WISSENSCHAFT ÄKTUEM.E
BUNDESWEIT EINZIGARTIGE VERKNÜPFUNG
Innovationskolleg der DFG ging nach Potsdam
Diese Solar-Kollektoren werden benötigt, um Gebrauchswasser (Warmwasser) zu erzeugen, wenn möglich kostengünstig und in gewünscht großer Menge. Damit soll eine schrittweise Einsparung konventioneller Energieträger wie Öl, Kohle oder Gas einherge- hen. Um dieses Ziel zu erreichen, sind ständige Optimierungsbestrebungen hinsichtlich der Funktionsweise, aber auch bezüglich der Erstellung der Versuchsobjekte notwendig. Zu diesem Zweck ist die wissenschaftliche und meßtechnische Betreuung der Demonstrationsanlagen durch Fachleute von Bedeutung. Das dazugehörige Begleitprogramm soll zu Erkenntnissen über technische Bedingungen für einen künftig wirksamen Beitrag der Solarthermie zur Energieversorgung führen. Geprüft werden unterschiedlichste Systemkombinationen. Eine repräsentative Anzahl von Apparaturen sowie ein weit gesteckter Untersuchungszeitraum bieten günstige Voraussetzungen für verwertbare Erfahrungen.
Schwerpunkte in diesem Forschungsförderungsprogramm bilden die fünf neuen Bundesländer und die östlichen Bezirke Berlins. Fünf Hochschuleinrichtungen auf dem Gebiet der ehemaligen DDR können Analysetätigkeiten vornehmen. Für das Land Brandenburg (einschließlich Ost-Berlins) ist das die Forschungsgruppe Solarenergie des Instituts für Berufspädagogik/Berufliche Fachrichtungen Elektro- und Metalltechnik der Universität Potsdam unter der Leitung von Professor Dr. Emst Schmeer und Professor Dr. Hans Sträßner. Für das gesamte an der Potsdamer Hochschule zu leistende Programm stehen Drittmittel in Höhe von 2,3 Mio. DM zur Verfügung, die zeitlich gestaffelt abrufbar sind.
Mit der Auftragsvergabe ist auch die projektgebundene Einstellung zweier wissenschaftlicher Mitarbeiter erfolgt. Deren Tätigkeit bezieht sich ausschließlich auf die Durchführung des wissenschaftlich-technischen Begleitprogramms. Unterstützung kommt dabei von bereits vorhandenen vier wissenschaftlichen Mitarbeitern der Forschungsgruppe. Alle zusammen werden sich Untersuchungen widmen, die pro Anlage drei Jahre laufen müssen.
Insgesamt wertet Schmeer diese Förderprogrammvergabe nach Potsdam als ein Zeichen dafür, daß die Universität mehr und mehr an Bedeutung gewinnt. Ihr Stellenwert wachse insbesondere in den naturwissenschaftlich-technischen Richtungen. Das habe seinen Grund in den kostenintensiven Geräteanschaffungen, die einen großen Teil des Haushaltsetats verschlingen. Die Unver- zichtbarkeit der Drittelmittelforschung unterstreicht Professor Dr. Schmeer folgendermaßen: „Diesen Weg müssen wir unbedingt weitergehen. Nur er sichert ein Bestehen im nationalen und internationalen wissenschaftlichen Wettstreit." P.G.
Die Universität Potsdam kann einen weiteren Erfolg in ihren Aufbaubemühungen verbuchen. Seit Juli 1994 ist sie Standort des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Innovationskollegs „Formale Modelle kognitiver Komplexität“.
Es wird von fünf Professoren aus den Fächern Linguistik, Mathematik/Theoretische Physik und Psychologie getragen und hat die Untersuchung geistiger Leistungen zum Ziel. Das Innovationskolleg stellt eine in Deutschland einzigartige Verknüpfung dieser drei Disziplinen her.
