FORSCHUNG
Nr. 19/93— Seite 9
Oxford-Stipendien für ostdeutsche Dritte-WeltForscher
Zum dritten Mal können sich jüngere Ostdeutsche Geistesund Gesellschaftswissenschaftler, die sich mit gegenwartsbezogenen Afrika-, Asien- und Lateinamerika-Forschungen befassen, für ein Forschungsstipendium am renommierten St. Antony's College in Oxford bewerben.
Die Mittel für das auf fünf Jahre angelegte Programm wurden von der Volkswagen-Stiftung bereitgestellt.
Bewerber müssen promoviert sein, einschlägige Forschungserfahrungen und gute englische Sprachkenntnisse besitzen. Die in der Regel einjährigen Forschungsaufenthalte in Oxford eignen sich besonders für Habilitanden. Bewerbungen und Anfragen sind zu richten an: Mr. A. J. Nicholls, Co-ordinator, Volkswagen-Fellowships, St. Antony College, Oxford OX2 6JF, England. Bewerbungsschluß ist der 15. Januar 1994.
Effiziente Nutzung
piere, Seminararbeiten), multilinguale Datenverarbeitung, Logik der Dateiverwaltung und Fremddatenübernahme. Handwerkliche Aspekte stehen bei diesen Themen im Vordergrund, wobei es um weit mehr geht als um einfache Bedienung eines bestimmten Programmsystems. Uns geht es vielmehr darum, angemessene Arbeitsstrategien zu entwickeln. Reine Computer-Kurse können diese Basisfähigkeiten aber nicht vermitteln. Zu den oben aufgeführten Themen werden über das Semester verteilt Seminare für alle Interessierten(also Studenten und wissenschaftliche Mitarbeiter) angeboten. Bitte beachten Sie dazu die Aushänge der Projektgruppe WINGS. Anregungen und Anfragen sind Zu richten an M. Michael, Tel.: 9.77.2415 oder 33 15.
Führend auf ihrem Forschungsgebiet
Team um Prof. Scheller arbeitet an der Weiterentwicklung von Biosensoren
Vielleicht kann in nicht allzuferner Zukunft die Arbeit der Drogenspürhunde durch Biosensoren ersetzt werden. Daß dieses gelingt, ist das Ziel von Wissenschaftlern der Universität Potsdam.
Rauschgiftsuchhunde, zu diesem Ergebnis kam man während der Forschungen, spüren nicht das Rauschgift selbst auf, sondern reagieren auf dessen Nebenprodukte.„Süchtig gemacht‘ werden sie nicht, um ihre Arbeit zu leisten. Ihr Nachteil ist jedoch die nur auf kurze Dauer mögliche Verwendung für entsprechende Dienste. Sehr bald benötigen die Hunde Ruhepausen. Um dem zu entgehen, versuchen nun Wissen
werden speziell entwickelte Antikörper zusammen mit geeigneten enzymatischen Verstärkersystemen untersucht.
Eigentlich unvorstellbar ist die von den Instrumenten verlangte Empfindlichkeit. Konzentrationen von mehreren tausend Molekülen müssen erfaßt werden— eine außerordentlich große Herausforderung für die Wissenschaftler.„In letzter Zeit‘, so betont Prof. ‚Scheller,„haben
wir Durchbrüche erreicht. Es ist uns gelungen, die Empfindlichkeit von üblichen Biosensoren
verweisen. Eines z. B. ist angesiedelt im Rahmen von EUREKA. Gemeinsam mit Kollegen aus Italien und England wird hier an der Entwicklung neuer Analysetechnologie für das Klinische Labor gearbeitet. Ein anderes ist eingebunden in das EG-Umweltforschungsprogramm. Es hat die Erfassung von Schadstoffen zum Gegenstand.
„Ich bin hier nach Potsdam gekommen, weil ich denke, daß hier noch etwas von der Aufbruchstimmung zu spüren ist“,
schaftler, Biosensoren auf dem|;
Gebiet der einsetzbar zu machen.
Angenommen hat sich dieser| Aufgabe Herr Prof. Scheller,|
seit dem 1. 10. 1993 Lehrstuhlvertreter für Analytische Bio
chemie an der Potsdamer Alma| mater. Gemeinsam mit seinem|}
„sehr gemischten‘“ Team aus Ost und West ist er um die Fortführung der bereits zu DDRZeiten weltweit anerkannten Forschungen auf dem Gebiet der Biosensorik bemüht. Der Biochemiker arbeitete damals am Zentralinstitut für Molekularbiologie in Berlin-Buch. Als erster in Deutschland entwikkelte er Biosensoren. Stolz kann er für sich in Anspruch nehmen, sie bis zur Praxisreife gebracht zu haben. Diese Geräte konnten in großer Stückzahl hergestellt und verkauft werden.
Im Falle des Rauschgiftsensors geht es definitiv darum, bereits im Flugzeug oder auf dem Schiff Hinweise auf Rauschgift festzustellen. Dafür werden Biosensoren und Anreicherungsmodule für Cocain und Cannabisprodukte entwickelt und hinsichtlich ihrer späteren Einsatzmöglichkeiten in einem Drogendedektionsgerät getestet. Als reaktive Komponenten
Drogenfahndung|
Prof. Scheller bei der Präsentation von Meßgeräten im Bun
desministerium für Forschung und Technologie
um etwa fünf bis sechs Größenordnungen zu steigern. Trotz alledem sind wir gegenwärtig noch etwa drei Größenordnungen, also Faktor 1000, von dem entfernt, was wir für den Einsatz des Geräts benötigen.“ In jedem Fall aber ist bereits jetzt eine enorme Technologieentwicklung, die für die Partner in der Industrie interessant ist, abzusehen.
Prof. Scheller steht mit seiner Arbeit nicht allein. Es gibt eine Kooperation mit den ABL Deutsche Aerospace AG(Dr. Hilpert) und mit der Boehringer Mannheim GmbH(Dr. Klein) sowie im Unterauftrag mit dem FhG IAP Teltow-Seehof.
Der Wissenschaftler kann neben diesem auf weitere Projekte
so Prof. Scheller.„Wir können im Osten nicht nur Bratwürste verkaufen, sondern sehr wohl auch High-Tech hervorbringen.“ Sein Team gehört zu den international führenden fünf Forschungsgruppen auf dem Gebiet der Biosensorik. Für Forschung und Lehre an der Universität hat er sich viel vorgenommen.„Wir wollen die interdisziplinäre Orientierung mit in die Ausbildung hineinnehmen, so daß wir den Studenten entsprechende Praktika ermöglichen. Es sollen ganz spezielle Vorlesungen angeboten werden, die es an anderen deutschen Universitäten noch nicht gibt“— möge es ihm gelingen.
Petra Görlich