Heft 
(1.1.2019) 03
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GUTE ERFAHRUNGEN MIT POLNISCHEN KOMMILITONEN

Potsdamer Studierende der Wirtschaftswissenschaften an der Universytet Opolski

Ein Seminar zu den betriebswirtschaftli­chen Themengebieten Marketing, Orga­nisation und Personalwesen im polni­schen Opole - warum eigentlich gerade dort? Schließlich liegt Opole immerhin eine Thgesreise von Potsdam, entfernt und auch in Reiseführern wird der Klein­stadt an der Oder zwischen Katowice (Kattowitz) und Wroclaw (Breslau) nur geringe Aufmerksamkeit zuteil. Das Wis­sen um eine schon vor der Wendezeit zwischen den damaligen Pädagogischen Hochschulen Opole und Potsdam beste­hende Hochschulpartnerschaft legt hier sicherlich die richtige Spur.

Mit der Neugründung der Universität Pots­dam einschließlich einer Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät im Jahr 1991 sowie der nun gleichfalls erfolgten Umgründung der Pädagogischen Hoch­schule in Opole in eine eigenständige Uni­versität hat die Hochschulpartnerschaft zu­mindest für den Bereich Wirtschaftswissen­schaft neue Impulse gewonnen. Der von polnischer und deutscher Seite gleicher­maßen befürworteten Idee, in den künftigen Kooperationsaktivitäten verstärkt auch Stu­denten einzubeziehen, folgte Anfang dieses Jahres nun die praktische Umsetzung, wur­de doch erstmals ein Austauschseminar mit qualifizierten Studenten im Hauptstudium der Wirtschaftswissenschaften beider Uni­versitäten erfolgreich durchgeführt,

Unter der Leitung von Herrn Prof. Dr. Ingo Balderjahn, Inhaber des Lehrstuhls für Be­triebswirtschaftslehre mit dem Schwer­punkt Marketing, machte sich die kleine Delegation von insgesamt sieben Potsda­mer Studenten sowie zwei wissenschaftli­chen Mitarbeiterinnen auf den Weg nach Opole. Im Mittelpunkt des insgesamt drei­tägigen Seminarprogramms standen dabei ausgewählte Fragen aus den Fachgebieten Marketing, Organisation und Personalwe­sen. Neben den Potsdamer Studenten nah­men auf polnischer Seite etwa zwanzig Stu­dierende an dem Seminar teil. Über die klassische Lehrform der Vorlesung hinaus hatten die Studenten während der drei läge vor allem die Gelegenheit, ihr theoretisches Wissen auf konkrete Problemstellungen der Unternehmenspraxis anzuwenden. In zwei Fallstudien wurden marketingrelevante Pro­blemstellungen vertieft. In gemischten Kleingruppen in deutsch-polnischer Zu­sammensetzung konnten Lösungsskizzen erarbeitet und anschließend im Plenum präsentiert und diskutiert werden. In einer kreativen hirmbau-Übung wurden Tfeam- und Kommunikationsfähigkeit, zwei für den Managementnachwuchs zentrale Schlüs­selqualifikationen, auf spielerische Weise trainiert. Abgesehen von der Vermittlung konkreter Lehrinhalte gelang es, durch die Anwendung moderner Lehrtechniken, wie z.B. der Fallstudienarbeit, den polnischen Studenten, aber auch Lehrkräften interes­

sante Anregungen zu geben. Die Potsda­mer wurden indes sehr herzlich von den polnischen Gastgebern aufgenommen. Sprachbarrieren waren dank der guten Deutschkenntnisse der polnischen Studen­ten fast nicht zu überwinden. Im offiziellen Tteil des Programms räumten Simultanüber­setzungen die letzten Hürden bei der Ver­ständigung aus dem Weg. Der dreitägige Besuch in Opole bot nicht zuletzt auch be­dingt dadurch, daß die Potsdamer Studen­ten bei den Oppelner Studenten unterge­bracht waren, ausgiebige Gelegenheit, das polnische Studenten- und Universitätsleben kennenzulernen. Dies war für die Mehrheit der Potsdamer Studenten sehr bereichernd, da die meisten bis dahin kaum persönliche Kontakte nach Polen gehabt hatten. In Ge­sprächen mit den polnischen Studenten wurde sehr deutlich, daß diese ihre späte­ren Berufs- und Aufstiegschancen sehr kri­tisch einschätzten. Aufgrund des im inter­nationalen Vergleich niedrigen Wertes ihres Hochschulabschlusses hegten viele den Wunsch, ihr Studium im Ausland fortzuset­zen oder zumindest zu ergänzen.

Das Arbeitsprogramm ließ den Seminar­teilnehmern dennoch ausreichend Zeit, das Stadtleben kennenzulernen. Der Besuch der Oper in Breslau war sicherlich der Hö­hepunkt des kulturellen Rahmenpro­gramms. Ein Stadtrundgang mit der Be­sichtigung der wichtigsten Sehenswürdig­keiten in Opole rundete den Eindruck ab. Den offiziellen Abschluß des Seminars stell­te ein gemeinsames Abendessen dar, an dem auch der Dekan sowie andere offiziel­le Vertreter der polnischen ökonomischen Fakultät anwesend waren.

Aufgrund der positiven Erfahrungen mit diesem Seminar ist bereits für den Herbst 1995 ein Gegenbesuch der polnischen Stu­denten an der Universität Potsdam geplant. Es wird nicht leicht sein, der sehr herzli­chen und großzügigen Gastfreundschaft der polnischen Studenten bei diesem Ge­genbesuch zu entsprechen. Abschließend sei noch der Universität Potsdam gedankt, die die Durchführung des Austausch­seminars überhaupt erst ermöglicht hat. Schließlich wäre das Seminar ohne die sehr kurzfristige und unkomplizierte Finanzie­rung der Universität beinahe gescheitert, da sich die zuständigen Stellen im Ministe­rium für Wissenschaft, Forschung und Kul­tur nicht in der Lage sahen, ein Austausch­seminar dieser Art zu unterstützen. Die Sonntagsredner lassen grüßen.

Alexander Bleschke, Ralf Wiegert, Ronny Gotthardt, Simone Will

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Während des vergangenen Wintersemesters fand im polnischen Opole ein erstes Austauschseminar zwischen der Universität Opole und der Universität Potsdam statt. Unser Foto zeigt die Teilneh­merinnen vor dem Eingangsportal der frisch gegründeten Universytet Opolski.

Foto: unbekannter polnischer Student

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PUTZ 3/95