Nr. 8/94 - Seite 6
ZENTRUM
INTERDISZIPLINÄRES ZENTRUM FÜR NICHTLINEARE DYNAMIK - AUFGABEN UND ZIELE
1. Anliegen des Zentrums
Am 11. Februar 1994 fand die Gründungsveranstaltung des Zentrums für Nichtlineare Dynamik statt. Mehr als 30 Teilneh- mer waren der Einladung gefolgt. Im Ergebnis einer lebhaften Diskussion kann das Anliegen des Zentrums wie folgt beschrieben werden:
- Interdisziplinäre Plattform für gemeinsame Projekte und Drittmitteleinwerbung, Veranstaltung von Kolloquien und Workshops, Einladung von Gästen, Vorlesungsabstimmung und interdisziplinäre Lehrveranstaltungen, Öffentlichkeitsarbeit;
- Förderung der Zusammenarbeit mit außeruniversitären Einrichtungen im Potsdamer Raum;
- wichtiger Aspekt: Brückenschlag zwischen Theorie und Experiment;
- Es wird angestrebt, zunächst Vorstellungen über die Einwerbung von Drittmitteln zu einem eingeschränkten Thema zu entwickeln.
- Herausgabe eines Mitteilungsblattes, das über die Aktivitäten des Zentrums informiert (per Brief, E-Mail oder anony- mous ftp unter /pub/ZEND). Bei Bedarf werden Preprints herausgegeben.
- Monatliche Kolloquien. Üblicher Termin: jeden 2. Freitag imMonatum 15,00 Uhr (Kleiner Physik-Hörsaal).
2. Mitgliedschaft
Derzeit hat das Zentrum für
Nichtlineare Dynamik knapp 50
Mitglieder:
- aus den Fachbereichen Allge
meine Sprachwissenschaften,
Chemie, Geowissenschaften,
Informatik, Mathematik, Phy
sik, Psychologie, Wirtschafts
wissenschaften, acht WIP-
Gruppen sowie der Max-
Planck-Arbeitsgruppe Nicht
lineare Dynamik,
- aus den Instituten: Astrophy- sikalisches Institut Potsdam, GeoForschungsZentrum und Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.
Zum Direktorium wurden vom Senat bestellt (siehe PUZ 7/94): J. Kurths, Geschäftsführung (Institut für Theoretische Physik und Astrophysik), P. Maaß (Institut für Mathematik) und F. Wenzel (GeoForschungsZentrum Potsdam).
Für jene, die im Zentrum für Nichtlineare Dynamik mitwirken möchten, sei folgende Adresse genannt:
Am Neuen Palais, Postfach 601553, 14415 Potsdam, Tel.: (0331) 9 77 14 29, FAX (0331) 9 77 11 42, e-mail: JKurths @ AIP.de
3. Erstes Kolloquium
Das erste Kolloquium des Zentrums fand am 8. April 1994 um 15.00 Uhr im Kleinen Physikhörsaal statt. Jürgen Kurths sprach auf der gut besuchten Veranstaltung zum Thema „Über die Analyse komplexer Systeme“. Bei vielen Prozessen in der Natur beobachtet man ein kompliziertes Zeitverhalten oder komplexe raum-zeitliche Strukturen. Als Beispiel sei hier die zeitliche Variabilität der Sonnenaktivität (siehe Abbildung) und der Umkehrungen des Erdmagnetfeldes genannt. Ein Schwerpunkt der nichtlinearen Dynamik ist die mathematische Beschreibung solcher Strukturbildungsprozesse, wobei der Einfluß nichtlinearer Wechselwirkungen zwischen einzelnen Komponenten eine fundamentale Rolle spielt. Anhand von Beispielen, die in der historischen Entwicklung der nichtlinearen Dynamik eine wichtige Rolle gespielt haben, wurde demonstriert, wie bereits einfache nichtlineare Modelle ein außerordentlich kompliziertes Zeitverhalten hervorbringen können. Ausgehend von dieser Ein
führung in die Probleme dieses noch jungen Wissenschaftszweiges, wurde eine Auswahl von aktuellen Forschungsproblemen der Max-Planck-Arbeitsgruppe für nichtlineare Dynamik vorgestellt. Im Mittelpunkt standen dabei die qualitative Untersuchung komplexer raum-zeitlicher Strukturen in hochdimensionalen Systemen, wie sie z.B. bei der Ausbreitung von Fronten sowie bei der Aufrauhung von Oberflächen auftreten. Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Schät
zung quantitativer Merkmale von nichtlinearen Prozessen aus experimentellen Daten.
Insgesamt sollte dieses erste Kolloquium wie auch die folgenden dazu dienen, den Kontakt zwischen den einzelnen Mitgliedern des Zentrums für nichtlineare Dynamik durch gegenseitiges Vorstellen der eigenen Forschungsgebiete zu fördern, um Ideen für gemeinsame interdisziplinäre Projekte zu sammeln.
Ulrike Freudei, Udo Schwarz
Beobachtungen zur solaren Aktivität "der letzten 1000 Jahre
Sonnenfleckenrelativzahlen
_ Sonnenfleckenbeobachtungen
Grosse Minim:
.Oort
Spoerer
Maunder Dalton
A U C—Messungen
1000 1100 1200 1300 1400 1500 1600 1700 1800 1900 2000
Zeit (Jahr)
Sonnenflecken sind dem Menschen seit langem bekannte Naturerscheinungen. Doch erst seit unserem Jahrhundert weiß man, daß diese und andere Phänomene (z. B. Polarlichter in mittleren Breiten und die magnetische Aktivität der Erde) Ausdruck der Aktivität der scheinbar leuchtenden Sonne sind.
Die Kurve oben links gibt die Anzahl der im asiatischen Raum gefundenen historischen Quellen wieder, die über die Sonnenfleckenbeobachtungen berichten. Oben rechts sind die Monatsmittelwerte der Sonnenfleckenrelativzahlen dargestellt.
Ein weiteres Maß für die Sonnen
aktivität ist die Häufigkeit des durch Bäume auf genommenen radioaktiven Kohlenstoffs 2 * * * * * * * * * * * l4 C. Die 14 C-Produktion hängt von der Sonnenaktivität ab. Durch die Radiokarbon-Analyse der Jahresringe fossiler Bäume ist die Abweichung von der mittleren I4 C-Produktion A I4 C (Kurve unten) gemessen worden.
Die Rechteckkurve darüber deutet die Minima der Sonnenaktivität an.
Die Suche nach charakteristischen Merkmalen und Ursachen des komplizierten Zeitverhaltens der Sonnenaktivität ist ein Forschungsgegenstand der Arbeitsgruppe Nichtlineare Dynamik.