STUDIOSI
STOLZ AUF HISTORISCHES STUDIUM
Verabschiedung des '89er Studenten-Jahrganges mit großem Andrang
„Es ist geschafft. Wir haben unser Studium erfolgreich beendet. Die fünf bzw. sechs Jahre waren eine Zeit voller Unruhe und Veränderung. Trotzdem würde ich sie als sehr wertvoll bezeichnen. Die Ausbildung war solide, kann sich sehen lassen. Was wir nun damit beginnen, liegt in unserer Hand.“ So äußerte sich Stefan Uhlmann, Studentenvertreter, am Rande der Feierstunde anläßlich der Verabschiedung diesjähriger Absolventen von Lehramts-, Diplom- und Magisterstudiengängen.
Die Veranstaltung im Juli - auf Anregung der Studierenden selbst zustandegekommen - fand das rege Interesse der nun Exmatrikulierten. Der voll besetzte Physikhorsaal des Hauses 9 am Neuen Palais zeugte davon. Verabschiedet wurde der letzte zu DDR-Zei- ten an der Pädagogischen Hochschule Potsdam immatrikulierte Jahrgang. Dessen ca. 400 Angehörige hatten vorübergehend an der Brandenburgischen Landeshochschule studiert und erlebten an der Universität Potsdam im vereinten Deutschland ihren Studienabschluß. Eine recht ungewöhnliche Bilanz. Die Ausbildung war geprägt von zahlreichen organisatorischen, formalen und inhaltlichen Veränderungen. Darauf verwiesen in ihren Reden sowohl Prof. Dr. Rolf Mitzner, Rektor der Universität, als auch Prof. Dr. Bärbel Kirsch, Dekanin der Philosophischen Fakultät II. Letztere ging in ihren Ausführungen insbesondere auf die wesentlichsten, das Lehrerstudium betreffende Einschnitte ein. Noch einmal ließ sie die von Hochschullehrern und Studenten gleichermaßen zu bewäl
tigenden Stationen dieses Studiums Revue passieren: 1989 hatte das Gros der Anwesenden das Studium auf genommen. Ziel war der Beruf eines Diplomlehrers in einer vorgeschriebenen Kombination zweier Fächer. Zehn Semester, davon 2 Semester großes Schulpraktikum, lagen vor ihnen. Bereits ein Jahr später, 1990, gab es gravierend Neues. So wurde nachträglich eine Fächerkombination nach eigener Wahl mögüch, das Polytechnikstudium erforderte die Hinzunahme eines zweiten Faches. Das Studium generale, später wieder abgeschafft, wurde eingeführt.
Der Wegfall des marxistisch-leninistischen Grundlagenstudiums resultierte logisch aus der Folge gesellschaftlicher Umbrüche.
Am 25. Aprü 1991 erfolgte der Beschluß des ersten Schulreformgesetzes. Nun mußten von allen Seiten neue Schulstrukturen und Bildungswege kennengelernt werden. 1991/92 fiel die Entscheidung zur zweiphasigen Lehrerausbildung. Das stufenübergreifende Lehramt kam zur Einführung, erste Entwürfe einer Lehramtsprüfungsordnung traten auf.
1992 wurde die Staatsprüfung relevant. Für alle Beteiligten begann eine langwierige Diskussion um Regelstudien- und Hausarbeitszeiten, die Semesterwochenstunden in den Erziehungswissenschaften setzten sich von Jahr zu Jahr unterschiedlich zusammen. Neue Studiengänge wie Französisch, Italienisch und Politische Bildung vervollständigten das Lehrangebot.
1993 erschienen dann neue Konzeptionen von Lehramtsprüfungsordnungen, die eher irritierten als nach vorn wiesen. In jenem Jahr fanden letztmalig Diplom-Lehrerprüfungen
nach ehemaligem DDR-Recht statt. Noch komplizierter wurde es für diejenigen, die Unterstufenlehrer werden wollten. Ab 1990 gab es den Zugang zur Primarstufe nunmehr mit Abitur. Eine Umgestaltung der Ausbildung zum Hochschulstudium stand auf der Tagesordnung. 1991 ging der ’87er Jahrgang in dieses Hochschulstudium, das zunächst als Aufbaustudium dekdlariert wurde. Zahlreiche Unklarheiten waren ständige Begleiter: Im Folgejahr räumte man die Möglichkeit ein, das stufenübergreifende Lehramt zu erreichen; Zusatzqualifikationen, das Belegen eines dritten Faches - all diese Offerten existierten. Und schließlich nicht zu vergessen: Parallel dazu fanden tiefgreifende Veränderungen und Verbessemngen inhaltlicher Orientierungen in den Fächern statt.
Daß man den Studenten sehr viel abverlangt hatte, machte dieser Rückblick sehr deutlich. Prof. Dr. Kusch fand resümierend herzliche Abschiedsworte, in denen sie den Studierenden für die bewiesene Geduld und Standhaftigkeit Anerkennung aussprach. Ulf Hopfner übernahm es, im Namen der jungen Akademiker den Dank für die erhaltene wissenschaftliche Ausbildung und Betreuung zum Ausdruck bringen. Er hob die „an der Alma mater herrschende angenehme Atmosphäre zwischen Lehrkörper und Studenten" hervor, betonte das gute Gefühl, mit dem man die Hochschule verlasse. „Auf unser wahrhaft historisches Studium können wir stolz sein. Es gab uns das Rüstzeug, lum dend Anforderungen im Beruf gerecht zu werden." Dies gelte es nun, in der Praxis zu beweisen.
P.G.
Studienmöglichkeiten im Wintersemester 1994/95
Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) hat die „Pünktchenliste" für das Wintersemester 1994/95 herausgegeben. Darin werden alle Studienangebote sowie alle örtlichen und allgemeinen Zulassungsbeschränkungen für Studienanfänger an den Hochschulen der Bundesrepublik Deutschland im Überblick dokumentiert. Die HRK ermittelt diese Daten regelmäßig bei den deutschen Hochschulen. Die „Pünktchenliste" kann in den Studienberatungsstellen der Hochschulen und in den Hochschulbibliotheken eingesehen werden. Interessenten können die Übersicht außerdem - bei Einsendung eines an sie selbst adressierten, mit DM 1,50 frankierten und mit dem Vermerk „Büchersendung" versehenen DIN C4-Umschlags - im Sekretariat der Hochschulrektorenkonferenz, Ahtstraße 39, 53175 Bonn, anfordern. mt.
PUZ 14/94
Sie haben ein geradezu historisches Studium hinter sich: die Studierenden des letzten Jahrgangs, der sich noch zu DDR-Zeiten an der früheren PH immatrikuliert hatte und und nun seinen Abschluß an der Universität Potsdam absolvierte. Foto: Tribukeit
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