Heft 
(1.1.2019) 14
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iM GESPRÄCH

GROSSE FLEXIBILITÄT BEI MITARBEITERN

Neue Beschäftigungsfelder für wissenschaftliches Personal der früheren PH

Der Prozeß der personellen Erneuerung ist an der Universität nach wie vor in vollem Gange. Er gestaltet sich nicht zuletzt deshalb als äußerst kompliziert, weil die Personal- und Fachstrukturen der heutigen Universität nicht mit denen ihrer Vorgängereinrichtungen gleichzusetzen sind und folglich eine gewisse Zahl von (politisch unbelaste­ten) früheren Mitarbeitern nicht mehr in den aktuellen Stellenplan paßt. Um die­sem - für die Betroffenen recht massi­vem - Mißstand entgegenzuwirken, beauftragte der Senat im Frühjahr die­ses Jahres das Personaldezemat damit, nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen. Myriam Honig fragte für die PUZ bei der Personaldezernentin Steffi Kirchner nach, wie es mit der Realisierung die­ses Auftrages aussieht.

PUZ:Frau Kirchner, Sie haben Anfang die­ses Jahres vom Senat den Auftrag bekom­men, sich nochmals um neue Beschäfti­gungsfelder für über 70 wissenschaftliche Mitarbeiter der früheren Pädagogischen Hochschule zu kümmern, die aus strukturel­len Gründen nicht in die Universität über­nommen werden konnten. Was ist daraus geworden?"

Kirchner:Frau Honig, der Senat hat am 3.3.1994 auf eine Vorlage, die von der Perso­nalverwaltung erarbeitet worden ist, reagiert und hat einmal einen Auftrag gegeben an die zuständigen Fakultäten, nochmal zu prüfen, ob die Möglichkeit der Einordnung in die Binnenstruktur der Fächer für Mitarbeiter, die zunächst nicht zugeordnet werden konnten, besteht. Diese Arbeit wurde von der Perso­nalverwaltung unterstützt, und es ist zwi­schenzeitlich gelungen, auf diesem Wege noch 19 Mitarbeiter in die Struktur einzupas­sen. Das allerdings bedurfte einer sehr inten­siven Überzeugungsarbeit mit den neuen Professoren und den Fakultätsräten. Wir den­ken aber dennoch, daß hier eine gemeinsa­me Lösung gefunden worden ist, die sowohl den Fakultäten als auch den betroffenen Mitarbeitern eine neue berufliche Perspekti­ve gibt, den Fakultäten insoweit hilft, als daß es nicht möglich gewesen wäre, auf die Schnelle Haushaltsstellen einzurichten, um die Personalausstattungen in dem Umfang zu gewährleisten, wie wir jetzt den Aufbau vor dem Hintergrund der gegebenen Situation haben unterstützen können."

PUZ:In welchen Bereichen sind diese Mit­arbeiter tätig?

Kirchner:Hier handelt es sich um Mitar­beiter, die nochmal bezüglich ihrer fachlichen Kompetenz geprüft wurden und in wissen­schaftliche Zentren eingegliedert werden

