Heft 
(1.1.2019) 03
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STUDIOSI

QUER DURCH DEN SINAI

Eine Studentenexkursion in das Land der Pharaonen

Ägypten - Land aller Träume, Land der Pharaonen. Eine Exkursion der Universität Potsdam während des vergangenen Wintersemesters ermöglichte 20 Studenten die Sicht auf dieses Land. Aber würden wir dieses Ägypten finden? Bekämen wir eine Chance, hinter die Fassaden blicken zu dürfen? Was würde uns erwarten? Das Reise­ziel wohlbemerkt war nicht Ägypten, sondern der Sinai - ein Trenngebiet inmitten der Kontinente Asien und Afrika, eingeschlossen vom Mittelmeer und dem Roten Meer.

Der Transport mit dem Kamel ist typisch für den Sinai und faszinierte die studentischen Exkursionsteilnehmer aus dem brandenburgischen Potsdam. Foto: Weiland

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Daß diese Reise sehr fruchtbare Ergebnis­se hervorrufen mußte, war aus einem Grund bereits vorher zu erwarten. Dr. Chri­stian Tietze aus dem Historischen Institut organisierte die Exkursion interdisziplinär. Sein Ziel war es, den Geschichtsbereich mit anderen Bereichen zu verknüpfen. Nicht nur Geschichtsstudenten sollten privilegiert sein, an einer Exkursion diesen Ranges teil­zunehmen. Um den wissenschaftlichen Überblick zu erweitern, koppelte Dr. Tietze bereits im Vorfeld die Bereiche Politik, Geo­graphie und Sozialwissenschaften mit dem Geschichtsbereich. Der Exkursion, die hauptsächlich vom DAAD, dem Deutschen Akademischen Austauschdienst, finanziert wurde, kamen somit weitere Mittel aus den Universitätsbereichen zugute.

Der Sinai - verschiedenartig in seiner Land­schaft, seinen Menschen, dem Lebens­rhythmus. Mit europäischen Maßen kann man hier nicht messen. Erst muß man die Denkweise der Ägypter verstehen und ak­zeptieren, doch auch dann ist es noch nicht einfach, die Probleme zu begreifen, die die­ses Land prägen. Vorausschauend wurden von Dr. Tietze Vorträge organisiert, die uns diesen wichtigen Einstieg vereinfachten. Probleme wurden hierbei offengelegt, die uns ein weites Spektrum ägyptischen Den­kens offenbarten. Hierbei wurde kein The­ma ausgespart. Dr. Nastansky, der Leiter des DAAD Kairo, sprach über das Bildungs­system in Ägypten, Dr. Claus von der Ge­sellschaft für "technische Zusammenarbeit

äußerte sich zu Fragen der Entwicklungs­hilfe, Dr. Pflugrad-Abdel Aziz über deutsche Architekten in Ägypten und Herr Wenzel von der deutschen Botschaft zu Fragen der Innen- und Außenpolitik Ägyptens.

Auf unserer Reise gen Osten konnten wir direkt vor Ort Probleme erfahren. So wurde beispielsweise eine Stadt nahe Kairo im sozialistischen Baustil mitten in die Wüste gesetzt. Sie ist nicht bezogen, weil die Gel­der für eine Wasserleitung nicht ausreich­ten. Das war Anlaß, über Infrastruktur, Pla­nungsansätze und Zielvorstellungen zu dis­kutieren.

Zwei läge lang hielten wir uns in Zagazig, einer Großstadt im Ostdelta, auf, wo Dr. Tietze die Ausgrabung einer antiken Tfempelanlage der Katzengöttin Bastet leitet. In der landwirtschaftlichen Fakultät der Universität Zagazig diskutierten wir mit Stu­denten über ihr Leben und ihre Hoffnungen. Hier kamen wir erstmals in direkte Berüh­rung mit den Einwohnern des Landes. Ge­rade weil der Altersunterschied nicht be­merkbar war, kam es zu lebhaften Diskus­sionen und Gesprächen.

Weil der Sinai ein Gebiet ist, daß vielfältiger nicht sein könnte, teilten wir uns in drei Ar­beitsgruppen. Eine Gruppe fuhr in den kar­gen Norden, der von Tourismusführern noch völlig ausgespart geblieben ist. Die zweite Gruppe beschäftigte sich mit der Oase Faran. Hier stand in antiker Zeit ein Bischofssitz, der in den Grundbausteinen noch sichtbar ist. Am Katharinenkloster

schließlich hielt sich unsere dritte Gruppe auf, um hier das Leben der Mönche zu be­obachten und die Bibliothek in Augen­schein zu nehmen, die den zweitumfang­reichsten Bücherschatz nach dem Vatikan besitzt.

Jeder Student hatte eine spezielle Aufgabe, die es zu bearbeiten galt. Aus diesem Grund hatten wir uns geteilt. Jeder sollte in Ruhe seiner Aufgabe nachgehen können. Die Nordgruppe fuhr beispielsweise in ein Beduinenmuseum, um sich dort nähere In­formationen über das Leben der ehemali­gen Nomaden einzuholen. Auch gelang es ihnen, Gespräche mitechten" Beduinen zu führen, die sehr aufschlußreich waren. Die Gruppe, die sich der Besichtigung der Oase Faran verschrieben hatte, beschäftig­te sich hauptsächlich mit der genauen Be­sichtigung des Bischofssitzes und der öko­logischen Probleme vor Ort. Auch hier wur­den intensive Gespräche geführt, die in ei­ner Sammlung der Arbeiten nachzulesen sein werden. Im Katharinenkloster beschäf­tigte man sich mit der Musik. Einige Stu­denten hörten die Choräle der Mönche. Das heißt, daß sie tatsächlich an einem Gottesdienst teilnehmen durften. Auch die Bibliothek durfte besucht werden, die nor­malen Klosterbesuchern verwehrt bleibt. Daß dies möglich wurde, verdanken wir dem Sprachumfang unserer Arabistin Dr. Renate Schmidt, die uns bei vielen Über­setzungsproblemen zur Seite stand. Letztlich jene Studenten, die den Süden bereisten, hatten Arbeit und Freizeit eng miteinander gekoppelt. Sie räumten Strän­de von Plastikflaschen leer, besichtigten Müllverbrennungsanlagen und schnorchel­ten im Roten Meer, einem an Korallen und verschiedenen Fischarten reichen Gewäs­ser. Sie nahmen Wasserproben und werte­ten sie aus. Außerdem machten sie sich mit dem sogenannten Storchenprojekt vertraut. Über ihre Arbeit ist ein kurzer Film gedreht worden, der bei den Teilnehmern der Ex­kursion einzusehen ist.

Nach einer Woche trafen wir uns alle am Katharinenkloster wieder und beendeten die Route durch den Sinai gemeinsam. Wichtig für uns alle war gewesen, daß wir die Bevölkerung beobachten konnten, Ge­spräche vor Ort führten und dadurch unse­rer konkreten Aufgabenstellung wesentlich näher kamen.

Bereits im Januar diesen Jahres fanden wir uns erneut zusammen, um unsere Arbeiten vorzustellen, die ein rundes Bild vom Sinai gezeichnet haben. Wir danken Dr. Renate Schmidt, Dr. Bernd Tbchochner und nicht zuletzt Dr. Christian Tietze für die fachkun­dige Begleitung.

Über die Reise wird es eine Ausstellung in den Räumen der Universität geben, die vor­aussichtlich Ende Apnl zu sehen sein wird.

Anett Weiland

PUTZ 3/95

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