Nr. 19/93— Seite 6
KOLLOQUIUM
Sprachwissenschaftliches Kolloquium
Am 25. und 26. November fand in den Räumen des Fachbereiches Germanistik das„Potsdamer Kollqouium zur deutschen Grammatik 1993“ statt. Die Tagung wurde auf Initiative des Lehrstuhls für deutsche Sprache der Gegenwart(Professor Eisenberg) mit Unterstützung der Universität Potsdam durchgeführt. Eingeladen waren zwölf Referenten aus Deutschland, den Niederlanden und Dänemark.
Alle Vorträge behandelten Fragen der Wortstrukturtheorie, wobei die Verhältnisse im Deutschen ausdrücklich im Mittelpunkt standen. Die Wörter natürlicher Sprachen sind in ganz unterschiedlicher Weise strukturiert, beispielsweise als
sprachliche Rhythmusgeber, als|”
Abfolgen von Artikulationsbewegungen und natürlich nicht zuletzt als Träger von Bedeutungen. Die moderne Wortstrukturforschung hat das Ziel, die strukturierenden Gesichtspunkte sowohl in ihrer Eigenständigkeit als auch in ihrem Zusammenwirken beim Aufbau komplexer Strukturen zu beschreiben und zu erklären. Die Struktur jedes einzelnen Wortes gibt gleichzeitig Auskunft darüber, wie das Wort auf andere Wörter bezogen ist.
Ergebnisse der Wortstrukturforschung sind von großem.praktischen Interesse. Durchschnittliche Sprecherinnen und Sprecher des Deutschen verfügen über einen aktiven Wortschatz
von weit mehr als 10.000 Einheiten. Der passive Wortschatz (die Zahl der Wörter, die man versteht, normalerweise aber nicht selbst benutzt), beträgt ein Vielfaches davon. Der Rechtschreibduden etwa enthält heute 115.000 Wörter, und die Fachwortschätze von Disziplinen wie Biologie oder Medizin weisen noch einmal ein Mehrfaches davon auf. Schon die Zahlen für die Alltagssprache zeigen, daß die Wörter eines Wortschatzes eng vernetzt sein müssen. Wie
richtet, und es wurden vor allem Forschungsergebnisse zur Diskussion gestellt. Zwischen den teilnehmenden Wissenschaftlern von unserer Universität, von den Berliner Universitäten und vom Berliner Forschungsschwerpunkt Allgemeine Sprachwissenschaft kam es zu einem intensiven Gedankenaustausch in bester Arbeitsatmosphäre. Allgemein gelobt wurde die perfekte Organisation, die in den Händen von Maria Pichottka gelegen hatte.
Prof. Dr. Kloeke aus Nimwegen(Holland) während seines Re
ferates
Wörter gelernt werden und wie sie beim Sprechen und Verstehen verarbeitet werden, läßt sich ohne Kenntnis aller Aspekte ihrer Struktur nicht verstehen.
Auf dem Potsdamer Kolloquium wurde über neue Forschungsansätze sowie über laufende und geplante Projekte be
Foto: Tribukeit
Das Potsdamer Kollqouium zur deutschen Grammatik soll, wenn seine Finanzierung gesichert werden kann, alljährlich im Spätherbst stattfinden. Als Rahmenthema für 1994 ist„Das Verhältnis von phonologischer Theoriebildung und Alphabetschrift“ vorgesehen.
euroPool"94: Firmenkontaktmesse in Berlin
Die Chancen der Studenten, auf den gegenwärtigen Arbeitsmarkt zu gelangen, stehen schlecht. An den bundesdeutschen Hochschulen liegt vieles im argen. Dazu zählt der mangelnde Praxisbezug während der Ausbildung. Um dem zumindest teilweise abzuhelfen, veranstalteten die Messegruppe euroPool'94 und die TU Berlin gemeinsam eine Firmenkontaktmesse euroPool'94. Dieses
Bindeglied zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, zwischen Studium und Praxis dient vor allem dem Informationsaustausch. Angesprochen werden Studenten aller Semester. Ob es um das Angebot an Praktika, Studien- und Diplomarbeiten, um wertvolle Tips zur Bewerbung und zum Berufseinstieg, um Erläuterungen zu Traineeprogrammen oder zu Perspektivbildern geht, die Interessen
ten erhalten Auskunft. Gespräche mit Vertretern der Industrie können in lockerer Atmosphäre geführt werden. Bereits zugesagt haben 27 Firmen. Erwartet werden einige tausend Studenten aus dem gesamten Bundesgebiet. Veranstaltungstermin ist der 18. Januar 1994, 9.00-17.00 Uhr. Die Messe wird, wie gewohnt, im Lichthof der TU Berlin, Straße des 17. Juni 135, stattfinden.
Zu Gast
Vom 4.—-12. Dezember weilte im Fachbereich Slavistik Herr Prof. Michail Alexejewitsch Scheljakin zu Gast. Der Professor für russische Sprache ist Angehöriger der Universität Tartu (Estland). Er lehrt und arbeitet im dortigen Institut für slavische Philologie.
Hier in Potsdam ist Prof. Scheljakin kein Unbekannter. Als Gastdozent für russische Sprachwissenschaft trug er an der damaligen Sektion Slavistik/Anglistik fünf Jahre lang wesentlich zur Bereicherung von Forschung und Lehre bei. Unter seiner wissenschaftlichen Betreuung sind in dieser Zeit zehn Dissertationen erfolgreich abgeschlossen und verteidigt worden. Er selbst nutzte die Jahre, um seine eigene Habilschrift anzufertigen.„Es war eine wechselseitige Verbindung und wohl nützlich für beide Seiten“, so: sagt er.„Ich war Ge
|!bender und Nehmender zu
gleich.‘‘.., In. der..,Wendezeit‘“ konnten die wissenschaftlichen Kontakte zu ihm aufrechterhalten werden. Jetzt ermöglichte die Landesregierung mit finanziellen Mitteln seinen Aufenthalt in Potsdam. Diesen nutzte er, um_Lehrveranstaltungen, Diskussionsrunden und Fachgespräche durchzuführen. Die Studenten zeigten dabei u. a. großes Interesse für die Situation in den baltischen Staaten. Auch Nachwuchswissenschaftler erhielten die Chance, in Konsultationen mit ihm ihr Wissen zu vervollständigen.
„Ich bin außerordentlich froh, hier zu sein. Für mich gab es eigentlich: keine: Pause in der freundschaftlichen Verbindung zu den Potsdamer Kollegen. Ich habe viele persönliche Freunde hier gefunden, über die fachlichen Beziehungen hinaus“, meint der Slavist. Zusammen sei man wissenschaftlich gewachsen. Diese Kooperation solle fortgeführt werden. Künftige Forschungsergebnisse könnten davon zeugen... P.G.