CAMPUS
ERÖFFNUNG BEI SOLARENERGIEWETTER
Photovoltaikanlage der Universität ging in Betrieb
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So sieht sie aus, die neue Solarenergeanlage der Universität Potsdam. Nicht auf dem Bild ist das in einem Container untergebrachte Meßzentrum der Anlage. Bedient und genutzt wird die neue Energiequelle u.a. von Prof. Dr. Ernst Schmeer, dem Direktor des Institutes für Berufspädagogik und Berufliche Fachrichtungen Elektro- und Metalltechnik (rechts) und von Dr. Detlef Gietzel, einem wissenschaftlichen Mitarbeiter der Berufspädagogik/Didaktik Metall- und Elektrotechnik (links). Foto: Thbukeit
Bei strahlendem Sonnenschein und subtropischen Temperaturen konnte vor Beginn der Semesterferien die Solarenergieanlage der Universität von Professor Dr. Emst Schmeer, dem Direktor des Institutes für Berufspädagogik und Berufliche Fachrichtungen Elektro- und Metalltechnik der Philosophischen Fakultät II, eingeweit werden.
Doch im Schatten dieser für Ostdeutschland bisher einmaligen Anlage ließ es sich für die zahlreich erschienenen Gäste aushalten. Unter ihnen waren als Referenten der Minister für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Hinrich Enderlein, Dr. Dietrich Gertenbach von der Industrie und Handelskammer Potsdam, der Rektor der Universität, Professor Dr. Rolf Mitzner, und die Dekanin der Philosophischen Fakultät n, Professor Dr. Bärbel Kirsch.
Sie alle erhoffen sich von dieser Photovoltaikanlage eine umweltfreundliche Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft - auf daß der Verbrauch „sauberer“ Energie ansteige und das Potsdamer „Modell“ Schule mache.
Insgesamt dient die neue Energiequelle der Universität der Forschung, Lehre und der Demonstration für interessierte Besucher, die sich die Anlage an der Hauptstraße 123 in Eiche anschauen und erläutern lassen können. Zusätzlich fließt der gewonnene Strom allerdings auch schon in das Netz der Märkischen Energieversorgung AG (MEVAG) - wenngleich derzeit mit lediglich 17,7 Pfennigen pro Kilowattstunde bezahlt, wie der Referent für Öffentlichkeitsarbeit der MEVAG, Thorsten Meinsen, erklärte. Der Uni hingegen entstehen bei der Produktion einer Kilowattstunde Kosten in Höhe von rund 2,50 DM.
Doch auch wenn sich die Stromproduktion derzeit finanziell noch nicht rechnet, wird anhand der Anlage demonstriert, wie und daß saubere Energie erzeugt und genutzt werden kann. In diesem Zusammenhang plädierte Professor Schmeer für deutlichere Anreize des Staates und der Wirtschaft für die Nutzung von Solarenergie: „Wenn man bedenkt, wieviele Aufwendungen nach wie vor für die Kernenergie erbracht werden, und wie wenig im Vergleich dazu für die sauberen Energiequellen, dann stimmt das schon nachdenklich", betonte er. Entsprechend nehme die Solarenergie derzeit auch nur zwei Prozent des weltweiten Primärenergieverbrauchs ein.
In Potsdam jedenfalls ist der Anfang gemacht: Die aus drei Teilen bestehende An
lage kann bis zu zehn Kilowatt Strom produzieren - eine Leistung, die nach Angaben Emst Schmeers ausreicht, um zwei Vier-Per- sonen-Haushalte zu versorgen.
Neben diesen bereits ganz praktischen und nützlichen Aspekten soll die Photovoltaikanlage aber auch der Erforschung eines noch effektiveren Einsatzes von Sonnenenergie dienen. So sind Langzeituntersuchungen an den derzeit handelsüblichen Solarmodulen geplant, deren Energiegewinn in Abhängigkeit von der jahres- und tageszeitlich unterschiedlichen Einstrahlung meßtechnisch erfaßt werden soll. Auch möchte man herausfinden, welche Ursachen die bisher beobachtete schnelle Alterung der Solarzellen hat, durch die bereits nach einigen Jahren die Energieausbeute sinkt. Und schließlich gilt das Interesse von Ernst Schmeer und seinen Mitarbeitern aus dem Institut für Berufspädagogik und Berufliche Fachrichtungen Elektro- und Metalltechnik ebenfalls der Frage, wie bei der Einspeisung in das Netz der MEVAG möglichst wenig Energie verloren wird.
Doch neben diesen Forschungen sollen die Studierenden der Universität Potsdam nicht zu kurz kommen: „Wir möchten die jungen Leute während ihrer Ausbildung mit dieser zukunftsträchtigen Technik vertraut machen, ihr Akzeptanzverhalten fördern und ihnen
helfen, die Vor- und Nachteile, Einsatzmöglichkeiten und Grenzen von Photovoltaikanlagen einschätzen zu lernen“, sagte Professor Schmeer im Rahmen der Einweihungs- feier. Auf diese Weise könnten dann Stück für Stück die Kenntnisse über „saubere“ Arten der Energiegewinnung zunehmen und verbreitet werden - beispielsweise durch Lehrer, die ihr Wissen an Schüler weitergeben. In diese Richtung geht auch die dritte Aufgabe der Photovoltaikanlage: Sie ist als Demonstrationsobjekt für Interessenten aus dem Land Brandenburg gedacht und soll durchaus auch der Beratung interessierter Bürgerinnen und Bürger dienen. Wissen- schaftsminister Hinrich Enderlein wertete die Anlage deshalb als „geeignet, die Universität Potsdam in den Köpfen und Herzen der Bevölkerung zu verankern“. Schließlich sei sie ein Gebrauchsobjekt, deren Nutzen für die Allgemeinheit unstrittig ist. In diese Richtung geht auch die Hoffnung von Rektor Professor Dr. Rolf Mitzner, der die neue Solaranlage als „prädestiniert, um Studierende und Bevölkerung zum Mitmachen zu gewinnen“, bezeichnete. Sein Dank wie auch der Professor Schmeers galt der Deutschen Forschungsgemeinschaft sowie dem Wissenschaftsrat, die in erster Linie für die Finanzierung der neuen Energiequelle gesorgt haben. Hg.
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