STUDIOSI
ELSA VOR GERICHT
Potsdamer Studierende beteiligen sich an Moot Courts
Immer häufiger stehen Gerichtsverhandlungen im Licht der Öffentlichkeit. Man denke dabei nur an die Prozesse um den Kaufhauserpresser Arno Rinke alias „Dagobert“ oder den amerikanischen Sportler O.J. Simpson. Zunehmend stärker artikulieren Verfechter von Live-Übertra- gungen aus den Gerichtssälen auch in Deutschland ihren Ruf danach. In den USA ist dies bereits an der Tagesordnung. Nicht nur Täter und Opfer, sondern auch Anwälte sind oftmals Personen allgemeinen Interesses. Um auf die damit im Zusammenhang stehenden Anforderungen vorbereitet zu sein, muß dieser Aspekt während des Studiums nach der Meinung von Fachleuten eine stärkere Rolle spielen.
Deshalb sind in der englischen und amerikanischen Juristenausbildung Moot Courts, also simulierte Gerichtsverhandlungen, fester Bestandteil des Studienprogramms. Zwei Anwaltsteäms von je zwei Studierenden stehen sich bei der Verhandlung eines fiktiven Falls gegenüber, wobei sich das Gericht aus Professoren, Anwälten oder/und Richtern zusammensetzt. ELSA- Deutschland nimmt sich diese Moot Courts zum Vorbild für solche im bundesweiten Wettbewerb organisierten „Gerichtsverhandlungen“ . ELSA steht für „The European Law Students’ Association" und ist eine unabhängige, politisch neutrale, als gemeinnützig anerkannte Organisation von Jurastudenten, Referendaren und jungen Juristen in ganz Europa. 1981 in Wien gegründet, ist sie in über 35 europäischen Ländern mit 18 500 Mitgliedern an mehr als 150 Universitäten präsent. Seit dem Jahre 1989 existiert nun auch ELSA-Bundesrepublik Deutschland e.V als Dachverband der inzwischen 39 deutschen Fakultätsgruppen mit fast 3000 Mitgliedern.
Im Januar 1994 schließlich gründete sich eine Gruppe ELSA-Potsdam. Sie besteht aus derzeit 21 vorwiegend im sechsten Semester an der Universität Potsdam Studierenden. ELSA hat sich bewußt für ein föderales System entschieden, das den Fakultätsgruppen viele Freiheiten läßt, um die lokalen Besonderheiten berücksichtigen zu können. Unter dem Motto „Juristen in Europa - gemeinsam für Europa" wollen die jungen Leute durch Dialog einen Beitrag zur europäischen Integration leisten. Diesem Ziel näher kommend, organisieren
sie Seminare und Konferenzen mit juristischen Themen zum Kennenlernen fremder Rechtssysteme. Interessierte erhalten vielfältige Auskünfte über Studien- und Ausbildungsmöglichkeiten im Ausland sowie die Vermittlung von Praktikumsplätzen. Mit diesen Programmen ergänzt ELSA einerseits die juristische Ausbildung durch wissenschaftliche und praxisbezogene Projekte, und andererseits trägt der Austausch dazu bei, andere Kulturen und Rechtssysteme zur Erweiterung des eigenen Horizonts kennenzulernen.
„Geburtshelferin“ der ELSA-Potsdam war Katrin Rothe. Sie erzählt, daß inzwischen das ELSA-Potsdam-Gerüst steht, nun allerdings konkrete Formen annehmen muß. Auf ein gemeinsames Moot Court mit Studierenden aus Frankfurt/Oder und drei Praktikantinnen aus Schweden und Norwegen blickt man bereits zurück. Als Service für die Neuen an der Potsdamer Alma mater bietet die ELSA-Mannschaft Einführungsveranstaltungen zum Studium in Form einer dreiteiligen Seminarreihe an. Claudia Krause hofft zukünftig auf noch regeres Interesse an ELSA in Potsdam und somit auf Mitgliederzuwachs, denn die Studienzeit der Potsdamer „Gründer“ neigt sich langsam dem Ende entgegen.
Am 30. und 31. Mai 1995 nun startet im Unikomplex Babelsberg, Hörsaal 1 im Babelsberger Park, ein Moot Court, gemeinsam vorbereitet und durchgeführt mit den ELSA-Gruppen der Europa-Universität Viadrina Rankfurt/Oder und der Humboldt- Universität zu Berlin. Die insgesamt sechs Tfeams bestehen jeweils aus zwei,Verteidigern" oder „Staatsanwälten“, In den drei Gerichtsverhandlungen befassen sie sich mit Streitfällen aus dem Strafrecht. Beurteilt wird nicht in erster Linie die juristische Seite des Falles, sondern stärker Rhetorik, allgemeines Auftreten, Täktik und Argumentationskünste. Kriterien für die Bewertung sind beispielsweise auch die Fähigkeit zur freien Rede, der Blickkontakt mit dem Richter und der Gegenpartei, der Enthusiasmus, das Geschick im Verhör der Zeugen sowie die Verwertung der Zeugenaussagen. Neben diesen Tfeams erwarten die Initiatoren weitere Gäste aus Bonn, Greifswald, Berlin und Frankfurt/Oder. Natürlich sind auch alle Potsdamer gern gesehene Prozeßbeobachter, B.E.
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Sommer-Sprachkurse im Ausland 1995
Russisch, Rumänisch oder Niederländisch lernen - oder aber eine der anderen europäischen Sprachen? Vielsprachigkeit ist in der Europäischen Union und bei offenen Grenzen in Europa allemal ein Vorteil. Und wer Englisch und Französisch kann, sollte es mal mit einer anderen Sprache versuchen - Hochschulen in ganz Europa bieten im Sommer Sprachkurse an. Kultur, Geschichte und Landeskunde gehören dabei meist zu den Kursinhalten.
Wenn die Studierenden im Sommer in die Semesterferien gehen, öffnen sich die Türen vieler europäischer Hochschulen für ausländische Gäste, die für einige Wochen ihre Sprachkenntnisse pflegen und erweitern oder eine Sprache neu erlernen möchten, Wie in jedem Jahr gibt der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) auch 1995 wieder aktualisierte Broschüren heraus, mit denen die deutschen Hochschulangehörigen auf das vielfältige Angebot an Sommersprachkursen an Hochschulen im europäischen Ausland hingewiesen werden.
Die drei Hefte enthalten insgesamt über 220 Angebote an Hochschulorten in fast allen europäischen Ländern. Jeweils eine Broschüre informiert über Englisch-Kurse in Großbritannien und Irland sowie Franzö- sisch-Kurse in Rankreich, Belgien und der Schweiz. Eine dritte Broschüre enthält Kursangebote in den Landessprachen anderer europäischer Staaten, sei es beispielsweise Dänisch in Helsingor, Slowakisch in Bratislava, Ukrainisch in Donezk, Italienisch in Perugia, Portugiesisch in Coimbra oder Türkisch in Istanbul. In allen Heften sind Kursinhalte und Tfermine, Tfeilnahmevoraus- setzungen und Gebühren sowie Kosten für Unterkunft und Verpflegung ebenso angegeben wie die Anschriften der Veranstalter zur weiteren Information und Anmeldung. Zusätzliche Auskunft geben nur die Kursveranstalter.
Zu erhalten sind die Broschüren bei allen Akademischen Auslandsämtern der deutschen Hochschulen. mt.
030/6946070
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PUTZ 3/95