Heft 
(1.1.2019) 14
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VON EINIGUNG UND ZERFALL

Zum 19. Kongreß der DVPW an der Universität Potsdam

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Begrüßung vor der offiziellen Eröffnung der 19. DVPW-Jahrestagung an der Universität Potsdam: der bisherige Dekan der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät, Prof. Dr. Wilhelm Bürklin (links), freut sich, den bislang amtierenden Vorsitzenden der DVPW, Prof. Dr. Gerhard Lehmbruch (rechts), willkommen heißen zu können. Foto: Rüffert

Warum hat sich eigentlich die Parteien­demokratie gegenüber den im Osten Deutschlands zur Zeit der Wende 1989 so bewährten runden Tischen und so­zialen Bewegungen durchgesetzt? Ha­ben die Ostdeutschen diese Parteien­demokratie als Herrschaftsform bereits verinnerlicht? Und waren die von den neuen Ländern der Bundesrepublik übernommenen politischen Institutio­nen bisher in der Lage, die Folge­probleme der deutschen Vereinigung zu bewältigen?

Dies sind nur einige der Fragen, die im Rahmen des 19. wissenschaftlichen Kongresses der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft (DVPW) an der Potsdamer Universität thematisiert wurden. Organisiert vom Bereich Poli­tikwissenschaft der Hochschule (und da wiederum vor allem von Prof. Dr. Gün­ther C. Behrmann, Prof. Dr. Wilhelm Bürklin, Barbara Gußmann und vielen auch studentischen Hilfskräften) und finanziert von der Deutschen For­schungsgemeinschaft, dem Land Bran­denburg, der Universität und dem Stu­dentenwerk Potsdam, versammelten sich zu diesem Kongreß rund 600 Politikwissenschaftler am Standort Park Babelsberg der Universität.

Bevor es dabei an die Diskussion von Beob­achtungen, Problemen und Lösungsansätzen vor dem Hintergrund der Beendigung des

Ost-West-Konfliktes in Europa und vor allem im vereinigten Deutschland ging, machten es sich die politikwissenschaftlichen Experten zur Aufgabe, nach der Identität in ihrem ei­genen Fach zu suchen. Denn auch diese, so der bisherige Vorsitzende der Vereinigung, Prof. Dr. Gerhard Lehmbruch in seinem Er­öffnungsvortrag, sei nach den vergangenen

vier Jahren nicht mehr dieselbe. Nachvollziehbar wird dies vor allem, wenn man sich die beispiellose Expansion der Politikwissenschaft in der Bundesrepublik von 1989 circa 300 Lehrstühlen auf nunmehr rund 350 Lehrstühle vor Augen führt.Da es die Politikwissenschaft in der DDR nicht als eigenständige Disziplin gab, auf der anderen Seite jedoch der Marxismus-Leninismus nach 1989 keine große Zukunft mehr hatte, konnte man nach der Wende zunächst eine Massenkonversion zur Politikwissenschaft beobachten", erklärte Prof. Dr. Gerhard Lehmbruch. Dies wiederum habe dann einen massiven Abwehrreflex der Politologen in den westlichen Ländern nach sich gezogen, da sie um die Identität der nach den 68er Unruhen gerade erst wieder konsolidierten Disziplin fürchteten.

Allerdings dauerte dieser Abwehrmechanis­mus nicht lange an. Schon bald, so Lehm­bruch, sei ihm eine ebenso massive Aufbau­phase gefolgt, die von derfiskalischen Eu­phorie" des Bundes begleitet worden wäre und wohl mit einem Ausschwärmen in die neuen Bundesländer verglichen werden könnte. Da man parallel dazu jedoch um eine absolute, nicht hinterfragbare Aufrechterhal­tung des Status quo des Westens bemüht gewesen wäre, bezeichnete Lehmbruch die­sen Prozeß als einen der sehrbegrenzten Rationalität". Der bisherige Vorsitzende der politikwissenschaftlichen Vereinigung wies in diesem Zusammenhang auch auf die Not-

Publikationen hatten einen großen Stellenwert auf dem 19. Kongreß der DVPW. Gelegenheit zum Schmökern in den Publikationen der Kolleginnen und Kollegen boten die Pausen, in denen das Foyer im Babelsberger Park denn auch dicht gefüllt war. Foto: Rüffert

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