Heft 
(1.1.2019) 14
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CAMPUS

Großer Beliebtheit erfreuten sich die täglichen musikalischen und tänzerischen Darbietungen von Kindern aus Schulen und Kindergärten der Stadt Potsdam. Foto: Tribukeit

Lernprozessen. Die heutige, eher strukturell bedingte Problemlage verlange langfristige Ausbildungskonzepte. Diskutiert wurden auch Fragen der Nützlichkeit von Wissen und der kritischen Überprüfung etablierter For­men und Institutionen sozialer Arbeit.

Der Kongreß zeigte deutlich, daß es in vie­len Ländern derzeit um Hilfe bei der Befrie­digung elementarster Grundbedürfnisse menschlichen Lebens wie Ernährung, Unter­kunft, Bekleidung und einfache Infrastruktu­ren geht. Zu den bittersten Momenten in Potsdam gehörten die Berichte über die Lage der Kinder in Nicaragua, Ruanda und St. Petersburg. In der russischen Heldenstadt übersteigt die Zahl der kriminellen Kinder und Jugendlichen die der Neugeborenen. Bahnhöfe, Keller und Toiletten sind dieHei­mat der oft tuberkulosekranken, drogenab­hängigen, physisch und psychisch miß­brauchten Kinder.Unser Land ist so reich an Gold, Erdöl, Holz und Diamanten. Weshalb müssen unsere Kinder so menschenunwür­dig leben?Diese Frage des russischen Kin­derarztes Wassili Sereda hing noch lange im Raum. Und mit seiner Forderung nach poli­tischer Stabilität und Lösungen auf Regie­rungsebene legte er den Finger auf eine der großen Wunden unserer Zeit. Alle karitative Hilfe wird gebraucht, doch präventive Maß­nahmen müssen einen anderen Stellenwert erhalten.

Ein weiterer Schwerpunkt war dem Recht gewidmet, wo in den letzten zwanzig Jahren beträchtliche Fortschritte erreicht wurden - immerhin kam es 1989 zur Verabschiedung der Kinderschutzrechtskonvention der UNO. Zu Recht wurde das Schwergewicht auf die Durchsetzung von rechtlichen Regelungen gelegt. Es ist dafür Sorge zu tragen, daß Kin­der über ihre Rechte informiert werden (bis hin zu einer kindgemäßen Sprache) und ih­nen Zugang zum Recht verschafft wird. An­

sonsten bestünde die Gefahr, daß sie zu Objekten degradiert würden.

An dieser Stelle wurde noch einmal eine Grundfrage der Pädagogik deutlich: Das Kind will und soll Subjekt sein, doch das eigentli­che Problem ist der Erwachsene. Er verur­sacht die Mißstände, er ist Vermittler der Probleme von Kindern und Jugendlichen und Reparateur.

Mit einem bewegenden Bekenntnis zum Sub­jekt Kind und der ihm innewohnenden Kraft endete der Kongreß. Anhand der indiani­schen Kultur mit ihrer hohen Achtung vor der Persönlichkeit des Kindes und einem ent­sprechenden Verhalten der Erwachsenen zeigte Larry Brendtro aus den USA, daß es wohl universelle, und zwar an Menschen- bedürfnisse gebundene Werte gebe. Er nann­te Zugehörigkeit, Können, Großzügigkeit und Unabhängigkeit, Liebe und Arbeit, und ei­gentlich wurde alles ganz einfach, als er die alte Wahrheit verkündete, daß man das, was man als Kind erfahren habe, auch weiterge­ben könne. An die Erwachsenen richtete Brendtro den Appell:Unsere Aufgabe ist es, einen Kreis des Mutes und der Ermutigung aufzubauen. De.

