Heft 
(1.1.2019) 14
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MUT UND HILFE FÜR DIE ENTMUTIGTEN

Erzieher gefährdeter Jugend tagten in Babelsberg

Die brandenburgische Ministerin für Arbeit, Gesundheit, Soziales und Frauen, Dr. Regine Hildebrandt (Mitte), hielt das Eröffnungsreferat des XBI. Weltkongresses der AIEJI. Auf unserem Bild ist sie im Gespräch mit dem Vorsitzenden der AIEJI, Daniel Dupied (Zweiter von rechts), und Prof Dr. Bärbel Kirsch, Dekanin der Philosophischen Fakultät II (rechts). Links im Bild die Kongreßpräsidentin und Vorsitzende des deutschen Zweiges der Vereinigung, Renate Blum-Maurice, und Prorektor Prof. Dr. Gerhard Kempter.

Foto: Rüffert

Die Welt ist in Bewegung, mehr denn je. Zwar gibt es keine Krise an sich, doch krisenhafte Erscheinungen weltweit. Allein zwanzig Länder werden derzeit von Kriegen und Revolutionen heimge­sucht, zahlreiche Drittländer verzeich­nen Verschlechterungen der ohnehin schon unzureichenden Lebensqualität, und in Osteuropa geht der Zusammen­bruch des Sozialismus einher mit er­schreckenden materiellen und psychi­schen Belastungen großer Bevölke- rungsgruppen. Zu den stets Betroffenen gehören Kinder, Jugendliche und Erzie­her.

Unter dem MottoErzieherisches Handeln in weltweiten Krisen", bot der XIE Weltkongreß derAssociation Internationale des Educa- teurs des Jeunes inadaptes (AIEJI) seinen Mitgliedern und Gästen vom 11. - 16.9.1994 in Potsdam Gelegenheit, sich über aktuelle theoretische und praktische Fragen der Er­ziehung und Sozialisation von Kindern und Jugendlichen zu verständigen. Erstmalig tag­te mansoweit im Osten", wobei die Veran­stalter die Wahl des Ortes auch als Reverenz an das nun direkt erreichbare Osteuropa ver­standen wissen wollten. Die Schirmherr­schaft über den Kongreß hatte Dr. Regine Hildebrandt, brandenburgische Ministerin für Arbeit, Gesundheit, Soziales und Frauen, übernommen.

Die Universität Potsdam als Mitveranstalter hatte große Teile der aufwendigen Vor­bereitungsarbeit für 350 Mitglieder des Ver­

eins und diverse Tagesgäste aus 39 Ländern übernommen. Wissenschaftlich repräsentiert wurde sie durch die Dekanin der Philosophi­schen Fakultät I, Prof. Dr. Bärbel Kirsch, und Dr. Dietmar Sturzbecher vom Institut für Angewandte Familien-, Kindheits- und Jugendforschung.

Der Kongreß hatte ein anspruchsvolles und vielschichtiges Thema gewählt, das leicht zu resignativen Aussagen hätte führen können. Doch sahen eine Reihe von Teilnehmern auch die positiven Möglichkeiten, die Um­brüche und Krisen für die Pädagogik und ihre Vertreter bereithalten.Jetzt ist der Pädago­

ge die Bandagen los,seine Phantasie und sein Geschick sind gefordert,in Schwierig­keiten rückt man enger zusammen und weniger Geld erfordert mehr Nachdenken - solche und ähnliche Worte konnte man hören.

Zugleich - und darüber herrschte Einigkeit - verlangt die Arbeit von Erziehern in Krisen­zeiten ein klares Selbstverständnis und größt­mögliche Professionalisierung. Sie sollen sen­sibel sein, auch das Wort Seismograph fiel, für die besondere Situation, sich aber nicht als Krisenmanager gesellschaftlicher Prozes­se verstehen und versuchen. Überhöhte An­sprüche an die Sozialarbeit sind fehl am Plat­ze; worum es geht, sind kleine Schritte. Was kann und soll der Erzieher nun leisten? Professionalisierung war hier das Schlagwort. Stärker als bisher muß der Erzieher in die Lage versetzt werden, den Dialog mit Be­nachteiligten und Ausgegrenzten, aber auch mit sozial starken Kräften führen zu können. Mit den sozial Schwachen gemeinsam gilt es, Konzepte für die Bewältigung ihrer existen­tiellen Notlagen zu entwickeln. Sie müssen befähigt werden, ihre Forderungen selbst zu artikulieren. Sich selbst zu äußern ist Aus­druck sozialer Würde, die oft verlorengegan­gen ist oder auch abgesprochen wird.

Es bestand Konsens, daß eine solche Arbeits­weise Fragen der Aus- und Fortbüdung auf die Tagesordnung holt. Neben der überall und immer anzutreffenden Forderung, For­schung, Praxis sowie Aus- und Fortbüdung müßten stärker Zusammenarbeiten, setzt man auf eine Erhöhung der praktischen, ins­besondere der kontakt- und dialogorientier­ten Anteile in der Ausbildung. Gefordert wurden ferner praxisnahe Konzepte für die Gestaltung von sozialen und emotionalen

Im Kongreßbüro gab es alle Hände voll zu tun. Immerhin waren 350 ständige Teilnehmer und diverse Tagesgäste zu betreuen. Foto: Rüffert

PUZ 14/94

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