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(1.1.2019) 16
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nem wissenschaftlichen Mitarbeiter wohl nicht ausreichend gewürdigt zu sein" scheine. Schließlich benötigten die Absol­venten jedes Studienganges eine philosophi­sche Grundausbildung, im Zuge deren sie auf neue Weise nach der Wahrheit suchen könn­ten. In diesem Zusammenhang rief er auch zum fachübergreifendenStudieren zwi­schen den Disziplinen" auf.

Ein recht plastisches Bild des noch keines­wegs abgeschlossenen Gebildes Philosophi­sche Fakultät I lieferte im Anschluß die Dekanin, Professor Dr. Helene Harth. Sie schilderte kurz die vier Institute, die bereits vor der Universitätsgründung existiert haben (dabei handelt es sich um die Institute für Anglistik und Amerikanistik, für Germanistik, das Historische Institut und das für Slavistik) sowie die fünf neu gegründeten (worunter die für Klassische Philologie, für Kunstge­schichte, Phüosophie, Religionswissenschaft und für Romanistik zu verstehen sind) und stellte fest, daß vor allem die Neugründun­gen zum Teü noch sehr unbefriedigend aus­gestattet seien.Die Klassische Philologie, die aufgrund des umfangreichen Latein- bedarfs in den neuen Bundesländern drin­gend ihre Arbeit aufnehmen müßte, ist über­haupt noch nicht besetzt, erklärte sie. An die Kunstgeschichte denke man sogar noch nicht einmalin Ausschreibungen". Ferner hätten die Romanistik und die Philosophie noch immer nicht 50 Prozent ihrer vorgese­henen Ausbaustufe erreicht und stünden z.B. in der Germanistik sowie der Anglistik essen­tielle Professuren offen.

Es folgte eine recht launige Ansprache Ste­fan Zellmers als dem Vertreter der Studieren­den, der vor allem die Gleichgültigkeit und Stillhaltetaktik vieler Studierender und wis­senschaftlicher Mitarbeiter monierte und fru­striert feststellte, daß Konformität sowohl vor als auch nach der Wende Konjunktur gehabt hätte bzw. haben würde. In diese unterstellte

Kritiklosigkeit ein schloß er die Entstehung der Strukturen an der Potsdamer Universität und somit auch die Entscheidung, Fakultä­ten zu gründen (siehe dazu das Interview mit Stefan Zellmer an anderer Stelle dieser PUZ). Der Festredner Dr. Eberhard Lämmert, Pro­fessor emeritus für Allgemeine und Verglei­chende Literaturwissenschaft an der Freien Universität Berlin und ehemaliger Präsident derselben, griff den Gedanken Zellmers ge­schickt auf und meinte, daß es stets Licht- und Schattenseiten in einer Fakultät gäbe; entscheidend sei allerdings ihre Existenz und daraus resultierend ihre Funktionsfähigkeit im Interesse all ihrer Mitglieder.

Eine Ahnung von strukturübergreifend ele­mentaren und aktuellen Erfordernissen nicht nur an Akademiker, sondern anden Men­schen vermittelte Lämmert im Anschluß durch seinen Festvortrag über den Kopf und die Denkmaschinen.Der Kopf stand dabei für den Menschen, der sich in Form des Com­puters eineDenkmaschine geschaffen hat als eine Art Verstärker - so,wie der Dampf­hammer ein Verstärker unserer Faust wur­de. Dank dieser Erfindung müsse man aber nun auch von tradierten, überholten Formen des Wissens Abstand nehmen, erklärte Eber­hard Lämmert. So könne es nicht länger als erstrebenswert angesehen werden, einen weitgehend abgeschlossenen Kanon an Wis­sen von sich zu geben, da dies bereits in viel besserer Form vonCD-roms" geleistet wer­de. Vielmehr müsse man dem von Compu­tern mühelos produzierten (und auch durch­aus erwünschten und wichtigen) Informati­

onsbergen das jeweils unterschiedliche Er­fahrungswissen des einzelnen Menschen gegenüberstellen:Der unaufhebbare Vorteil des natürlichen Denkens liegt in der Anrei­cherung jeder Denkarbeit mit den unbere­chenbaren Beständen historisch gewachse­ner und persönlich gewonnener Alltagser­fahrung, sagte der Literaturwissenschaftler.

Die Dekanin, Professor Dr. Helene Harth, ließ die Entwicklung ihrer Fakultät Revue passieren und sprach Probleme und Wünsche offen an.

Foto: Tribukeit

Er sieht den Menschen durch diese Flexibi­lität als dem Computer voraus an und wer­tet deshalb auch diese Maschine als in po­sitivem Sinne entlastendes Werkzeug. Aller­dings warnte er davor, sich zu stark auf den Computer zu verlassen und dadurch in ein sehr kanalisiertes, schematisiertes Denken und Handeln zu verfallen.Die Entlastung des Kopfes durch den Computer kann leicht zu neuer Unbehilflichkeit bei der Lösung von Lebenskonflikten führen", erklärte Lämmert und wies auf die als bereits vielfach vorhan­dene Untugend hin, Informationen unbefragt zu glauben. Weil diese Informationen immer weniger selbst erlebbar seien, durchmisch­ten sich (eigenes) Wissen und das Meinen anderer (der Allgemeinheit) zusehends. Vor diesem Hintergrund rief er zu einem nach­denklicheren Umgang mit dank der Denk­maschinen einfach nur abrufbarem Wissen auf und wollte stattdessen Lebensklugheit und gesunden Menschverstand stärker ge­wichtet sehen.

Wie bei jeder Erfindung, die das Leben kom­fortabler macht, gehört die Ermittlung ihrer Grenzen zu den Leistungen, die den Köpfen überlassen bleibt, sagte der frühere FU-Prä- sident. Und genau in dieser Funktion sieht er auch die Leistung der Wissenschaftler und vor allem der Kulturwissenschaftler angesie­delt, die sich in Anbetracht der karnickel­artigen Ausbreitung von PCs in unseren Kin­derzimmern und Büros dieser Entwicklung in stärkerem Maße vergleichend und kritisch hinterfragend widmen sollten. Denn schließ­lich könnte man von einem Computer keine Wertentscheidungen und Abwägungen er­warten - von einer Universität aber sehr wohl.

Als unabdingbar erforderlich auf diesem Wege sieht Eberhard Lämmert gelebte Quer­verbindungen und somit Interdisziplinarität an einer Hochschule an, weshalb er auch der Potsdamer Universität bescheinigte, hier auf gutem Wege zu sein. Hg.

Gelebte Kultur konnten die Gäste im Anschluß an die Fakultätseröffnung in Form eines Kalten Buffets genießen, das von den Mitarbeitern der Institute nach jeweiliger Landessitte zubereitet worden war. Den Durst wiederum stillte dieKindl-Brauerei als Sponsor der Feier. Foto: Rüffert

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PUZ 16/94

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