CAMPUS
Großer Beliebtheit erfreuten sich die täglichen musikalischen und tänzerischen Darbietungen von Kindern aus Schulen und Kindergärten der Stadt Potsdam. Foto: Tribukeit
Lernprozessen. Die heutige, eher strukturell bedingte Problemlage verlange langfristige Ausbildungskonzepte. Diskutiert wurden auch Fragen der Nützlichkeit von Wissen und der kritischen Überprüfung etablierter Formen und Institutionen sozialer Arbeit.
Der Kongreß zeigte deutlich, daß es in vielen Ländern derzeit um Hilfe bei der Befriedigung elementarster Grundbedürfnisse menschlichen Lebens wie Ernährung, Unterkunft, Bekleidung und einfache Infrastrukturen geht. Zu den bittersten Momenten in Potsdam gehörten die Berichte über die Lage der Kinder in Nicaragua, Ruanda und St. Petersburg. In der russischen Heldenstadt übersteigt die Zahl der kriminellen Kinder und Jugendlichen die der Neugeborenen. Bahnhöfe, Keller und Toiletten sind die „Heimat“ der oft tuberkulosekranken, drogenabhängigen, physisch und psychisch mißbrauchten Kinder. „Unser Land ist so reich an Gold, Erdöl, Holz und Diamanten. Weshalb müssen unsere Kinder so menschenunwürdig leben? „Diese Frage des russischen Kinderarztes Wassili Sereda hing noch lange im Raum. Und mit seiner Forderung nach politischer Stabilität und Lösungen auf Regierungsebene legte er den Finger auf eine der großen Wunden unserer Zeit. Alle karitative Hilfe wird gebraucht, doch präventive Maßnahmen müssen einen anderen Stellenwert erhalten.
Ein weiterer Schwerpunkt war dem Recht gewidmet, wo in den letzten zwanzig Jahren beträchtliche Fortschritte erreicht wurden - immerhin kam es 1989 zur Verabschiedung der Kinderschutzrechtskonvention der UNO. Zu Recht wurde das Schwergewicht auf die Durchsetzung von rechtlichen Regelungen gelegt. Es ist dafür Sorge zu tragen, daß Kinder über ihre Rechte informiert werden (bis hin zu einer kindgemäßen Sprache) und ihnen Zugang zum Recht verschafft wird. An
sonsten bestünde die Gefahr, daß sie zu Objekten degradiert würden.
An dieser Stelle wurde noch einmal eine Grundfrage der Pädagogik deutlich: Das Kind will und soll Subjekt sein, doch das eigentliche Problem ist der Erwachsene. Er verursacht die Mißstände, er ist Vermittler der Probleme von Kindern und Jugendlichen und Reparateur.
Mit einem bewegenden Bekenntnis zum Subjekt Kind und der ihm innewohnenden Kraft endete der Kongreß. Anhand der indianischen Kultur mit ihrer hohen Achtung vor der Persönlichkeit des Kindes und einem entsprechenden Verhalten der Erwachsenen zeigte Larry Brendtro aus den USA, daß es wohl universelle, und zwar an Menschen- bedürfnisse gebundene Werte gebe. Er nannte Zugehörigkeit, Können, Großzügigkeit und Unabhängigkeit, Liebe und Arbeit, und eigentlich wurde alles ganz einfach, als er die alte Wahrheit verkündete, daß man das, was man als Kind erfahren habe, auch weitergeben könne. An die Erwachsenen richtete Brendtro den Appell: „Unsere Aufgabe ist es, einen Kreis des Mutes und der Ermutigung aufzubauen.“ De.
