Heft 
(1.1.2019) 14
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STUDIOSI

STOLZ AUF HISTORISCHES STUDIUM

Verabschiedung des '89er Studenten-Jahrganges mit großem Andrang

Es ist geschafft. Wir haben unser Stu­dium erfolgreich beendet. Die fünf bzw. sechs Jahre waren eine Zeit voller Un­ruhe und Veränderung. Trotzdem wür­de ich sie als sehr wertvoll bezeichnen. Die Ausbildung war solide, kann sich sehen lassen. Was wir nun damit begin­nen, liegt in unserer Hand. So äußerte sich Stefan Uhlmann, Studentenver­treter, am Rande der Feierstunde anläß­lich der Verabschiedung diesjähriger Absolventen von Lehramts-, Diplom- und Magisterstudiengängen.

Die Veranstaltung im Juli - auf Anregung der Studierenden selbst zustandegekommen - fand das rege Interesse der nun Exmatriku­lierten. Der voll besetzte Physikhorsaal des Hauses 9 am Neuen Palais zeugte davon. Verabschiedet wurde der letzte zu DDR-Zei- ten an der Pädagogischen Hochschule Pots­dam immatrikulierte Jahrgang. Dessen ca. 400 Angehörige hatten vorübergehend an der Brandenburgischen Landeshochschule stu­diert und erlebten an der Universität Potsdam im vereinten Deutschland ihren Studienab­schluß. Eine recht ungewöhnliche Bilanz. Die Ausbildung war geprägt von zahlreichen organisatorischen, formalen und inhaltlichen Veränderungen. Darauf verwiesen in ihren Reden sowohl Prof. Dr. Rolf Mitzner, Rektor der Universität, als auch Prof. Dr. Bärbel Kirsch, Dekanin der Philosophischen Fakul­tät II. Letztere ging in ihren Ausführungen insbesondere auf die wesentlichsten, das Lehrerstudium betreffende Einschnitte ein. Noch einmal ließ sie die von Hochschulleh­rern und Studenten gleichermaßen zu bewäl­

tigenden Stationen dieses Studiums Revue passieren: 1989 hatte das Gros der Anwesen­den das Studium auf genommen. Ziel war der Beruf eines Diplomlehrers in einer vorge­schriebenen Kombination zweier Fächer. Zehn Semester, davon 2 Semester großes Schulpraktikum, lagen vor ihnen. Bereits ein Jahr später, 1990, gab es gravierend Neues. So wurde nachträglich eine Fächerkombi­nation nach eigener Wahl mögüch, das Poly­technikstudium erforderte die Hinzunahme eines zweiten Faches. Das Studium generale, später wieder abgeschafft, wurde eingeführt.

Der Wegfall des marxistisch-leninistischen Grundlagenstudiums resultierte logisch aus der Folge gesellschaftlicher Umbrüche.

Am 25. Aprü 1991 erfolgte der Beschluß des ersten Schulreformgesetzes. Nun mußten von allen Seiten neue Schulstrukturen und Bil­dungswege kennengelernt werden. 1991/92 fiel die Entscheidung zur zweiphasigen Leh­rerausbildung. Das stufenübergreifende Lehr­amt kam zur Einführung, erste Entwürfe ei­ner Lehramtsprüfungsordnung traten auf.

1992 wurde die Staatsprüfung relevant. Für alle Beteiligten begann eine langwierige Dis­kussion um Regelstudien- und Hausarbeits­zeiten, die Semesterwochenstunden in den Erziehungswissenschaften setzten sich von Jahr zu Jahr unterschiedlich zusammen. Neue Studiengänge wie Französisch, Italie­nisch und Politische Bildung vervollständig­ten das Lehrangebot.

1993 erschienen dann neue Konzeptionen von Lehramtsprüfungsordnungen, die eher irritierten als nach vorn wiesen. In jenem Jahr fanden letztmalig Diplom-Lehrerprüfungen

nach ehemaligem DDR-Recht statt. Noch komplizierter wurde es für diejenigen, die Unterstufenlehrer werden wollten. Ab 1990 gab es den Zugang zur Primarstufe nunmehr mit Abitur. Eine Umgestaltung der Ausbil­dung zum Hochschulstudium stand auf der Tagesordnung. 1991 ging der87er Jahrgang in dieses Hochschulstudium, das zunächst als Aufbaustudium dekdlariert wurde. Zahl­reiche Unklarheiten waren ständige Beglei­ter: Im Folgejahr räumte man die Möglich­keit ein, das stufenübergreifende Lehramt zu erreichen; Zusatzqualifikationen, das Belegen eines dritten Faches - all diese Offerten exi­stierten. Und schließlich nicht zu vergessen: Parallel dazu fanden tiefgreifende Verände­rungen und Verbessemngen inhaltlicher Ori­entierungen in den Fächern statt.

Daß man den Studenten sehr viel abverlangt hatte, machte dieser Rückblick sehr deutlich. Prof. Dr. Kusch fand resümierend herzliche Abschiedsworte, in denen sie den Studieren­den für die bewiesene Geduld und Standhaf­tigkeit Anerkennung aussprach. Ulf Hopfner übernahm es, im Namen der jungen Akade­miker den Dank für die erhaltene wissen­schaftliche Ausbildung und Betreuung zum Ausdruck bringen. Er hob diean der Alma mater herrschende angenehme Atmosphäre zwischen Lehrkörper und Studenten" hervor, betonte das gute Gefühl, mit dem man die Hochschule verlasse.Auf unser wahrhaft historisches Studium können wir stolz sein. Es gab uns das Rüstzeug, lum dend Anfor­derungen im Beruf gerecht zu werden." Dies gelte es nun, in der Praxis zu beweisen.

P.G.

Studienmöglichkeiten im Wintersemester 1994/95

Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) hat diePünktchenliste" für das Wintersemester 1994/95 herausgegeben. Darin werden alle Studienangebote sowie alle örtlichen und allgemeinen Zulassungsbeschränkungen für Studienanfänger an den Hochschulen der Bundesrepublik Deutschland im Überblick dokumentiert. Die HRK ermittelt diese Daten regelmäßig bei den deutschen Hochschulen. DiePünktchenliste" kann in den Studien­beratungsstellen der Hochschulen und in den Hochschulbibliotheken eingesehen werden. Interessenten können die Übersicht außer­dem - bei Einsendung eines an sie selbst adressierten, mit DM 1,50 frankierten und mit dem VermerkBüchersendung" versehenen DIN C4-Umschlags - im Sekretariat der Hochschulrektorenkonferenz, Ahtstraße 39, 53175 Bonn, anfordern. mt.

PUZ 14/94

Sie haben ein geradezu historisches Studium hinter sich: die Studierenden des letzten Jahrgangs, der sich noch zu DDR-Zeiten an der früheren PH immatrikuliert hatte und und nun seinen Abschluß an der Universität Potsdam absolvierte. Foto: Tribukeit

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