tat steht. Dieses jetzt noch vorhandene Personal wurde durch Fragebögen, Anhörungen, Bedarfsrechnungen und fachliche Überprüfungen übernommen und erbringt für viele dieser Universität nützliche und gern angenommene Dienstleistungen.
Von der ehemaligen Hochschule für Recht und Verwaltung in Babelsberg wurden (wiederum nach Überprüfungen) lediglich wissenschaftliches Personal des Fachbereiches Rechtswissenschaft (darunter vier Hochschullehrer) sowie technische Mitarbeiter und Mitarbeiter der Verwaltung übernommen. Für die fachliche Qualität der meisten dieser Mitarbeiter spricht zum Beispiel, daß zunächst von der Abwicklung betroffene Sekretärinnen zwischenzeitlich wieder eingestellt wurden.
Presseecho
„Diskussion um Alt-Kader an der Potsdamer Uni”
(Tagesspiegel, 14.07,94)
„Uni fordert Einsicht in die Stasi- Unterlagen"
(Morgenpost 03.08.94)
„Uni übergab 1186 Namen an Gauck - Endgültige Überprüfung von Professoren beginnt"
(PNN, 22.09.94)
„Jeden einzelnen nach Einverständnis gefragt"
(MAZ, 23.09.94)
„In anderthalb Jahren soll Verfahren abgeschlossen sein”
(Morgenpost, 25.09.94)
Was die Zahl der an der früheren Pädagogischen Hochschule Potsdams am 1.10.1989 beschäftigten Hochschullehrer betrifft, so ist sie von 123 auf 41 reduziert worden. In dieser Zahl nicht inbegriffen sind die gemeinsam mit außeruniversitären Forschungsinstituten erfolgten Berufungen; eine gesonderte Betrachtung wäre sicherlich auch der wissenschaftliche „Mittelbau" wert, der von 647 im Jahre 1989 heute am Neuen Palais und in Babelsberg nur noch 553 Köpfe zählt, wovon allerdings 134 bereits wieder neu eingestellt worden sind. Von 742 an der ehemaligen PH beschäftigten nichtwissenschaftlichen Personen sind schließlich nur noch 399 übriggeblieben - eine Zahl, die nach Aussage der Personaldezementin Steffi Kirchner bereits so niedrig ist, daß wieder an Neueinstellungen gedacht werden müsse.
Erfolgt sind diese Reduziemngen an der Potsdamer Universität durch Kündigungen, Aufhebungsverträge und Vorruhestandsregelungen nach zweimaliger Evaluierung der Professoren durch in- und extern besetzte Kommissionen, nach einem von jedem Mitarbeiter - auch denen aus dem Westen - aus
zufüllenden Fragebogen, nach Bedarfs- und Qualitätsüberprüfungen. Daß unter den „Übriggebliebenen" trotzdem noch Personen sind, die während des DDR-Regimes Schuld auf sich geladen haben, ist mit Sicherheit anzunehmen. Daß die derzeit auf vollen Touren laufende Überprüfung durch die Gauck-Be- hörde noch weitere Enttarnungen bringen wird, auch. Doch kann die Hochschule es ihren Mitarbeitern nur bedingt abnehmen, nach Schuldeingeständnissen, Entschuldigungen oder gar Reue zu suchen, denn „zu einem besonderen moralischen Niveau sind die universitären Gremien nicht in der Lage“, wie es die Moderatorin der Podiumsdiskussion, Professor Dr. Helene Harth, formulierte.
Insgesamt spielte sich die Diskussionsbeteiligung an diesem Forum auf sehr unterschiedlichen Ebenen ab: Während der Rektor und die Prorektoren primär das skizzierten, was organisatorisch-institutionell im Bereich der personellen Erneuerung an.der Potsdamer Universität lief und läuft, forderte beispielsweise Professor Dr. Helmut Assing eine intensive Aufarbeitung der Geschichte der Pädagogischen Hochschule Potsdams, rief er zur Suche nach der Wahrheit auf und nannte die Zeit „reif für Schuldbekenntnisse“ (die er von ihm bekannten Mitarbeitern noch vermisse).
Als gemeinsame Basis galt sowohl diesen beiden Seiten als auch dem Vertreter der Studierenden, Stefan Uhlmann, die Überzeugung, einem Kopfjägertum keinen Raum zu geben: „Wir müssen unser Urteil stets nach klaren Fakten, nicht nach Verdächtigungen oder Vermutungen fällen", erklärte Professor Dr. Wolfgang Loschelder. Und Uta Sändig von der „AG Mittelbau" bekräftigte, daß „Täter und Opfer oft sehr nah beieinanderliegen, es daher kein absolutes moralisches Prinzip" gäbe,
Opportunismus dagegen sehr häufig.
Stefan Uhlmann bescheinigte der Universitätsleitung schließlich, „die studentischen Ängste in konkreten Fällen ernstgenommen" zu haben.
Damit die notwendige Aufarbeitung der Vergangenheit vieler Mitarbeiter
Ob man nun auch jemanden durchleuchten muß, der aus Bochum kommt, darüber kann es natürlich verschiedene Ansichten geben. Aus Gleichheitsgründen müssen wir es jedoch machen.
ii
Prof. Dr. Rolf Mitzner in der Berliner Morgenpost vom 25.09.1994
der Universität Potsdam jedoch nicht bloß bei den bereits getroffenen Entscheidungen haltmacht, ist an eine Fortsetzung dieser ersten Diskussionsrunde und an eine Dokumentation der personellen Erneuerung gedacht. Denn - so das Credo dieses ersten Austausches - anstelle der Auseinandersetzung mit der eigenen Schuld tritt nur allzu oft die Hoffnung, daß das jeweilige Vergehen nicht justitiabel sein möge. Eventuell wird ja auch noch eine wissenschaftliche Arbeit über die grundsätzliche Bedeutung von Verrat und Denunziation für eine akademische Lehr- und Forschungsgemeinschaft geschrieben...
Hg.
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Sprach sich scharf dagegen aus, daß EinzelfaUbetrachtungen auf die Universität als Ganzes übertragen werden: Prorektor Prof. Dr. Manfred Görtemaker.
Foto: Tribukeit
PUZ 14/94
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