, wenn nichts gegen den strukturell bedingten frauenfeindlichen Weg zur Qualifikation unternommen wird.“(PUZ 15/92,„„Gründungssenat gefordert‘‘)
Am 5. und 6. November 1993 stellten sich nun sechs der acht von der Berufungskommission Frauenforschung ausgewählten Bewerberinnen für die C4-Professur mit dem Schwerpunkt Struktur, Sepzifik und Geschichte von Geschlechterbeziehungen in 30minütigen Vorträgen mit anschließender Diskussion der Öffentlichkeit vor.
Dem gingen zwei Beratungen dieser Kommission voraus. Prof. Dr. Bärbel Kirsch, Geschäftsführende Direktorin des Fachbereiches Psychologie, wurde mit Beschluß des Gründungssenates vom 9. September 1993 mit der Wahrnehmung der Geschäfte beauftragt und
schließlich als Vorsitzende dieses Gremiums gewählt. Ent
sprechend der Ausschreibung sollten BewerberInnen auf einem der Fachgebiete Psychologie, Biologie, Pädagogik, Politikwissenschaften, Sozialwissenschaften, Rechtswissen
schaften, Sprach- und Literatur-|
wissenschaften wissenschaftli
che Kompetenz nachweisen.
Gefordert wurden außerdem
von den StelleninhaberInnen
Fähigkeiten in der kooperativen
Forschungstätigkeit und im
Wissenschaftsmanagement So
wie möglichst Erfahrungen zu
spezifischen Sozialisationsbedingungen von Frauen in der ehemaligen DDR.
Auf Grund des sehr breit gefaß
ten Ausschreibungstextes fiel
den Mitgliedern der Berufungskommission die Auswahl unter den 75(davon ein Mann) eingegangenen Bewerbungen aus Ost und West schwer, zumal hervorragende aus verschiedenen
Fachgebieten vorlagen.
Schließlich einigte man sich auf
folgende Kriterien:
„1. Abgeschlossene Habilitation oder adäquate Leistungen
2. Fachliches Profil— Gesellschafts- und kulturwissenschaftliche Geschlechterforschung in Theorie und Empirie
3. Möglichst einschlägige Erfahrungen in Lehre und Forschung
4. Einschlägige Publikationen
Interdisziplinarität
6. Erfahrungen im Wissenschaftsmanagement
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Nr. 18/93— Seite 3
Vorsitzende der Berufungs-| kommission Frauenforschung: Prof. Dr. Bärbel Kirsch'
Foto: Rüffert
7. DDR-Bezug ist wünschenswert".
Dem Gründungssenat empfiehlt| die Berufungskommission, eine| empirisch ausgerichtete Geschlechterforschung im Fach| Sozialwissenschaften anzugliedern. Einhellig sprach man sich|* dagegen aus, Frauenforschung| als Zentraleinrichtung zu insti-| tutionalisieren. Eine Fachanbin- St dung bietet unkompliziertere Möglichkeiten der Wahrnehmung von Lehr- und Prüfungsrecht sowie der Integration in| Lehr- und Forschungsprojekte. Frau Prof. Kirsch betrachtet die| Einrichtung der Frauenprofessur im Land Brandenburg an der Universität Potsdam mit| dem beschriebenen Schwer-| punkt angesichts der Tatsache,| daß um jede dieser Professuren| gerungen werden muß, als eine| zu begrüßende Besonderheit. Die Zusammenarbeit in der Berufungskommission sei sehr konstruktiv, dem Anliegen voll gerecht werdend verlaufen. Alle waren um Konsens bemüht, obgleich es sich um eine sehr schwierige Aufgabe handelte. Die Arbeit der Kommission ist getan. Mögen die verantwortlichen Stellen nun schnell die Bestätigung der Professur vorneh
men. Dr. Barbara Eckardt