CAMPUS
NEUE WEGE BEI DER LEHRERBILDUNG
Zentrum für Pädagogische Forschung und Lehrerbildung gegründet
INI
Unter dem Motto „Lehrerbildung im Gegenwind" wurde das Zentrum für Pädagogische Forschung und Lehrerbildung gegründet. Zur feierüchen Eröffnungsveranstaltung sprachen Rektor Professor Dr. Rolf Mitzner, der Staatssekretär im btandenburgischen Bildungsministerium, Dt. Gerd Harms, Wissenschaftsminister Hinrich Enderlein, der bisherige Senatsbeauftragte für die Lehrerbildung, Professor Dr. Manfred Bayer, Professor Dr. Wolfgang Edelstein vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung und der Direktor des Zentrums, Dozent Dr. Uwe Wyschkon (von links nach rechts). Foto: Tribukeit
Mit der Gründung des interdisziplinären Zentrums für Pädagogische Forschung und Lehrerbildung am Ende des vergangenen Sommersemesters gingen die Potsdamer Wissenschaftler neue Wege: Existiert doch nach Angaben des Zentrum-Direktors und Hochschuldozenten Dr. Uwe Wyschkon nur noch an der Uni Bielefeld eine vergleichbare Einrichtung. Die Potsdamer Einrichtung für Pädagogische Forschung und Lehrerbildung soll jedenfalls der interdisziplinären Erforschung pädagogischer Prozesse in unterschiedlichen Institutionen, Handlungs- und Praxisfeldern dienen.
Die Mitglieder des Zentrums aus der Universität und darüber hinaus wollen durch eine fächerübergreifende Kooperation und Kommunikation die Ausbildung, die Fortbildung und die Weiterbildung von Lehrern auf nationaler und internationaler Ebene befördern. Damit möchte man zugleich einen Beitrag zur Überwindung von Fachisolation und Fachegoismus leisten.
Dabei steht das neugegründete Zentrum natürlich in engem Zusammenhang mit dem „Potsdamer Modell der Lehrerbildung", welches nicht zuletzt mit Hilfe des Zentrums strukturell umgesetzt werden soll. Zentrale Anliegen sind dabei vor allem, die Studierenden bereits frühzeitig mit der Praxis des Schulalltags, pädagogischen Vermittlungsproblemen und der Frage zu konfrontieren, wie man die Schüler befähigt, an sich ständig erweiternde Informationen heranzukommen, mit diesen umzugehen und für ihren ei
genen Lernprozeß zweckmäßig zu organisieren. Wie gestaltet man beispielsweise den Unterricht für eine Klasse mit leistungsfähig stark unterschiedlichen Schülern? Wie tritt man Jugendlichen aus anderen Kulturkreisen gegenüber? Fachwissen allein dürfte da nicht viel weiterhelfen.
Darüber hinaus hofft man, sich mit einer stufenübergreifenden Ausbüdung dem Auf und Ab der Nachfrage nach Lehramtsstudenten besser anpassen zu können. Im Gegensatz dazu war es bisher so, daß Lehrer für die Primarstufe (Klasse 1 bis 6) eine gänzlich andere Ausbildung erhielten als ihre Kollegen für die Sekundarstufe I (Klasse 7 bis 10) sowie für die Sekundarstufe E (Klasse 11 bis 13). Folglich konnten Sekundarstufen-Lehrer auch nicht im Falle eines aktuellen Bedarfes an Primarstufenlehrern zusätzlich zu diesen eingesetzt werden (und umgekehrt).
Damit solchen Zielen besser entsprochen werden kann, möchte das Zentrum für Pädagogische Forschung und Lehrerbüdung ein Bindeglied zwischen der Praxis und der Universität sein. Folgerichtig gehörten ihm zum Zeitpunkt der Gründung im Juli dieses Jahres bereits an die 40 in- und externe Mitglieder an, worunter als Direktor der Hochschuldozent Dr. Uwe Wyschkon zu nennen wäre, der von dem früheren Senatsbeauftragten für die Lehrerbildung, Professor Dr. Manfred Bayer, und dem Leiter des Landesprüfungsamtes im Ministerium für Bildung, Jugend und Sport, Hans-Jürgen Krzyweck, vertreten wird. Das insgesamt siebenköpfige Leitungsgremium strebt nun vor allem die Mitgliedschaft von Schulen und Studienseminaren an - ein Ziel, dem sich auch Dr. Gerd Harms als der Staatssekretär im Bildungsministerium
verschrieben hat: „Ich wünsche mir eine engstmögliche Verbindung zwischen dem universitären Zentrum und den Studienseminaren - auf daß von diesem Zentrum eine Innovation für die Schulentwicklung in Brandenburg ausgehen möge", erklärte er im Rahmen der feierlichen Eröffnungsveranstaltung.
Zur Realisierung dieser Ziele stehen dem Zentmm jedenfalls derzeit drei Arbeitsstellen zur Verfügung: eine für die Pädagogische Forschung und die Beziehungen zwischen Theorie und Praxis im Studium, eine für die Pädagogische Forschung in der und zur Lehrerbildung sowie eine für die Medienpädagogik.
In dieses Bild des angestrebten Austausches von Erfahrungen, Wissen sowie Informationen mit den Schulbehörden und pädagogisch tätigen Einrichtungen paßt auch die Idee, Kooperationsverträge mit anderen Hochschulen abzuschließen. Um bereits den Studierenden durch solchermaßen ermöglichte Mobilität mehr Weltoffenheit gegenüber anderen Kulturen und Bräuchen zu vermitteln, hat sich vor allem Professor Dr. Manfred Bayer für ein „Eurolehrerprogramm" im Rahmen des europäischen Förderprogramms eingesetzt, das nun ab 1995 von den Studierenden in Potsdam „angezapft" werden kann. Die Studenten erhalten dadurch die Möglichkeit, im Rahmen von „Sokrates" Anträge an die EU zu stellen und verstärkt an Partnerhochschulen zu reisen sowie dortige Schulen kennenzulernen. An der Potsdamer Universität profitierte man dabei von einem bereits an der früheren Pädagogischen Hochschule existierenden Netz von Kontakten nach Mittel- und^Osteuropa, das Dr. Wysch-
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