Innovationskollegs sind von der DFG geförderte Forschungseinrichtungen größeren Umfangs, die spezifisch für die Optimierung der Wissenschaftslandschaft in den neuen Bundesländern entwickelt wurden. Dafür hat das Bundesministerium für Forschung und Technologie der DFG Sondermittel in Höhe von 24,6 Mio. DM zur Verfügung gestellt. Mit den für fünf Jahre finanzierten Innovationskollegs soll vornehmlich die internationale Einbindung der Wissenschaft im Osten vorangebracht werden, wobei besonderer Wert auf den innovativen und interdisziplinären Charakter der geförderten Projekte gelegt wird.
Nach einer sorgfältigen Vorauswahl an den Universitäten selbst gingen mehr als 60 Anträge bei der DFG in Bonn ein. Deren Hauptausschuß gewährte sieben antragstellenden Gruppen ein Innovationskolleg, darunter befand sich auch der Potsdamer Antrag für die
formalen Modelle kognitiver Komplexität. Mit dessen Annahme durch die DFG verfügt das Land Brandenburg nun über zwei geförderte Innovationskollegs.
Der Erfolg für die Potsdamer Universität kommt nicht von ungefähr: hat sie sich doch schon bei der Errichtung der Interdisziplinären Zentren für Kognitive Studien und für Nichtlineare Dynamik im letzten Jahr vorgenommen, besonderes Gewicht auf den Erwerb einer Vorreiterrolle in der fächerübergreifenden Erforschung der menschlichen Kognition zu legen. Ein weiteres Anliegen ist es, Forschungsmodelle zu entwickeln und geistes- und naturwissenschaftliche Ansätze miteinander zu verknüpfen. Diese beiden Aspekte charakterisieren den Grundsatz des Innovationskollegs, an dem auch die Direktoren der beiden Zentren, der Kognitionspsychologe Professor Dr. Reinhold Kliegl und der Mathematiker und Theoretische Physiker Professor Dr. Jürgen Kurths beteiligt sind. Dritter Partner ist die Potsdamer Allgemeine Sprachwissenschaft und hier vor allem Professor Dr. Gisbert Fanselow. Die Wissenschaftler dieser verschiedenen Fachgebiete bringen ihre Kompetenz ein, um die Gesetze der Sprachentstehung und des Sprachverständnisses zu erforschen. So fragt man z.B.: Welche Abläufe finden statt, wenn wir sprechen?, Wie gelangt Sprache ins Gehirn?, Wie wird sie dort verarbeitet und gespeichert?, Worin unterscheidet sich die Sprache des Kindes von der Erwachsener?
In der ersten Förderungsperiode, die drei Jahre umfaßt, ist das Programm vornehmlich grundlagenorientiert, anwendungsorientierte Aspekte sind für die zweite Periode fest geplant. Das Kolleg wird der Universität außerstaatliche Forschungsmittel in beträchtlicher Höhe einbringen. So ermöglicht es die Einrichtung einer ständigen Gastprofessur für Kognitionsforschung, international führende Wissenschaftler in Forschung und Lehre zu integrieren. Auf diese Weise können bestehende Verbindungen beispielsweise zum Massachussetts Institute of Technology (MIT) oder der Lomo- nossov Universität Moskau intensiviert und neue Kontakte nach Ost und West aufgebaut werden. B.E.
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Der amerikanische Professor Dr. Tom Roeper (rechts) besuchte im Mai dieses Jahres den Golmer Kindergarten. Auf spielerische Weise lockte er aus den Kindern sprachliche Daten, um Aufschluß über die Natur des Sprach- erwerbsprozesses zu erlangen. Der Wissenschaftler entwickelte ein Konzept, welches wesentlich die Strukturentscheidung des Institutes für Linguistik/ Allgemeine Sprachwissenschaft und somit auch des Innovationskollegs beeinflußte. Foto: privat
PUZ 14/94
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