VON EINIGUNG UND ZERFALL
Zum 19. Kongreß der DVPW an der Universität Potsdam
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Begrüßung vor der offiziellen Eröffnung der 19. DVPW-Jahrestagung an der Universität Potsdam: der bisherige Dekan der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät, Prof. Dr. Wilhelm Bürklin (links), freut sich, den bislang amtierenden Vorsitzenden der DVPW, Prof. Dr. Gerhard Lehmbruch (rechts), willkommen heißen zu können. Foto: Rüffert
Warum hat sich eigentlich die Parteiendemokratie gegenüber den im Osten Deutschlands zur Zeit der Wende 1989 so bewährten runden Tischen und sozialen Bewegungen durchgesetzt? Haben die Ostdeutschen diese Parteiendemokratie als Herrschaftsform bereits verinnerlicht? Und waren die von den neuen Ländern der Bundesrepublik übernommenen politischen Institutionen bisher in der Lage, die Folgeprobleme der deutschen Vereinigung zu bewältigen?
Dies sind nur einige der Fragen, die im Rahmen des 19. wissenschaftlichen Kongresses der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft (DVPW) an der Potsdamer Universität thematisiert wurden. Organisiert vom Bereich Politikwissenschaft der Hochschule (und da wiederum vor allem von Prof. Dr. Günther C. Behrmann, Prof. Dr. Wilhelm Bürklin, Barbara Gußmann und vielen auch studentischen Hilfskräften) und finanziert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, dem Land Brandenburg, der Universität und dem Studentenwerk Potsdam, versammelten sich zu diesem Kongreß rund 600 Politikwissenschaftler am Standort Park Babelsberg der Universität.
Bevor es dabei an die Diskussion von Beobachtungen, Problemen und Lösungsansätzen vor dem Hintergrund der Beendigung des
Ost-West-Konfliktes in Europa und vor allem im vereinigten Deutschland ging, machten es sich die politikwissenschaftlichen Experten zur Aufgabe, nach der Identität in ihrem eigenen Fach zu suchen. Denn auch diese, so der bisherige Vorsitzende der Vereinigung, Prof. Dr. Gerhard Lehmbruch in seinem Eröffnungsvortrag, sei nach den vergangenen
vier Jahren nicht mehr dieselbe. Nachvollziehbar wird dies vor allem, wenn man sich die beispiellose Expansion der Politikwissenschaft in der Bundesrepublik von 1989 circa 300 Lehrstühlen auf nunmehr rund 350 Lehrstühle vor Augen führt. „Da es die Politikwissenschaft in der DDR nicht als eigenständige Disziplin gab, auf der anderen Seite jedoch der Marxismus-Leninismus nach 1989 keine große Zukunft mehr hatte, konnte man nach der Wende zunächst eine Massenkonversion zur Politikwissenschaft beobachten", erklärte Prof. Dr. Gerhard Lehmbruch. Dies wiederum habe dann einen massiven Abwehrreflex der Politologen in den westlichen Ländern nach sich gezogen, da sie um die Identität der nach den 68er Unruhen gerade erst wieder konsolidierten Disziplin fürchteten.
Allerdings dauerte dieser Abwehrmechanismus nicht lange an. Schon bald, so Lehmbruch, sei ihm eine ebenso massive Aufbauphase gefolgt, die von der „fiskalischen Euphorie" des Bundes begleitet worden wäre und wohl mit einem Ausschwärmen in die neuen Bundesländer verglichen werden könnte. Da man parallel dazu jedoch um eine absolute, nicht hinterfragbare Aufrechterhaltung des Status quo des Westens bemüht gewesen wäre, bezeichnete Lehmbruch diesen Prozeß als einen der sehr „begrenzten Rationalität". Der bisherige Vorsitzende der politikwissenschaftlichen Vereinigung wies in diesem Zusammenhang auch auf die Not-
Publikationen hatten einen großen Stellenwert auf dem 19. Kongreß der DVPW. Gelegenheit zum Schmökern in den Publikationen der Kolleginnen und Kollegen boten die Pausen, in denen das Foyer im Babelsberger Park denn auch dicht gefüllt war. Foto: Rüffert
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PUZ 14/94
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