AUS DEM SENAT BERICHTET

Zur letzten Sitzung vor der Sommerpause

Ehe die Senatsmitglieder in die wohlverdien­te Sommerpause gehen konnten, galt es Mit­te Juli noch eine umfangreiche und in man­chem die Zukunft der Universität betreffen­de Tagesordnungabzuarbeiten". So ging es u.a. um das sogenannte Eckwertepapier, das im August 1993 entstanden ist und mittler - weüe gemäß einem Brief des Ministers für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Lan­des Brandenburg als Grundlage für die wei­tere Hochschulentwicklungvom Tisch" ist. In diesem Brief betonte der Minister auch eine künftige Beteiligung der Hochschulen an der Entwicklungsplanung, die bei dem Ent­wurf Eckwertepapier in keinster Weise gege­ben gewesen wäre. So hat dieses Papier mit Angaben zur finanziellen und personellen Ausstattung aller Brandenburger Hochschu­len für die nächsten Jahre die Universität nie erreicht, was den Senat vor der Sommerpau­se zu dem einstimmigen Beschluß veranlaß- te, das Ministerium für Wissenschaft, For­schung und Kultur (MWFK) aufzufordern, die personal- und finanzrelevanten Annah­men und Planungen für die weitere Entwick­lung der Hochschul- und Forschungs­einrichtungen des Landes mit dem Ziel einer sachgerechten öffentlichen Diskussion be­kanntzumachen. Der Rektor wurde vom Se­

nat beauftragt, den Beschluß und seine Be­gründung dem MWFK, dem Vorsitzenden der Landesstrukturkommission, den Mitgliedern des Wissenschaftsausschusses des Landta­ges und den Fraktionsvorsitzenden zu über­mitteln. Dies ist mittlerweile geschehen und hatte die bereits dargelegte Klärung des Mi­nisters zur Folge.

Eine rege Diskussion entzündete sich eben­falls an der Rahmenprüfungsordnung für Diplomstudiengänge, an der bereits zwei Jahre gearbeitet wird. Hier reichten die Mei­nungen von völliger Ablehnung (Jeder soll seine Probleme in der Fakultät lösen.") über den Wunsch nach Klärung von Einzelfragen (Länge der Diplomarbeiten, Bewertung der Curricula) bis zur kräftigen Bejahung (Wir wollen den Rahmen). Prof. Dr. Manfred Görtemaker, Prorektor für Lehre und Studi­um, nannte nochmals Gründe für eine solche Ordnung. Dazu zählen die Gemeinsamkeiten der Fächer in einer Fakultät und fakultäts- übergreifend, ein großes Maß an Gemein­samkeiten für die Studierenden und das Ver­meiden einer Überfrachtung der Fächer. Der Rektor appellierte an alle, an der Rahmen­prüfungsordnung festzuhalten und weiter mitzuarbeiten. Er sehe keine Gefahr für die Individualität der Fächer, der Rahmen ließe sich weit genug fassen. Mit zwei Enthaltun­gen beschloß der Senat, daß sich die Univer­sität einer entsprechende Ordnung gibt und die Detailberatungen in der LSK (Kommissi­on für Lehre und Studium) fortgesetzt wer­den.

Die im Gründungskonzept vorgesehene Pro­fessur für Religionswissenschaft (Ruf Prof. Dr. Grözinger) war zunächst der Philosophischen Fakultät I zugeordnet worden. Sich abzeich­nende Schwierigkeiten einer sinnvollen Inte­gration in die Struktur dieser Fakultät bewo­gen den Senat, die Errichtung eines eigenen Institutes für Religionswissenschaft wohl­wollend zu prüfen und zur weiteren Beratung in die EPK (Kommission für Entwicklungs­planung und Finanzen) zu verweisen. Befürwortet wurde ferner der erste Antrag auf ein Graduiertenkolleg bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Das Graduierten­kollegÖkonomie und Komplexität in der Sprache" wurde gemeinsam von Wissen­schaftlern der Universität Potsdam, der Hum­boldt-Universität zu Berlin und dem For­schungsschwerpunktAllgemeine Sprach­wissenschaft beantragt.

Aus der Fülle der behandelten Fragen seien abschließend noch die Kooperations­vereinbarungen mit der Universität Paris- Nanterre und dem Institut für Familien-, Kindheits- und Jugendforschung e.V. ange­führt. Der Senat beschloß auch die Anträge für eine Professur für Volkswirtschaftslehre als gemeinsame Berufung mit dem Deut­schen Institut für Wirtschaftsforschung und für eine Stiftungsprofessur im Bereich Kon­zernmanagement. De.

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PUZ 14/94