Heft 
(1.1.2019) 14
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WISSENSCHAFT ÄKTUEM.E

BUNDESWEIT EINZIGARTIGE VERKNÜPFUNG

Innovationskolleg der DFG ging nach Potsdam

Diese Solar-Kollektoren werden benötigt, um Gebrauchswasser (Warmwasser) zu erzeu­gen, wenn möglich kostengünstig und in gewünscht großer Menge. Damit soll eine schrittweise Einsparung konventioneller En­ergieträger wie Öl, Kohle oder Gas einherge- hen. Um dieses Ziel zu erreichen, sind stän­dige Optimierungsbestrebungen hinsichtlich der Funktionsweise, aber auch bezüglich der Erstellung der Versuchsobjekte notwendig. Zu diesem Zweck ist die wissenschaftliche und meßtechnische Betreuung der Demon­strationsanlagen durch Fachleute von Bedeu­tung. Das dazugehörige Begleitprogramm soll zu Erkenntnissen über technische Bedin­gungen für einen künftig wirksamen Beitrag der Solarthermie zur Energieversorgung füh­ren. Geprüft werden unterschiedlichste Systemkombinationen. Eine repräsentative Anzahl von Apparaturen sowie ein weit ge­steckter Untersuchungszeitraum bieten gün­stige Voraussetzungen für verwertbare Erfah­rungen.

Schwerpunkte in diesem Forschungsförde­rungsprogramm bilden die fünf neuen Bun­desländer und die östlichen Bezirke Berlins. Fünf Hochschuleinrichtungen auf dem Ge­biet der ehemaligen DDR können Analyse­tätigkeiten vornehmen. Für das Land Bran­denburg (einschließlich Ost-Berlins) ist das die Forschungsgruppe Solarenergie des Insti­tuts für Berufspädagogik/Berufliche Fach­richtungen Elektro- und Metalltechnik der Universität Potsdam unter der Leitung von Professor Dr. Emst Schmeer und Professor Dr. Hans Sträßner. Für das gesamte an der Pots­damer Hochschule zu leistende Programm stehen Drittmittel in Höhe von 2,3 Mio. DM zur Verfügung, die zeitlich gestaffelt abruf­bar sind.

Mit der Auftragsvergabe ist auch die projekt­gebundene Einstellung zweier wissenschaft­licher Mitarbeiter erfolgt. Deren Tätigkeit bezieht sich ausschließlich auf die Durchfüh­rung des wissenschaftlich-technischen Begleitprogramms. Unterstützung kommt dabei von bereits vorhandenen vier wissen­schaftlichen Mitarbeitern der Forschungs­gruppe. Alle zusammen werden sich Unter­suchungen widmen, die pro Anlage drei Jah­re laufen müssen.

Insgesamt wertet Schmeer diese Förder­programmvergabe nach Potsdam als ein Zei­chen dafür, daß die Universität mehr und mehr an Bedeutung gewinnt. Ihr Stellenwert wachse insbesondere in den naturwissen­schaftlich-technischen Richtungen. Das habe seinen Grund in den kostenintensiven Geräteanschaffungen, die einen großen Teil des Haushaltsetats verschlingen. Die Unver- zichtbarkeit der Drittelmittelforschung unter­streicht Professor Dr. Schmeer folgenderma­ßen:Diesen Weg müssen wir unbedingt weitergehen. Nur er sichert ein Bestehen im nationalen und internationalen wissenschaft­lichen Wettstreit." P.G.

Die Universität Potsdam kann einen weiteren Erfolg in ihren Aufbaube­mühungen verbuchen. Seit Juli 1994 ist sie Standort des von der Deutschen For­schungsgemeinschaft (DFG) geförder­ten InnovationskollegsFormale Mo­delle kognitiver Komplexität.

Es wird von fünf Professoren aus den Fächern Linguistik, Mathematik/Theo­retische Physik und Psychologie getra­gen und hat die Untersuchung geistiger Leistungen zum Ziel. Das Innovations­kolleg stellt eine in Deutschland einzig­artige Verknüpfung dieser drei Diszipli­nen her.

