KANZLERWECHSEL AN DER UNIVERSITÄT
Jens Prüß ging, Alfred Klein ist gekommen
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Der Wissenschaftsministez Hinnch Enderiem (rechts) mit dem bisherigen Kanzler, Mmisterialrat a.D. Jens Prüß (Unks)... Foto: R üffert
Mit Ablauf des Monats September hat sich an der Universität ein Kanzlerwechsel vollzogen: So neigte sich das Wirken ihres Gründungskanzlers, des Ministerialrates a. D. Jens Prüß, dem Ende zu und wurden die Geschäfte nunmehr von Alfred Klein übernommen. Während der Jurist Jens Prüß (66) selbst seine an der brandenbur- gischen Landeshochschule zugebrachten dreieinhalb Jahre als die mit Abstand „schönste und erfolgreichste Dienstzeit“ bezeichnet, freute sich der Jurist Alfred Klein (49) schon auf seine Tätigkeit an einer „noch jungen, nicht so festgefügten“ Hochschule. Den Mitgliedern der Universität wird die vom Gründungskanzler Jens Prüß geleistete Arbeit jedenfalls gut im Gedächtnis bleiben - breitete sich doch bald nach seinem Dienstantritt die Erkenntnis, daß mit ihm auch das Geld an die Hochschule gekommen wäre, wohltuend aus.
Der berufliche Werdegang prädestinierte den von Nordrhein-Westialen im Zuge der Amts- hiife freigestellten Juristen dafür geradezu: So war Jens Prüß bis zu seinem Dienstantritt in Potsdam als Haushaltsreferent für die Finanzplanung und überregionale Finanzbewilligung etwa 30 großer Einrichtungen im Ministerium für Forschung und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen zuständig. In die Nähe von Brandenburg rückte ihn dann schon eine mehrmonatige Beratertätigkeit des Ministers im Potsdamer Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur, bevor Prüß zum 2. Mai 1991 als Gründungskanzler an die vormalige „Brandenburgische Landeshochschule“ und spätere Universität wechselte.
An dieser hat der Haushaltsexperte es sich von Anfang zum Ziel gemacht, dem Aufbau der Hochschule einen kräftigen Schub nach vorne zu versetzen. Dies fiel ihm nach eigenen Angaben leicht, da er bei Null beginnen konnte: Es fehlte beispielsweise jegliche Büroausstattung. „Erleichtert wurde mir die Arbeit dabei stets durch ein menschlich sehr
angenehmes Klima. Ich kam als Idealist hierher und traf auf Mitarbeiter, die sehr einsatz- freudig waren", lautet der kurze Rückblick von Prüß.
Den Studierenden der Universität wird sein Wissen jedenfalls weiter erhalten bleiben. So hat der Rat der Juristischen Fakultät bereits einstimmig beschlossen, dem bisherigen Kanzler einen Lehrauftrag für Haushaltsrecht zu erteilen. Der Beginn ist für dieses Wintersemester vorgesehen. Darüber hinaus bleibt Prüß der stellvertretende Vorsitzende der Universitätsgesellschaft, auch wenn ihn sein Weg mittlerweile an die Technische Universität Bergakademie Freiberg in Sachsen geführt hat: Dort ist er mit einer zeitlich befristeten Wahrnehmung der Geschäfte des Kanzlers beauftragt worden.
In Potsdam selber betätigt sich nun Alfred Klein als Leiter der Verwaltung. Der 1945 in Menden/Westfalen geborene Klein studierte nach einem Praktikum bei der Deutschen Bank 1965 zunächst an der Universität Tübingen und danach an der Freien Universität Berlin Jura. Nach Abschluß seines Studiums
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mit der 2. juristischen Staatsprüfung 1974 war der neue Kanzler in Berlin bei der Senatsverwaltung für Wissenschaft und Forschung sowie an der Technischen Universität (TU) tätig, bevor er 1979 die Leitung des Referates für Akademische Angelegenheiten der TU Berlin übernahm. Im März 1992 wurde er dann zum Kanzler der Technischen Fachhochschule Berlin ernannt, wobei besonders erwähnenswert ist, daß die Hochschule unter seiner Leitung in die Berliner Kuratorial- verfassung übergeleitet werden konnte. Direkte Erfahrungen mit dem Neuaufbau einer Hochschul-Verwaltungsstruktur hat Alfred Klein übrigens bereits an der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin- Karlshorst gemacht, als deren Gründungskanzler er bis zum 1. April dieses Jahres fungierte. Die während dieser Gründungsphase erlebten positiven Erfahrungen bildeten für ihn nach eigenen Angaben dann auch das Hauptmotiv für seine Bewerbung in Potsdam: „Was an bereits etablierten Hochschulen nur strukturell festgefügt vorhanden ist, kann an jungen Institutionen in Bewegung versetzt werden“, schildert er seine Beweggründe für den Wechsel ans Neue Palais. Hier möchte er nun an das bereits Gewachsene anknüpfen und möglichst gute Dienstleistung für Forschung und Lehre anbieten. Als vordringlichstes Problem sieht der Jurist dabei die Lösung des räumlichen Engpasses der Universität an: „Ich möchte zumindest die Landesvorbereitungen für den neuen Verfügungsbau am Standort Golm absi- chem“, erklärte er. Ein weiteres Betätigungs
und der neue Kanzler Alfred Klem.Foto: Rüffert
feld liegt für ihn jedoch auch in den Beziehungen zwischen der Stadt Potsdam und „ihrer“ Universität, die er als „noch nicht optimal" bezeichnete.
PUZ 14/94