iM GESPRÄCH
GROSSE FLEXIBILITÄT BEI MITARBEITERN
Neue Beschäftigungsfelder für wissenschaftliches Personal der früheren PH
Der Prozeß der personellen Erneuerung ist an der Universität nach wie vor in vollem Gange. Er gestaltet sich nicht zuletzt deshalb als äußerst kompliziert, weil die Personal- und Fachstrukturen der heutigen Universität nicht mit denen ihrer Vorgängereinrichtungen gleichzusetzen sind und folglich eine gewisse Zahl von (politisch unbelasteten) früheren Mitarbeitern nicht mehr in den aktuellen Stellenplan paßt. Um diesem - für die Betroffenen recht massivem - Mißstand entgegenzuwirken, beauftragte der Senat im Frühjahr dieses Jahres das Personaldezemat damit, nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen. Myriam Honig fragte für die PUZ bei der Personaldezernentin Steffi Kirchner nach, wie es mit der Realisierung dieses Auftrages aussieht.
PUZ: „Frau Kirchner, Sie haben Anfang dieses Jahres vom Senat den Auftrag bekommen, sich nochmals um neue Beschäftigungsfelder für über 70 wissenschaftliche Mitarbeiter der früheren Pädagogischen Hochschule zu kümmern, die aus strukturellen Gründen nicht in die Universität übernommen werden konnten. Was ist daraus geworden?"
Kirchner: „Frau Honig, der Senat hat am 3.3.1994 auf eine Vorlage, die von der Personalverwaltung erarbeitet worden ist, reagiert und hat einmal einen Auftrag gegeben an die zuständigen Fakultäten, nochmal zu prüfen, ob die Möglichkeit der Einordnung in die Binnenstruktur der Fächer für Mitarbeiter, die zunächst nicht zugeordnet werden konnten, besteht. Diese Arbeit wurde von der Personalverwaltung unterstützt, und es ist zwischenzeitlich gelungen, auf diesem Wege noch 19 Mitarbeiter in die Struktur einzupassen. Das allerdings bedurfte einer sehr intensiven Überzeugungsarbeit mit den neuen Professoren und den Fakultätsräten. Wir denken aber dennoch, daß hier eine gemeinsame Lösung gefunden worden ist, die sowohl den Fakultäten als auch den betroffenen Mitarbeitern eine neue berufliche Perspektive gibt, den Fakultäten insoweit hilft, als daß es nicht möglich gewesen wäre, auf die Schnelle Haushaltsstellen einzurichten, um die Personalausstattungen in dem Umfang zu gewährleisten, wie wir jetzt den Aufbau vor dem Hintergrund der gegebenen Situation haben unterstützen können."
PUZ: „In welchen Bereichen sind diese Mitarbeiter tätig?“
Kirchner: „Hier handelt es sich um Mitarbeiter, die nochmal bezüglich ihrer fachlichen Kompetenz geprüft wurden und in wissenschaftliche Zentren eingegliedert werden
konnten, wissenschaftlich-organisatorische Arbeit übernommen haben. Es wurden Möglichkeiten geprüft, sie in Verwaltungsaufgaben einzubinden. Wir haben eine Reihe von Mitarbeitern auch übernehmen können auf Verwaltungsstellen. Andere Mitarbeiter konnten von neuberufenen Professoren übernommen werden. Dazu gab es lange persönliche Gespräche, die dann mit dem Ergebnis endeten, daß ein fachlicher Einsatzpunkt gefunden werden konnte für eine neue wissenschaftliche Ausrichtung der Mitarbeiter und zur Unterstützung der neuberufenen Professoren bezüglich ihrer Personalausstattung. Ferner kam uns die Feststellung des Ministeriums für BUdung, Jugend und Sport zugute, gemäß der Brandenburg ein Defizit an Lehrkräften in Mangelfächem - das sind Englisch, Französisch, Musik, Kunst, Sonderpädagogik, politische Bildung - und Fächern der beruflichen Büdung aufzuweisen habe. Für diese Defizite an Lehrkräften in Mangelfächern wurde ein Sonderprogramm zur Ausbildung bereits tätiger Lehrer in Brandenburg