PERSONALIA
Stasi-Vorwurf ausgeräumt
Sportwissenschaftler Professor Philipp unbelastet
Stark unterschiedliche Beteiligung
Gremienwahlen an der Universität
Alle Statusgruppen der Universität - Professoren, wissenschaftliche Mitarbeiter, Studierende und sonstige Mitarbeiter - wählten Mitte Juni 1994 die neuen Mitglieder der Gremien zur akademischen Selbstverwaltung. Die Beteiligung an den Wahlen für das Konzil, den Senat, die Fakultätsräte und die Gleichstellungsbeauftragte war allerdings sehr unterschiedlich:
So nahmen die Professoren ihr Wahlrecht mit 71,86%, die wissenschaftlichen Mitarbeiter mit 42,98%, die sonstigen Mitarbeiter mit 36,43% und die Studierenden mit nur 7,9% in Anspruch. Bei den Studierenden zeigten sich zwischen den Fakultäten besonders große Diskrepanzen. So wählten in der Philosophischen Fakultät I 2,14%, in der Wirtschaftsund Sozialwissenschaftlichen Fakultät dagegen 32,50%. Im Konzil als dem obersten Gremium der Universität werden 30 Professoren und zusammen 29 Vertreter der anderen Gruppen tätig sein. Dem Senat gehören neben dem Rektor fünf Professoren, jeweils zwei wissenschaftliche Mitarbeiter und Studierende sowie ein Vertreter der sonstigen Mitarbeiter an. Für die Fakultätsräte wurden ebenfalls insgesamt zehn Vertreter der Statusgruppen gewählt. Der jeweilige Dekan führt den Vorsitz. Die Amtszeiten aller Gewählten begannen am 1. Oktober diesen Jahres und werden für die Studierenden ein, für alle anderen zwei Jahre betragen. Nur Monika Stein wird ihr Amt der Gleichstellungs- beauftragten für vier Jahre bekleiden. B.E.
Kündigung ausgesprochen
Nach Einsicht in die von der Gauck-Behör- de bearbeitete Akte Peter Schindlers hat die Universität Potsdam diesem Mitarbeiter fristlos gekündigt. Die Kündigung trat zum 10. August in Kraft. Sie wurde ausgesprochen, nachdem sich herausgestellt hatte, daß Peter Schindler 1962 eine Verpflichtungserklärung für das MfS (Ministerium für Staatssicherheit der ehemaligen DDR) unterschrieben, zumindest bis 1980 für die Stasi als Inoffizieller Mitarbeiter gearbeitet und diese Tätigkeit im Personalfragebogen der Universität Potsdam verschwiegen hat. Peter Schindler war allerdings erst seit . 1980 als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Sportwissenschaften an der früheren Pädagogischen Hochschule Potsdam tätig gewesen, bevor er nach einer fachlichen Überprüfung und der (wie sich nun herausstellte, falschen) Beantwortung von Fragen zu seiner persönlichen Integrität als wissenschaftlicher Mitarbeiter in die Sportwissenschaft der Universität Potsdam übernommen wurde. Hg.
PUZ 14/94
In jüngster Zeit mußte sich Professor Dr. Horst-Werner Philipp, Direktor des Instituts für Sportwissenschaft an der Universität, Verdächtigungen und Unterstellungen der verschiedensten Art anhören: Nach diesen war er ein „Ex- Stasi-Mann“, ein Antisemit oder auch einfach ein sich geschickt wendender Überläufer ohne Substanz. In Anbetracht der Vielfalt und - so Philipp - der Absurdität der meisten Vorwürfe begann der Sportwissenschaftler frühzeitig, sich dagegen zu wehren: „Leute, die unlautere und ungerechtfertigte Vorwürfe gegen mich haben laut werden lassen, müssen sich vor Gericht dafür verantworten“, erklärte er.
Was den Vorwurf seiner angeblichen Mitarbeit bei der „Stasi“ (dem Staatssicherheitsdienst der ehemaligen DDR) betrifft, so konnte dieser mittlerweile auch von offizieller Seite ausgeräumt werden. Bescheinigte ihm doch die Gauck-Behörde, daß sich in den überprüften Unterlagen „keine Hinweise auf eine Zusammenarbeit mit dem Staatssicherheitsdienst der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik ergeben" haben. Damit sind auch alle diejenigen an der Universität bestätigt, die Professor Philipp von seiner Tätigkeit an der früheren Pädagogischen Hochschule Potsdam kannten und den Verdächtigungen stets widersprachen: Angefangen hat Horst-Werner Philipp im Jahre 1960 als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fernstudium Körpererziehung der Sektion Sportwissenschaft an der PH. Es folgten 1967 seine Promotion, 1975 seine Habilitation. 1978 wurde Philipp zum Dozenten und Anfang der 80er Jahre zum Professor für Trainingslehre, 1988 schließlich erhielt er eine Berufung auf den Posten des Direktors der Sektion Sportwissenschaft.
Diese Jahre des Aufstiegs waren geprägt von der entschiedenen Position Philipps als überzeugter Genosse einerseits und leidvollen persönlichen Erfahrungen, die der Sportwissenschaftler im Umgang mit der oft menschenverachtenden Politik von Partei und Staat machen mußte. An seiner Bereitschaft, sich und seine Vorstellungen einzubringen, hat dies trotzdem nichts geändert - auch nach der Wende 1989 nicht. Zeichen des Vertrauens, das seine Umgebung in ihn setzte, waren die (geheime) Wahl zum Direktor des Fachbereiches Sportwissenschaft der Brandenburgischen Landeshochschule, seine Wahl in den ersten Senat dieser Brandenburgischen Landeshochschule als der direkten Vorgängereinrichtung der Universität Potsdam, seine Anfang dieses Jahres erfolg
Von Stasi-Vorwürfen entlastet: Prof. Dr. Horst- Werner Philipp. Foto: Tribukeit
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te Wahl zum Vorsitzenden des Konzils und seine Wiederwahl als Direktor des Institutes für Sportwissenschaft im April 1994. Neben diesen Ämtern übte er stets die Funktion eines Professors aus; er wurde in insgesamt zwei Evaluierungen fachlich und persönlich bestätigt und im November 1993 vom brandenburgischen Minister für Wissenschaft, Forschung und Kultur als C4-Professor in den Landesdienst übernommen. Diese Überleitung erfolgte auf Empfehlung des Gründungssenates der Universität, der sich nun durch den offiziellen „Negativ-Befund“ der Gauck-Behörde bestätigt sehen kann.
Hg.
Arbeitsverhältnis beendet
Die Universität Potsdam und das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg haben das Arbeitsverhältnis mit Prof. Dr. Kurt Wedel beendet. Die Aufhebung trat zum 11. August 1994 mit sofortiger Wirkung in Kraft.
Grund dafür ist eine langjährige Tätigkeit Wedels als Inoffizieller Mitarbeiter für das MfS (Ministerium für Staatssicherheit der ehemaligen DDR), die durch Einsichtnahme in seine von der Gauck-Behörde bearbeitete Akte und das Eingeständnis Prof. Wedels belegt werden kann. Prof. Dr. Wedel ist von Hause aus Physiker und arbeitete als Professor alten Rechts im Institut für Informatik der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät.
Hg.
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