SPORT
Nr. 6/94 - Seite 13
Zweite Sportlehrerkonferenz im Land Brandenburg
Uber 150 Sportlehrerinnen und Sportlehrer beteiligten sich am Sonnabend, dem 19. Februar 1994, an einem „Erfahrungsaustausch zur Umsetzung der Rahmenpläne Sport im Land Brandenburg“, der vom DSLV, Landesverband Brandenburg in Kooperation mit dem Fachbereich Sportwissenschaft der Universität Potsdam und dem Ministerium für Bildung, Jugend und Sport durchgeführt wurde.
Nach der Eröffnung der Konferenz durch die Ressortleiterin für Aus- und Fortbildung im Bundesvorstand des DSLV, Dr. Christa Helmke, erläuterte Ralf Herrmann, 1. Vorsitzender des Landesverbandes Brandenburg, das Anliegen des Erfahrungsaustausches.
In einem vielbeachteten und sehr konstruktiven Hauptreferat begründete Arno Geske (Ministerium für Bildung, Jugend und Sport) die bildungspolitischen Aufgaben und Schwerpunkte für den Schulsport. Detailliert wurden die Akzentsetzungen des Schulsports in der Grundschule, Sekundarstufe I, an Sonder- und Förderschulen, in der Gymnasialen Oberstufe und in den beruflichen Schulen dargestellt. Eine gemeinsame Vereinbarung zur Kooperation Schule/Verein soll in Brandenburg die enge Zusammenarbeit beider Institutionen weiter ausbauen.
Dr. Helmar Priesemuth (Universität Potsdam) unterstrich in seinem Beitrag „Welchen Sport brauchen Grundschulkinder?“ die Notwendigkeit einer hohen pädagogischen Kompetenz des Lehrers zur Realisierung der Leitvorstellungen im Sportunterricht: Freude an der Bewegung; Interesse und Spaß, um positive Einstellungen zum Sport zu entwickeln; Vielfältigkeit; Erleben von Bewegung durch Wahmehmen, Erfahren und Begreifen; Wecken von Erfolgszuversicht, Bewegungserziehung ohne Leistungsdruck;
soziale Verhaltensweisen; Gewöhnen an konstruktives Miteinander bei Bewegung, Spiel und Sport. Mit besonderem Interesse wurden die Erfahrungsberichte der in der Schulpraxis tätigen Sportlehrer aufgenommen. Ilona Tursch (Jüterbog) sprach in ihrem Beitrag über Erfahrungen bei der motivierenden Bewertung und Zensierung im Sportunterricht in der Grundschule.
Sehr engagiert und überzeugend benannten die Kolleginnen Evelyn Friedrich (Potsdam) und Evelyn Klünder (Neuruppin) Probleme der Rahmenplanumsetzung in der Sekundarstufe I: Motivierung der Schüler zum Sporttreiben, Disziplinfragen, Zunahmen der Sportbefreiungen, komplizierte materielle Bedingungen, zunehmende Überalterung der Sportlehrerschaft, fehlende Verantwortung der Eltern u. a. m.
Zur Rahmenplanumsetzung in der Sekundarstufe II sprachen Willi Koch (Cottbus) zum Thema: „Theorie-Praxis-Bezug im Sportunterricht“ sowie Hendrik Woiton (Potsdam) zum Thema: „Erfahrungswerte und Tendenzen bei der Bewertung und Zensierung in der Sekundarstufe II“. Diese Beiträge und die im Plenum angesprochenen Probleme waren eine wesentliche Grundlage für die Veranstaltungen in den einzelnen Arbeitskreisen.
1. Arbeitskreis: Grundschule
Leitung: Ralf Herrmann (Stahnsdorf)
Ca. 40 anwesende Sportpädagogen bestätigten ihre positiven Erfahrungen mit dem neuen Rahmenplan.
Teilweise kontrovers diskutierten die Kollegen die Problematik des Fachlehrereinsatzes (besonders im Anfängerunterricht der Klassen 1 und 2) sowie Fragen der Bewertung und Zensierung (fehlende Benotung in diesen Klassenstufen).
Die Einführung von Bewegungsabläufen in den Klassen 3 bis 6 erfordert einen fachgerechten Lehrereinsatz (gegenwärtig 69 % im Land Brandenburg).
Die Kollegen waren sich einig, daß der Schwimmunterricht auch im Interesse der Gesunderhaltung der Kinder erhalten bleiben muß.
Dr. Henning Ohlert (Universität Potsdam) sprach zum Sportförderunterricht und wies auf die Notwendigkeit der Erarbeitung einer Verwaltungsvorschrift hin.
Auch für die Förderschule für Lernbehinderte sind perspektivisch Rahmenpläne und Bewertung srichtlinien im Land Brandenburg zu erarbeiten.
2. Arbeitskreis: Sekundarstufe I
Leitung: Dieter Jende (Senftenberg)
Die unterschiedlichen Interessen und Leistungsvoraussetzungen der Schüler erfordern eine differenzierte Unterrichtsgestaltung. Erschwerend wirken: Abneigung und Ablehnung bestimmter Stoffbereiche, Unterricht häufig nur unter Lei- stungs- und Bewertungsdruck möglich, Disziplinlosigkeit, ungesunde Lebensweise u. a. m.
In Diskussionsbeiträgen sprachen:
Prof. Dr. Endert zu Möglichkeiten einer stufengemäßen Gestaltung des Sportunterrichts; Lieselotte Marschner zum didaktisch-methodischen Ansatz der Körpererfahrung in den einzelnen Stoffbereichen sowie Dr. Wolfgang Fels (alle Universität Potsdam) zur Motivierung, Selbständigkeit und Verantwortung unter gesundheitserzieherischer Perspektive.
3. Arbeitskreis: Sekundarstufe II
Leitung: Dr. Christa Helmke (Potsdam)
Ca. 70 Sportpädagogen betei
ligten sich an diesem Arbeitskreis. Im Mittelpunkt standen Probleme der Theorievermittlung im Grund- und Leistungskurs.
Prof. Dr. Philipp sprach zum Lembereich Sportliches Training. Er erläuterte die Herangehensweise bei der Theorie-Pra- xis-Vermittlung und kennzeichnete drei Möglichkeiten des Planungsansatzes (systematischer, integrativer und projektorientierter). Wertvoll waren auch die Literaturhinweise für die Hand des Sportlehrers bzw. des Schülers.
Ditmar Wiek sprach zum Lembereich Bewegungsiemen im Sport unter Berücksichtigung eines wissenschaftssystematischen Ansatzes.
Dr. Ralf Ziezow (alle Universität Potsdam) wählte den inte- grativen Ansatz und kennzeichnete das Bewegungsiemen im Sport unter sportpsychologischer, bewegungs- und trainingswissenschaftlicher Sicht. Im Plenum wurden die Ergebnisse der Arbeitskreise zusammengefaßt. Die neuen Rahmenpläne wurden in allen Schulstufen positiv bewertet. Zentrale Fortbildungs Veranstaltungen sollten zukünftig stufenspezifisch durchgeführt werden. Entscheidend ist ein breites regionales und örtliches Fortbildungsangebot.
Begrüßt wurde auch die von Peter Haase (Referatsleiter Sport im Landessportbund Brandenburg) vorgetragene Kooperationsvereinbarung zwischen dem LSB und dem MBJS in Brandenburg über Schule und Verein.
Breite Zustimmung fand bei allen Teilnehmern eine Willenserklärung zum Sportunterricht im Land Brandenburg.
Dr. Christa Helmke Institut für Sportwissenschaft