Heft 
(1.1.2019) 14
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IM GESPRÄCH

LEHRAMTSPRÜFUNGSORDNUNG ENDLICH IN KRAFT

Landesprüfungsamt bescheinigt Universitätproduktive Zusammenarbeit"

Das Landesprüfungsamt Brandenburgs besteht seit 1992. Insgesamt 12 Mitar­beiter gehören der in der Potsdamer Breiten Straße gelegenen Einrichtung an. Deren Verantwortungsbereich er­streckt sich vor allem auf die Sicherung des reibungslosen Ablaufs der Ersten und Zweiten Staatsprüfungen für das Lehramt. Falls erforderlich, wird auch die Anerkennung von außerhalb Bran­denburgs erworbenen Lehramtsbe­fähigungen an der Institution geklärt. Lange Zeit prägten Übergangsbestim­mungen die Arbeit im Amt.

Eine endgültige Ordnung der Prüfungs­verfahren fehlte. Die Situation hat sich jetzt deutlich entspannt. Dazu befragte Petra Görlich für die PUZ den Leiter des Landesprüfungsamtes, Hans-Jürgen Krzyweck.

PUZ:Sie mußten fast zwei Jahre auf eine Lehramtsprüfungsordnung warten. Jetzt ist sie da. Was legt sie fest?

Krzyweck:Ihr Erscheinen beendet den wenig befriedigenden Zustand, daß - nach einer Übergangsverordnung für das Jahr 1992 - zwar die Lehrerausbüdung und -prüfung auf der Grundlage der gesetzlichen Regelun­gen des Ersten Schulreformgesetzes erfolg­te, es aber an den durchführenden Bestim­mungen mangelte. Im Hinblick auf die knap­pen gesetzlichen Regelungen kommt der Lehramtsprüfungsordnung eine besondere Bedeutung zu, da sie nicht nur das Prüfungs­verfahren regelt, sondern auch im Zusam­menhang mit den Studienordnungen der Uni­versität wesentliche Inhalte der Lehrerbil­dung vorgibt. Ihr Erlaß ist ein rechtsstaatli­chesMuß. Sie erzeugt Transparenz, mach­te die Rechte und Pflichten aller Beteiligten deutlich und kontrollierbar und stärkt da­durch nicht zuletzt die Stellung der Studie­renden. Mit der Verordnung liegen nunmehr auch die notwendigen Vorschriften zur Durchführung der Erweiterungsprüfungen vor, mit der Lehrkräfte ihre Fachkompetenz durch eine zusätzliche Lehrbefähigung er­weitern können. Die Ergänzungsprüfungs­ordnung allerdings, die im einzelnen regeln wird, auf welchem Wege im Schuldienst be­findliche Lehrkräfte ein neues Lehramt er­werben können, steht noch aus. Politik ist offensichtlich die Kunst des Mögüchen. Und möglich war in den letzten Absprachen zwi­schen den beteiligten Ressorts nur eine Lö­sung, die zu Straffungen der Ausbildungs­gänge geführt hat (Reduzierung der Seme­sterzahlen, Fertigung der Hausarbeit schon während des Studiums).

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Wir sind zuversichtlich, daß eine sachgerech­te Interpretation der einschlägigen Regelun­gen nicht zu einer Verkürzung der Ansprü­che der Studierenden nach dem Bundes - ausbildungsförderungsgesetz führen wird.

PUZ:Gilt die Lehramtsprüfungsordnung ab sofort für alle ein Lehramt anstrebenden Stu­dierenden?

Krzyweck:Bekanntlich sind Studiengänge schon gelaufen bzw. begonnen worden, be­vor diese Prüfungsordnung in Kraft trat. Es ist aus rechtlichen Gründen unstrittig, daß hier für die Studierenden ein Vertrauens­schutz entstanden ist, der bei Anwendung der neuen Vorschriften zu beachten ist. Die Prüfungsordnung selbst gibt hierfür in § 56 schon entscheidende Hinweise. Für welche Studiengänge bereits nach ihr verfahren

Der Lehrer arbeitet an der verantwortungsvollsten Aufgabe, die es gibt-er bildet und erzieht den Menschen.

werden kann, ist sehr sorgfältig in Abspra­che mit den Verantwortlichen der Universi­tät zu klären. Es ist eine Lösung notwendig, die einerseits eine frühestmögliche Anwen­dung der Lehramtsprüfungsordnung im Auge hat, andererseits schützenswerte Belange des einzelnen Studierenden berücksichtigt.

