Heft 
(1.1.2019) 16
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EIN MATHEMATIKFREIES LEBEN IST MÖGLICH, ABER...

Professor Dr. Thomas Jahnke hielt seine Antrittsvorlesung

Nicht wenige Menschen denken noch im fortgeschrittenen Alter mit Unbehagen an ihren Mathematikunterricht in der Schule zurück. Warum? Liegt das am Fach, an den Unterrichtsmethoden, an der Person des Lehrers oder der Lehrerin? Prof. Dr. Thomas Jahnke, Inhaber des Lehrstuhls Didaktik der Mathematik, ist davon über­zeugt, daßein mathematikfreies Leben natürlich möglich ist, aber einem dann etwas entgeht. In seiner kürzlich gehaltenen Antrittsvorlesung zum ThemaKon­turen eines allgemeinbildenden Mathematikunterrichts begründete er seine Auf­fassung: Mathematik könne zum kritischen Vernunftsgebrauch dienen. Ohne sie, vergleichbar mit Musikspielen oder Spracherwerb, bleibe ein nicht unwesentlicher Bereich menschlicher Kenntnis und Erkenntnis verschlossen. Mathematik sei dem­nacheine Farbe zur Weltbetrachtung.

Zum Dilemma klassischen Lehrerstudiums

Zeichnung: Peter Hatscher

Der Wissenschaftler glaubt, daß Schüler kei­ne Vorurteile gegenüber der Mathematik he­gen, sondern sie im Gegenteil für ein wich­tiges Fach halten und bereit sind, sich damit zu beschäftigen. Das setzt allerdings entspre­chende Bedingungen voraus, die die Orga­nisation des gesamten Schulbetriebs, nicht nur des Unterrichts selbst, betreffen. Inwie­fern geschieht dort etwas, was für die Schü­ler einsichtig, nachvollziehbar, interessant und spannend ist? Oder baut sich über Jah­re hinweg eine Haltung auf, die dieses Ge­biet als etwas Spitzfindiges und damit Sinn­loses erscheinen läßt?

Die Aufgabe des Lehrers muß nach Ansicht Thomas Jahnkes demzufolge darin bestehen, zuvorderst Zugänge zu mathematischem Denken zu öffnen. Wie weit dabei beim Ein­zelnen vorgedrungen werden kann, betrach­tet Prof. Jahnke als ein anderes Problem. Das sei abhängig von der Schulsituation und den Beteiligten selbst. Um also Zugänge zu die­sen Denkmöglichkeiten zu schaffen, muß Unterricht Spaß machen, abenteuerlich sein und Überraschungen bieten. Konkrete Bei­spiele für die Umsetzung dieser Ansprüche führte der Wissenschaftler in seiner Vorle­sung an. Er bezog sich u.a. auf Kriminalitäts- statistiken, Bewerbungszahlen von Frauen und Männern sowieBankgeheimnisse. Freude und Wissen vom Pädagogen auf die Schüler zu übertragen, ist demnach eine zu erlernende Kunst. Deshalb ginge es in der

Ausbildung darum,daß wir mit den Studie­renden auf einer anderen Stufe Vergleichba­res wie in der Schule vollziehen. Wir ermög­lichen wieder Zugänge auf höherer Ebene. Wie imPotsdamer Modell der Lehrerbil­dung explizit hervorgehoben, betont Prof. Jahnke die Rolle des Schülers als Subjekt und nicht als Objekt und Statist.Unterricht kann nur über Schüler laufen. Fragen und Proble­me müssen zu ihren Fragen und Problemen werden." Das mathematische Wissen des Pädagogen allein reicht dafür nicht aus. Sei­ne Vermittlung ist eine gleichrangige Aufga­benstellung. Auch vor dem Hintergrund der Schulrealität betrachtet der Wissenschaftler dies, zumindest streckenweise, als eine noch ungelöste Frage. Um auf dem Wege voran­zukommen, fordert er beispielsweise ein stär­keres Integrieren von Fach, Didaktik und Pädagogik. Es dürfe weder zu einerentfach­ten Pädagogik noch zu einementpädagogi- sierten Fach in der Ausbildung kommen.

B.E.

Ist davon überzeugt, daß ohne die Mathematik ein nicht unwesentlicher Bereich menschlicher Kenntnis und Erkenntnis verschlossen bleibt: Prof. Dr. Thomas Jahnke. Foto: Rüffert

Die Modernisierung des öffentli­chen Sektors, die Reform der Ministerialverwaltung und die politische Steuerung der Verwal­tung sind einige der Hauptar­beitsgebiete Professor Dr. habil. Werner Janns, der seit 1993 in der Wirtschafts- und Sozialwissen­schaftlichen Fakultät der Uni­versität eine Professur für Poli­tikwissenschaft, Verwaltung und Organisation inne hat und in der PUZ noch nicht vorgestellt wur­de. Jann wurde I960 in Hamburg geboren. Er legte nach einem Studium der Politikwissenschaft und Ökonomie an der FU-Berlin und der University of Edinburgh/ Schottland im Jahre 1976 an der Freien Universität Berlin sein Di­plom ab und war danach als Forschungsreferent am Institut für öffentliche Verwaltung in Speyer tätig, wo er 1982 auch promovierte. Im Zuge seiner heu­tigen Tätigkeit kann er von zahl­reichen praktischen Politik-Erfah­rungen profitieren: So war er bei­spielsweise Anfang der 80er Jah­re Fellow am Kongreß der Verei­nigten Staaten in Washington D. C. und von 1989 bis 1993 Ministe­rialrat und Leiter derDenkfabrik Schleswig-Holstein in der Staats­kanzlei Kiel. Hinter dieserDenk- fabrik verbirgt sich eine kleine Einheit von Wissenschaftlern, Be­amten und anderen Verwaltungs­mitarbeitern, die externen Sach­verstand aus den Bereichen der Wirtschaft, der Kultur und der Wissenschaft finden und für Plä­ne der Landesregierung zur län­gerfristigen Entwicklung des Landes nutzbar machen soll. Ihr letztes großes Projekt ist das der Modernisierung des öffentlichen Sektors. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der in dieserDenk­fabrik gemachten Erfahrungen fungiert Werner Jann derzeit u.a. als externer Berater und Mitglied der ProjektgruppeModernisie­rung des öffentlichen Sektors der Staatskanzlei Schleswig-Hol­steins und Mitglied der Enquete- KommissionEntbürokratisie­rung" des schleswig-holsteini­schen Landtages. Für seine 1989 in Speyer abgelegte Habilitation zur Politik- und Verwaltungs­wissenschaft erhielt er 1990 den Preis des Deutschen Bundestages für wissenschaftlichen und publi­zistischen Nachwuchs. Hg.

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PUZ 16/94