AUS DEM SENAT BERICHTET
Zur letzten Sitzung vor der Sommerpause
Ehe die Senatsmitglieder in die wohlverdiente Sommerpause gehen konnten, galt es Mitte Juli noch eine umfangreiche und in manchem die Zukunft der Universität betreffende Tagesordnung „abzuarbeiten". So ging es u.a. um das sogenannte Eckwertepapier, das im August 1993 entstanden ist und mittler - weüe gemäß einem Brief des Ministers für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg als Grundlage für die weitere Hochschulentwicklung „vom Tisch" ist. In diesem Brief betonte der Minister auch eine künftige Beteiligung der Hochschulen an der Entwicklungsplanung, die bei dem Entwurf Eckwertepapier in keinster Weise gegeben gewesen wäre. So hat dieses Papier mit Angaben zur finanziellen und personellen Ausstattung aller Brandenburger Hochschulen für die nächsten Jahre die Universität nie erreicht, was den Senat vor der Sommerpause zu dem einstimmigen Beschluß veranlaß- te, das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur (MWFK) aufzufordern, „die personal- und finanzrelevanten Annahmen und Planungen für die weitere Entwicklung“ der Hochschul- und Forschungseinrichtungen des Landes mit dem Ziel einer sachgerechten öffentlichen Diskussion bekanntzumachen. Der Rektor wurde vom Se
nat beauftragt, den Beschluß und seine Begründung dem MWFK, dem Vorsitzenden der Landesstrukturkommission, den Mitgliedern des Wissenschaftsausschusses des Landtages und den Fraktionsvorsitzenden zu übermitteln. Dies ist mittlerweile geschehen und hatte die bereits dargelegte Klärung des Ministers zur Folge.
Eine rege Diskussion entzündete sich ebenfalls an der Rahmenprüfungsordnung für Diplomstudiengänge, an der bereits zwei Jahre gearbeitet wird. Hier reichten die Meinungen von völliger Ablehnung („Jeder soll seine Probleme in der Fakultät lösen.") über den Wunsch nach Klärung von Einzelfragen (Länge der Diplomarbeiten, Bewertung der Curricula) bis zur kräftigen Bejahung („Wir wollen den Rahmen“). Prof. Dr. Manfred Görtemaker, Prorektor für Lehre und Studium, nannte nochmals Gründe für eine solche Ordnung. Dazu zählen die Gemeinsamkeiten der Fächer in einer Fakultät und fakultäts- übergreifend, ein großes Maß an Gemeinsamkeiten für die Studierenden und das Vermeiden einer Überfrachtung der Fächer. Der Rektor appellierte an alle, an der Rahmenprüfungsordnung festzuhalten und weiter mitzuarbeiten. Er sehe keine Gefahr für die Individualität der Fächer, der Rahmen ließe sich weit genug fassen. Mit zwei Enthaltungen beschloß der Senat, daß sich die Universität einer entsprechende Ordnung gibt und die Detailberatungen in der LSK (Kommission für Lehre und Studium) fortgesetzt werden.
Die im Gründungskonzept vorgesehene Professur für Religionswissenschaft (Ruf Prof. Dr. Grözinger) war zunächst der Philosophischen Fakultät I zugeordnet worden. Sich abzeichnende Schwierigkeiten einer sinnvollen Integration in die Struktur dieser Fakultät bewogen den Senat, die Errichtung eines eigenen Institutes für Religionswissenschaft wohlwollend zu prüfen und zur weiteren Beratung in die EPK (Kommission für Entwicklungsplanung und Finanzen) zu verweisen. Befürwortet wurde ferner der erste Antrag auf ein Graduiertenkolleg bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Das Graduiertenkolleg „Ökonomie und Komplexität in der Sprache" wurde gemeinsam von Wissenschaftlern der Universität Potsdam, der Humboldt-Universität zu Berlin und dem Forschungsschwerpunkt „Allgemeine Sprachwissenschaft“ beantragt.
Aus der Fülle der behandelten Fragen seien abschließend noch die Kooperationsvereinbarungen mit der Universität Paris- Nanterre und dem Institut für Familien-, Kindheits- und Jugendforschung e.V. angeführt. Der Senat beschloß auch die Anträge für eine Professur für Volkswirtschaftslehre als gemeinsame Berufung mit dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung und für eine Stiftungsprofessur im Bereich Konzernmanagement. De.
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PUZ 14/94