PUZ:Mit der nun in Kraft tretenden Verord­nung ergeben sich sicher auch neue Anfor­derungen an das Landesprüfungsamt. Wor­auf müssen sich Ihre Mitarbeiter einstellen?"

Krzyweck:Mit dem Vorhandensein einer verläßlichen Rechtsgrundlage sieht sich nun auch das Landesprüfungsamt in der Lage, noch intensiver als bisher Informations­defizite zu beseitigen und ganz allgemein zum Wissen um die Lehrerausbildung beizu­tragen. Dies wird hoffentlich die Produktivi­tät der Zusammenarbeit mit der Universität noch steigern. Die Belastung ist für uns ge­rade in diesem und im kommenden Jahr be­sonders hoch.

Hierfür einige Zahlen: im Frühjahr dieses Jahres legten 220 Prüflinge ihre Erste Staats­prüfung für das Lehramt der Sekundarstufe I

bzw. für das stufenübergreifende Lehramt Sekundarstufe H/I ab, im Sommer ca. 70 Stu­denten für das die Primarstufe betreffende Lehramt. In diesen Wochen werden ca. 500 Anträge auf Zulassung zu einer Lehramts­prüfung erwartet. Mit Ende des Jahres wer­den insgesamt um 800 Erweiterungs­prüfungen von unserer Institutionabgelegt worden sein, davon allein 191 im Fach Poli­tische Bildung. Teilprüfungen (d.h. das Ex­amen im Fach selbst) als Bestandteil einer Ergänzungsprüfung werden bis Ende des Jahres in der Größenordnung von 350 erwar­tet. Das Lehramt für Sonderpädagogik wird z.Z. in Brandenburg durch eine Ergänzungs­prüfung erworben: insgesamt befinden sich 186 Lehrer in einem solchen Verfahren.

PUZ:Die Lehrerausbildung befindet sich derzeit, bedingt durch gesellschaftliche Um­stände, in einer schwierigen Situation. Wel­che Perspektiven räumen Sie ihr dennoch ein?

Krzyweck:Der Bruch in der Entwicklung der Schülerzahlen in den neuen Bundeslän­dern ist dramatisch. Dies sind gewiß keine glücklichen Umstände für eine insbesonde­re Lehrerausbildung betreibende Einrich­tung, erst recht nicht für die betroffenen Stu­dierenden. Auch wenn in der Vergangenheit Prognosen über den Lehrerbedarf nie so recht gestimmt haben bzw. durch andere Entwick­lungen überholt wurden, haben wir es bei der Entwicklung der Bevölkerungszahl in den neuen Bundesländern mit konkreten Fakten zu tun. Trotzdem gibt es jetzt und auf abseh­bare Zeit in den neuen Bundesländern Man­gelfächer (Englisch, Französisch, Musik, Kunst, Politische Bildung, Wirtschaftswissen­schaften und Sonderpädagogik), bei denen ein nachweisbarer längerfristiger Bedarf be­steht. Darüber hinaus gibt es keine Indizien dafür, daß der bundesdeutsche Lehrermarkt auf Dauer gesättigt wäre, zumal in nicht all­zu ferner Zukunft mit erheblichen Abgängen (Ruhestand) zu rechnen ist. Wenn den Stu­dierenden - auch von seiten der Universität - ständig bewußt gemacht wird, daß bei not­wendiger Mobilität auch ein Lehrerstudium sein kann, muß die Perspektive nicht düster gemalt werden.

Im übrigen hat die Lehrerbildung in Branden­burg günstige Rahmenbedingungen: sie fin­det an einer Hochschule statt, der notwen­dige Zusammenhang von erster und zweiter Phase könnte hier eine vorbildliche Realisie­rung erfahren.

PUZ:Herr Krzyweck, wir danken Ihnen für das Gespräch.

PUZ 14/94