aufgenommen. Dieses Sonderprogramm versetzt uns in die Lage, Lehrkräfte zur Ausbildung in Mangelfächern anzubieten, so in den Mangelfächem Englisch und Musik, in denen wir einen ausgewiesenen Personalüberhang haben. Dies ist uns insoweit gelungen, als daß von ursprünglich 16 nach Lage der Akten geeigneten Mitarbeitern zwischenzeitlich 11 Mitarbeiter eingebunden werden konnten als Lehrkräfte, die anderen Mitarbeiter haben sich für eine andere berufliche Alternative entschieden, so daß aus diesem Mitarbeiterpool bis auf zwei Fälle keine Probleme mehr bestehen. Darüber hinaus haben sich Mitarbeiter, die in Mangelfächern selbst nicht als Lehrkräfte eingestellt werden konnten und in einem Mangelfach auch nicht ausgewiesen sind, jedoch in die Binnenstruktur der Universität überhaupt nicht mehr aufgenommen werden konnten, nach zahlreichen persönlichen Gesprächen für die Umschulung in einem Mangelfach entschieden. Damit sind die Voraussetzungen dafür erfüllt, daß diese Mitarbeiter als Lehrkräfte später vom Bildungsministerium übernommen werden können, wenn sie die Lehrbefähigung erfolgreich erworben haben. Hierbei handelt es sich um 15 Mitarbeiter aus dem Personalüberhang, teilweise um Beschäftigte, die schon älter als 50 Jahre sind, was für mich als wirklich bemerkenswert bezüglich der Mobilität, die den Ostdeutschen ja immer abgesprochen worden ist, anbetrifft.
Was für mich besonders bemerkenswert war, ist die Tatsache, daß Mitarbeiter, die bisher wissenschaftliche Arbeit geleistet haben mit einer entsprechenden Vergütung, bereit
Kümmert sich um neue Beschäftigungsfelder für wissenschaftl. Mitarbeiter der früheren PH: Per- sonaldezementin Steffi Kirchner. Foto: Puffert
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waren, wesentlich geringere Vergütungen in Kauf zu nehmen und sich in die Verwaltung einbinden zu lassen - also eine für sie völlig neue Aufgabe zu übernehmen, die überhaupt nicht so anspruchsvoll ist, uns aber weiterbringt, weil hier fachliches Fundament da ist, das auch der Verwaltung zugute kommt. Schließlich ist die Betrachtungsweise eines Wissenschaftlers in der Verwaltung ja auch nicht von Schaden. Andererseits ist die Verwaltung bereit, sich diesem neuen Problemkreis zuzuwenden und auf ausgewiesene Verwaltungsfachleute zu verzichten, mit denen sie problemlos Weiterarbeiten könnten." PUZ: „Das heißt, die Flexibilität war sehr groß?"
Kirchner: „Ja, von beiden Seiten, sonst wäre dieses Ergebnis nicht erreichbar gewesen." PUZ: „Werden denn trotz dieser Bemühungen noch Mitarbeiter übrigbleiben, für die Sie keine adäquate Beschäftigung in der Universität gefunden haben?"
Kirchner: „Es werden Mitarbeiter übrigbleiben, für die wir an der Universität nunmehr keine Beschäftigung finden können. Das sind Mitarbeiter, die sich auch dieser Situation - d.h. der Suche nach alternativen Beschäftigungsmöglichkeiten - nicht gestellt haben, die sich verweigerten. Diese Mitarbeiter - und vorbereitende Gespräche gab es dazu bereits auch mit dem wissenschaftlichen Personalrat - müssen mit Bedarfskündigungsverfahren rechnen. Wir gehen davon aus, daß noch im Herbst des Jahres diese Verfahren vorbereitet werden. Mit welchem Ergebnis sie abgeschlossen werden, sei jetzt mal dahingestellt."
PUZ: „Wieviele werden das konkret sein?" Kirchner: „Ich rechne damit, daß maximal etwa 5 Mitarbeiter mit einem Bedarfskündigungsverfahren zu rechnen haben.“ PUZ: „Frau Kirchner, ich danke Ihnen für das Gespräch.“
PUZ 14/94
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