Innovationskollegs sind von der DFG geför­derte Forschungseinrichtungen größeren Umfangs, die spezifisch für die Optimierung der Wissenschaftslandschaft in den neuen Bundesländern entwickelt wurden. Dafür hat das Bundesministerium für Forschung und Technologie der DFG Sondermittel in Höhe von 24,6 Mio. DM zur Verfügung gestellt. Mit den für fünf Jahre finanzierten Innovations­kollegs soll vornehmlich die internationale Einbindung der Wissenschaft im Osten vor­angebracht werden, wobei besonderer Wert auf den innovativen und interdisziplinären Charakter der geförderten Projekte gelegt wird.

Nach einer sorgfältigen Vorauswahl an den Universitäten selbst gingen mehr als 60 An­träge bei der DFG in Bonn ein. Deren Haupt­ausschuß gewährte sieben antragstellenden Gruppen ein Innovationskolleg, darunter be­fand sich auch der Potsdamer Antrag für die

formalen Modelle kognitiver Komplexität. Mit dessen Annahme durch die DFG verfügt das Land Brandenburg nun über zwei geförder­te Innovationskollegs.

Der Erfolg für die Potsdamer Universität kommt nicht von ungefähr: hat sie sich doch schon bei der Errichtung der Interdisziplinä­ren Zentren für Kognitive Studien und für Nichtlineare Dynamik im letzten Jahr vorge­nommen, besonderes Gewicht auf den Er­werb einer Vorreiterrolle in der fächerüber­greifenden Erforschung der menschlichen Kognition zu legen. Ein weiteres Anliegen ist es, Forschungsmodelle zu entwickeln und geistes- und naturwissenschaftliche Ansät­ze miteinander zu verknüpfen. Diese beiden Aspekte charakterisieren den Grundsatz des Innovationskollegs, an dem auch die Direk­toren der beiden Zentren, der Kognitions­psychologe Professor Dr. Reinhold Kliegl und der Mathematiker und Theoretische Physiker Professor Dr. Jürgen Kurths beteiligt sind. Dritter Partner ist die Potsdamer Allgemeine Sprachwissenschaft und hier vor allem Pro­fessor Dr. Gisbert Fanselow. Die Wissen­schaftler dieser verschiedenen Fachgebiete bringen ihre Kompetenz ein, um die Geset­ze der Sprachentstehung und des Sprach­verständnisses zu erforschen. So fragt man z.B.: Welche Abläufe finden statt, wenn wir sprechen?, Wie gelangt Sprache ins Gehirn?, Wie wird sie dort verarbeitet und gespei­chert?, Worin unterscheidet sich die Sprache des Kindes von der Erwachsener?

In der ersten Förderungsperiode, die drei Jahre umfaßt, ist das Programm vornehmlich grundlagenorientiert, anwendungsorientierte Aspekte sind für die zweite Periode fest ge­plant. Das Kolleg wird der Universität außer­staatliche Forschungs­mittel in beträchtlicher Höhe einbringen. So er­möglicht es die Einrich­tung einer ständigen Gastprofessur für Kogni­tionsforschung, interna­tional führende Wissen­schaftler in Forschung und Lehre zu integrie­ren. Auf diese Weise können bestehende Ver­bindungen beispielswei­se zum Massachussetts Institute of Technology (MIT) oder der Lomo- nossov Universität Mos­kau intensiviert und neue Kontakte nach Ost und West aufgebaut werden. B.E.

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Der amerikanische Professor Dr. Tom Roeper (rechts) besuchte im Mai dieses Jahres den Golmer Kindergarten. Auf spielerische Weise lockte er aus den Kindern sprachliche Daten, um Aufschluß über die Natur des Sprach- erwerbsprozesses zu erlangen. Der Wissenschaftler entwickelte ein Konzept, welches wesentlich die Strukturentscheidung des Institutes für Linguistik/ Allgemeine Sprachwissenschaft und somit auch des Innovationskollegs beeinflußte. Foto: privat

PUZ 14/94

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