Heft 
(1.1.2019) 14
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PERSONALIA

Stasi-Vorwurf ausgeräumt

Sportwissenschaftler Professor Philipp unbelastet

Stark unterschiedliche Beteiligung

Gremienwahlen an der Universität

Alle Statusgruppen der Universität - Professoren, wissenschaftliche Mitar­beiter, Studierende und sonstige Mitar­beiter - wählten Mitte Juni 1994 die neuen Mitglieder der Gremien zur aka­demischen Selbstverwaltung. Die Betei­ligung an den Wahlen für das Konzil, den Senat, die Fakultätsräte und die Gleichstellungsbeauftragte war aller­dings sehr unterschiedlich:

So nahmen die Professoren ihr Wahlrecht mit 71,86%, die wissenschaftlichen Mitarbeiter mit 42,98%, die sonstigen Mitarbeiter mit 36,43% und die Studierenden mit nur 7,9% in Anspruch. Bei den Studierenden zeigten sich zwischen den Fakultäten besonders große Diskrepanzen. So wählten in der Philosophi­schen Fakultät I 2,14%, in der Wirtschafts­und Sozialwissenschaftlichen Fakultät dage­gen 32,50%. Im Konzil als dem obersten Gre­mium der Universität werden 30 Professoren und zusammen 29 Vertreter der anderen Gruppen tätig sein. Dem Senat gehören ne­ben dem Rektor fünf Professoren, jeweils zwei wissenschaftliche Mitarbeiter und Stu­dierende sowie ein Vertreter der sonstigen Mitarbeiter an. Für die Fakultätsräte wurden ebenfalls insgesamt zehn Vertreter der Statusgruppen gewählt. Der jeweilige Dekan führt den Vorsitz. Die Amtszeiten aller Ge­wählten begannen am 1. Oktober diesen Jah­res und werden für die Studierenden ein, für alle anderen zwei Jahre betragen. Nur Mo­nika Stein wird ihr Amt der Gleichstellungs- beauftragten für vier Jahre bekleiden. B.E.

Kündigung ausgesprochen

Nach Einsicht in die von der Gauck-Behör- de bearbeitete Akte Peter Schindlers hat die Universität Potsdam diesem Mitarbeiter frist­los gekündigt. Die Kündigung trat zum 10. August in Kraft. Sie wurde ausgesprochen, nachdem sich herausgestellt hatte, daß Pe­ter Schindler 1962 eine Verpflichtungser­klärung für das MfS (Ministerium für Staats­sicherheit der ehemaligen DDR) unterschrie­ben, zumindest bis 1980 für die Stasi als In­offizieller Mitarbeiter gearbeitet und diese Tätigkeit im Personalfragebogen der Univer­sität Potsdam verschwiegen hat. Peter Schindler war allerdings erst seit . 1980 als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Sportwissenschaften an der früheren Pädago­gischen Hochschule Potsdam tätig gewesen, bevor er nach einer fachlichen Überprüfung und der (wie sich nun herausstellte, falschen) Beantwortung von Fragen zu seiner persön­lichen Integrität als wissenschaftlicher Mit­arbeiter in die Sportwissenschaft der Univer­sität Potsdam übernommen wurde. Hg.

PUZ 14/94

In jüngster Zeit mußte sich Professor Dr. Horst-Werner Philipp, Direktor des In­stituts für Sportwissenschaft an der Universität, Verdächtigungen und Un­terstellungen der verschiedensten Art anhören: Nach diesen war er einEx- Stasi-Mann, ein Antisemit oder auch einfach ein sich geschickt wendender Überläufer ohne Substanz. In Anbe­tracht der Vielfalt und - so Philipp - der Absurdität der meisten Vorwürfe be­gann der Sportwissenschaftler frühzei­tig, sich dagegen zu wehren:Leute, die unlautere und ungerechtfertigte Vorwürfe gegen mich haben laut wer­den lassen, müssen sich vor Gericht dafür verantworten, erklärte er.

Was den Vorwurf seiner angeblichen Mitar­beit bei derStasi (dem Staatssicherheits­dienst der ehemaligen DDR) betrifft, so konn­te dieser mittlerweile auch von offizieller Seite ausgeräumt werden. Bescheinigte ihm doch die Gauck-Behörde, daß sich in den überprüften Unterlagenkeine Hinweise auf eine Zusammenarbeit mit dem Staatssicher­heitsdienst der ehemaligen Deutschen De­mokratischen Republik ergeben" haben. Damit sind auch alle diejenigen an der Uni­versität bestätigt, die Professor Philipp von seiner Tätigkeit an der früheren Pädagogi­schen Hochschule Potsdam kannten und den Verdächtigungen stets widersprachen: An­gefangen hat Horst-Werner Philipp im Jahre 1960 als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fernstudium Körpererziehung der Sektion Sportwissenschaft an der PH. Es folgten 1967 seine Promotion, 1975 seine Habilitation. 1978 wurde Philipp zum Dozenten und An­fang der 80er Jahre zum Professor für Trainingslehre, 1988 schließlich erhielt er eine Berufung auf den Posten des Direktors der Sektion Sportwissenschaft.

Diese Jahre des Aufstiegs waren geprägt von der entschiedenen Position Philipps als über­zeugter Genosse einerseits und leidvollen persönlichen Erfahrungen, die der Sport­wissenschaftler im Umgang mit der oft menschenverachtenden Politik von Partei und Staat machen mußte. An seiner Bereit­schaft, sich und seine Vorstellungen einzu­bringen, hat dies trotzdem nichts geändert - auch nach der Wende 1989 nicht. Zeichen des Vertrauens, das seine Umgebung in ihn setzte, waren die (geheime) Wahl zum Direk­tor des Fachbereiches Sportwissenschaft der Brandenburgischen Landeshochschule, sei­ne Wahl in den ersten Senat dieser Branden­burgischen Landeshochschule als der direk­ten Vorgängereinrichtung der Universität Potsdam, seine Anfang dieses Jahres erfolg­

Von Stasi-Vorwürfen entlastet: Prof. Dr. Horst- Werner Philipp. Foto: Tribukeit

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te Wahl zum Vorsitzenden des Konzils und seine Wiederwahl als Direktor des Institutes für Sportwissenschaft im April 1994. Neben diesen Ämtern übte er stets die Funktion eines Professors aus; er wurde in insgesamt zwei Evaluierungen fachlich und persönlich bestätigt und im November 1993 vom bran­denburgischen Minister für Wissenschaft, Forschung und Kultur als C4-Professor in den Landesdienst übernommen. Diese Überlei­tung erfolgte auf Empfehlung des Grün­dungssenates der Universität, der sich nun durch den offiziellenNegativ-Befund der Gauck-Behörde bestätigt sehen kann.

Hg.

Arbeitsverhältnis beendet

Die Universität Potsdam und das Ministeri­um für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg haben das Arbeits­verhältnis mit Prof. Dr. Kurt Wedel beendet. Die Aufhebung trat zum 11. August 1994 mit sofortiger Wirkung in Kraft.

Grund dafür ist eine langjährige Tätigkeit Wedels als Inoffizieller Mitarbeiter für das MfS (Ministerium für Staatssicherheit der ehemaligen DDR), die durch Einsichtnahme in seine von der Gauck-Behörde bearbeitete Akte und das Eingeständnis Prof. Wedels belegt werden kann. Prof. Dr. Wedel ist von Hause aus Physiker und arbeitete als Profes­sor alten Rechts im Institut für Informatik der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät.

Hg.

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