Heft 
(1.1.2019) 14
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TITEL

WIDER DIE KOPFJÄGER...

... aber für Aufarbeitung der Vergangenheit an der Universität Potsdam

Nicht nur für großen Medienrummel sorgte eine öffentliche Diskussion über die personelle Erneuerung, die an der Potsdamer Universität zum Ende des vergangenen Sommersemesters ange­setzt war. Es zeigte sich dabei auch, daß Schuld tatsächlich immer etwas Per­sönliches, auf keinen anderen Übertrag­bares ist.

Allerdings - so das Credo - kann sich eine Universität in Anbetracht der (be­rechtigten) Frage nach schuldhaften Verstrickungen von übernommenen Mitarbeitern aus Institutionen der ehe­maligen DDR nicht einfach auf diesen Standpunkt zurückziehen.

Bei der Frage, ob ein solcher Mitarbei­ter durch eine aktive Mitarbeit für das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) seinen Mitmenschen und vor allem sei­nen Mitarbeitern durch Denunziation beispielsweise geschadet hat oder nicht, ist vielmehr eine genaue Prüfung angesagt.

Entschuldigungen des einen oder anderen Kollegen vermißt Prof. Dt. Helmut Assing aus dem Historischen Institut der Universität (rechts) noch heute. Foto: Tribukeit

Und darum bemüht sich die Universität Pots­dam, an der mittlerweile für jeden Mitarbei­ter ein Antrag auf Überprüfung bei der Gauck-Gehörde gestellt wurde. Insgesamt haben sich die Vertreter der Universität bei dem Prozeß der personellen Erneuerung ent-

STANDPUNKT DER EVALUIERUNGS­KOMMISSIONEN

Wer persönlich an ir w Verletzungen der Menschenrechte und der Grundsätze der Rechts­staatlichkeit verantwort­lich teilgenommen hat, und wer eine herausgeho­bene Position innehatte, die zu politischer Führung verpflichtete oder beson­ders aktiv im früheren System integriert war, ist prinzipiell nicht geeignet, am Erneuerungsprozeß dieser Hochschule mitzuwirken.

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sprechend der brandenburgischen Leitlinie nicht auf pauschalisierende Kriterien zurück­gezogen, sondern eine Überprüfung des je- weüs einzelnen Falls angestrebt. Da sich je­doch nur selten ehemals Betroffene klar und deutlich zu Wort meldeten, mußten sie sich ihnen zur Verfügung stehender Mittel bedie­nen: als da wären das der fachlichen Evalu­ierung, das einer Bedarfsprüfung oder das ei­ner Anfrage bei dem Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, kurz entsprechend des Namens des Stelleninhabers auchGauck- Behörde" genannt.

Natürüch gab es da auch noch eine Überprü­fung der moralischen Integrität - an der Pots­damer Universität zum Beispiel in Form von Personalfragebogen oder Anhörungen Einzel­ner. Doch hing und hängt diese stets von den Angaben der Betroffenen ab, die in gegebe­nem Falle erst einmal widerlegt werden müssen. AE die Schwierigkeiten, die mit ei­ner solchen Aufarbeitung der DDR-Vergan- genheit verbunden sind, sind an der Univer­sität Potsdam vorhanden - aber eben auch die Bereitschaft, sich ihnen zu steUen und sie zu lösen. Dies vermittelten jedenfaUs die Beiträge der Podiumsdiskutanten im Rahmen des öffentlichen Forums der Hochschule vor den Semesterferien.

Zu dieser Podiumsdiskussion fanden sich außer den Medienvertretern auch zahlreiche Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter, Studentinnen, Studenten und externe Interessierte am Neu­en Palais ein. Und fast aüe diskutierten mit - was bei dem bunt gemischten Publikum

und dem ansatzweise gemischten Podium nicht schwer war. Auf diesem Podium saßen außer dem Rektor, Professor Dr. Rolf Mitzner, die Prorektoren Professor Dr. Wolfgang Loschelder und Professor Dr. Manfred Görtemaker, die Moderatorin und Dekanin der Philosophischen Fakultät I, Professor Dr. Helene Harth, die Dekanin der Philosophi­schen Fakultät II, Professor Dr. Bärbel Kirsch, Professor Dr. Helmut Assing aus dem Histo­rischen Institut, Ulrich Baumann als wissen­schaftlicher Mitarbeiter am Institut für Sport­wissenschaft und der Lehramtsstudent Ste­fan Uhlmann.

Ihnen aHen war gemeinsam, daß sie die an der Potsdamer Universität mittlerweile er­reichteDurchmischung zwischen Ost und West" als positiv empfinden - es also bei­spielsweise begrüßen, daß die Hochschule bezüglich ihrer Professoren aus rund einem ViertelOst- und drei ViertelnWest-Lehr- kräften besteht. Damit dies möglich wurde, fing die aus drei Hochschulen entstandene, nunmehrige Universität Potsdam bereits 1989 an, Personal aus DDR-Vorgängerinstitutionen zu überprüfen und in gegebenem FaU zu entlassen. Sie nahm diese Überprüfung in jedem einzelnen FaE vorbehaltlich der zum größten Teü noch ausstehenden Ergebnisse der Gauck-Behörde vor, deren Einsicht in die Stasi-Akten weiterhin für Überraschungen sorgen dürfte.

So wurden von der früheren MfS-Hochschu- le Golm nur die Mitarbeiter der Verwaltung übernommen, wovon mittlerweüe weniger als ein Drittel noch im Dienste der Universi-

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