konnten, wissenschaftlich-organisatorische Arbeit übernommen haben. Es wurden Mög­lichkeiten geprüft, sie in Verwaltungsaufga­ben einzubinden. Wir haben eine Reihe von Mitarbeitern auch übernehmen können auf Verwaltungsstellen. Andere Mitarbeiter konnten von neuberufenen Professoren über­nommen werden. Dazu gab es lange persön­liche Gespräche, die dann mit dem Ergebnis endeten, daß ein fachlicher Einsatzpunkt gefunden werden konnte für eine neue wis­senschaftliche Ausrichtung der Mitarbeiter und zur Unterstützung der neuberufenen Pro­fessoren bezüglich ihrer Personalausstattung. Ferner kam uns die Feststellung des Ministe­riums für BUdung, Jugend und Sport zugute, gemäß der Brandenburg ein Defizit an Lehr­kräften in Mangelfächem - das sind Englisch, Französisch, Musik, Kunst, Sonderpädago­gik, politische Bildung - und Fächern der be­ruflichen Büdung aufzuweisen habe. Für die­se Defizite an Lehrkräften in Mangelfächern wurde ein Sonderprogramm zur Ausbildung bereits tätiger Lehrer in Brandenburg aufge­nommen. Dieses Sonderprogramm versetzt uns in die Lage, Lehrkräfte zur Ausbildung in Mangelfächern anzubieten, so in den Mangelfächem Englisch und Musik, in denen wir einen ausgewiesenen Personalüberhang haben. Dies ist uns insoweit gelungen, als daß von ursprünglich 16 nach Lage der Ak­ten geeigneten Mitarbeitern zwischenzeitlich 11 Mitarbeiter eingebunden werden konnten als Lehrkräfte, die anderen Mitarbeiter haben sich für eine andere berufliche Alternative entschieden, so daß aus diesem Mitarbeiter­pool bis auf zwei Fälle keine Probleme mehr bestehen. Darüber hinaus haben sich Mitar­beiter, die in Mangelfächern selbst nicht als Lehrkräfte eingestellt werden konnten und in einem Mangelfach auch nicht ausgewiesen sind, jedoch in die Binnenstruktur der Univer­sität überhaupt nicht mehr aufgenommen werden konnten, nach zahlreichen persönli­chen Gesprächen für die Umschulung in ei­nem Mangelfach entschieden. Damit sind die Voraussetzungen dafür erfüllt, daß diese Mitarbeiter als Lehrkräfte später vom Bil­dungsministerium übernommen werden kön­nen, wenn sie die Lehrbefähigung erfolgreich erworben haben. Hierbei handelt es sich um 15 Mitarbeiter aus dem Personalüberhang, teilweise um Beschäftigte, die schon älter als 50 Jahre sind, was für mich als wirklich be­merkenswert bezüglich der Mobilität, die den Ostdeutschen ja immer abgesprochen wor­den ist, anbetrifft.

Was für mich besonders bemerkenswert war, ist die Tatsache, daß Mitarbeiter, die bisher wissenschaftliche Arbeit geleistet haben mit einer entsprechenden Vergütung, bereit

Kümmert sich um neue Beschäftigungsfelder für wissenschaftl. Mitarbeiter der früheren PH: Per- sonaldezementin Steffi Kirchner. Foto: Puffert

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waren, wesentlich geringere Vergütungen in Kauf zu nehmen und sich in die Verwaltung einbinden zu lassen - also eine für sie völlig neue Aufgabe zu übernehmen, die überhaupt nicht so anspruchsvoll ist, uns aber weiter­bringt, weil hier fachliches Fundament da ist, das auch der Verwaltung zugute kommt. Schließlich ist die Betrachtungsweise eines Wissenschaftlers in der Verwaltung ja auch nicht von Schaden. Andererseits ist die Ver­waltung bereit, sich diesem neuen Problem­kreis zuzuwenden und auf ausgewiesene Verwaltungsfachleute zu verzichten, mit de­nen sie problemlos Weiterarbeiten könnten." PUZ:Das heißt, die Flexibilität war sehr groß?"

Kirchner:Ja, von beiden Seiten, sonst wäre dieses Ergebnis nicht erreichbar gewesen." PUZ:Werden denn trotz dieser Bemühun­gen noch Mitarbeiter übrigbleiben, für die Sie keine adäquate Beschäftigung in der Univer­sität gefunden haben?"

Kirchner:Es werden Mitarbeiter übrigblei­ben, für die wir an der Universität nunmehr keine Beschäftigung finden können. Das sind Mitarbeiter, die sich auch dieser Situation - d.h. der Suche nach alternativen Beschäfti­gungsmöglichkeiten - nicht gestellt haben, die sich verweigerten. Diese Mitarbeiter - und vorbereitende Gespräche gab es dazu bereits auch mit dem wissenschaftlichen Personalrat - müssen mit Bedarfskündi­gungsverfahren rechnen. Wir gehen davon aus, daß noch im Herbst des Jahres diese Verfahren vorbereitet werden. Mit welchem Ergebnis sie abgeschlossen werden, sei jetzt mal dahingestellt."

PUZ:Wieviele werden das konkret sein?" Kirchner:Ich rechne damit, daß maximal etwa 5 Mitarbeiter mit einem Bedarfs­kündigungsverfahren zu rechnen haben. PUZ:Frau Kirchner, ich danke Ihnen für das Gespräch.

PUZ 14/94

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