Heft 
(1.1.2019) 18
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FRAUENFORSCHUNG

Auf dem Weg zur Professur für Frauenforschung|

Bewerberinnen stellten sich vor

Bereits 1991 faßte der Grün­dungssenat den Beschluß, der im Oktober 1992 bekräftigt wurde, eine C4-Professur für Frauenforschung an der Univer­sität Potsdam auszuschreiben. Der Gleichstellungsrat verwies immer wieder auf die Bedeu­tung einer solchen Professur, weilsie einen gewichtigen Beitrag dazu leisten kann, mit Frauenförderung an unserer Universität endlich ernst zu ma­chen. Es hat wenig Sinn, bei der Besetzung von Lehrstühlen dar­über zu klagen, daß zu wenig Bewerberinnen berücksichtigt werden können, wenn nichts gegen den strukturell bedingten frauenfeindlichen Weg zur Qualifikation unternommen wird.(PUZ 15/92,Grün­dungssenat gefordert)

Am 5. und 6. November 1993 stellten sich nun sechs der acht von der Berufungskommission Frauenforschung ausgewählten Bewerberinnen für die C4-Pro­fessur mit dem Schwerpunkt Struktur, Sepzifik und Ge­schichte von Geschlechterbe­ziehungen in 30minütigen Vor­trägen mit anschließender Dis­kussion der Öffentlichkeit vor.

Dem gingen zwei Beratungen dieser Kommission voraus. Prof. Dr. Bärbel Kirsch, Ge­schäftsführende Direktorin des Fachbereiches Psychologie, wurde mit Beschluß des Grün­dungssenates vom 9. September 1993 mit der Wahrnehmung der Geschäfte beauftragt und

schließlich als Vorsitzende die­ses Gremiums gewählt. Ent­

sprechend der Ausschreibung sollten BewerberInnen auf ei­nem der Fachgebiete Psycholo­gie, Biologie, Pädagogik, Poli­tikwissenschaften, Sozialwis­senschaften, Rechtswissen­

schaften, Sprach- und Literatur-|

wissenschaften wissenschaftli­

che Kompetenz nachweisen.

Gefordert wurden außerdem

von den StelleninhaberInnen

Fähigkeiten in der kooperativen

Forschungstätigkeit und im

Wissenschaftsmanagement So­

wie möglichst Erfahrungen zu

spezifischen Sozialisationsbe­dingungen von Frauen in der ehemaligen DDR.

Auf Grund des sehr breit gefaß­

ten Ausschreibungstextes fiel

den Mitgliedern der Berufungs­kommission die Auswahl unter den 75(davon ein Mann) einge­gangenen Bewerbungen aus Ost und West schwer, zumal her­vorragende aus verschiedenen

Fachgebieten vorlagen.

Schließlich einigte man sich auf

folgende Kriterien:

1. Abgeschlossene Habilitati­on oder adäquate Leistun­gen

2. Fachliches Profil Gesell­schafts- und kulturwissen­schaftliche Geschlechterfor­schung in Theorie und Em­pirie

3. Möglichst einschlägige Er­fahrungen in Lehre und For­schung

4. Einschlägige Publikationen

Interdisziplinarität

6. Erfahrungen im Wissen­schaftsmanagement

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Nr. 18/93 Seite 3

Vorsitzende der Berufungs-| kommission Frauenforschung: Prof. Dr. Bärbel Kirsch'

Foto: Rüffert

7. DDR-Bezug ist wünschens­wert".

Dem Gründungssenat empfiehlt| die Berufungskommission, eine| empirisch ausgerichtete Ge­schlechterforschung im Fach| Sozialwissenschaften anzuglie­dern. Einhellig sprach man sich|* dagegen aus, Frauenforschung| als Zentraleinrichtung zu insti-| tutionalisieren. Eine Fachanbin- St dung bietet unkompliziertere Möglichkeiten der Wahrneh­mung von Lehr- und Prüfungs­recht sowie der Integration in| Lehr- und Forschungsprojekte. Frau Prof. Kirsch betrachtet die| Einrichtung der Frauenprofes­sur im Land Brandenburg an der Universität Potsdam mit| dem beschriebenen Schwer-| punkt angesichts der Tatsache,| daß um jede dieser Professuren| gerungen werden muß, als eine| zu begrüßende Besonderheit. Die Zusammenarbeit in der Be­rufungskommission sei sehr konstruktiv, dem Anliegen voll gerecht werdend verlaufen. Alle waren um Konsens bemüht, ob­gleich es sich um eine sehr schwierige Aufgabe handelte. Die Arbeit der Kommission ist getan. Mögen die verantwortli­chen Stellen nun schnell die Be­stätigung der Professur vorneh­

men. Dr. Barbara Eckardt