GUTE ERFAHRUNGEN MIT POLNISCHEN KOMMILITONEN
Potsdamer Studierende der Wirtschaftswissenschaften an der Universytet Opolski
Ein Seminar zu den betriebswirtschaftlichen Themengebieten Marketing, Organisation und Personalwesen im polnischen Opole - warum eigentlich gerade dort? Schließlich liegt Opole immerhin eine Thgesreise von Potsdam, entfernt und auch in Reiseführern wird der Kleinstadt an der Oder zwischen Katowice (Kattowitz) und Wroclaw (Breslau) nur geringe Aufmerksamkeit zuteil. Das Wissen um eine schon vor der Wendezeit zwischen den damaligen Pädagogischen Hochschulen Opole und Potsdam bestehende Hochschulpartnerschaft legt hier sicherlich die richtige Spur.
Mit der Neugründung der Universität Potsdam einschließlich einer Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät im Jahr 1991 sowie der nun gleichfalls erfolgten Umgründung der Pädagogischen Hochschule in Opole in eine eigenständige Universität hat die Hochschulpartnerschaft zumindest für den Bereich Wirtschaftswissenschaft neue Impulse gewonnen. Der von polnischer und deutscher Seite gleichermaßen befürworteten Idee, in den künftigen Kooperationsaktivitäten verstärkt auch Studenten einzubeziehen, folgte Anfang dieses Jahres nun die praktische Umsetzung, wurde doch erstmals ein Austauschseminar mit qualifizierten Studenten im Hauptstudium der Wirtschaftswissenschaften beider Universitäten erfolgreich durchgeführt,
Unter der Leitung von Herrn Prof. Dr. Ingo Balderjahn, Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Marketing, machte sich die kleine Delegation von insgesamt sieben Potsdamer Studenten sowie zwei wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen auf den Weg nach Opole. Im Mittelpunkt des insgesamt dreitägigen Seminarprogramms standen dabei ausgewählte Fragen aus den Fachgebieten Marketing, Organisation und Personalwesen. Neben den Potsdamer Studenten nahmen auf polnischer Seite etwa zwanzig Studierende an dem Seminar teil. Über die klassische Lehrform der Vorlesung hinaus hatten die Studenten während der drei läge vor allem die Gelegenheit, ihr theoretisches Wissen auf konkrete Problemstellungen der Unternehmenspraxis anzuwenden. In zwei Fallstudien wurden marketingrelevante Problemstellungen vertieft. In gemischten Kleingruppen in deutsch-polnischer Zusammensetzung konnten Lösungsskizzen erarbeitet und anschließend im Plenum präsentiert und diskutiert werden. In einer kreativen hirmbau-Übung wurden Tfeam- und Kommunikationsfähigkeit, zwei für den Managementnachwuchs zentrale Schlüsselqualifikationen, auf spielerische Weise trainiert. Abgesehen von der Vermittlung konkreter Lehrinhalte gelang es, durch die Anwendung moderner Lehrtechniken, wie z.B. der Fallstudienarbeit, den polnischen Studenten, aber auch Lehrkräften interes
sante Anregungen zu geben. Die Potsdamer wurden indes sehr herzlich von den polnischen Gastgebern aufgenommen. Sprachbarrieren waren dank der guten Deutschkenntnisse der polnischen Studenten fast nicht zu überwinden. Im offiziellen Tteil des Programms räumten Simultanübersetzungen die letzten Hürden bei der Verständigung aus dem Weg. Der dreitägige Besuch in Opole bot nicht zuletzt auch bedingt dadurch, daß die Potsdamer Studenten bei den Oppelner Studenten untergebracht waren, ausgiebige Gelegenheit, das polnische Studenten- und Universitätsleben kennenzulernen. Dies war für die Mehrheit der Potsdamer Studenten sehr bereichernd, da die meisten bis dahin kaum persönliche Kontakte nach Polen gehabt hatten. In Gesprächen mit den polnischen Studenten wurde sehr deutlich, daß diese ihre späteren Berufs- und Aufstiegschancen sehr kritisch einschätzten. Aufgrund des im internationalen Vergleich niedrigen Wertes ihres Hochschulabschlusses hegten viele den Wunsch, ihr Studium im Ausland fortzusetzen oder zumindest zu ergänzen.
Das Arbeitsprogramm ließ den Seminarteilnehmern dennoch ausreichend Zeit, das Stadtleben kennenzulernen. Der Besuch der Oper in Breslau war sicherlich der Höhepunkt des kulturellen Rahmenprogramms. Ein Stadtrundgang mit der Besichtigung der wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Opole rundete den Eindruck ab. Den offiziellen Abschluß des Seminars stellte ein gemeinsames Abendessen dar, an dem auch der Dekan sowie andere offizielle Vertreter der polnischen ökonomischen Fakultät anwesend waren.
Aufgrund der positiven Erfahrungen mit diesem Seminar ist bereits für den Herbst 1995 ein Gegenbesuch der polnischen Studenten an der Universität Potsdam geplant. Es wird nicht leicht sein, der sehr herzlichen und großzügigen Gastfreundschaft der polnischen Studenten bei diesem Gegenbesuch zu entsprechen. Abschließend sei noch der Universität Potsdam gedankt, die die Durchführung des Austauschseminars überhaupt erst ermöglicht hat. Schließlich wäre das Seminar ohne die sehr kurzfristige und unkomplizierte Finanzierung der Universität beinahe gescheitert, da sich die zuständigen Stellen im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur nicht in der Lage sahen, ein Austauschseminar dieser Art zu unterstützen. Die Sonntagsredner lassen grüßen.
Alexander Bleschke, Ralf Wiegert, Ronny Gotthardt, Simone Will
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Während des vergangenen Wintersemesters fand im polnischen Opole ein erstes Austauschseminar zwischen der Universität Opole und der Universität Potsdam statt. Unser Foto zeigt die Teilnehmerinnen vor dem Eingangsportal der frisch gegründeten Universytet Opolski.
Foto: unbekannter polnischer Student
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PUTZ 3/95